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Editorial

Published/Copyright: February 24, 2026

„70 ist das neue 60“ – wer kennt diese Schlagzeilen nicht, die darauf verweisen, dass heutige Ältere kognitiv, motorisch, funktional und psychologisch jünger sind als ihre Gleichaltrigen vor Jahrzehnten, verbunden mit einem verbesserten Wohlbefinden und der farbenfrohen Präsenz der sogenannten Silverager in der Öffentlichkeit. Gleichwohl: In keiner Lebensphase ist die Gesellschaft so heterogen wie im Alter.

Meist definitorisch beginnend mit dem Renteneintrittsalter von etwa 65 Jahren, umfasst diese Lebensphase über zwei Jahrzehnte. Der aktuelle Altersbericht (2025) analysiert die Vielfalt und Potenziale, aber auch die Ungleichheit von Teilhabechancen im Alter. Er differenziert damit die aktuelle Debatte über eine alternde Gesellschaft, die geprägt ist von dem (seit Jahrzehnten bekannten) Renteneintritt der Boomergeneration, Altersarmut und Pflegebedarf. Mit dem vorliegenden Themenheft beleuchten wir verschiedene Aspekte des Alters und des Alterns. Unser Ziel ist es, zu einer sachlichen Auseinandersetzung beizutragen.

Anhand zentraler Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys zeigen wir Veränderungen in den letzten Jahrzehnten auf und betrachten subjektive Alternsprozesse. Altern bezeichnet den (lebenslangen) Prozess, der in seinen Facetten biologisches, psychisches und soziales Altern unterschiedlich voranschreiten kann. Eine nicht zu unterschätzende Wirkmacht auf das eigene Altern sowie den Umgang mit älteren Menschen haben individuelle und gesellschaftliche Alternsbilder, deren Änderung seit gut 15 Jahren in Deutschland angemahnt wird.

Alter und Gesundheit scheinen untrennbar miteinander verbunden zu sein und sind zugleich eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Die Lebenserwartung ist in den letzten Jahrzehnten zumindest für die derzeit älteren Menschen weltweit gestiegen. Zugleich haben Forschungsergebnisse zur Plastizität, insbesondere des Gehirns und der Muskulatur, unsere Sichtweise auf Gesundheit im Alter, das altersassoziierte Syndrom des Frailty und die Potenziale der Prävention bis ins hohe Alter in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Langzeitstudien lassen auf mehr Prävention hoffen. Bezüglich der Verhinderung von Entzündungsprozessen und der Verzögerung der Immunalterung kommen dabei der Ernährung und Bewegung eine wichtige Rolle zu. Bezüglich Demenz konnte gezeigt werden, dass Isolation und Einsamkeit Risikofaktoren sind, und umgekehrt soziale Beziehungen und aktive Teilhabe an der Gesellschaft nachweislich das Risiko an Demenz zu erkranken, verringern. Der Frage, ob wir tatsächlich von einer Kompression der Morbidität auf wenige Jahre vor dem Tod sprechen können, wie Fries es in seinem vielversprechenden Konzept in den 1980er Jahren postuliert hat, gehen wir in einem Beitrag für Deutschland nach.

Zeichnet sich das jüngere Alter häufig noch durch ein soziales Engagement aus, wird besonders der Übergang in die Hochaltrigkeit als kritisch angesehen, die mit Vorstellungen von Abhängigkeit und Nutzlosigkeit verbunden werden. Verstärkt wird dieses durch das besonders im Pflege- und Versorgungsalltag ungelöste Dilemma zwischen dem Recht auf Autonomie (Freiheit) und Sicherheit.

Konstatiert wird ein Mangel an Modellen und Angeboten für ein gutes Leben im (höheren) Alter. Ob die Ansätze auf kommunaler Ebene z.B. für gesundheitsförderliche Wohnquartiere und gegen (nicht generell im Alter erhöhten) sozialen Isolation diesem adäquat begegnen können, bleibt abzuwarten. Noch wenig erforscht ist die Berücksichtigung der Bedürfnisse älterer Menschen sowie ihrer Resilienz bei den zunehmend in die öffentliche Aufmerksamkeit rückenden Maßnahmen zum Katastrophenschutz.

Der Erhalt der kognitiven, physischen und sozialen Gesundheit erfordert kontinuierliche Bemühungen und Aufmerksamkeit. Wer sich frühzeitig mit dem Thema „Gesundheit im Alter“ auseinandersetzt, hat mehr Chancen, den Veränderungen und Herausforderungen des eigenen Alterns positiv zu begegnen, dieses zu gestalten und eine gute Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten. Im Zuge des demografischen Wandels geht es dabei auch um die Frage, wie wir eine sozial gerechte Gesellschaft gestalten, adäquate Unterstützungsmöglichkeiten anbieten und Lebensräume schaffen, die für alle Generationen einladend sind und ihnen gerecht wird.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern eine spannende Lektüre.

Die Redaktion

Online erschienen: 2026-02-24
Erschienen im Druck: 2026-02-24

©2026 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 25.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/pubhef-2025-0135/html
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