Marianne Mathys, Architekturstiftungen und Ehrenstatuen. Untersuchungen zur visuellen Repräsentation der Oberschicht im späthellenistischen und kaiserzeitlichen Pergamon, Darmstadt (Philipp von Zabern) 2014 (Pergamenische Forschungen 16) XLVI, 192 S., 23 Abb., 24 Taf., ISBN 978-3-8053-4802-7 (geb.) 89,90 €
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Mathys Marianne Architekturstiftungen und Ehrenstatuen. Untersuchungen zur visuellen Repräsentation der Oberschicht im späthellenistischen und kaiserzeitlichen Pergamon Philipp von Zabern Darmstadt (Pergamenische Forschungen 16) 1 192 2014 23 Abb., 24 Taf. 978-3-8053-4802-7 (geb.) 89,90 €
Welche Informationen lassen sich aus dem erhaltenen Bestand von Statuenbasen und Architekturstiftungen für die Gesellschaft des späthellenistischen und kaiserzeitlichen Pergamon ableiten? Dieser Frage geht Marianne M(athys) in ihrer im Jahr 2010 eingereichten Freiburger Dissertation nach, die überarbeitet nun als Band 16 der renommierten Reihe „Pergamenische Forschungen“ vorliegt. Das Werk überwindet die Fächergrenzen interdisziplinär, indem archäologische und epigraphische Beobachtungen mit historischen Fragestellungen gekonnt verbunden werden. Im Fokus stehen die Repräsentationsformen der pergamenischen Oberschicht in der großen Zeitspanne von 133 v. Chr. bis in das 3. Jh. n. Chr. Um die Differenz der bürgerlichen Stiftungen und Ehrungen gegenüber der diesbezüglichen Praxis vor 133 v. Chr. (testamentarische Übereignung des pergamenischen Reiches durch Attalos III. an Rom) prägnant herauszustellen, bietet M. aber auch immer wieder Einblicke in die Situation zur attalidischen Königszeit.
Dezidiert konzentriert sich M. auf zwei Formen der Repräsentation, die im öffentlichen Raum angesiedelt waren und zudem einer Legitimation durch die Gremien der städtischen Gemeinschaft unterlagen (weshalb bürgerliche Repräsentationsspielarten im stets schwierig abzugrenzenden ‚privaten Raum‘ wie Gräber, Wohnhausarchitektur etc. in der Arbeit vollständig ausgeklammert werden – auch Grenzbereiche etwa in Form öffentlichen Münzsponsorings werden nicht behandelt): Architekturstiftungen und Ehrenstatuen. Die einen setzen aktive Spender voraus, die anderen dagegen (mehr oder weniger) passive Empfänger.
Hauptfragestellungen sind, wie die Monumente den öffentlichen Raum gestalteten, wie sich die Aufstellungskontexte und die Denkmalformen innerhalb des Zeitraums von ca. 350 Jahren veränderten und welche soziokulturell-historischen und auch ästhetischen Rahmungen jenseits dieser Materialebene nachzuweisen sind. M. setzt die Prämissen, dass „Architekturstiftungen […] als Ausdruck des Strebens städtischer Eliten nach der Manifestation von sozialem Ansehen in ihrer visuell wahrnehmbaren Ausdrucksweise verstanden werden“ (4) müssen und „dass die offizielle Ehrung mit einer Statue im Bereich des öffentlichen Raums als die höchste Auszeichnung galt, da sie wegen ihrer permanenten Sichtbarkeit und der Dauerhaftigkeit des Materials jene kommemorative Eigenschaft aufwies, die Ansehen konservierte und deren Rezeption durch die Gesellschaft garantiert wurde“ (5). Pergamon ist aufgrund der recht guten Befundlage ein lohnendes Forschungsbeispiel, allerdings ist das Gemeinwesen als ehemalige Herrscherresidenz gleichzeitig ein Sonderfall und so nicht unmittelbar mit ‚gewöhnlichen‘ Städten zu vergleichen.
Das „Abkürzungsverzeichnis“ ist mehr als die zurückhaltende Überschrift vermittelt: Es ist mit 33 Seiten Umfang ein (bis zum Jahr 2011 aktualisiertes) Literaturverzeichnis, in dem sämtliche verwendeten Publikationen aufgeführt sind. Für am Großthema Interessierte bietet sich hier eine wahre Fundgrube. Darauf folgen Kapitel 1–10, eine knappe türkische Zusammenfassung und schließlich Abbildungsnachweise sowie 24 Tafeln mit 72 Fotos (Vorlagen aus den Archiven des DAI und der Berliner Museen sowie neue Privataufnahmen). Die Kapitel 1–10 wirken durch die durchgehende Nummerierung als gleichberechtigte Textteile, sind es aber nicht. Vermutlich gibt es Gründe für diese ‚schlanke‘ Art der Gliederung, eine andere und für die innere Logik überzeugendere wäre aber die Separation der Kapitel zu den topographischen Aufstellungsräumen unter einer Hauptüberschrift, die dann auf einer Ebene mit der Einleitung, der Auswertung und dem Katalog stehen würde. So gäbe es nur vier Oberebenen, von denen die zweite eine Unterteilung in sieben topographische Unterkapitel besäße. Doch dies sind nur Marginalien – auch in der vorliegenden Form ist der Aufbau gut nachvollziehbar, allerdings mit einem kleinen strukturellen Makel.
In Kapitel 1. Einleitung“ (1–22) wird das Arbeitsgebiet umrissen und die methodische Vorgehensweise dargelegt, der Stellenwert euergetischer Architekturstiftungen innerhalb antiker Städte aufgezeigt und das große Forschungsfeld zu Ehrenstatuen mit seinen Facetten und Problemen (Statuentypen und Vorlagen, Zusammenspiel von Statue und Basisinschrift, Umwidmungen, Material) umrissen. Hier wird auch darauf hingewiesen, dass „durch die wenigen in-situ-Befunde in Pergamon“ (10) neue Methoden entwickelt werden mussten, um Befund-Ensembles zu rekonstruieren. Tatsächlich ist aus Pergamon keine einzige Ehrenstatue mit erhaltener Basis und Inschrift – oder umgekehrt – bekannt. Es folgen der gut informierende Abriss zur topographischen Entwicklung der Stadt über knapp sieben Seiten (lohnend auch für generell an der Geschichte Pergamons Interessierte) und eine Analyse der städtischen Oberschicht vor der Folie der gesamthistorischen Entwicklung Kleinasiens von der attalidischen Königszeit bis in das 3. Jh. n. Chr.
Alsdann führt M. die so mit dem notwendigen Vorwissen ausgerüstete Leserschaft in die einzelnen Teilbereiche der Stadt, in denen sich die Praxis von Architekturstiftungen und Aufstellungen von Ehrenstatuen nachweisen lassen. Dies ist der sieben Kapitel auf 66 Seiten umfassende ‚Arbeitsteil‘ der Publikation, in dem die Untersuchungsobjekte deskriptiv-kontextuell vorgestellt und ausgewertet werden. Das Material umfasst 161 Basen von Ehrenstatuen bzw. Ehrendekrete sowie 31 Architekturblöcke mit Stifterinschriften, zum Gutteil Architrave. Ohne hier ins Detail gehen zu wollen, wird bei der Lektüre schnell deutlich, dass die topographischen Bezirke jeweils anders mit Ehrenstatuen und Architekturstiftungen ‚bespielt‘ worden sind, andere Personengruppen geehrt wurden und z. T. auch andere Statuenformate bzw. -materialien Verwendung fanden. In jedem der aufgrund der abweichenden Befundlage unterschiedlich langen Kapitel zu „2. Die Akropolis“ (22–32), „3. Das Demeterheiligtum“ (33–37), „4. Das Heraheiligtum“ (38–43), „5. Das Gymnasion“ (44–68), „6. Die Untere Agora“ (69–71), „7. Die römische Unterstadt“ (72 f.) und „8. Das Asklepieion“ (74–88) geht M. diachron vor, wie es für eine historische Analyse zweckmäßig – und im Übrigen auch sehr ergiebig – ist. Getrennt werden innerhalb der zeitlichen Abfolge die Architekturstiftungen und die Ehrenstatuen behandelt; aber es wird auch darauf hingewiesen, wenn es ‚mediale Überlappungen‘ gibt. Die Untersuchungen bleiben nicht auf den räumlich definierten Kontext der Kapitelthemen begrenzt. Vielmehr werden über prosopographische Betrachtungen Verwandtschaftsverhältnisse beleuchtet, wenn etwa der Vater hier, die Tochter aber in einem anderen Areal eine Statue erhielt. So bildet sich mit den fortschreitenden Kapiteln eine Art Geflecht, welche Familienmitglieder der Elite wann wo wie geehrt worden sind bzw. selbst Ehrungen oder Stiftungen veranlasst haben. Dieser interdisziplinäre Ansatz geht über eine reine archäologische Analyseebene weit hinaus und erweist sich als Modell für zukünftige Arbeiten an anderen Orten. Die Kapitel sind ohne Rückgriff auf den Katalog angenehm lesbar, für Detailinformationen allerdings muss dieser zu Rate gezogen werden. Positiv ist der breit angelegte, ‚ganzheitlich‘ altertumswissenschaftliche Umgang mit dem Material, doch fällt auf, dass wohl bewusst nicht das gesamte zur Verfügung stehende klassisch-archäologische Methodenspektrum zum Einsatz kam: Für Datierungsfragen stellt M. keine eigenen Analysen etwa von Gewandfalten oder Bauornamentik an, sondern übernimmt Vorschläge der Forschung mehr oder weniger unreflektiert.
Hatten schon die topographischen Kapitel jeweils ein eigenes abschließendes Unterkapitel „Ergebnisse“, so ist das Kapitel „9. Auswertung“ (89–96) eine bewertende Ergebnisvorlage aus historischem Blickwinkel, der auch das visuelle Erscheinungsbild der Denkmäler und ihrer Kontexte berücksichtigt. Eine regelrechte Kurzzusammenfassung schließt auf eineinhalb Seiten den Fließtext ab. Durch diese Textstruktur kann die eilige Leserschaft, der ein Überblick ausreicht, sehr gezielt die Neuerkenntnisse zu einzelnen Themenkomplexen oder gleich die Hauptergebnisse ansteuern – allerdings werden manche Passagen so auch mehrfach zumindest inhaltlich wiederholt.
An dieser Stelle seien die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit kurz vorgestellt. Zunächst zur historischen Entwicklung, die in Kapitel „9.1 Auswertung der Befunde im historischen Kontext“ dargelegt wird: Während statuarische Ehrungen von Bürgern während der Königszeit bis 133 v. Chr. im Allgemeinen stark eingeschränkt waren, zeigt sich in derselben Zeit für die Priesterinnen der Athena ein anderes Bild. Deren Statuen wurden im Temenos der Stadtgöttin in unterlebensgroßem Format in Bronze aufgestellt, was sich bis zu den Mithridatischen Kriegen in den 80er Jahren des 1. Jh.s v. Chr. fortsetzte. Da die Spiele für Athena Polias nun vom Demos ausgerichtet wurden, zeigen sich zwei Tendenzen. Die attalidische Statuen-Tradition wird fortgeführt, aber das neue politische Vorzeichen der Bürgerstadt wird genauso publik gemacht. Zeitgleich wird im Demeterheiligtum in den Inschriftenformularen der Bezug zu älteren Königinnenstatuen hergestellt, die neuen Standbilder für Frauen aber von diesen räumlich separiert. Anders ist die Situation im Oberen Gymnasion. Hier tritt die städtische Elite (häufig die Gymnasiarchen) direkt in die Fußstapfen der Könige als neue Architekturstifter und somit auch Empfänger von Ehrenstatuen. Dennoch ist auch hier die räumliche Trennung von Standbildern der Könige und der neuen Bürgerstatuen, gestiftet von dem Demos und den Neoi, festzustellen. Die frühen Architekturstiftungen konzentrierten sich vor allem auf existierende Gebäude mit vorrangig städtisch-institutioneller Funktion, bei denen einzelne Teile renoviert wurden.
Nach den Mithridatischen Kriegen bis in das frühe 1. Jh. n. Chr. ist im Athenaheiligtum und auf der Altarterrasse ein Wechsel der Empfänger von Statuenehrungen auszumachen: Statt der Priesterinnen sind es seit den 70er Jahren des 1. Jh.s v. Chr. nun die neuen politischen ‚Bestimmer‘, die römischen Magistrate. Entsprechend standen auf der Oberen Agora Statuen für Caesar und Provinzstatthalter, gestiftet vom Demos für die Wiederherstellung von Gesetzen nach der für Pergamon unglücklichen Parteinahme für den Rom-Gegner. Das Gymnasion blieb dagegen mit der lokalen Elite in Form der Ehrenstatuen verbunden; es sind kaum Statuen für Magistrate überliefert. Aber auch die hier geehrte pergamenische Oberschicht erhielt vor allem wegen erfolgreicher politischer Vermittlungsarbeit gegenüber Rom ihre Auszeichnungen. In diesen stabilisierenden Jahrzehnten taten sich besonders Diodoros Pasparos und der Pergamener Mithridates hervor, die in den Inschriften enthusiastisch in eine Reihe mit mythischen und historischen Gründern gesetzt werden. Im 1. Jh. v. Chr. war der Rückbezug zur hellenistischen Vergangenheit durchgängig üblicher: Die Statue der Galaterfürstin Adobogiona wurde im Heratempel zu den Standbildern von Göttin und Herrscherpaar dazugesellt – eine Praxis, die im 2. Jh. v. Chr. noch verpönt war. Dieselbe Tendenz zeigt sich bei der Neunutzung attalidischer Architektur als Standort dreier Ehrenstatuen der Meter Basileia-Priesterin in Palastgruppe V.
Mit dem römischen Prinzipat ist ein weiterer Umbruch im pergamenischen Gymnasion festzustellen. Seit der frühen Kaiserzeit wurden vom Demos Statuen der Kaiserkultpriester (die oft gleichzeitig Gymnasiarchen waren) und auch die von lokal und überregional erfolgreichen Sportlern aufgestellt; Ehrenstatuen der Kaiserkultpriester sind zudem im Athenaheiligtum auf der Akropolis und in der römischen Unterstadt flächendeckend nachzuweisen. Statuen römischer Statthalter und von Personen aus dem Umfeld des Augustus setzten die Reihe der Magistratsehrungen im Athenaheiligtum und auf der Altarterrasse zeitgemäß fort. Den letzten großen chronologischen Abschnitt mit Architekturstiftungen und Ehrenstatuen stellen die über hundert Jahre bis in das frühe 3. Jh. n. Chr. nach einer Lücke von ca. 50–80 n. Chr. dar. Im Gymnasion kümmerte sich die pergamenische Elite in traianischer Zeit, darunter der erste Senator und die frühesten beiden Ritter aus Pergamon, um die Erneuerung der Palästrahallen; zum Dank bekamen einige der Personen Standbilder ebendort. Bedingt durch die Errichtung des Traianeums erfuhr der Burgberg eine neue Beachtung. So ist der Wiederbeginn der Aufstellung von Ehrenstatuen für Athenapriesterinnen, dieses Mal lebensgroß und in Marmor, zu erklären. Im Heiligtum der Demeter wurden im 2. Jh. n. Chr. Architekturfronten gestiftet und vorrangig weibliche Mitglieder der Oberschicht statuarisch geehrt. Den größten Bauboom aber erfuhr das Asklepiosheiligtum in der kurzen Zeitspanne von hadrianischer bis antoninischer Zeit durch eine komplette Umgestaltung, finanziert durch prominente pergamenische Bürger, die zum Teil auf höchster Reichsebene erfolgreich waren. Eine extrem heterogene Personengruppe, darunter Priester, Therapeutai, Agonotheten, aber auch Philosophen, Euergeten und römische Magistrate, erhielt vor Ort statuarische Ehrungen. Durch den dritten Neokorie-Tempel unter Caracalla und dessen Besuch höchst selbst im Asklepieion boomte die Errichtung von Ehrenstatuen im frühen 3. Jh. n. Chr. Danach hören die Stiftungen von Architekturen wie auch die Aufstellungen von Ehrenstatuen in Pergamon auf – im Unterschied zu anderen diesbezüglich aussagekräftigen Städten wie Aphrodisias und Ephesos.
Das nächste abschließende Unterkapitel „9.2 Zum Wandel der visuellen Repräsentation der Pergamener“ fasst grundsätzliche Änderungen von Formen der Statuen, Basen und der Aufstellungskontexte sowie die potentielle Abhängigkeit von Architekturstiftungen und Ehrenstatuen zusammen. Während es einen Materialwechsel von Bronze- zu Marmorstatuen bei den Priesterinnen-Standbildern im Athenaheiligtum seit traianischer Zeit gab, sind für das Gymnasion zeitdurchgängig fast ausschließlich Bronzestatuen auszumachen – ein Bild, das nur durch wenige kleinformatige Marmorstandbilder verunklärt wird. Gleiches zeigt sich im kaiserzeitlichen Asklepieion, auch wenn hier die Befundlage unsicherer ist, da die Deckplatten zusammengesetzter Basen oft fehlen. Die Entwicklung der Formen von Statuenbasen ist wie auch andernorts: Die Tendenz geht von niedrigen einfachen Basen der hellenistischen Epoche zu hohen, schlanken kaiserzeitlichen Formen. Die Aufstellungsorte von Ehrenstatuen lassen bis zur Zeitenwende den Wunsch nach guter Sichtbarkeit erahnen; im Gymnasion dient der Bereich vor Raum H mit Attalidenstatuen als Kristallisationspunkt für nachfolgende statuarische Ehrungen im 1. Jh. n. Chr.; im Asklepieion ist es im 2. Jh. n. Chr. die Nordhalle mit dem Bereich vor dem Theater, wo aufgrund des großen Publikumsverkehrs gerne aufgestellt wurde. Im Gymnasion des 2. Jh.s n. Chr. dienten die neuen Marmorhallen der Palästra als Anziehungspunkt; wohl fast vor jeder Säule stand dann eine Statue. Eigentlich zu erwartende räumliche Übereinstimmungen von Architekturstiftungen und Ehrenstatuen dieser Stifter sind gar nicht so häufig, sondern nur in vier Fällen nachzuweisen. Aber auch die gegenteilige Variante ist in Pergamon belegt: Ehrenstatuen standen ganz woanders als die gestifteten Bauwerke.
M. hat so eine erkleckliche Anzahl von überzeugenden Ergebnissen herausgearbeitet. Darüber hinaus ist es sehr erfreulich, dass sie auch bei unklaren Fällen versucht, interpretativ Tendenzen anzudeuten und auf einer Meta-Ebene zu formulieren. Dies wird stets auf eine nachvollziehbare Weise gemacht, niemandem werden Gedanken aufgezwungen. Zögerlichere Forschercharaktere wären bei der heterogenen Masse von Einzelfällen stehen geblieben, M. beherrscht aber die Kunst, Hypothesen aufzustellen, die trotz der manchmal schlechten Beweislage einen hohen Plausibilitätswert besitzen.
Im Katalog werden sämtliche Basen und Architekturteile mit Inschriften ausführlich vorgestellt, die Ordnung orientiert sich an den genannten topographischen Bereichen. Die Masse der Basen stammt aus Athenaheiligtum, Gymnasion und Asklepieion – die Denkmäler aus den anderen Arealen sind eher eine Ansammlung von Einzelfunden, auch wenn sich teils interessante Beobachtungen ergeben. Da die Unterkapitel des Kataloges topographisch geordnet und mit entsprechenden Überschriften versehen sind, ist die für jedes Monument wiederholte Angabe zum antiken Aufstellungsort redundant. Gut sind die knappen vorangestellten Verzeichnisse zu Ehrenstatuen und Architekturstiftungen, die einen schnellen Überblick über die Materialmenge ermöglichen.
Bei der Bebilderung sind 36 der 161 Basen in Foto und Oberseitenzeichnung abgebildet, bei den Architekturstiftungen 12 von 31 Bauteilen – ein System ist nicht erkennbar, welchem Objekt die Ehre wiederfuhr und welchem nicht. Teilweise ist die Aufnahme so verschattet (Taf. 21,1), dass die Inschrift nicht vollständig zu lesen ist. Auch fragt man sich, welche Spezialisten etwa die Detailaufnahme Taf. 2,2 mit einem bleivergossenen Eisendübel in Aufsicht ansprechen soll, zumal im Text (29) von seitlichen Klammern berichtet wird. Im Band sind 23 Textabbildungen verstreut untergebracht, von denen etwa die Hälfte (mit Standspuren auf Basen-Oberseiten) eigens für den Band angefertigt wurde.
Im Fließtext, bei den Abbildungsunterschriften, vor allem aber in den Fußnoten sind einige Tipp- bzw. Trennungsfehler zu finden (daneben aber auch so merkwürdige Probleme wie die im Anmerkungsapparat zweifach vorkommende Nummer 124). Meist handelt es sich um falsche Endungen oder fehlende Artikel. Gravierender ist allerdings die konsequente Verwendung der Abkürzung „Reim 1968“ im Verzeichnis und in den Fußnoten; gemeint ist jedoch „Rehm 1958“. Dies sind redaktionelle Probleme, die in den Bänden einer Traditions-Reihe eigentlich nicht vorkommen sollten.
M. hat mit dem Band eine klare und sehr ergebnisreiche Arbeit vorgelegt, die in allen Argumentationsketten, auch den bewusst hypothetischen, überzeugt. Damit existiert nun ein Werk, das die beiden Themenkomplexe der Architekturstiftungen und der Ehrenstatuen auf einer lokal-pergamenischen Ebene beleuchtet. M. hat gezeigt, wie in einer interdisziplinären und sorgfältigen Analyse tragfähige Ergebnisse gewonnen werden können. Die Methode darf getrost als Vorbild für nachfolgende Arbeiten zu anderen Städten empfohlen werden; dann vielleicht noch um einige archäologische Details wie stilistische oder motivische Beobachtungen bereichert, die – mit außerstilistischen Datierungsanhalten verbunden – unsere regional-chronologischen Modelle bestätigen oder modifizieren könnten. M. hat sich auf andere, im altertumswissenschaftlichen Diskurs sicher wesentlichere Aspekte konzentriert. Da ihr dies überaus gut gelungen ist, wird ihr niemand Vorwürfe machen. Im Gegenteil, auf ihrer Methode und den Ergebnissen aufbauend ist ein Weg beschrieben, der vielleicht auch für andere antike Städte mit reicher Überlieferung von Statuenbasen und Baustiftungen beschritten werden kann, um die Selbstrepräsentationsstrategien städtischer Gesellschaften im Wandel der Zeiten möglichst flächendeckend zu erfassen.
© 2018 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
Artikel in diesem Heft
- Titelseiten
- Zur Chronologie in den Inschriften auf dem Agora-Pfeiler von Xanthos (TL 44), den betroffenen Dynasten und ihren Münzen
- The Macedonian Expeditionary Corps in Asia Minor (336–335 BC)
- Könige, Poleis und Athleten in hellenistischer Zeit
- Prodigies in Republican Rome. The Absence of God
- Una polemica cruciale: Celso e Origene in tema di corporeità
- Literaturkritik
- Kimberly B. Stratton – Dayna S. Kalleres (Hgg.), Daughters of Hecate. Women and Magic in the Ancient World, Oxford – New York (Oxford UP) 2014, XV, 533 S., ISBN 978-0-19-534271-0 (brosch.) £ 27,99
- David Engels – Peter Van Nuffelen (Hgg.): Religion and Competition in Antiquity, Bruxelles (Éditions Latomus) 2014 (Collection Latomus 343) 307 S., ISBN 978-2-87031-290-2 (brosch.) € 51,–
- Inge Nielsen, Housing the Chosen. The Architectural Context of Mystery Groups and Religious Associations in the Ancient World, Turnhout (Brepols) 2014 (Contextualizing the Sacred 2) XVI, 322 S., 136 Abb., 62 Taf., ISBN 978-2-503-54437-3 (brosch.) € 120,–
- Burkhard Emme, Peristyl und Polis. Entwicklung und Funktionen öffentlicher griechischer Hofanlagen, Berlin – Boston (De Gruyter) 2013 (Urban Spaces 1) XVI, 487 S., 55 Abb., 99 Taf., ISBN 978-3-11-028065-4 (geb.) € 139,95
- Beat Näf, Testimonia Alt-Paphos. Darmstadt – Mainz (Philipp von Zabern) 2013 (Ausgrabungen in Alt-Paphos auf Cypern 8) XVIII, 116 S., ISBN 987-3-8053-4579-8 (geb.) € 49,–
- Julien Monerie, D’Alexandre à Zoilos. Dictionnaire prosopographique des porteurs de nom grec dans les sources cunéiformes, Stuttgart (Franz Steiner Verlag) 2014 (Oriens et Occidens 23) 225 S., 18 Abb., 1 Kte., ISBN 978-3-515-10956-7 (brosch.) € 48,–
- Verena Vogel-Ehrensperger, Die übelste aller Frauen? Klytaimestra in Texten von Homer bis Aischylos und Pindar, Basel (Schwabe Verlag) 2012 (Schweizerische Beiträge zur Altertumswissenschaft 38) XXVIII, 462 S., 10 Abb., ISBN 978-3-7965-2846-0 (geb.) € 82,–
- Nicholas L. Wright, Divine Kings and Sacred Spaces: Power und Religion in Hellenistic Syria (301–64 BC), Oxford (BAR) 2012 (BAR International Series 2450) XII, 167 S., 216 Abb., ISBN 978-1-4073-1054-1 (brosch.) £32,–
- Rolf Strootman, Courts and Elites in the Hellenistic Empires. The Near East After the Achaemenids, c. 330 to 30 BCE, Edinburgh (Edinburgh University Press) 2014 (Edinburgh Studies in Ancient Persia) XX, 318 S., 31 Abb., 1 Karte, ISBN-13 978-0-7486-9126-5 (geb.) £ 80,–
- Christophe Feyel – Laetitia Graslin-Thomé (Hgg.), Le projet politique d’Antiochos IV (Journées d’études franco-allemandes, Nancy 17–19 juin 2013), Nancy (Association pour la diffusion de la recherche sur l’Antiquité) 2014 (Études ancienne 56; Études nancéennes d’histoire grecque II) 492 S., 65 Abb., 3 Ktn., ISBN 978-2-913667-40-2 (brosch.) € 26,–
- Marianne Mathys, Architekturstiftungen und Ehrenstatuen. Untersuchungen zur visuellen Repräsentation der Oberschicht im späthellenistischen und kaiserzeitlichen Pergamon, Darmstadt (Philipp von Zabern) 2014 (Pergamenische Forschungen 16) XLVI, 192 S., 23 Abb., 24 Taf., ISBN 978-3-8053-4802-7 (geb.) 89,90 €
- Jérôme France – Jocelyne Nelis-Clément (Hgg.), La statio. Archéologie d’un lieu de pouvoir dans l’empire romain, Bordeaux (Ausonius) 2014 (Scripta Antiqua 66) 389 S., 100 Abb., 5 Ktn., ISBN 978-2-35613-112-6 (brosch.) € 25,–
- Jessica Homan Clark, Triumph in Defeat. Military Loss and the Roman Republic, Oxford – New York (Oxford University Press) 2014, XVIII, 253 S., 4 Ktn., ISBN 978-0-19-933654-8 (geb.) £ 59,–
- Sophie Madeleine, Le théâtre de Pompée à Rome. Restitution de l’architecture et des systèmes mécaniques, Caen (Presses universitaires de Caen) 2014 (Quaestiones) 354 S., 128 Abb., 1 Beilage, ISBN 978-2-84133-508-4 (brosch.) € 30,–
- Luis Ballesteros Pastor, Pompeyo Trogo, Justino y Mitrídates. Comentario al Epítome de las Historias Filípicas (37,1,6–38,8,1), Hildesheim – Zürich – New York (Georg Olms Verlag) 2013 (Spudasmata 154) XV, 368 S., ISBN 978-3-487-15070-3 (brosch.) € 58,–
- Maria Federica Petraccia, Indices e delatores nell’antica Roma. Occultiore indicio proditus; in occultas delatus insidias, Milano (LED Edizioni) 2014 (Quaderni di Erga-Logoi 3) 124 S., ISBN 978-88-7916-701-7 (brosch.) € 18,70
Artikel in diesem Heft
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- Zur Chronologie in den Inschriften auf dem Agora-Pfeiler von Xanthos (TL 44), den betroffenen Dynasten und ihren Münzen
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- Una polemica cruciale: Celso e Origene in tema di corporeità
- Literaturkritik
- Kimberly B. Stratton – Dayna S. Kalleres (Hgg.), Daughters of Hecate. Women and Magic in the Ancient World, Oxford – New York (Oxford UP) 2014, XV, 533 S., ISBN 978-0-19-534271-0 (brosch.) £ 27,99
- David Engels – Peter Van Nuffelen (Hgg.): Religion and Competition in Antiquity, Bruxelles (Éditions Latomus) 2014 (Collection Latomus 343) 307 S., ISBN 978-2-87031-290-2 (brosch.) € 51,–
- Inge Nielsen, Housing the Chosen. The Architectural Context of Mystery Groups and Religious Associations in the Ancient World, Turnhout (Brepols) 2014 (Contextualizing the Sacred 2) XVI, 322 S., 136 Abb., 62 Taf., ISBN 978-2-503-54437-3 (brosch.) € 120,–
- Burkhard Emme, Peristyl und Polis. Entwicklung und Funktionen öffentlicher griechischer Hofanlagen, Berlin – Boston (De Gruyter) 2013 (Urban Spaces 1) XVI, 487 S., 55 Abb., 99 Taf., ISBN 978-3-11-028065-4 (geb.) € 139,95
- Beat Näf, Testimonia Alt-Paphos. Darmstadt – Mainz (Philipp von Zabern) 2013 (Ausgrabungen in Alt-Paphos auf Cypern 8) XVIII, 116 S., ISBN 987-3-8053-4579-8 (geb.) € 49,–
- Julien Monerie, D’Alexandre à Zoilos. Dictionnaire prosopographique des porteurs de nom grec dans les sources cunéiformes, Stuttgart (Franz Steiner Verlag) 2014 (Oriens et Occidens 23) 225 S., 18 Abb., 1 Kte., ISBN 978-3-515-10956-7 (brosch.) € 48,–
- Verena Vogel-Ehrensperger, Die übelste aller Frauen? Klytaimestra in Texten von Homer bis Aischylos und Pindar, Basel (Schwabe Verlag) 2012 (Schweizerische Beiträge zur Altertumswissenschaft 38) XXVIII, 462 S., 10 Abb., ISBN 978-3-7965-2846-0 (geb.) € 82,–
- Nicholas L. Wright, Divine Kings and Sacred Spaces: Power und Religion in Hellenistic Syria (301–64 BC), Oxford (BAR) 2012 (BAR International Series 2450) XII, 167 S., 216 Abb., ISBN 978-1-4073-1054-1 (brosch.) £32,–
- Rolf Strootman, Courts and Elites in the Hellenistic Empires. The Near East After the Achaemenids, c. 330 to 30 BCE, Edinburgh (Edinburgh University Press) 2014 (Edinburgh Studies in Ancient Persia) XX, 318 S., 31 Abb., 1 Karte, ISBN-13 978-0-7486-9126-5 (geb.) £ 80,–
- Christophe Feyel – Laetitia Graslin-Thomé (Hgg.), Le projet politique d’Antiochos IV (Journées d’études franco-allemandes, Nancy 17–19 juin 2013), Nancy (Association pour la diffusion de la recherche sur l’Antiquité) 2014 (Études ancienne 56; Études nancéennes d’histoire grecque II) 492 S., 65 Abb., 3 Ktn., ISBN 978-2-913667-40-2 (brosch.) € 26,–
- Marianne Mathys, Architekturstiftungen und Ehrenstatuen. Untersuchungen zur visuellen Repräsentation der Oberschicht im späthellenistischen und kaiserzeitlichen Pergamon, Darmstadt (Philipp von Zabern) 2014 (Pergamenische Forschungen 16) XLVI, 192 S., 23 Abb., 24 Taf., ISBN 978-3-8053-4802-7 (geb.) 89,90 €
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- Luis Ballesteros Pastor, Pompeyo Trogo, Justino y Mitrídates. Comentario al Epítome de las Historias Filípicas (37,1,6–38,8,1), Hildesheim – Zürich – New York (Georg Olms Verlag) 2013 (Spudasmata 154) XV, 368 S., ISBN 978-3-487-15070-3 (brosch.) € 58,–
- Maria Federica Petraccia, Indices e delatores nell’antica Roma. Occultiore indicio proditus; in occultas delatus insidias, Milano (LED Edizioni) 2014 (Quaderni di Erga-Logoi 3) 124 S., ISBN 978-88-7916-701-7 (brosch.) € 18,70