Fragmentiert, aber widerstandsfähig: Die belarussische Zivilgesellschaft im Exil in Litauen und Polen
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Dr. Vasil Navumau ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Siegen und ehemaliger Fellow am European Council on Foreign Relations (ECFR),
Zusammenfassung
Dieser Artikel untersucht die sich wandelnde Dynamik der belarussischen Zivilgesellschaft im Exil, mit Fokus auf Communities in Litauen und Polen nach den Massenprotesten von 2020 und der darauffolgenden autoritären Repressionswelle. Auf Grundlage qualitativer Daten aus Fokusgruppendiskussionen, die 2025 in Vilnius und Warschau durchgeführt wurden, wird untersucht, wie belarussische Exilant*innen bürgerschaftliches Engagement, politische Identität und Solidarität unter Bedingungen von Repression, erzwungener Migration und geopolitischer Instabilität aushandeln. Die Ergebnisse zeigen ein paradoxes Feld, das sowohl von Resilienz als auch von Fragmentierung geprägt ist. Einerseits bieten Basisinitiativen, Solidaritätsnetzwerke und communitybasierte Organisationen wichtige Infrastruktur für Unterstützung und Widerstand und halten demokratische Werte abseits formaler Koordination aufrecht. Andererseits wird ihr Zusammenhalt durch weit verbreitetes Misstrauen gegenüber ebenfalls exilierten oppositionellen Eliten, emotionale Erschöpfung und Marginalisierung in den Aufnahmegesellschaften untergraben und so die kollektive Mobilisierung geschwächt. Der Krieg in der Ukraine hat die Situation der Diaspora weiter verändert und sowohl Solidarität mit den Kämpfen der Ukrainer*innen als auch Angst vor Stigmatisierung aufgrund der Komplizenschaft des belarussischen Regimes bei der Invasion verstärkt. Indem die gelebten Erfahrungen unterschiedlicher Exilant*innen – darunter Aktivist*innen, Veteran*innen, marginalisierte Communities und gewöhnliche Migrant*innen – in den Vordergrund gestellt werden, leistet diese Studie einen Beitrag zur Forschung über transnationale Protestbewegungen, post-autoritäre Zivilgesellschaften und Diaspora-Politik und hebt dabei sowohl das emanzipatorische Potenzial als auch die affektiven Grenzen des Aktivismus im Exil hervor.
Abstract
This article examines the evolving dynamics of Belarusian civil society in exile, with a focus on communities in Lithuania and Poland after the mass protests of 2020 and subsequent authoritarian crackdown. Drawing on qualitative data from focus group discussions conducted in Vilnius and Warsaw in 2025, it explores how exiled Belarusians negotiate civic engagement, political identity, and solidarity under conditions of repression, forced migration, and geopolitical volatility. The findings reveal a paradoxical field marked by both resilience and fragmentation. On the one hand, grassroots initiatives, solidarity networks, and community-based organizations provide crucial infrastructures of support and resistance, sustaining democratic values in the absence of formal coordination. On the other hand, widespread distrust of exiled opposition elites, emotional exhaustion, and experiences of marginalization in host societies undermine cohesion and weaken collective mobilization. The war in Ukraine has further reshaped the diasporic condition, intensifying both solidarities with Ukrainian struggles and fears of stigmatization linked to the Belarusian regime’s complicity in the invasion. By foregrounding the lived experiences of diverse exiles, including activists, veterans, marginalized communities, and ordinary migrants, this study contributes to scholarship on transnational protest movements, post-authoritarian civil society, and diaspora politics, highlighting both the emancipatory potential and affective limits of activism in exile.
1 Einleitung
Die Massenproteste nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen in Belarus im Jahr 2020 markierten einen historischen Moment zivilgesellschaftlichen Erwachens (Kazharski 2021). Es folgten Repressionen beispiellosen Ausmaßes, die Zehntausende Aktivist*innen ins Exil zwangen. Infolge dieses Exodus wurden Nachbarländer (insbesondere Litauen und Polen) zu wichtigen Drehscheiben für politische belarussische Migrant*innen – Orte, an denen neue Formen des Aktivismus, der Solidarität und des Widerstands entstanden (Navumau et al. 2024). Gleichzeitig führte die sich rasch verändernde geopolitische Lage (die russische Invasion in der Ukraine und die darauffolgenden Entwicklungen, die zu erhöhten Sicherheitsbedrohungen in Osteuropa führten) zu Spannungen innerhalb der Diaspora und zu einem zunehmend misstrauischen Umgang der Aufnahmeländer mit Belaruss*innen (Matveieva et al. 2022).
Basierend auf qualitativen Daten aus Fokusgruppendiskussionen, die zwischen Juni und Juli 2025 in Litauen und Polen durchgeführt wurden, bietet dieser Artikel eine Bottom-up-Perspektive auf die Bemühungen der belarussischen Diaspora, unter den Bedingungen von Zwangsmigration, rechtlicher Unsicherheit und geopolitischer Instabilität Widerstand zu leisten. Die Fokusgruppen zeigten nicht nur eine widerstandsfähige zivilgesellschaftliche Mobilisierung auf, sondern auch tiefe Spannungen: zwischen Akteur*innen an der Basis und im Exil lebenden politischen Führungsfiguren, zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und emotionaler Erschöpfung sowie zwischen Solidarität mit der Ukraine und der Angst vor kollektiver Stigmatisierung. All diese Spannungen werfen die schwierige Frage auf, ob die belarussische Zivilgesellschaft im Exil unter Bedingungen transnationaler Repression kohärent und handlungsfähig bleiben kann.
Durch Zentrierung der Lebenserfahrungen und politischen Einstellungen unterschiedlicher belarussischer Akteur*innen (darunter Kriegsveteran*innen, erfahrene und junge Aktivist*innen sowie Vertreter*innen marginalisierter Communities) leistet dieser Artikel einen Beitrag zur Erforschung transnationaler Protestbewegungen und der postautoritären Zivilgesellschaft. Dabei werden sowohl das emanzipatorische Potenzial als auch die interne Fragmentierung von Bewegungen in der Diaspora hervorgehoben und aufgezeigt, wie diasporische Gemeinschaften an den geopolitischen Rändern Europas Identität, Widerstand und Überleben aushandeln.
2 Hintergrund
Die politische Landschaft von Belarus erfuhr nach den Präsidentschaftswahlen im August 2020, die weithin als manipuliert verurteilt wurden, einen dramatischen Wandel. Es kam im ganzen Land zu Massenprotesten, bei denen hunderttausende Belaruss*innen faire und transparente Wahlen sowie den Rücktritt des langjährigen Machthabers Alexander Lukaschenko forderten (Mateo 2022). Das Regime reagierte mit massiver Repression: Zehntausende wurden festgenommen, unabhängige Medien und NGOs wurden aufgelöst, Aktivist*innen, Journalist*innen sowie einfache Bürger*innen waren Gewalt, strafrechtlicher Verfolgung, Inhaftierung und Exil ausgesetzt (De Vogel 2022).
Diese Repression löste eine beispiellose Welle politischer Migration aus. Zehntausende Belaruss*innen flohen ins Ausland, wobei Litauen und Polen aufgrund ihrer geografischen Nähe, ihrer starken politischen Unterstützung für die demokratischen Kräfte in Belarus und ihrer gut etablierten Diaspora-Netzwerke zu primären Zielorten wurden (Navumau et al. 2024a). Zwischen 2020 und 2023 erteilte Litauen mehr als 60.000 Aufenthaltsgenehmigungen an belarussische Staatsbürger*innen. Bis Januar 2025 besaßen dort rund 57.500 Belaruss*innen eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, womit sie nach den Ukrainer*innen die zweitgrößte ausländische Gemeinschaft des Landes bildeten.[1] Polen entwickelte sich zum führenden EU-Staat bei der Erteilung von erstmaligen Aufenthaltstiteln, wobei Belaruss*innen die zweitgrößte nationale Gruppe stellten: Allein im Jahr 2023 erhielten sie 281.279 Erstgenehmigungen, von denen 90,9 % in Polen ausgestellt wurden.[2] Auch die Zahl der belarussischen Unternehmen in Polen stieg rapide an, von 454 im Jahr 2020 auf 6.826 bis Ende 2023, was die wachsende wirtschaftliche und unternehmerische Bedeutung der belarussischen Community unterstreicht.[3] Über ihre Rolle als primäre Zielorte für politische Migrant*innen hinaus fungieren Litauen und Polen zudem als zentrale Knotenpunkte der belarussischen demokratischen Opposition im Exil. Durch politische, humanitäre und logistische Unterstützung sind diese Aufnahmeländer zu unverzichtbaren Orten für zivilen Widerstand, Interessenvertretung und die Organisation der Diaspora geworden (Navumau et al. 2024b).
Die groß angelegte russische Invasion der Ukraine im Jahr 2022 verschärfte die Lage der belarussischen Exilant*innen weiter. Indem das Lukaschenka-Regime russischen Truppen erlaubte, belarussisches Territorium als Aufmarschgebiet zu nutzen, verstärkte es seine internationale Isolation und seine Abhängigkeit von Moskau (Navumau et al. 2025). Auf der anderen Seite verstärkte der Krieg für viele Belaruss*innen im Ausland die Dringlichkeit, sich vom Regime zu distanzieren, und motivierte sie zusätzlich, sich im transnationalen Aktivismus zu engagieren, um sowohl die Souveränität der Ukraine als auch den demokratischen Wandel in Belarus zu unterstützen (Kazharski/Makarychev 2024). Allerdings passten Litauen und Polen ihre Migrations- und Visabestimmungen an – zunächst erleichterten sie politisch verfolgten Belaruss*innen die Einreise, verschärften später jedoch die Einreisebestimmungen angesichts der erhöhten Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Krieg. Diese sich wandelnden politischen Maßnahmen hatten direkten Einfluss auf die Mobilität, den rechtlichen Status und die langfristigen Integrationsaussichten belarussischer Migrant*innen (Korshunau 2023). Die Untersuchung belarussischer Communities in Litauen und Polen bietet daher wertvolle Einblicke in transnationale Mobilisierung, Diasporapolitik und die breiteren regionalen Dynamiken des Widerstands gegen Autoritarismus.
3 Aktueller Forschungsstand
Ein Teil der Forschung zu sozialen Bewegungen im postsowjetischen Raum hat sich zunehmend der Frage gewidmet, wie Protest unter Bedingungen anhaltender Repression, Überwachung und politischem Exil fortbestehen kann. Im belarussischen Kontext wurden soziale Bewegungen im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte betrachtet (Dynko/Bulhakau 2011; Navumau 2016; Rovdo 2009; Titarenko et al. 2001). Es wurden Fallstudien zu bestimmten Protestbewegungen durchgeführt (Furs 2006; Navumau, 2019, Astapova/Navumau, 2018), die Gründe für die Schwäche der Zivilgesellschaft (Howard 2003) sowie die Mechanismen ihrer Kooptierung durch den Staat (Astapova et al. 2022) von den späten 1990er Jahren bis in die 2020er Jahre analysiert.
Der Aufstand von 2020 wurde weithin sowohl als Kulmination latenter Unzufriedenheit der Bürger*innen als auch als Moment des radikalen Bruchs in den Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft interpretiert (Kazharski 2021; Onuch/Sasse 2022; Hall 2023). Frühe Analysen hoben den Massencharakter und die symbolische Bedeutung der Proteste von 2020 (Onuch/Sasse 2022; Onuch et al. 2023; Moshes/Nizhnikau 2021), deren Verbindung zu Technologien (Rudnik 2025; Wijemars/Lokot, 2022) sowie deren ausgeprägten Gender-Aspekt (Chulitskaya/Matonyte 2025; Navumau/Matveieva 2025) hervor. Spätere Studien konzentrierten sich auf den Verlauf der politischen Migration nach 2020, die Neukonstituierung von Aktivismus im Exil und die Entstehung neuer transnationaler zivilgesellschaftlicher Infrastrukturen (Navumau/Matveieva 2025).
Studien zu Aktivismus in Kriegszeiten lieferten weitere Erkenntnisse zu den Veränderungen zivilgesellschaftlichen Engagements unter existenzieller Bedrohung. Im Falle der Ukraine wurde in jüngsten Arbeiten die „Zivilgesellschaft in Kriegszeiten“ als dezentralisierte, anpassungsfähige und oft horizontale Reihe von Praktiken konzeptualisiert, die sowohl auf das unmittelbare Überleben als auch auf langfristige demokratische Widerstandsfähigkeit abzielen (Matveieva et al. 2022). Ähnliche Dynamiken lassen sich in der belarussischen Diaspora beobachten, wo Akteur*innen der Zivilgesellschaft nicht nur mit autoritärer Unterdrückung in ihrer Heimat, sondern auch mit sich wandelnden Migrationsregimen und zunehmend sicherheitspolitisch aufgeladenen Umfeldern in ihren jeweiligen Aufnahmeländern konfrontiert sind (Korshunau 2023; Kazakou 2025). Die Erfahrungen der Belaruss*innen zeigen jedoch auch spezifische Spannungen in Bezug auf Vertrauen, Legitimität und strategische Ausrichtung innerhalb der Exilgemeinschaft, welche in der aktuellen Forschung bisher noch wenig repräsentiert sind.
Diaspora-Studien betonen seit langem das politische Potenzial von Exilgemeinschaften, insbesondere wenn sie als Träger*innen alternativer Narrative, Organisator*innen transnationaler Solidarität und Akteur*innen internationaler Lobbyarbeit auftreten (Navumau et al. 2024; Al-Ali et al. 2001; Adamson/Demetriou 2007). Jüngste Arbeiten beleuchteten jedoch die fragmentierte und ungleiche Natur diasporischer Politik, insbesondere in Fällen, in denen formelle Oppositionsstrukturen die externe Repräsentation dominieren und Basisinitiativen marginalisieren (Lindholm 2021). Die Kluft zwischen politischen Eliten und Zivilgesellschaft im Exil wirft wichtige Fragen hinsichtlich der Autorität über Repräsentation, der internen Rechenschaftspflicht und der affektiven Unterströmungen wie Desillusionierung, Burnout und Misstrauen auf, die die Mobilisierung der Diaspora zunehmend prägen.
Während belarussische Wissenschaftler*innen begonnen haben, einige dieser Entwicklungen zu dokumentieren, gibt es nach wie vor nur wenige empirische Studien, die sich mit den Perspektiven gewöhnlicher Exilant*innen (insbesondere solchen außerhalb formeller Strukturen) befassen. Dieser Artikel trägt dazu bei, diese Lücke zu schließen, indem er eine fundierte, qualitative Darstellung der Akteur*innen der belarussischen Zivilgesellschaft in Litauen und Polen liefert und die Konturen ihres Engagements, ihrer Fragmentierung und ihrer Zukunftsvorstellungen unter den Bedingungen einer doppelten Vertreibung skizziert: aus ihrer Heimat und zunehmend auch aus ihren Aufnahmegesellschaften. Vor diesem Hintergrund formuliert der Artikel die folgenden Forschungsfragen.
FF1: Wie verhandeln belarussische Exilant*innen in Litauen und Polen zivilgesellschaftliches Engagement und politische Identität unter den Bedingungen autoritärer Repression, erzwungener Migration und geopolitischer Unsicherheit?
FF2: Welche Spannungen und Solidaritäten entstehen zwischen zivilgesellschaftlichen grassroots-Akteur*innen und im Exil lebenden politischen Eliten in der belarussischen Diaspora, und wie prägen diese Dynamiken die Widerstandsfähigkeit und Legitimität der Zivilgesellschaft im Exil?
Im Folgenden werden zunächst der theoretische Rahmen des Beitrags und anschließend Methodik und Ergebnisse vorgestellt.
4 Theoretischer Rahmen
Aktivismus in der Diaspora und Widerstandsbewegungen im Exil spielen seit jeher eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung autoritärer Herrschaft, insbesondere im Falle gewaltsamer Einschränkung des innenpolitischen Raumes. Im Falle von Belarus lösten die Protestwelle von 2020 und die darauffolgende Niederschlagung derer nicht nur eine massive Welle politischer Migration aus, sondern auch die Bildung neuer transnationaler zivilgesellschaftlicher Konfigurationen in ganz Europa. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass Exil nicht lediglich als Zustand der Vertreibung begriffen werden darf, sondern als dynamisches Feld umkämpfter Politiken gesehen werden muss, in dem Identität, Legitimität und Strategie kontinuierlich neu verhandelt werden.
Dieser Artikel stützt sich auf Forschungsergebnisse aus drei sich überschneidenden Bereichen: 1) soziale Bewegungen in autoritären und postsowjetischen Kontexten; 2) transnationale und diasporische Mobilisierung; und 3) die Politik der Fragmentierung und Legitimität innerhalb exilierter Opposition.
Erstens spiegelt der Fall Belarus die Ergebnisse der Forschung zu sozialen Bewegungen in repressiven Kontexten wider, in denen Proteste oft in informelle oder klandestine Kanäle gedrängt werden und autoritäre Gegenreaktionen Wellen adaptiven Widerstands hervorrufen (Della Porta 2013; Tarrow 2006). Diese Bedingungen fördern häufig horizontale und dezentrale Organisationsformen, die über territoriale Grenzen hinaus bestehen bleiben.
Zweitens bringt Exilpolitik eine Reihe spezifischer Herausforderungen und Chancen mit sich. Studien zu transnationalem Aktivismus (Vertovec 2009; Sökefeld 2006) betonen die ambivalente Position von Diasporagemeinschaften als Mobilisierer*innen und Vermittler*innen, die gleichzeitig in den Aufnahmegesellschaften verwurzelt und auf politische Veränderungen in ihrer Heimat ausgerichtet sind. Exilaktivismus ist jedoch keineswegs einheitlich: Er ist oft durch interne Spaltungen, Ressourcenungleichheiten und strategische Spannungen gekennzeichnet, insbesondere wenn Zugang zu internationaler Anerkennung und Spendengeldern ungleich verteilt ist (Al-Ali et al. 2001).
Drittens spiegelt die Fragmentierung innerhalb der belarussischen Exilgemeinschaft (zwischen zivilgesellschaftlichen grassroots-Akteur*innen, Veteran*innen, unabhängigen Medien und formellen politischen Oppositionsgremien wie dem Büro von Swjatlana Zichanouskaja) umfassendere Dilemmata hinsichtlich demokratischer Legitimität und Repräsentation von politischen Bewegungen wider. Formelle Strukturen profitieren zwar von diplomatischer Sichtbarkeit und institutioneller Kontinuität, können jedoch von Akteur*innen in der Diaspora als losgelöst von den alltäglichen Kämpfen, als von oben herab orientiert und als übermäßig abhängig von westlichen Agenden wahrgenommen werden. Dies führt zu einem umkämpften Feld, in dem Ansprüche darüber gestellt werden, wer für die Nation im Exil spricht und auf welcher Grundlage.
Durch die Integration dieser Perspektiven konzeptualisiert dieser Artikel die belarussische Diaspora in Litauen und Polen als einen verstreuten, aber politisch aktiven Raum politischer Bewegungen, der durch sich überlappende Dynamiken von Unterdrückung, Vertreibung und transnationaler Governance geprägt ist. Er untersucht nicht nur die emanzipatorischen Narrative des Exilaktivismus, sondern auch dessen affektive Grenzen, innere Widersprüche und die politische Ermüdung, die seine langfristige Tragfähigkeit bedroht.
5 Methode
Dieser Artikel basiert auf qualitativer empirischer Forschung, die im Juni und Juli 2025 im Rahmen einer umfassenderen Studie zur belarussischen Diaspora in Osteuropa durchgeführt wurde. Im Mittelpunkt der Datenerhebung standen zwei ausführliche Fokusgruppendiskussionen, die in Vilnius (14 Teilnehmende) und Warschau (15 Teilnehmende) mit verschiedenen Teilen der belarussischen Exilcommunity durchgeführt wurden. Ziel dieser Fokusgruppen war es, die Alltagserfahrungen, politischen Einstellungen und Engagementverläufe von Belaruss*innen zu untersuchen, die nach den Protesten von 2020 und dem darauffolgenden Krieg Russlands gegen die Ukraine vor Unterdrückung geflohen waren.
Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgte durch gezieltes sowie Schneeball-Sampling, um ein breites Spektrum an Perspektiven in zentralen Dimensionen abzubilden: Geschlecht, Alter, regionale Herkunft, politischer Hintergrund, berufliche Zugehörigkeit und zivilgesellschaftliches Engagement. Die Stichprobe umfasste ehemalige politische Gefangene, Menschenrechtsvertreter*innen, jugendliche Aktivist*innen, Mitglieder der LGBTQIA+-Community, Kriegsveteran*innen, Journalist*innen und Vertreter*innen von Basisorganisationen und Diaspora-Initiativen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Einbeziehung marginalisierter Stimmen gelegt, die im politischen Diskurs oft unterrepräsentiert sind, darunter Menschen mit Behinderungen und Senior*innen.
Die Diskussionen fanden in einer sicheren, neutralen Umgebung unter der Chatham House Rule statt. Die Teilnehmenden willigten schriftlich ein und unterzeichneten Geheimhaltungsvereinbarungen. Die Sitzungen wurden zweisprachig in Belarussisch und Russisch moderiert, wobei die Teilnehmenden dazu ermutigt wurden, in der Sprache zu sprechen, in der sie sich am wohlsten fühlten. Dieser Ansatz trug dazu bei, eine Gesprächsatmosphäre zu schaffen, die Offenheit und Vertrauen förderte, insbesondere angesichts der hochsensiblen Natur der diskutierten Themen – von Rechtsunsicherheit und psychischer Gesundheit bis hin zu internen Spaltungen innerhalb der belarussischen Exilcommunity.
Die Fokusgruppendiskussionen wurden aufgezeichnet, transkribiert und mithilfe induktiver qualitativer Analyse thematisch kodiert. Themen wurden durch iterative Lektüre der Daten identifiziert und mit relevanten Sekundärquellen sowie kontextuellen Berichten zu belarussischer Migration und Zivilgesellschaft trianguliert. Bei Bedarf wurden die Teilnehmenden gebeten, bestimmte Punkte in Folgeformularen und anonymisierten schriftlichen Beiträgen näher zu erläutern oder zu präzisieren. Dieser mehrschichtige Ansatz ermöglichte ein differenzierteres Verständnis der Mobilisierung der Diaspora, der internen Spannungen und der emotional-politischen Dynamiken, die das Leben im Exil prägen.
Auch wenn diese Studie tiefe Einblicke in den Aktivismus im Exil bietet, gilt es, ihre Limitationen zu beachten. Aufgrund der relativ geringen Stichprobengröße und der Konzentration auf politisch engagierte Personen lassen sich die Ergebnisse nicht auf die gesamte belarussische Diaspora übertragen. Dennoch bieten die Reflexionen der Teilnehmenden einen wertvollen Einblick in die strukturellen und affektiven Bedingungen, unter denen Widerstand, Fragmentierung und zivile Identität außerhalb der Grenzen von Belarus neu definiert werden.
6 Ergebnisse
6.1 Fragmentierung und Misstrauen
Ein zentrales Thema, das sich in beiden Fokusgruppen herauskristallisierte, war die tiefe Fragmentierung und das mangelnde Vertrauen innerhalb der belarussischen Exilgemeinschaft. Die Teilnehmenden äußerten wiederholt Skepsis gegenüber den im Exil etablierten Oppositionsstrukturen wie dem Büro von Swjatlana Zichanouskaja (Oppositionskandidatin bei den Präsidentschaftswahlen 2020, die nach Einschätzung unabhängiger Beobachter*innen diese Wahlen gewonnen hat) sowie dem Koordinationsrat (dem sogenannten „belarussischen Proto-Parlament“). Diese Institutionen wurden als „abgekoppelt von den gewöhnlichen Belaruss*innen“ beschrieben und stärker auf „internationale Anerkennung als auf interne Kohäsion“ ausgerichtet (Teilnehmer*in 1, Fokusgruppe Warschau). Eine Reihe jüngerer Skandale innerhalb der belarussischen Oppositionsstrukturen im Exil (z. B. Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den Leiter des BYSOL-Fonds Andrej Stryschak und den Vorsitzenden des Koordinationsrates Pawel Latuschka sowie das Verschwinden der Sprecherin des Koordinationsrates, Anschalika Melnikawa) und die intensiven Debatten darüber verschärften diese Situation zusätzlich.
Die Kritik richtete sich u. a. gegen intransparente Entscheidungsprozesse, eine elitäre politische Kultur sowie gegen Tendenzen, kritische oder abweichende Stimmen auszuschließen. Einige Teilnehmende bezeichneten die Exilführung als „weniger zugänglich als die belarussischen Staatsvertreter“ und warfen ihr vor, genau jene hierarchischen und intransparenten Strukturen zu reproduzieren, die sie eigentlich überwinden wolle (Teilnehmer*in 5, Fokusgruppe Vilnius). Andere äußerten Bedenken hinsichtlich selektiver Teilhabe: „Zu Treffen und Konsultationen werden nur loyale Personen eingeladen“, merkte eine zivilgesellschaftliche Vertreterin an, „jede Kritik wird als Sabotage abgetan“ (Teilnehmer*in 3, Fokusgruppe Warschau). Zudem sei es den Oppositionsstrukturen nicht gelungen, eine kohärente Vision für die Zukunft der Belaruss*innen zu entwickeln – eine der zentralen Forderungen der Diaspora (Teilnehmer*in 9, Fokusgruppe Vilnius).
Skandale im Zusammenhang mit Datenschutzverletzungen sowie wahrgenommener Opportunismus in spendenbasierten Projekten verstärkten das Gefühl der Entfremdung zusätzlich (z. B. Kontroversen um den Fonds BY_HELP oder Datenlecks der zivilgesellschaftlichen Initiative Belaruski Hajun, die Informant*innen enttarnten und dadurch gefährdeten). Mehrere Befragte argumentierten, politische Akteur*innen strebten Sichtbarkeit und Ressourcen nicht für Veränderungen, sondern zur eigenen Karriereförderung an (Teilnehmer*in 8, Fokusgruppe Vilnius). Diese Dynamiken spalteten die Exilbewegung in lose miteinander verbundene Cluster zivilgesellschaftlicher Akteur*innen, die einander misstrauen.
6.2 Emotionale Erschöpfung und zivilgesellschaftlicher Rückzug
Jenseits organisatorischer Spannungen berichteten die Teilnehmenden von einem geteilten Gefühl emotionaler Erschöpfung, das aus Jahren der Repression, Vertreibung und bürokratischer Unsicherheit resultierte. „Ich habe keine Kraft mehr zu protestieren“, gestand eine Person. „Ich will einfach nur arbeiten, mein Kind großziehen und ein normales Leben führen“ (Teilnehmer*in 8, Fokusgruppe Warschau). Die Kombination aus Prekarität, Traumata und unerfüllten Erwartungen führte dazu, dass sich viele ehemalige Aktivist*innen aus dem politischen Leben zurückzogen, auch wenn sie demokratischen Wandel weiterhin unterstützten.
Rechtliche Unsicherheit wurde als wesentlicher Faktor psychischer Belastung genannt. In Litauen führten verzögerte Asylentscheidungen, wechselnde Migrationspolitiken und Ablehnungen mit Verweis auf „Sicherheitsgründe“ dazu, dass einige Belaruss*innen zu einer zweiten oder dritten erzwungenen Migration gezwungen wurden (Teilnehmer*in 4, Fokusgruppe Vilnius). „Wie soll ich für Freiheit in Belarus kämpfen“, fragte eine Aktivist*in, „wenn ich nicht einmal weiß, ob ich nächsten Monat noch hierbleiben darf?“ (Teilnehmer*in 11, Fokusgruppe Vilnius) – eine Sorge, die von mehreren Befragten geteilt wurde. Zunehmend sind Belaruss*innen mit Fragen der Aufenthaltslegalität konfrontiert, was auch auf das sogenannte „Litwinismus“-Narrativ zurückgeführt wird – eine Ideologie, die Belaruss*innen territoriale Ansprüche auf Litauen unterstellt.
Zudem betonten Teilnehmende, dass humanitäre Bedürfnisse – Wohnungssuche, Kinderbetreuung, Zugang zu medizinischer Versorgung – politisches Engagement überschatteten. Eine ehemalige NGO-Mitarbeiterin fasste dies zusammen: „Ich bin müde von diesem endlosen Kampf. Der Überlebenskampf hat den Kampf um Demokratie ersetzt“ (Teilnehmer*in 7, Fokusgruppe Warschau).
6.3 Krieg und doppelte Loyalität
Der Krieg in der Ukraine hat die Selbstwahrnehmung sowie die öffentliche Rezeption von Belaruss*innen im Exil tiefgreifend beeinflusst. Die Teilnehmenden verurteilten einheitlich die Komplizenschaft des belarussischen Regimes bei der russischen Invasion, äußerten jedoch die Sorge, kollektiv dafür bestraft zu werden. „Man behandelt uns, als hätten wir die Raketen abgefeuert“, beklagte eine Person. „Aber wir haben protestiert, wir saßen im Gefängnis, wir sind geflohen“ (Teilnehmer*in 4, Fokusgruppe Vilnius).
Einige berichteten, dass ihre Asylanträge trotz dokumentierter Aktivismus- oder Haftgeschichte in Belarus aus „Sicherheitsgründen“ abgelehnt wurden. Viele befanden sich in der Folge in einem Zustand der Staatenlosigkeit, ohne Ausreisemöglichkeiten und unter Abschiebungsgefahr. „Ich bin vor Lukaschenka geflohen, und nun will Litauen mich zurückschicken“, äußerte ein Veteran des Kalinouski-Regiments. „Das ist der zweite Verrat“ (Teilnehmer*in 6, Fokusgruppe Vilnius). Diese Erfahrungen belasteten die psychische Gesundheit der Befragten, manche äußerten sogar das Gefühl, sozialer Leistungen oder respektvoller Behandlung durch lokale Gemeinschaften „nicht würdig“ zu sein (Teilnehmer*in 1, Fokusgruppe Vilnius).
Gleichzeitig beschrieben viele der Befragten ihre Solidarität mit der Ukraine als zentral für ihre diasporische Identität. Sie engagierten sich in humanitären Hilfsmissionen, unterstützten ukrainische Geflüchtete und trugen zu logistischen Strukturen für militärische Zwecke bei. „Unser Krieg ist ihr Krieg“, wiederholten mehrere Teilnehmende – und betonten damit, dass ihr Kampf gegen Autoritarismus nationale Grenzen überschreitet (Teilnehmer*innen 2, 6, 7, Fokusgruppe Warschau).
6.4 Zivilgesellschaftliche Resilienz und Solidaritätsnetzwerke
Trotz Fragmentierung und Desillusionierung hoben die Befragten die Stärke von grassroots-Netzwerken hervor, die weitgehend unabhängig von formalen politischen Strukturen operieren. Kleine belarussische NGOs, Kulturvereine und informelle Solidaritätsgruppen wurden für ihre Verlässlichkeit, Inklusivität und Hilfsbereitschaft gegenüber Neuankommenden gelobt. „Sie fragen nicht, wen du gewählt hast“, so eine befragte Person, „sie helfen einfach“ (Teilnehmer*in 9, Fokusgruppe Vilnius).
Diese Initiativen kompensieren häufig die Defizite institutioneller Akteure, indem sie Rechtsberatung, psychologische Unterstützung, Bildungsangebote und Integrationshilfen bereitstellen. Sie sind zudem für marginalisierte Gruppen – wie LGBTQIA+-Personen, junge Aktivist*innen oder Menschen mit Behinderung – leichter zugänglich. „Es war die Zivilgesellschaft, die uns zusammengehalten hat – nicht die Politiker*innen“ (Teilnehmer*in 15, Fokusgruppe Warschau).
Besonders Frauen wurden als treibende Kräfte der Solidaritätsnetzwerke identifiziert. „Sie sind das unsichtbare Rückgrat unseres Widerstands“, bemerkte ein männlicher Teilnehmer mit Blick auf ihre organisatorische, sorgende und vermittelnde Arbeit innerhalb der Diaspora (Teilnehmer 6, Fokusgruppe Vilnius). Im Gegensatz zur strategischen Ambiguität der formalen Opposition fördern diese basisorientierten Akteur*innen transparente, relationale und gemeinschaftsorientierte Formen zivilgesellschaftlichen Engagements.
Obwohl sie Burnout als weit verbreitet ansahen, äußerten viele Teilnehmende den Wunsch, diese zivilgesellschaftlichen Räume zu bewahren und auszubauen. „Wir brauchen weniger Politik und mehr Menschlichkeit“, fasste eine Person zusammen. „Darin liegt unsere eigentliche Stärke“ (Teilnehmer*in 13, Fokusgruppe Warschau).
7 Diskussion
Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichen ein zentrales Paradox im Kern der belarussischen Exilmobilisierung: Während Vertreibung neue Möglichkeiten für freieres zivilgesellschaftliches Engagement eröffnet, bringt sie zugleich strukturelle und emotionale Belastungen mit sich, die Solidarität fragmentieren und kollektives Handeln begrenzen. Die belarussische Diaspora in Litauen und Polen demonstriert sowohl die Resilienz als auch die Fragilität postautoritärer sozialer Bewegungen, die zwar außerhalb der Reichweite des Staates operieren, jedoch nicht außerhalb der Reichweite seiner Konsequenzen.
7.1 Fragmentierung als strukturelle und affektive Bedingung
Die tiefgreifende Fragmentierung unter den belarussischen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen im Exil lässt sich nicht allein auf ideologische oder strategische Differenzen zurückführen. Vielmehr spiegelt sie ein breiteres Set struktureller Dynamiken wider, die für Bewegungen in repressiven und transnationalen Kontexten typisch sind. Ähnlich wie andere postautoritäre Diasporas müssen belarussische Aktivist*innen multiple und oft miteinander konkurrierende Quellen von Legitimität navigieren: Institutionen der Aufnahmeländer, internationale Geldgeber, grassroots-Zusammenschlüsse sowie symbolische Ansprüche auf nationale Repräsentation (Al-Ali et al. 2001; Adamson/Demetriou 2007). Diese Spannungen führen häufig zu internen Hierarchien, Gatekeeping-Praktiken und Konkurrenz um knappe Ressourcen – alles Faktoren, die Vertrauen erodieren und Koordination erschweren.
Darüber hinaus weist Fragmentierung eine starke affektive Dimension auf. Wie auch andere Studien zu Exil und erzwungener Migration gezeigt haben (Papadopoulos et al. 2008), spielen emotionale Erschöpfung, politische Desillusionierung und Gefühle des Verrats eine entscheidende Rolle für zivilgesellschaftliches (Des-)Engagement. Im belarussischen Fall verstärkt die Wahrnehmung, dass formale Oppositionsorgane keine greifbaren Ergebnisse liefern konnten, in Kombination mit Erfahrungen sozialer Marginalisierung in den Aufnahmeländern die Tendenz vieler Aktivist*innen, sich zurückzuziehen oder ihr Engagement stärker lokal und persönlich auszurichten.
7.2 Diaspora-Aktivismus jenseits nationalistischer Deutungsrahmen
Die Daten stellen konventionelle Vorstellungen von Diaspora-Mobilisierung als einheitlich und nationalistisch motiviert infrage. Statt einer monolithischen Opposition im Exil zeigt der belarussische Fall ein Mosaik von Akteur*innen mit divergierenden Agenden, Modi des Engagements und zeitlichen Rhythmen des Widerstands. Dies stützt jüngere Ansätze in der Bewegungsforschung, die essentialistische Vorstellungen von Diasporas als „nationale Subjekte im Ausland“ überwinden und sie stattdessen als dynamische, intern diverse politische Felder begreifen (Brinkerhoff 2009; Sökefeld 2006).
Die Teilnehmenden dieser Studie rahmten zivilgesellschaftliche Resilienz nicht als Loyalität gegenüber einer zentralisierten politischen Autorität, sondern als Engagement für relationale Solidarität, alltägliche Fürsorge und bottom-up-Problemlösungen. Dies deckt sich mit Literatur über die „Mikropolitik des Widerstands“ und feministischen Kritiken an Bewegungsstrukturen, die Sichtbarkeit gegenüber Nachhaltigkeit privilegieren (Della Porta/Mattoni 2014; Kabeer 2011). Was diasporisches Engagement über längere Zeiträume aufrechterhält – insbesondere im Kontext prolongierten Exils – ist weniger die nationale Sache als vielmehr die Fähigkeit, Räume der Bedeutung, Unterstützung und gegenseitigen Anerkennung zu schaffen.
7.3 Krieg, Geopolitik und die Neukonfiguration des Exils
Der Krieg in der Ukraine hat die politischen und sozialen Koordinaten des belarussischen Exils grundlegend verändert. Er brachte neue Dilemmata kollektiver Verantwortung hervor, definierte Solidaritätspraxen neu und intensivierte die Versicherheitlichung migrantischer Identitäten. Diese Verschiebungen spiegeln breitere regionale Dynamiken wider, in denen Diasporas zunehmend in geopolitische Logiken des Misstrauens, der Loyalität und der Stellvertreterkonfrontation eingebunden sind (Kazharski/Makarychev 2024).
Für belarussische Exilant*innen bedeutet dies eine doppelte Position: Einerseits erhöhte sich ihre Sichtbarkeit als Verbündete der Ukraine, andererseits wuchs ihre Verwundbarkeit als Staatsangehörige eines an der Aggression beteiligten Regimes. Diese Doppelrolle stellt einfache Dichotomien – „Opfer vs. Akteur*innen“ oder „Demokrat*innen vs. Kollaborateur*innen“ – infrage. Sie erfordert stattdessen ein differenzierteres Verständnis davon, wie diasporische Akteur*innen von Institutionen der Aufnahmeländer, der öffentlichen Meinung und regionalen Sicherheitsrahmen positioniert werden – ein Aspekt, der in der Bewegungsforschung bislang wenig Beachtung gefunden hat.
7.4 Resilienz ohne Kohärenz?
Die Fokusgruppen zeichnen kein Bild einer kohärenten Bewegung, sondern eines fragmentierten Ökosystems zivilgesellschaftlicher Aktivitäten, in dem Resilienz nicht notwendigerweise in Einheit mündet. Diese Fragmentierung mag auf den ersten Blick wie eine Schwäche erscheinen, lässt sich jedoch auch als Ausdruck adaptiver Pluralität verstehen: Unterschiedliche Akteur*innen bedienen unterschiedliche Bedürfnisse, mobilisieren verschiedene Zielgruppen und verkörpern vielfältige Formen politischer Imagination. In dieser Hinsicht spiegelt die belarussische Exilgemeinschaft breitere Trends zeitgenössischen Aktivismus wider, der weniger auf großen Ideologien beruht, sondern stärker auf verteilten, themenspezifischen und relationalen Praktiken von Fürsorge, Verteidigung und Solidarität (Juris 2012; Tormey 2015).
Anstatt Fragmentierung und Erschöpfung als Zeichen des Niedergangs zu deuten, können sie auch als Aufforderung zur Neubewertung von Nachhaltigkeit in Bewegungen verstanden werden: weg vom heroischen Kampf, hin zu Infrastrukturen von Resilienz, emotionaler Heilung und inklusiver Repräsentation. Die Herausforderung besteht künftig nicht nur in der Konfrontation autoritärer Regime, sondern ebenso im Überwinden interner Barrieren – seien sie emotionaler, organisatorischer oder epistemischer Natur –, die eine echte Zusammenarbeit im Exil hemmen.
8 Schlussfolgerung
Dieser Beitrag hat die politische Subjektivität, die organisatorische Dynamik sowie die emotionalen Entwicklungen belarussischer zivilgesellschaftlicher Akteur*innen im Exil basierend auf qualitativen Daten aus Fokusgruppen in Litauen und Polen untersucht. Durch Zentrierung der Stimmen von Aktivist*innen, Veteran*innen, Kulturschaffenden und marginalisierten Personen, die sich im eingeschränkten Raum erzwungener Migration bewegen, bietet er eine basis-orientierte Perspektive darauf, wie Widerstand unter Bedingungen autoritärer Repression, rechtlicher Prekarität und geopolitischer Instabilität neu konstituiert wird.
Das Ergebnis ist das Bild eines fragmentierten, aber resilienten zivilgesellschaftlichen Feldes. Einerseits ist die Exilgemeinschaft geprägt von Misstrauen, Fragmentierung und politischer Erschöpfung. Institutionalisierte Oppositionsstrukturen werden vielfach als abgekoppelt, nicht rechenschaftspflichtig und übermäßig abhängig von ausländischen Geldgebern wahrgenommen. Die emotionale Belastung durch Vertreibung, wiederholte Migration und bürokratischen Schwebezustand hat viele dazu veranlasst, sich zurückzuziehen oder ihre Energie auf das Überleben und die persönliche Rekonstruktion zu verlagern.
Gleichzeitig haben diese Bedingungen neue Formen zivilgesellschaftlicher Resilienz und dezentraler Solidarität hervorgebracht. Informelle Netzwerke, gegenseitige Hilfsinitiativen und communitybasierte Unterstützungsstrukturen erhalten demokratische Werte und kollektive Fürsorge selbst in Abwesenheit formaler Koordination oder zentralisierter Führung aufrecht. Diese Formen des Engagements entziehen sich klassischen Protestparadigmen, spiegeln jedoch die alltägliche Arbeit des Erhalts einer Bewegung im Exil wider.
Der belarussische Fall stellt somit sowohl romantisierte Vorstellungen diasporischer Einheit als auch vereinfachte Narrative antiautoritären Widerstands infrage. Stattdessen verweist er auf die Notwendigkeit eines situationsspezifischeren Verständnisses sozialer Bewegungen als Zusammenspiel von Akteur*innen, Affekten und Infrastrukturen – insbesondere in postsowjetischen und transnationalen Kontexten. Die Anerkennung der politischen Handlungsfähigkeit jener, die an den Rändern formaler Strukturen arbeiten, und die Berücksichtigung der emotionalen Komplexität zivilgesellschaftlichen Lebens im Exil sind entscheidend – nicht nur für die wissenschaftliche Analyse, sondern auch für die Entwicklung inklusiverer, responsiverer und tragfähiger Strategien demokratischer Transformation.
Anmerkung
Dieses Dokument wurde mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union erstellt. Der Inhalt dieses Dokuments liegt in der alleinigen Verantwortung des European Council on Foreign Relations (ECFR) und kann unter keinen Umständen als Ausdruck der Position der Europäischen Union angesehen werden. Der European Council on Foreign Relations nimmt keine kollektiven Positionen ein. Veröffentlichungen des ECFR geben ausschließlich die Ansichten ihrer jeweiligen Autorinnen und Autoren wieder. Übersetzung aus dem Englischen von Sophie Uhl.
Über den Autor / die Autorin
Dr. Vasil Navumau ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Siegen und ehemaliger Fellow am European Council on Foreign Relations (ECFR),
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