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Aktivismus im Krieg: Entwicklung und Handlungsrepertoires der ukrainischen Zivilgesellschaft seit 2022

  • Susann Worschech

    Dr. Susann Worschech ist Sozialwissenschaftlerin und Wissenschaftliche Koordinatorin des KIU Kompetenzverbundes Interdisziplinäre Ukrainestudien Frankfurt (Oder) – Berlin an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder),

Published/Copyright: March 5, 2026
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Zusammenfassung

Dieser Essay beschreibt, wie sich die ukrainische Zivilgesellschaft seit dem Beginn des vollumfänglichen russischen Angriffskrieges entwickelt hat. Ausgehend von der Historie der ukrainischen Zivilgesellschaft im Rahmen der drei Revolutionszyklen sowie auf der Basis eines analytischen Konzepts von Resilienz geht der Text der Frage nach, wie die ukrainische Zivilgesellschaft im Krieg klassische Funktionen der Sicherung demokratischer Normen, Gemeinschaftsbildung und Herstellung abstrakter Solidarität aufrechterhalten und zu transformativer Resilienz beitragen kann. Dabei manifestieren sich sechs Entwicklungsrichtungen der ukrainischen Zivilgesellschaft, die jeweils einen spezifischen Bezug zum Krieg in Entstehung und Wirkung aufweisen. Die Analyse verdeutlicht, dass die ukrainische Zivilgesellschaft im Krieg ein aktives ‚doing resilience‘ betreibt und damit die Gesellschaft über den Krieg hinaus prägt.

Abstract

This essay examines how Ukrainian civil society has developed since the beginning of Russia’s full-scale war of aggression. Taking as starting point the history of Ukrainian civil society in the context of the three revolutionary cycles as well as drawing on the analytical concept of resilience, the text addresses the question how Ukrainian civil society can uphold the classic functions of securing democratic norms, building a sense of community, and producing abstract solidarity while contributing towards transformative resilience. Six directions in which Ukrainian civil society has developed are identified, all of which relate specifically to the war in terms of their emergence and impact. The analysis highlights how Ukrainian civil society has actively been ‘doing resilience’ during the war and thus making its mark on society beyond the war itself.

1 Zivilgesellschaft im Krieg. Motor der Resilienz

„Es ist unvorhersehbar, welche Auswirkungen dies auf die ukrainische Gesellschaft haben könnte. Wir haben im Grunde genommen die unausgesprochene Regel aufgehoben, dass wir während des Kriegsrechts nicht protestieren.“[1]

Mit diesen Worten beschrieb die ukrainische Politikwissenschaftlerin, Abgeordnete und frühere Aktivistin Inna Sowsun im Juli 2025 die möglichen Folgen der bis dato größten regierungskritischen Protestwelle seit Beginn des vollumfänglichen russischen Angriffskrieges. Vom 22. bis 31. Juli 2025 demonstrierten Tausende in der Ukraine gegen ein Gesetz, das die unabhängigen Antikorruptionsbehörden unter politische Kontrolle stellen sollte. Viele Aktivist*innen sahen darin einen Verrat an den Errungenschaften der „Revolution der Würde“ von 2014, in deren Folge durch zivilgesellschaftlichen Druck ein funktionierendes Institutionengefüge unabhängiger Korruptionsbekämpfung durchgesetzt wurde. Mit den Protesten, die erst ihr Ende fanden, als das Parlament die Gesetzesmaßnahme am 31. Juli 25 zurücknahm und die Unabhängigkeit der Antikorruptionsbehörden wieder herstellte, zeigte die ukrainische Zivilgesellschaft einmal mehr, dass sie trotz des Krieges ihre wichtigste Aufgabe – die der Wächterin der Demokratie – ohne Abstriche und mit großem Selbstbewusstsein wahrnimmt.

Die ukrainische Zivilgesellschaft ist Rückgrat, Motor und Moderator der Demokratie und Resilienz der Ukraine, auch und gerade im Krieg. Dieser Essay analysiert, wie sich die ukrainische Zivilgesellschaft seit 2022 entwickelt hat, welche Funktionen sie erfüllt und worin ihre Stärke wurzelt. Zwei Aspekte sind dabei zentral: Erstens ist die zivilgesellschaftliche Selbstwirksamkeit seit der Unabhängigkeit der Ukraine auch bei ambivalenter Demokratisierung stetig gewachsen, weil ihre Rolle für Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit immer wichtiger wurde, während das politische System sich deutlich schwerfälliger demokratisierte. Zweitens kommt der Zivilgesellschaft eine besondere Legitimation und Glaubwürdigkeit zu, die mit einer starken Diskrepanz zwischen gesellschaftlichem Vertrauen und Institutionenvertrauen zusammenhängt: Seit der Unabhängigkeit haben sich politisches Kapital und Sozialkapital klar auf der Seite der Zivilgesellschaft aufgebaut, während politischen Institutionen in der unabhängigen Ukraine generell mit Misstrauen begegnet wird. Aus den Erfahrungen der Sowjetzeit, der staatlichen Eigenständigkeit seit 1991 und der Transformation hat sich in der Ukraine ein Gesellschaftsvertrag herausgebildet, der politische Handlungsfähigkeit und Legitimation weitgehend in der (Zivil-)Gesellschaft selbst verortet.

2 Zivilgesellschaftsentwicklung in den Revolutionszyklen bis 2022

Mehr als zwei Dekaden nach der ukrainischen Unabhängigkeit dauerte es, bis in der Zivilgesellschafts- und Partizipationsforschung die Besonderheiten der ukrainischen Zivilgesellschaft erkannt wurden. In den 1990er und 2000er Jahren fiel die Ukraine häufig unter die Pauschalperspektive der ‚postsowjetischen‘ oder – noch breiter – ‚postsozialistischen‘ Gesellschaften, deren Zivilgesellschaften als schwach oder künstlich galten (Howard 2003; Ishkanian 2007; Hahn-Fuhr/Worschech 2014; Jacobsson/Saxonberg 2013). Spätestens seit 2014 gilt die ukrainische Zivilgesellschaft als handelndes Subjekt der Gesellschaft und damit auch als eigenständiges Objekt der Zivilgesellschaftsforschung.

Die Zivilgesellschaft in der Ukraine hat sich in Phasen entwickelt, die den Revolutionszyklen der Ukraine folgen (Worschech 2022). Der Unabhängigkeit ging intensives zivilgesellschaftliches Engagement voraus. Im Rahmen der Menschenrechtsbewegung nach dem Helsinki-Prozess und der Umweltbewegung in den 1980er Jahren sowie nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 bildeten sich Nichtregierungsorganisationen, die bis heute aktiv sind. Zwischen der „Granitrevolution“ 1990 bzw. der Unabhängigkeit 1991 und der „Orangen Revolution“ von 2004 – dem ersten Revolutionszyklus – entstand aus der zivilgesellschaftlichen Opposition eine freie Zivilgesellschaft, der aber systematische Mitbestimmungsmöglichkeiten im postsowjetischen politischen System verwehrt blieben. Zentrale Ziele waren der Aufbau zivilgesellschaftlicher Netzwerke und unabhängiger Medien sowie eine echte Demokratisierung politischer Institutionen. Nach der „Orangen Revolution“ folgte im zweiten Revolutionszyklus (2005–2013) eine Phase der Institutionalisierung, Professionalisierung und engen Zusammenarbeit mit externen Förderern. Wichtigste Themen waren Demokratisierung – insbesondere während der Janukowytsch-Administration von 2010 bis 2013 – sowie Europäisierung. Seit 2005 und stärker ab 2014 trug die Zivilgesellschaft zunehmend zur Institutionenbildung bei (Stepanenko/Stewart 2025). Die „Revolution der Würde“ 2013/14 leitete den dritten Zyklus ein, in dem Selbstorganisation, Dezentralisierung, Rechtsstaatlichkeit und Verteidigung die wichtigsten Themen der Zivilgesellschaft waren. Angesichts des russischen Angriffskriegs übernahm die Zivilgesellschaft ab 2014 Aufgaben, die der Staat anfangs nur beschränkt erfüllen konnte: die Versorgung von etwa zwei Millionen Binnenflüchtlingen, die Bildung von Think-Tank-Koalitionen zur Reformbegleitung, die Unterstützung der Streitkräfte durch Spendenaktionen, medizinische Hilfe und auch Freiwilligenbataillone – wobei letztere nicht zur Zivilgesellschaft zählen, aber einen besonderen Fall der Übernahme staatlicher Aufgaben einschließlich der Landesverteidigung durch zivile Akteure darstellen (Shapovalova/Burlyuk 2018; Falsini 2018; Worschech 2017).

Parallel dazu veränderten sich die Strukturen der Zivilgesellschaft. Während in den 1990er Jahren oppositionelle Netzwerke dominierten, etablierten sich ab 2005 professionell arbeitende Nichtregierungsorganisationen als Partner der internationalen Demokratieförderung. Die externe Förderung fand in zwei idealtypischen Formen statt (Worschech 2018): Internationale Geberorganisationen wie die EU und UNDP, aber auch USAID setzten mit mehrjährigen Programmen, entsprechenden Budgets und der Förderung professioneller „Watchdog“-NGOs auf unmittelbar politische Themen wie Menschenrechtsarbeit, Pressefreiheit, Wahlbeobachtung und Korruptionsbekämpfung. Politische Stiftungen, Botschaftsprogramme oder Kulturinstitutionen förderten mit vergleichsweise geringen Mitteln eher allgemeines gesellschaftliches Engagement, Gemeinschaftsbildung, aber auch politische Bildung und Partizipation und arbeiteten häufig mit Initiativen und lokalen Akteuren zusammen. Die vielfach kritisierte Geberabhängigkeit hing auch mit fehlenden staatlichen Fördermöglichkeiten zusammen. Viele Organisationen konnten sich durch multiple Netzwerke der Förderung dennoch eine beachtliche inhaltliche Eigenständigkeit bewahren. Inwiefern insbesondere die Förderung der „Watchdog“-Organisationen tatsächlich die gesetzten Ziele erreichte und zu politischem Wandel beitrug, ist überaus fraglich. Ein nachweisbarer Effekt beider Förderformate war jedoch ihr Beitrag zur Stärkung der Kommunikations-, Vernetzungs- und Organisationsfähigkeiten von NGOs und Aktivist*innen, was in der bemerkenswerten Mobilisierungs- und Selbstorganisationsfähigkeit der ukrainischen Zivilgesellschaft deutlich wird.

Beide Formen der geförderten Zivilgesellschaft blieben jedoch bewusst auf Distanz zum politischen System – man wähnte sich lieber auf der ‚guten Seite‘ derer, die politisches Handeln kritisch begleiten denn auf der Seite des als unmoralisch wahrgenommenen Politikbetriebes. Erst ab 2014 entstanden Brücken, als zivilgesellschaftliche Reformkoalitionen gezielt mit politischen Akteuren zusammenarbeiteten und Aktivist*innen der Revolution in das politische System wechselten – was zuvor undenkbar und nicht mit dem Selbstverständnis der Zivilgesellschaft vereinbar war. Insofern war eine für Demokratisierungsprozesse unabdingbare Permeabilität zwischen Zivilgesellschaft und Politik erst seit 2014 gegeben, reduzierte sich seither aber wieder. Unabhängig davon diversifizierte sich zivilgesellschaftliches Engagement ab 2014 erheblich, indem sich jenseits etablierter NGO-Strukturen dezentrale Netzwerke der Kooperation, Unterstützung und Selbstorganisation bildeten.

Diese Erfahrungen und Strukturen waren eine wichtige Grundlage für die Handlungsfähigkeit der Zivilgesellschaft ab 2022. Die Leitbegriffe Resilienz und Transformation kennzeichnen daher seit 2022 die vierte Phase der ukrainischen Zivilgesellschaft.

3 Funktionen von Zivilgesellschaft im Krieg

Eine Analyse der Zivilgesellschaft unter den Bedingungen eines vollumfänglichen Angriffskrieges muss nach ihren spezifischen Funktionsbedingungen sowie dem Beitrag zum Aufrechterhalten von Staat und Gesellschaft fragen. Der Begriff der Resilienz, häufig nur symbolisch genutzt, eignet sich als analytisches Konzept zur Betrachtung gesellschaftlicher Dynamiken im Kontext existenzieller Krisen. Dafür lassen sich drei Dimensionen von Resilienz unterscheiden: Erstens die Fähigkeit eines Systems, Schocks oder abrupten Veränderungen standzuhalten, zweitens die zügige Wiederherstellung eines ursprünglichen Zustandes und drittens die Fähigkeit eines Systems, zu lernen und sich kontinuierlich an veränderte Bedingungen anzupassen (Christmann/Ibert 2012; Lorenz 2013). Diese Dimensionen der Adaption, Bewältigung und Transformation können durch diskursive Resilienz, welche die Reaktion auf eine Krise in ein Narrativ der notwendigen Transformation einbettet und damit ein Legitimitätsmuster anbietet, ergänzt werden. Für die Zivilgesellschaftsentwicklung in fragilen Situationen ist der Ansatz der resilience governance (Chandler 2014, 2019) hilfreich: So können in komplexen, offenen Systemen mit partizipativem Grundverständnis Veränderungen nur gelingen, wenn sie zugleich akute Probleme bewältigen und eine offene Zukunft antizipieren – also verschiedene Formen der Resilienz vereinen. Dafür braucht es eine selbstreflexive, responsive und partizipative Gesellschaft (Chandler 2016: 144 f.).

Zivilgesellschaftliche Resilienz bedeutet daher Selbstorganisation, die lokale, individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit mit Lernprozessen und Capacity Building verbindet (Korosteleva/Flockhart 2020). Kann Zivilgesellschaft im Krieg ihre klassischen Funktionen – Sicherung demokratischer Normen, Gemeinschaftsbildung und Herstellung abstrakter Solidarität – aufrechterhalten? Kann sie zudem transformative Resilienz im Sinne nachhaltiger Veränderungen politischer und gesellschaftlicher Strukturen anstoßen? Die folgende Analyse aktueller Trends der Zivilgesellschaftsentwicklung in der Ukraine betrachtet diese Fragen in der Extremsituation des Krieges und diskutiert die wichtigsten Dynamiken seit 2022.

4 Aktuelle Trends der ukrainischen Zivilgesellschaft

4.1 Zahlenmäßige Entwicklung

Die Anzahl registrierter zivilgesellschaftlicher Organisationen ist seit 2022 konstant gestiegen: von 128.614 (2022) auf 135.117 (2024) (Ukrainian Center for Independent Political Research 2022, 2023, 2024; ISAR Ednannia 2025). Im Jahr 2021 gab es allerdings noch 160.000 registrierte Organisationen. Dieser Einbruch ist auf die Flucht von acht bis zehn Millionen Ukrainer*innen aufgrund der Vollinvasion zurückzuführen.

Im World Giving Index (WGI), einem Bericht zum weltweiten zivilgesellschaftlichen Engagement der Charities Aid Foundation (2025), belegt die Ukraine den 7. Platz und ist damit unter die Länder mit dem größten freiwilligen Engagement weltweit (bezogen auf die Einwohner*innenzahl) aufgerückt. Die Daten des WGI basieren auf Befragungen von je 1.000 Individuen pro Land. Kriterien für den Index sind, ob die befragte Person einer*m Fremden half, Geld spendete oder ehrenamtlich tätig war. Die Ukraine verzeichnet besonders in den ersten beiden Kategorien besonders hohe Werte. Die Hilfe für Personen, die nicht dem eigenen Haushalt, Freundeskreis oder der bekannten Nachbarschaft angehören, spiegelt die Notwendigkeit akuter Soforthilfe angesichts der kriegsbedingten Zerstörungen in allen Regionen der Ukraine. Laut WGI 2024 haben 61 % der Ukrainer*innen Geld gespendet und 21 % sich freiwillig engagiert – gegenüber 46 % der deutschen Bevölkerung, die Geld spendeten bzw. 19 %, die sich freiwillig engagierten (Charities Aid Foundation 2025).

Umfrageergebnisse ukrainischer sozialwissenschaftlicher Institute bestätigen das hohe Niveau zivilgesellschaftlichen Engagements von über 35 % der Bevölkerung, die im Krieg freiwillig engagiert sind, sowie einer hohen Spendenbereitschaft (siehe Abbildung 1). Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Engagementquote relativ stabil bei ca. 39 %, mit derzeit abnehmender Tendenz. Das Engagement in der Ukraine verteilt sich relativ gleichmäßig über die verschiedenen Altersgruppen und variiert zwischen den Regionen, wobei physische Hilfe im Westen des Landes am größten ist, und finanzielle Hilfe im Zentrum und im Süden der Ukraine dominiert.

Die hohe Engagementquote basiert auch auf einer langjährigen Vorerfahrung, da die Zivilgesellschaft bereits seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges im Jahr 2014 in der Verteidigung und der Versorgung von Geflüchteten staatliche Leerstellen füllte (Zarembo/Martin 2024).

Abb. 1: Zivilgesellschaftliches Engagement in der Ukraine 2023 und 2024, Angaben in Prozent. Datenbasis: Ilko Kucheriv Democratic Initiatives Foundation 2023, 2024; Visualisierung der Autorin.
Abb. 1:

Zivilgesellschaftliches Engagement in der Ukraine 2023 und 2024, Angaben in Prozent. Datenbasis: Ilko Kucheriv Democratic Initiatives Foundation 2023, 2024; Visualisierung der Autorin.

4.2 Von Kunst und Kultur zu humanitärer Hilfe

Bereits nach der „Orangen Revolution“ entwickelte sich eine vielfältige Kulturszene, die unter Janukowytschs autoritärer Herrschaft (2010–2013) stark unter Druck stand, sich jedoch nach der „Revolution der Würde“ neu entfaltete. Dezentralisierung, lokale Initiativen und die Demokratisierung des öffentlichen Raums prägten die Jahre 2014–2022 (Worschech 2020; Stetsevych 2025). Insbesondere in der Ostukraine wurden Kulturzentren bereits ab 2014 oft auch zu Orten der Versorgung von Menschen, die vor Krieg und Annexion flohen, zum Beispiel Vilna Chata („Freie Hütte“) in Kramatorsk oder die von Donezker Künstler*innen gegründete Platforma TIU! in Mariupol.

Seit 2022 wurden zahlreiche dieser Orte in den von Russland besetzten Gebieten zerstört – oder, wie die ehemalige Fabrik und in den 2000ern zum Kunst- und Kulturzentrum entwickelte Izolyatsija in Donezk, von Russland zum Konzentrationslager umgebaut. In der freien Ukraine entwickelten sich Kulturzentren zu Orten, an denen Geflüchtete versorgt, Kleider- und Lebensmittelspenden gesammelt, Beratung, Kunst- und Traumabearbeitungskurse angeboten wurden, häufig auch mit spezifischen Angeboten für geflüchtete Kinder und Jugendliche. Beispiele hierfür sind das Dnipro Center for Contemporary Culture (DCCC)[2] oder auch das Projekt Promylad[3] in Iwano-Frankiwsk, die Kunst, Ausstellungen und Konzerte mit politischem Dialog und humanitärer Arbeit verbinden. DCCC steht exemplarisch für die Entwicklung ukrainischer Kulturorganisationen zu Orten der Gemeinschaftsbildung: Gegründet als Technoclub in den 2000ern, politisierte sich die Organisation insbesondere während der autoritären Herrschaft Janukowytschs, um nach 2014 ein leerstehendes Fabrikgebäude in der Stadt Dnipro als Ort für Kunst, Kultur, sozialen Austausch, politische Debatten und Treffpunkt zu entwickeln. Die Existenz solcher offener Räume und die Organisations- und Managementerfahrung der dahinter stehenden Kulturorganisator*innen ermöglichten im Jahr 2022 eine schnelle Refokussierung auf humanitäre Hilfe.

Eine ähnliche Anpassung fand bei anderen Kulturinstitutionen sowie Verlagen statt. Der Verlag Meridian Czernowitz nutzte seine Logistik für den Transport von Hilfsgütern. Parallel engagieren sich Kulturorganisationen und NGOs für den Schutz des kulturellen Erbes und den Wiederaufbau. Unterstützt von europäischen und amerikanischen Förderern entstanden Programme zu Kulturmanagement, Kulturgutschutz und zur Stärkung der Resilienz von Kultur- und Bildungsakteuren und -institutionen, oft mit Fokus auf die lokale Ebene.[4] Die NGO Insha Osvita („Andere Bildung“)[5] stärkt kreative Kommunen und Resilienz lokaler Kunstinstitutionen, unterstützt Veteran*innen aus dem Kultur- und Bildungsbereich bei der Wiedereingliederung, oder thematisiert Herausforderungen im Bereich Trauma und mentale Gesundheit von Künstler*innen, die fliehen mussten oder selbst mit Geflüchteten arbeiten.

Diese Beispiele zeigen ein anhaltend hohes Engagement ukrainischer Kunst- und Kulturorganisationen bei gleichzeitiger Flexibilität in Bezug auf ihre Aktivitäten: Kulturorganisationen sind zentrale Akteure der Traumabearbeitung, humanitären Hilfe und sozialen Logistik in der Ukraine und tragen zum Schutz von Kulturgütern, kulturellem Wissen, Praktiken und kultureller Identität der Ukraine im Krieg bei.

4.3 Wiederaufbau

Die massive Zerstörung ukrainischer Städte und Dörfer durch Russland hat seit 2022 zahlreiche lokale Initiativen zum Wiederaufbau hervorgebracht. Erste Projekte entstanden nach 2014 in befreiten Gebieten im Osten des Landes, aber auch in der Westukraine, um in Austauschformaten in den Regionen Donezk und Luhansk zu helfen. Aus diesem Engagement entwickelte sich etwa Building Ukraine Together, heute eine der größten Freiwilligenorganisationen im Bereich Wiederaufbau.

Die Zahl der Initiativen und Beteiligten ist schwer zu beziffern. Verschiedene Freiwilligenorganisationen zum Wiederaufbau sprechen von 5.000 bis 50.000 Aktiven in ihren Projekten[6]. Die Gesamtzahl der freiwilligen Helfer*innen im Wiederaufbau dürfte um ein Vielfaches höher sein, da viele Aktivitäten informell in Nachbarschaften oder lokalen Initiativen organisiert werden. Viele dieser Zusammenschlüsse professionalisieren sich schnell und organisieren Aufgaben wie Materialbeschaffung, Fundraising und Koordination für den Wiederaufbau und für Nothilfe in ihren Nachbarschaften.

Ein Beispiel ist die NGO Bo Mozhemo („Because We Can“), die im Wiederaufbau der im Februar und März 2022 von russischen Truppen belagerten Stadt Tschernihiw aktiv ist.[7] Während der Kämpfe wurden Wohngebäude, Schulen, Kitas, Krankenhäuser, Straßen und Energieversorgung beschädigt. Mit einem Facebook-Post eines Ingenieurs aus Tschernihiw und seinem Angebot, dass er beim Aufräumen von Schutt und kleineren Reparaturen helfen könne, begannen regelmäßige Treffen von Freiwilligen, die samstags private Wohnhäuser wieder aufbauten und reparierten. Engagierte mit unterschiedlichem professionellem Hintergrund – darunter Buchhaltung, IT, auch Kunst und Fotografie – halfen, zudem gewährten lokale Unternehmen und Baumärkte Rabatte auf Baumaterialien und Werkzeuge. Über soziale Medien und Netzwerke von Kulturschaffenden in der Initiative gelang es, internationale Spenden und weitere Freiwillige zu gewinnen. Die Initiative ist bis heute aktiv, zumal Tschernihiw auch immer wieder Ziel russischer Raketen- und Drohnenangriffe ist.

Ein ähnliches Projekt ist Repair Together[8], ebenfalls aus Tschernihiw, das den Wiederaufbau privater und öffentlicher Häuser mit kulturellen Events wie Konzerten, Raves und Workshops kombiniert.[9] Ein feministisches Subprojekt von Repair Together besteht aus Frauen als Akteurinnen des Wiederaufbaus. Die Organisation District One aus Kyjiw vermittelt seit 2022 Freiwillige an verschiedene Orte in der Ukraine, wo Unterstützung beim Aufräumen, beim Wiederaufbau oder bei der Verteilung von Hilfsgütern benötigt wird.[10] Die Initiative Dobrobat leistet Soforthilfe im Wiederaufbau und operiert in sieben zentral-, ost- und südukrainischen Regionen.[11]

Was diese Gruppen eint, ist ihre heterogene Zusammensetzung, woraus ein spezifischer sozialer Zusammenhalt entsteht. Dessen Bedeutung im Wiederaufbau fasst der Gründer von Bo Mozhemo wie folgt zusammen: „Wir müssen uns nicht gegen jemanden, sondern für etwas vereinen. Das ist der Trick. Letztendlich werden wir gewinnen, und was dann?“ („We have to unite not against someone, but for something. That’s the trick. After all, we will win, and then what?“; zitiert in Minkina 2023).

4.4 Zivil-militärische Zusammenarbeit

Ein eher ungewöhnliches Phänomen ist die zivil-militärische Zusammenarbeit, die 2014 begann und sich seit 2022 intensiviert hat. Die ukrainischen Streitkräfte, der Staatliche Katastrophenschutz und die Nationalgarde zählen in der ukrainischen Bevölkerung zu den vertrauenswürdigsten Institutionen. Im August 2022 vertrauten 91 % der Bevölkerung der Armee und 77 % den Freiwilligenorganisationen, 2024 stiegen die Werte auf 96 % bzw. 85 % (Ilko Kucheriv Democratic Initiatives Foundation 2024; Interfax-Ukraine 2024). Innerhalb der Tätigkeitsfelder ukrainischer NGOs hat sich die Unterstützung der Armee auf 43,2 % verdoppelt und ist neben der Unterstützung von Kriegsopfern und Binnenvertriebenen zur Priorität vieler zivilgesellschaftlicher Gruppen geworden (KIIS 2023). Die zivilgesellschaftliche Unterstützung der Streitkräfte beinhaltet humanitäre Hilfe, Informationsbereitstellung, Spendensammlungen für die Armee und für Veteran*innen, Bereitstellung von technischer Hilfe und Ausrüstung oder medizinische Schulungen.

Seit 2014 entstanden zahlreiche Initiativen und Organisationen zur Unterstützung der Armee. Prominentestes Beispiel ist die NGO Come Back Alive, gegründet 2014 von einem IT-Entwickler zur Finanzierung militärischer Kleinausrüstung. Sie entwickelte sich zum größten Fundraiser für Nachtsichtgeräte, Drohnen und medizinisches Material und weitete 2022 ihr internationales Netzwerk aus. Daneben existieren viele Initiativen und informelle Zusammenschlüsse Freiwilliger, die finanzielle und materielle Spenden für das Militär sammeln oder Ausrüstung wie Tarnnetze, Tarnkleidung, Winterkleidung und Ähnliches herstellen. Spendenkampagnen laufen über soziale Medien und Merchandise, wie im Beispiel der Gruppe Bibliotechnyi Pavuchkyi (übersetzt: Bibliotheksspinnen, siehe Abb. 2), deren Mitglieder in der örtlichen Bibliothek von Rakiwka, einem Dorf in der Nähe von Kyjiw, zusammenkommen, um Tarnnetze herzustellen. Auch Bo Mozhemo ist inzwischen in diesem Feld aktiv und produziert in einer Schmiede Kleingeräte für die Armee.

Abb. 2: Aufnäher der Gruppe „Bibliotheksspinnen“, Quelle: Vincent 2025
Abb. 2:

Aufnäher der Gruppe „Bibliotheksspinnen“, Quelle: Vincent 2025

Diese Unterstützung der Streitkräfte ist Ausdruck eines breiten gesellschaftlichen Selbstverständnisses: Verteidigung gilt als Aufgabe der ganzen Gesellschaft, zumal auch die ganze Gesellschaft vom Krieg unmittelbar betroffen ist. Freiwilliges Engagement in Logistik, Medizin und auch militärischen Bereichen ist hoch, auch wenn parallel die Zahl der Mobilisierungsverweigerungen zunimmt. Die Armee ist als Thema allgegenwärtig – fast jede*r Ukrainer*in kennt mittlerweile Gefallene oder Verwundete. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen zivilem Engagement und militärischer Verteidigung zunehmend.

4.5 Digitaler Aktivismus und Citizen Science

Die Entwicklung des ukrainischen IT-Sektors gilt als ökonomische Erfolgsgeschichte. Seit den 1990er Jahren gewachsen, etablierte er sich ab 2014 als einer der vielversprechendsten Wirtschaftszweige mit überdurchschnittlichen Gehältern. Kurz vor der Vollinvasion beschäftigte der IT-Bereich ca. 290.000 Menschen, trug ca. 5 % zum BIP bei und stellte 40 % der Dienstleistungsexporte (Sakhno 2025). Dank dezentraler Strukturen und hoher Flexibilität blieb die Branche während des vollumfänglichen Krieges funktionsfähig und trägt zur Aufrechterhaltung von Wirtschaft und Verteidigung bei.

Parallel stieg die Rolle digitalen Engagements. Viele IT-Unternehmen unterstützen aktiv die ukrainischen Streitkräfte durch Entwicklungs- und Spendenkampagnen und die Gründung von Stiftungen, die zunächst karitative Zwecke erfüllten, aber seit 2022 beispielsweise in den Bereichen Prothesenentwicklung, mobile Kliniken oder direkte Unterstützung der Armee aktiv sind, wie etwa die 2019 gegründete Techiia Foundation.[12] Zudem entstand unmittelbar nach Beginn der Vollinvasion 2022 die sogenannte „IT-Armee“, in der Freiwillige, sogenannte „Kibervolontery“ (auch als „Cybervolontery“ bekannt), koordinierte Angriffe auf russische Server ausführen, Spionage für die ukrainischen Streitkräfte betreiben und zahlreiche Anhänger*innen im In- und Ausland mobilisierten (Sakhno 2025).

Daneben wächst die Bedeutung von Citizen Science. Bürger*innen liefern Daten zu kriegsbedingten Umweltschäden, russischen Truppenbewegungen oder Kollaboration. Die NGO DeepState.UA hat gleich zu Beginn der Vollinvasion eine interaktive quelloffene Karte erstellt, welche Truppenbewegungen der russischen und der ukrainischen Armee zeigt.[13] Die Daten basieren auf geolokalisierten Fotos von Freiwilligen oder ukrainischen Soldat*innen, zudem besteht eine Kooperation mit dem Verteidigungsministerium. Das Projekt und die Eigenentwicklung der Karte zeigen sowohl technische Kompetenz als auch das Engagement der ukrainischen IT-Community.

Auch Umweltorganisationen nutzen digitale Werkzeuge und Citizen Science. Die NGO SaveDnipro gründete sich 2017 und begann mit Messungen zur Luftqualität, um Emissionen des örtlichen Kraftwerks zu reduzieren. Während der Invasion wurde das System um Strahlungsdaten ergänzt. Inzwischen wurden über 100 mobile Messgeräte in Kooperation mit der NGO Safecast verteilt, deren Ergebnisse zur Luftqualität auf der Plattform SaveEcoBot in Echtzeit abrufbar sind.[14] Internationale Citizen-Science-Projekte wie GROMADA[15] oder CityObs[16] ergänzen diese Ansätze; hier geht es um die Datenerhebung und -veröffentlichung zu Mikroplastik, Luftverschmutzung oder Klimaanpassung.

Diese Beispiele zeigen ein Zusammenspiel von Forschung, Lösungssuche, Verteidigung, Digitalisierung und Partizipation, das vor 2022 in der Ukraine in dieser Form und Dimension weder vorhanden noch vorstellbar war. Das vorhandene hohe Digitalisierungsniveau der ukrainischen Gesellschaft machte zivilgesellschaftliches digitales Engagement vergleichsweise leicht möglich, was nicht unerheblich zu einer schnellen, resilienten Reaktion auf den russischen Angriff beitrug.

4.6 Think Tanks

Think Tanks sind „privat oder öffentlich finanzierte praxisorientierte Forschungsinstitute, die wissenschaftlich fundiert politikbezogene und praxisrelevante Fragestellungen behandeln und im Idealfall entscheidungsvorbereitende Ergebnisse und Empfehlungen liefern“ (Thunert 2021). In der Ukraine spielen sie seit der Unabhängigkeit eine zentrale Rolle, da sie einen großen Teil der Zivilgesellschaft ausmachen und über die Jahre Kontinuität bewiesen haben (Keudel/Carbou 2021). Zudem sind ukrainische Think Tanks traditionell wichtige Partner der externen Demokratieförderung (Worschech 2018). Ihre Bedeutung resultiert auch daraus, dass Think Tanks flexibler, praxisnäher und politisch besser vernetzt agierten als staatliche universitäre Politikforschungsinstitute.

Thematisch liegt der Fokus ukrainischer Think Tanks auf Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Die europäische Integration wurde ab 2004 und 2014 zunehmend wichtig. Seit 2022 kamen Sicherheit und Verteidigung hinzu. Ein charakteristisches Problem der Think Tanks ist ihre Abhängigkeit von externer oder privater Finanzierung. Bis 2014 führte dies häufig zu Konkurrenz um Fördermittel, was Kooperationen erschwerte. Erst nach der „Revolution der Würde“ bildeten zahlreiche Think Tanks Reformallianzen, um Gesetzesentwürfe auszuarbeiten und die Umsetzung der geforderten Reformen – auch im Hinblick auf das EU-Assoziierungsabkommen – zu begleiten. Prominentestes Beispiel ist das 2014 gegründete Reanimation Package of Reforms (RPR), das mit Reformvorschlägen, einer Roadmap und einer Online-Plattform für Vernetzung wichtige Impulse gab.

Seit 2022 intensivierte sich die Kooperation von Think Tanks in Form von Allianzen und Reformkoalitionen, zumal der Bedarf an Expertise angesichts des EU-Beitrittsprozesses wächst. In der Koalition RISE Ukraine etwa arbeiten über 50 Organisationen zum Wiederaufbau zusammen, mit Schwerpunkten wie Transparenz, Bürgerbeteiligung und digitale Lösungen. Das Konsortium RRR4U vereint vier etablierte Denkfabriken, die für einen nachhaltigen, sozialen und umweltgerechten Wiederaufbau eintreten (Andrieieva et al. 2023). Rechtswissenschaftlich orientierte Organisationen wie die DEJURE-Stiftung treiben gezielt die Angleichung an das EU-Recht voran.

Durch ihre Expertise und Netzwerke mit der Regierung und internationalen Akteuren leisten Think Tanks entscheidende Beiträge zum Reformprozess. Gemeinsam mit einigen privaten Hochschulen, die eigene Analysezentren gegründet haben (z. B. das KSE Institute der Kyiv School of Economics), stellen sie heute eine unverzichtbare Wissens- und Ressourcenbasis sowie eine Reformlobby in der Ukraine dar.

4.7 Widerstand

Eine besondere Form zivilgesellschaftlichen Engagements ist der Widerstand gegen die russische Besatzung, der seit 2014 auf der Krym und in der Ostukraine begann und sich ab 2022 ausweitete (Matsiyevsky/Worschech 2025). Widerstand meint dabei Handeln gegen Regeln, die eine als illegitim betrachtete Herrschaft stützen (Fox Piven/Cloward 2005). In den besetzen Gebieten der Ukraine findet Widerstand sowohl gewaltfrei als auch gewalttätig statt.

Die bekannteste gewaltfreie Bewegung ist die Gelbe Schleife, gegründet im April 2022 in Cherson.[17] Mit Symbolen wie gelben Bändern oder dem ukrainischen Buchstaben ï markieren Aktivist*innen den öffentlichen Raum in besetzten Gebieten und zeigen damit die Zugehörigkeit der Gebiete zur Ukraine. Im April und Mai 2022 organisierte die Bewegung zunächst Protestkundgebungen gegen die Besatzung, doch angesichts der Repression verlagerten sich die Aktivitäten auf klandestine Praktiken wie Schleifen, Flugblätter oder Graffiti. Die Kommunikation erfolgt anonymisiert mittels zweier Chatbots, über die Informationen zu Verbrechen der Besatzer oder Fotos von Symbolaktionen gemeldet und dann geteilt werden. Im September 2025 zählte der öffentliche Telegram-Kanal der Bewegung fast 17.000 Abonnent*innen.

Auch die feministische Widerstandsgruppe Zla Mavka, benannt nach einer folkloristischen Figur der Dichterin Lessja Ukrajinka, agiert dezentral über Telegram. Neben Graffiti, Flugblättern und Symbolaktionen gibt es auch Berichte über subversive Aktionen wie mit Abführmitteln versetzte Getränke, welche russische Soldaten übergeben werden. Der Telegramkanal der Mavki hat über 9000 Abonnent*innen.[18]

Zudem haben sich zahlreiche Partisanengruppen gebildet, die teilweise auf Erfahrungen aus den Jahren 2014–2015 in den damals besetzten Gebieten zurückgehen. Seit 2022 sind Partisanen auch in den neu besetzten Gebieten aktiv, mit Melitopol und der Krym als Zentren. Zum Repertoire der Partisanenbewegung gehören Informationsweitergabe an das ukrainische Militär, aber auch Sabotage russischer Infrastruktur und direkte Angriffe auf Kollaborateure, zum Beispiel mit Autobomben. Auch Angriffe tief im russischen Hinterland finden statt. Aktuell lassen sich bis zu fünfzehn Netzwerke unterscheiden, wobei die Zahl der aktiven Gruppen schwankt. Die Mitglieder der Partisanengruppen sind sowohl Zivilist*innen als auch ukrainische und sogar russische Militärangehörige. Besonders bekannt ist die auf Krym gegründete Gruppe Atesh (krimtatarisch für „Flamme“), die nach eigenen Angaben bis zu 4000 Mitglieder zählt und unter anderem Anschläge auf russische Militäreinrichtungen durchführt. Alle Gruppen nutzen Telegram zur Mobilisierung und für die Öffentlichkeitsarbeit (Matsiyevsky 2023).

Der überwiegend von zivilgesellschaftlichen Akteuren getragene Widerstand wird auch staatlich gestützt. Mit dem Gesetz „Über die Grundlagen des nationalen Widerstands“ (2021) schuf die Ukraine noch vor der Vollinvasion eine Rechtsgrundlage für Organisation und Koordination des Widerstands. Darauf aufbauend wurde im März 2022 das Nationale Widerstandszentrum gegründet, das Informationen, Anleitungen und Materialien bereitstellt und Partisanenaktivitäten unterstützt.

5 Diskussion

Die ukrainische Zivilgesellschaft wächst während des Krieges und ist in sechs Schwerpunktbereichen – Kultur und humanitäre Hilfe, Wiederaufbau, zivil-militärische Kooperation, digitaler Aktivismus, Think Tanks und Widerstand in besetzten Gebieten – besonders aktiv. Sie verfügt über ein hohes Maß an Selbstorganisation und eine hohe Handlungskapazität, sowohl individuell als auch kollektiv. Dabei durchläuft die ukrainische Zivilgesellschaft permanente Lern- und Anpassungsprozesse an immer neue Realitäten im Krieg.

Die Entwicklung der ukrainischen Zivilgesellschaft während des vollumfänglichen Krieges folgt zudem zwei bekannten Mustern. Erstens ist ein starkes, auch zunehmend spontanes und informelles Engagement in vielen Bereichen wahrzunehmen: von humanitärer Hilfe, Wiederaufbau und sozialen Themen über Kunst, Kultur, Stadtentwicklung sowie Europäisierung und Protest bis hin zu zivil-militärischem Engagement und Widerstand ist die ukrainische Zivilgesellschaft aktiv und in Gesellschaft und Staat präsent. Zweitens ist dieses Engagement häufig die Kehrseite von Kapazitätslücken und Problemen von Staat und Verwaltung, zumal starke Überschneidungen mit genuin staatlichen Aufgaben wie Verteidigung, Katastrophenschutz, Nothilfe bestehen. Die Probleme staatlicher Kapazität treffen dabei auf eine Gesellschaft, die grundsätzlich von Misstrauen in politische Institutionen geprägt ist. Auch wenn das Vertrauen der Ukrainer*innen in einzelne staatliche Institutionen, allen voran in die Streitkräfte, erheblich gestiegen ist, besteht dennoch eine verbreitete Haltung, dass Bürger*innen im Zweifelsfall die Dinge ‚besser selbst in die Hand nehmen‘, statt auf den Staat zu warten. Zahlreiche Memes beispielsweise von ukrainischen Traktoren, die zerstörte russische Panzer abschleppen, illustrieren dieses Selbstbild.[19] In vielen Kontexten zivilgesellschaftlichen Engagements in der Ukraine hat sich ein Habitus herausgebildet, den ich als civic entrepreneurship bezeichnen möchte: eine in ihrem Grundsatz unternehmerische, gewissermaßen klassisch-liberale Haltung, die sich aus Unternehmertum und Innovation, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die je eigene soziale Gemeinschaft und ein gewisses Misstrauen in staatliche Institutionen speist. Selbstverständlich ist der Krieg die alles dominierende permanente Bedrohung und begründet eine besondere Notwendigkeit zum Handeln.

Mit Blick auf demokratisierende Funktionen der Zivilgesellschaft im Krieg zeigt sich, dass sie erstens die Rolle des ‚Wachhunds‘ einnimmt: Proteste wie jene im Juli 2025, aber auch die kritisch-konstruktive Begleitung der EU-Integration unterstreichen eine effektive Kontroll- und Korrekturfunktion. Zweitens trägt Zivilgesellschaft auf verschiedenen Ebenen zur Gemeinschaftsbildung bei: In Hilfsinitiativen, Wiederaufbauprojekten, Spendenkampagnen, IT-Unterstützung oder Widerstandsaktivitäten entstehen Netzwerke, die heterogene Gruppen verbinden und verbindendes Sozialkapital (Putnam et al. 1993) fördern. Der dezentrale Widerstand in den besetzten Gebieten schafft durch Symbole und Narrative imaginierte Gemeinschaften ukrainischer Zugehörigkeit – ähnlich wie dies bei Diasporagruppen oft der Fall ist (Anderson 1983).

Eine weitere wichtige demokratisierende Funktion von Zivilgesellschaft ist die eines Lern- und Praxisortes für künftige politische Verantwortungsträger*innen im Sinne einer political leadership academy. Durch politikorientiertes und politiknahes Handeln im vorpolitischen Feld kommen Akteure mit politischen Akteuren, Prozessen und Mechanismen in Berührung, können sich mit Funktionsweisen politischer Entscheidungsprozesse vertraut machen und auf der Basis der hier gebildeten Kenntnisse, Fähigkeiten und Netzwerke in die Politik wechseln. Dieser Schritt ist in vielen Demokratien üblich und wird zum Teil auch gezielt gefördert. In der Ukraine besteht auch im Zusammenhang mit der ausgeprägten Institutionenskepsis eine nahezu unüberwindbare Differenz zwischen Zivilgesellschaft und Politik: Zivilgesellschaftliche Akteure fordern zwar Partizipation ein, streben Einflussnahme auf politische Prozesse an und sehen sich klar in der Verantwortung für die ukrainische Demokratie, möchten sich aber keinesfalls in das ‚schmutzige Geschäft‘ der Politik begeben, sondern gewissermaßen auf der ‚sauberen‘ Seite derer bleiben, die die Politik von außen kommentieren und verbessern.[20] Eine Überwindung dieses kaum überbrückbaren habituellen Grabens schien nach der Revolution der Würde kurzzeitig möglich (Worschech 2016). Mittlerweile ist die Spaltung wieder aufgebrochen und scheint tiefer als je zuvor; die eingangs genannte Abgeordnete Inna Sowsun ist eine der wenigen Abgeordneten mit Wurzeln in der Zivilgesellschaft, die noch geblieben sind. Bislang gelingt es nicht, die Kluft zwischen Zivilgesellschaft und Politik zu schließen, was für Partizipation und demokratische Entwicklung hinderlich ist und langfristig zu Polarisierung oder entkoppelten politischen Institutionen führen kann.

Die ukrainische Zivilgesellschaft trägt dennoch deutlich zur Bewältigung der akuten Kriegsfolgen bei. Soziale Resilienz ergibt sich aus der Herausbildung einer civil sphere (Alexander 2006), in der sich Gemeinschaft entwickeln und abstrakte Solidarität entstehen kann, und in der sich die Gesellschaft im Sinne des civil repair nach traumatischen Erfahrungen und sozialer Dissoziation neu organisiert (Alexander 2024). Resilienz kann zudem als Ergebnis von Narrativen verstanden werden: Viele zivilgesellschaftliche Akteure betrachten ihre Aktivitäten bewusst als Beitrag zur gemeinschaftlichen Verteidigung. Transformative Resilienz wird sichtbar, wenn gesellschaftliche Kernelemente wie kollektive Identität, Europäisierung, Souveränität durch Anpassung und Innovation bewahrt werden. Diese Form der Resilienz spiegelt sich in den zivil-militärischen Netzwerken, im Widerstand, in NGO-Koalitionen oder in der thematischen Neuausrichtungen von NGOs. So betreibt die ukrainische Zivilgesellschaft im Krieg ein aktives ‚doing resilience‘: Sie handelt praktisch zur Krisenbewältigung und stärkt zugleich das Narrativ einer widerständigen, vereinten, europäischen Gesellschaft.

6 Ausblick

Die drei Zyklen der ukrainischen Zivilgesellschaftsentwicklung lassen sich ab 2022 um eine vierte Phase ergänzen. Der Chronologie von Vernetzung und Demokratisierung (1990–2004), Professionalisierung und Europäisierung (2005–2013) sowie Selbstorganisation und Dezentralisierung (2014–2022) folgt zivilgesellschaftliche Governance und Resilienz, in der Wiederaufbau, Bereitstellung sozialer Fürsorge und humanitärer Hilfe, Unterstützung der Verteidigung bzw. Souveränität sowie Aufrechterhaltung demokratischer Institutionen und Prozesse zentral sind. Zugleich findet Gemeinschafts- und Identitätsbildung unter Kriegsbedingungen statt. Herausforderungen liegen in der Kluft zwischen Zivilgesellschaft und Politik sowie in der Frage, wie eine selbstbewusste, aber institutionenskeptische Zivilgesellschaft in fragile politische Prozesse und Institutionen integriert und Interessenkonflikte in der Zivilgesellschaft selbst moderiert werden können. Der anhaltende russische Angriffskrieg stellt die größte Herausforderung dar, da Erschöpfung, zunehmende Verarmung und Zerstörung der Lebensgrundlagen, Tod und Abwanderung die gesamte Gesellschaft unter enormen Druck setzen.

Das Beispiel der Ukraine zeigt zudem, dass Demokratisierungsprozesse von Staat und Zivilgesellschaft auch gegenläufig verlaufen können: Trotz nur semidemokratischer Institutionen konnte sich eine aktive, prodemokratische Zivilgesellschaft mit einem starken Selbstverständnis als Wächterin der Demokratie etablieren. Welche Folgen diese Diskrepanz zwischen Institutionen und vor-institutionellem politischem Feld für Demokratie, Staat, Gesellschaft und europäische Integration hat, sowie welche Narrative und Ambivalenzen das Verhältnis von Zivilgesellschaft und Institutionen nach einem potenziellen Kriegsende prägen, bleibt ein Thema künftiger Forschung.


Anmerkung

Dieser Text entstand im Rahmen des KIU Kompetenzverbundes Interdisziplinäre Ukrainestudien Frankfurt (Oder) – Berlin, einem vom Deutschen Akademischen Austauschdienst mit Mitteln des Auswärtigen Amtes geförderten Projekts.


Über den Autor / die Autorin

Susann Worschech

Dr. Susann Worschech ist Sozialwissenschaftlerin und Wissenschaftliche Koordinatorin des KIU Kompetenzverbundes Interdisziplinäre Ukrainestudien Frankfurt (Oder) – Berlin an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder),

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Online erschienen: 2026-03-05
Erschienen im Druck: 2026-03-04

© 2026 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 15.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/fjsb-2026-0003/html
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