Rezensierte Publikation:
Gylfi Gunnlaugsson Old-Norse-Icelandic Philology and National Identity in the Long Nineteenth Century. ( National Cultivation of Culture. Vol. 28 ). – Brill, Leiden-Boston 2022.
Das Studium der altnordischen Literatur erhielt im frühen 19. Jahrhundert starke Impulse. Davor hatte man sich zwar auch damit beschäftigt, aber das beschränkte sich hauptsächlich auf die skandinavischen Länder. Jetzt aber im Zeitalter der Romantik und unter dem Einfluss der Ideen von Johann Gottfried Herder stürzte man sich mit großer Begeisterung auf die Literatur des Mittelalters. Das Problem dabei war allerdings, dass man in Skandinavien zwar die altnordische Literatur als Erbe der eigenen Vorfahren sah, sie aber kaum verstehen konnte, weil sich die Sprachen sehr weit vom Altnordischen entfernt hatten. Für das Verständnis der mittelalterlichen Texte bedurfte es der Hilfe von Isländern, für die ja diese Sprache nicht so fremd war. Dass sich dann das Studium der altnordischen Literatur auf Dänemark konzentrierte, ist nicht verwunderlich, gehörte Island doch seit 1262 zum norwegischen und später zum dänischen Königreich und seit dem 17. Jahrhundert waren zahlreiche mittelalterliche Handschriften von Island nach Kopenhagen gebracht worden. Dort befand sich ja u. a. die große Sammlung, die Arni Magnússon im Laufe seines Lebens zusammengebracht hatte und die er nach seinem Tode der Universität vermacht hatte. Für die Isländer spielte es jedoch eine große Rolle, dass es sich um die Erforschung ihrer Literatur des Mittelalters handelte, und zwar durch die Kolonialmacht Dänemark. Das führte zu Auseinandersetzungen u. a. über die Frage, wessen Erbe die mittelalterliche Literatur eigentlich war. Der vorliegende Band enthält zwölf Beiträge, die chronologisch nach den behandelten Personen geordnet ein Bild dieser Auseinandersetzungen zwischen Dänen, Isländern und Norwegern zu geben versuchen.
In seiner Einführung schildert Gylfi Gunnlaugsson die Ausgangssituation, bei der Island von Alters her eine wichtige Rolle in der Entstehung der mittelalterlichen Literatur im Norden gespielt hat, wie auch aus Bemerkungen in den Quellen, etwa bei Saxo Grammaticus um 1200, hervorgeht. Das Auseinanderdriften der kontinentalen skandinavischen Sprachen einerseits und des Isländischen andererseits hat dem wohl ein Ende bereitet. Im 16. und 17. Jahrhundert regte sich dann auf dem skandinavischen Festland ein neues Interesse, weil sich die Nationalstaaten Dänemark und Schweden für ihre eigene Vergangenheit zu interessieren begannen und den Blick nach Island richteten, wo die mittelalterliche Literatur weiterhin gelesen und – vor allem – kopiert und weitergegeben wurde. Der vorliegende Band konzentriere sich auf die isländischen und nicht-isländischen Forscher, die das überlieferte Material im 19. Jahrhundert studierten und mit der traditionellen griechisch-römischen Kultur verglichen. Der Schwerpunkt des Bandes betrifft die Periode zwischen 1772 (Gründung der arnamagnæanischen Kommission in Kopenhagen) und 1918 (Islands Selbständigkeit). Dadurch kommt auch der Kampf um die isländische Selbständigkeit und die Rolle des Skandinavismus um 1850 ins Bild.
Im ersten Beitrag geht Gylfi Gunnlaugsson auf die Frage ein, um wessen kulturelles Erbe es sich eigentlich handle. Ab etwa 1600 begann man sich auf Island und außerhalb für diese Frage zu interessieren. Die ersten Übersetzungen der ‘Gesta Danorum’ und einiger Königssagas wurden herausgegeben und Snorris Prosa-Edda wurde 1665 gedruckt. Zahlreiche Handschriften wurden von Island nach Dänemark, aber auch nach Schweden gebracht, damit man sich dort mit der ’eigenen’ Geschichte beschäftigen könne. Allerdings mussten Isländer den dänischen und schwedischen Gelehrten bei der Lektüre der mittelalterlichen Schriften helfen. Die Rivalität zwischen Schweden und Dänemerk belebte die Erforschung des mittelalterlichen Erbes, wobei sich die Schweden eher auf die Fornaldarsögur konzentrierten, weil das Land darin nun einmal öfter erwähnt wird. Arni Magnússon sammelte in Kopenhagen mittelalterliche Handschriften. Nach seinem Tode war eigentümlicherweise anfangs das Interesse für diese Handschriften gering. Im Ausland wurden dann vor allem durch Paul-Henri Mallets Werke ‘Introduction à l’histoire de Dannemarc’ (1755) und ‘Monuments de la mythologie et de la poésie des Celtes, et particulièrement des anciens Scandinaves’ (1756) die Kenntnisse über Island und über die mittelalterliche Literatur des Nordens verbreitet. Die Gründung der Arnamagnæischen Kommission 1772 in Kopenhagen war entscheidend: Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, die altnordischen Texte in weiten Kreisen bekannt zu machen. Es gab sogar Vorschläge, die altnordische Mythologie an die Stelle der antiken Mythologie zu stellen und sie als Vorbild für die zeitgenössischen Künstler zu propagieren. Dabei spielte natürlich eine Rolle, dass das Altnordische in den mittelalterlichen Quellen oft als dönsk tunga bezeichnet wird, was von den Dänen natürlich ausgeschlachtet wurde.
Im zweiten Beitrag beschäftigt sich Alderik Blom mit dem dänischen Sprachforscher Rasmus Rask und dessen Bedeutung in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Mit seiner ‘Vejledning’ (1811) schrieb er das erste Handbuch zum Altnordischen. Diese Einführung wurde dann später zum Vorbild für weitere Grammatiken indoeuropäischer Sprachen. Interessant ist, dass er dafür plädierte, das Altnordische wie das Neuisländische auszusprechen. Wichtig ist auch seine Rolle bei der Gründung von Hið Íslenska Bókmenntafélag (1816). Durch eine Besprechung 1812 seiner ‘Vejledning’ entstand der Kontakt zu Jakob Grimm, der dann 1826 von Rask wegen einer negativen Besprechung Grimms von Rasks altfriesischer Grammatik abgebrochen wurde. In Grimms Augen machte Rask kaum einen Unterschied zwischen mittelalterlicher und moderner Sprache. Offenbar haben sich die Ansichten von Rask später einigermaßen geändert, denn im posthum erschienenen ‘Kortfattet Vejledling’ (1832) hat er diesen Unterschied wohl berücksichtigt.
Im dritten Beitrag hebt Annette Lassen die Bedeutung der Übersetzungen der altnordischen Sagas hervor. Nach 1772 (Struensee) entstand in Dänemark eine antideutsche Haltung, wobei die nationalistischen Ideen mit linguistischen Argumenten unterstützt wurden. Historische Sprachwissenschaft wird ja häufiger politisch eingesetzt. Man denke etwa an Jakob Grimms Behauptung, europäische Gebiete, wo Deutsch gesprochen wird (oder wurde), könnten zu Recht von Deutschland reklamiert werden (wie etwa das dänische Jütland). Nicht umsonst wies Rask in seiner ‘Vejledning’ die Ansicht zurück, das Dänische sei aus dem Deutschen hervorgegangen. Es gehöre vielmehr zu den skandinavischen Sprachen. In diesem Zusammenhang ist das Interesse verständlich, das man jetzt in Dänemark der altnordischen Literatur entgegenbrachte. In Deutschland war man anfangs eher skeptisch bezüglich des Wertes der altnordischen Schriften, weil sie aus christlicher Zeit stammten und somit wenig über die heidnische Vorzeit aussagen könnten. Dagegen wehrten sich Forscher wie der Däne Peter Erasmus Müller (1776–1834), der 1813 über die Bedeutung des Altnordischen für das zeitgenössische Dänisch schrieb (‘Om det islandske Sprogs Vigtighed’). Wegen der mittelalterlichen Bezeichnung dönsk tunga wurde sie, wie gesagt, als Vorläufer des Dänischen betrachtet, und in seinen Übersetzungen der Sagas versuchte Müller denn auch isländische Wörter ins Dänische zu assimilieren. Auch andere Übersetzer (z. B. Rasmus Rask) folgten ihm darin, doch habe diese Methode wenig Erfolg gehabt. Im Grunde seien nur spezifische Realia wie etwa bersærk, valkyrie und gejser in die moderne Sprache aufgenommen worden.
Die Zusammenarbeit zwischen Dänen und Isländer am Anfang des 19. Jahrhunderts war nicht frei von Spannungen, wie Clarence E. Glad in seinem Beitrag darlegt. Beide Gruppen mussten zusammenarbeiten in Gremien wie Hið íslenska Bókmenntafélag und Det Kongelige Nordiske Oldskriftselskab. Das ging einige Zeit gut und eine Reihe von Textausgaben mit Übersetzungen ins Dänische und ins Lateinische erschien in den ersten Jahrzehnten. Auffällig ist, dass die ersten Publikationen auch von 900 Isländern (2 % der Bevölkerung!) gekauft wurden. Die dänische und die isländische nationalistische Gesinnung kam in dieser Zeit noch nicht so deutlich zum Ausdruck. Die gemeinsame Vergangenheit blieb noch bestehen. Nach einer negativen Besprechung von Carl Christian Rafns dänischer Übersetzung der ‘Jómsvíkinga saga’ und ‘Knytlinga saga’ entwickelte sich jedoch ein Streit und der Isländer Þorgeir Guðmundsson musste Kopenhagen verlassen. Sogar in Reykjavík unterstützte man noch die Dänen. Aber es entstand auch Streit um die Leitung des Bókmenntafélag und es kam zum Beginn einer Spaltung zwischen Dänen und Isländern. Die Frage, wessen Erbe die altnordische Literatur war, spielte eine immer größere Rolle. Dänen, Norweger und Isländer beanspruchten sie als eigenes Erbteil. Der Norweger P. A. Munch sah das Norwegische als die ursprüngliche skandinavische Sprache. Von Norwegen aus wären sowohl Island als auch Dänemark besiedelt worden. Die nationalistischen Tendenzen wurden immer stärker. Sowohl Isländer wie Norweger versuchten ihre Position Dänemark gegenüber zu verstärken. Auf Island wurde der Ruf nach größerer Selbständigkeit lauter: "das Hellas des Nordens".
Auch Norwegen kämpfte um seine Selbständigkeit. Nach 1815 war es widerstrebend in eine Personalunion mit Schweden gekommen. Das führte nicht zuletzt dazu, dass die Behauptung, das Norwegische sei die älteste und wichtigste skandinavische Sprache und die Lieder-Edda im Grunde eine norwegische Schöpfung, auf Beifall rechnen konnte. Rudolf Keyser, der in Oslo einen der ersten Lehrstühle für Altnordisch erhielt, war der große Propagandist dieser Idee. Man versuchte sich gegen Dänemark abzugrenzen, vgl. Nicolai Wergelands ‘En sandferdig Beretning om Danmarks politiske Forbrydelser imod Kongeriget Norge fra Aar 955 indtil 1814’ (1816). Man wollte die Norweger als mindestens gleichberechtigt zwischen Dänen und Schweden sehen, wobei der Immigrationstheorie, nach der die Norweger von Norden her migriert, während Dänen und Schweden über Deutschland gekommen wären – somit eigentlich “Deutsche” waren –, große Bedeutung beigemessen wurde. Keyser stützte sich dabei auf unzuverlässige altnordische Texte wie ‘Hversu Noregr byggðisk’ (vgl. auch Quak 2002).
In den folgenden Beiträgen werden weitere wichtige Protagonisten der Erforschung des Altnordischen wie Sveinbjörn Egilsson und Jón Sigurðsson und deren Rolle sowohl in der Forschung der mittelalterlichen Literatur wie im Unabhängigkeitsstreben Islands beleuchtet.
Grímur Thomsen, der heute vor allem als Dichter bekannt ist, schrieb schon als Student in Kopenhagen Essays über Literatur und Kultur in dänischer Sprache und hat – wie mehrere seiner Landsleute in Kopenhagen – aus finanziellen Gründen an den Ausgaben der Sagas mitgearbeitet. Dadurch wurde sein Interesse an mittelalterlicher Literatur geweckt; er propagierte Kenntnisse der mittelalterlichen Literatur für zeitgenössische Schriftsteller. In seinen Werken betonte er die Sonderstellung Islands als Schatzkammer des echten Nordens dank der Isolation der Insel. Nach seiner Rückkehr nach Island 1867 schrieb er fast nur noch auf Isländisch und gebrauchte das altnordische Material für seine Poesie.
Eine ganz andere Gestalt war Benedikt Gröndal. Er war an erster Stelle Latinist und beklagt sich in seiner Autobiographie ‘Dægradvöl’ (1923) darüber, dass er sich während seiner Schulzeit in Kopenhagen wenig für die isländische Sache interessiert habe. Seine große Arbeit ‘De studiis classicis’ (1870) blieb unveröffentlicht (Handschrift in der Landsbókasafn in Reykjavík), aber man kann sich einen Eindruck von seinen Ideen machen. Für einen damaligen Isländer stand er der dänischen Herrschaft über Island relativ positiv gegenüber. Diese dissidente Auffassung über das Unabhängigkeitsstreben Islands führte jedoch zum Bruch mit Jón Sigurðsson, dem großen Vorkämpfer für Islands Selbständigkeit.
Guðbrandur Vigfússon ist – wie so viele andere Forscher aus dieser Periode – in Bessastaðir zur Schule gegangen und hat dann in Kopenhagen für die Arnamagnæanische Kommission gearbeitet. Sein ’Um tímatal í Íslendingasögum í fornöld’ (1856) wird immer noch zitiert. Der englische Gelehrte Richard Cleasby arbeitete bis zu seinem Tode 1847 an einem altisländisch-englischen Wörterbuch. Seine Familie wandte sich nach seinem Tode an Konráð Gíslason, um die Arbeit am Wörterbuch fortzusetzen, aber letztendlich war es Guðbrandur, der 1864 deswegen nach London und später nach Oxford reiste. Er wollte ursprünglich nach Kopenhagen zurückkehren, aber die Kommission weigerte sich, seine Stellung offenzuhalten und Guðbrandur blieb in England. In seiner Zeit in Kopenhagen sei er ein Anhänger von Jón Sigurðsson gewesen, aber als er die dänische Hauptstadt verlassen hatte, erwies er sich eher als ein Traditionalist, der mit seinen Landsleuten in Streit geriet. In Oxford arbeitete er auch an Ausgaben von Sagas, aber späteren Forschern zufolge, seien die nicht so gut wie seine Arbeiten aus der Kopenhagener Zeit. In England allerdings war sein Ruf besser. Er schrieb dort über die Affinität zwischen der (alt)isländischen Literatur und der auf den Britischen Inseln, was wiederum den Zorn seiner Landsleute heraufbeschwor. Sein ‘Corpvs poeticvm boreale’ wurde dort denn auch kritisch aufgenommen, weil er zu vehement einen ’westlichen’ Ursprung der mittelalterlichen Literatur verteidige.
Mit Recht hat man Finnur Jónsson wohl den ’editor of everything’ genannt, wie es auch im Titel des Beitrags von Matthew James Driscoll (S. 417–39) erwähnt wird. Finnur war von 1887 bis 1928 Professor für nordische Sprachen in Kopenhagen. Sein größtes Verdienst ist die Edition zahlreicher altnordischer Texte. Dabei bediente er sich in den Ausgaben für den ‘Samfund til Udgivelse af gammel nordisk Litteratur’ (1870 gegründet) der Lachmannschen Methode, obwohl er bei der Rekonstruktion eines Archetypus zurückhaltend gewesen sei. Eine Ausnahme bildet seine Edition der ’Lieder-Edda’ (1888–90), in der er sich von den Theorien von Eduard Sievers leiten ließ. Seine größten Leistungen waren wohl ‘Den norsk-islandske Skjaldedigtning’ (1912–15) und das ‘Lexicon poeticum’ (1913–16, 21931), obwohl man durchaus scharfe Kritik an den Rekonstruktionen im 3. und 4. Teil der ‘Skjaldedigtning’ geübt hat. Finnur sei am besten gewesen, wenn er nur eine Handschrift hatte oder wenn das Stemma der Handschriften deutlich war. Seine Dominanz auf dem Gebiet der Texteditionen war dabei nicht immer von Vorteil, weil er die Neigung hatte, jüngere Handschriften als wertlos beiseite zu schieben. Außerdem beschränkte sich sein Interesse auf bestimmte Gattungen. Von den altnordischen Übersetzungen aus dem Lateinischen und Altfranzösischen hat er nur die ‘Alexanders saga’ herausgegeben. Er gab keine religiöse Literatur oder fornaldarsögur bzw. lygisögur heraus, wohl aber rímur. Auch seine literaturhistorischen Werke stießen auf Kritik, vor allem weil er keine Beziehungen zu anderen Literaturen aus derselben Periode berücksichtigte, wie man schon an seiner Editionsarbeit erkennen kann. Er besaß einen festen Glauben an die Historizität der Sagas, aber auf der anderen Seite war er der Meinung, dass die ‘Lieder-Edda’ norwegisch sei, was natürlich wieder zu heftigen Auseinandersetzungen u. a. mit Benedikt Gröndal führte.
Die Frage nach der Herkunft der ‘Lieder-Edda’ wird auch im letzten Aufsatz dieses Bandes aufgegriffen. Simon Halink hebt in seinem Beitrag hervor, dass diese Frage ideologische und politische Aspekte aufwies. Finnur argumentierte für ein hohes Alter dieser Lieder und somit auch für eine Entstehung in Norwegen vor der Besiedlung Islands; die allgemeine Situation auf Island sei nach der Landnahme ungünstig, für die Entwicklung der Kultur gewesen. Dagegen gebe es zu dieser Zeit in Norwegen einen Hof, an dem man Poesie schätzte. Nur wenige Gedichte seien jüngeren Datums und daher auf Island oder Grönland entstanden. Dass Finnur Island eine so geringe Bedeutung zumaß, sorgte für große Aufregung. Benedikt Gröndal bezeichnete ihn als keinen Deut besser als den Norweger Rudolf Keyser. Sein Hauptgegner war Björn Magnússon Ólsen, der erste Rektor der 1911 gegründeten isländischen Universität. Er betonte, dass auch die Zeit, in der Snorri Sturluson dichtete, sehr unruhig war. Damit richtete er einen direkten Angriff auf Finnur und machte ihm den Vorwurf, er kenne sein eigenes Land nicht. Nach seiner Auffassung weise die altnordische Literatur einen einzigartigen isländischen Charakter auf.
Der vorliegende Band liefert ein faszinierendes Bild der Bemühungen von Dänen, Isländern und Norwegern um die mittelalterliche Literatur und von den Entwicklungen und Auseinandersetzungen im Laufe des 19. Jahrhunderts. Er zeigt auch die enge Verbindung zwischen der Erforschung von Literatur und Kultur des skandinavischen Mittelalters und der Politik, namentlich in Island, aber auch in Norwegen (Keyser, Munch). Was allerdings auffällt, ist, dass sich über die Entwicklungen in Schweden in diesem Band kaum etwas findet. Das hängt wohl mit der Tatsache zusammen, dass der politische Konflikt zwischen Island und Dänemark viel aktueller war. Schweden war ja seit 1523 nicht mehr mit Dänemark verbunden und für die Isländer, die in schwedischem Dienst auch in Stockholm und Uppsala mit Handschriften beschäftigt waren, war das Verhältnis zu Schweden wohl weniger belastet.
Literatur
Quak, Arend. 2002. “De Edda is Noors!” In Oerteksten. Nationalisme, edities en canonvorming, edited by Joep Leerssen, and Marita Mathijsen, 69–81. Amsterdam: Instituut voor Cultuuren en Geschiedenis.Search in Google Scholar
© 2023 the author(s), published by De Gruyter, Berlin/Boston
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