Zusammenfassung
Mit Blick auf das Jahr 2040 stellt der Beitrag die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz (KI) auf die Bibliotheken dar. Mit der zunehmenden Fähigkeit von Algorithmen, Texte zu generieren, könnten Maschinen in der Lage sein, ganze Bibliotheken zu lesen und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene Fragen in natürlicher Sprache zu beantworten. Dies könnte dazu führen, dass Informationskompetenz und der Rückgriff auf (veraltete) Bücher für die Nutzer gleichermaßen verzichtbar wird. Dieses Szenario stellt jedoch eine dystopische Zukunft für die institutionelle Informationsversorgung durch Bibliotheken dar; es wird davor gewarnt, zu pessimistisch zu sein. Vielmehr muss festgestellt werden, dass frühere Prognosen über die Auswirkungen der Technologie auf die Bibliotheken falsch waren. Dementsprechend sollte die Zukunft der Bibliotheken nicht in einem aussichtslosen Kampf gegen digitale Trends gesehen werden. Stattdessen sollten sich Bibliotheken an das sich verändernde Umfeld anpassen, indem sie ihre Rolle als Lern- und Wissensinstitutionen neu definieren, die Differenzierungswirkung der digitalen Transformation in den Blick nehmen und sich die Frage stellen, wie das Analoge sich im digitalen Umfeld verändert bzw. wie eine sachgerechte institutionelle Antwort auf diese Veränderung aussehen kann.
Abstract
Looking ahead to 2040, the paper outlines the impact of artificial intelligence (AI) on libraries. As algorithms become more capable of generating text, machines could be able to read entire libraries and answer questions tailored to individual needs in natural language. This could make information literacy and reliance on (outdated) books less important for users. However, this scenario represents a dystopian future for institutional information provision by libraries; it is important not to be too pessimistic. Rather, it should be noted that previous predictions about the impact of technology on libraries have been wrong. Accordingly, the future of libraries should not be seen as a hopeless battle against digital trends. Instead, libraries should adapt to the changing environment by redefining their role as institutions of learning and knowledge, looking at the differentiating effects of digital transformation, and asking themselves how the analogue is changing in the digital environment, or what an appropriate institutional response to this change might look like.
Über die Bibliothek der Zukunft zu schreiben, ist immer ein Wagnis. Wirft man einen Blick in ältere Fachzeitschriften, so findet sich dort viel über Bibliotheken, die nur aus Mikroformen bestehen oder bei denen Bildschirmtext eine bedeutende Rolle spielen soll. Auch der CD-ROM wurde wortreich eine große Zukunft prophezeit. Alles das war technisch falsch, auch wenn die mit diesen Techniken verhandelten Themen der Vernetzung und räumlichen Miniaturisierung von Inhalten die heutige Situation durchaus getroffen haben. Nur kam es eben anders, als man damals dachte. Das wird vermutlich auch für die nachfolgenden Ausführungen gelten, so dass diese sich mit technischen Prognosen eher zurückhalten werden.
Der Blick in die Zukunft ist für Bibliotheken keine Spielerei. Die digitale Transformation, die wir gerade durchleben, verändert die Arbeitsbedingungen von Bibliotheken dermaßen fundamental, dass jede verantwortlich handelnde Bibliotheksleitung eine gewisse Vorstellung von der Zukunft haben muss, um in der Gegenwart klug und vorausschauend agieren zu können.
Wir reden von der Bibliothek 2040, also von einer Zukunft, die nur 17 Jahre entfernt ist. Die meisten Leserinnen und Leser werden sich an eine Vergangenheit gleichen Abstands noch gut erinnern können. 2006 schickten sich die Weblogs an, die Wissenschaftskommunikation zu revolutionieren, was sie bekanntlich nicht geschafft haben. Ein Jahr zuvor wurde die 21. Auflage des Brockhaus ausgeliefert, auch als Kampfansage des qualitätsgeprüften Faktenwissens an die immer populärere Wikipedia. Der Ausgang ist bekannt. Die sozialen Medien waren in den Startlöchern, ebenso das mobile Internet. Das erste iPhone wurde 2007 vorgestellt. Man könnte diese Aufzählung noch lange weiterführen. Dass in den letzten 17 Jahren im Informationsbereich nichts passiert ist, wird man ganz sicher nicht behaupten können, dass sich aber Bibliotheken grundstürzend geändert hätten, kann man auch nicht sagen. Es gibt immer noch Bücher. Die Häuser werden gut besucht. Und das Internet hat uns bisher noch nicht überflüssig gemacht. Aber vielleicht passiert in den kommenden 17 Jahren ja noch viel mehr?
Um sich dieser Frage zu nähern, könnte man mit der „künstlichen Intelligenz“ einmal das aktuelle große Digitalthema unserer Tage in seinen Konsequenzen für die Bibliotheken durchspielen. Ausgangspunkt sind hier die mittlerweile erstaunlichen Fähigkeiten von Algorithmen, sinnvolle Texte selbst zu erzeugen. Wir stehen gerade unmittelbar an der Schwelle zu einer digitalen Arbeitsumgebung, in der Formulierungsaufgaben maschinell immer besser erledigt werden können. Das führt schon so weit, dass man Maschinen buchstäblich ganze Bibliotheken lesen lassen kann, damit sie in natürlicher Sprache gestellte Fragen in mehr oder weniger langen textlichen Ausarbeitungen mit Blick auf die individuellen Bedürfnisse der fragenden Personen beantworten. Radikal zu Ende gedacht, ist so etwas wie Informationskompetenz in den 2030er-Jahren vermutlich so alltagswichtig wie Kopfrechnen, wenn man ständig auf dem Smartphone einen Taschenrechner zur Hand hat. Vielleicht braucht man dann auch keine von Autorinnen und Autoren gewissermaßen auf Vorrat geschriebenen Ratgeber oder Handbücher mehr, die ohnehin nur einen bei ihrem Erscheinen bereits veralteten Wissensstand dokumentieren, wenn die aktuell benötigte Information mundgerecht „on the fly“ bereitgestellt werden kann. Die Funktion großer Bibliotheken mit vielen Informationsmitteln würde dann eine KI übernehmen, die – Open Access sei Dank – jederzeit Zugang zu großen Datenspeichern hätte.
Für den Bereich der institutionellen Informationsversorgung durch Bibliotheken ist das eine ziemliche Dystopie. Aber vor 17 Jahren sollten Blogs ja auch die wissenschaftlichen Zeitschriften ablösen und der Brockhaus den Kampf gegen die Wikipedia gewinnen. So gesehen, muss man sich vielleicht doch keine zu großen Sorgen machen. Und was sollte man auch tun können? Ideen der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre, dass Bibliotheken das Internet katalogisieren oder einfach die besseren „Suchmaschinen“ sind, haben sich als ziemlich unrealistisch herausgestellt. Heute verwenden unsere Kataloge Suchmaschinentechnologie und eifern eher Google nach als umgekehrt. Sollte man die bibliothekarische Zukunft also als in der Regel erfolgloses Konkurrenzgeschäft gegen digitale Großtrends in der Informationsversorgung erzählen? Manchmal hat man den Eindruck, dass mit einem gewissen morbiden Behagen genau das gerne zelebriert wird.
An dieser Stelle sei noch einmal die Frage gestellt, warum man sich als professioneller Bibliotheksmensch mit Zukunft auch und gerade im Umfeld digitaler Transformationen beschäftigen soll. Wenn hier die Antwort lautet, dass man sich damit befasst, um keine relevante Entwicklung zu verpassen und um den digitalen Anschluss nicht zu verlieren, dann trifft dies vermutlich einen breiten Konsens im Bibliothekswesen. Es gibt gute Gründe, warum dieser Konsens die fachliche Aufgabe, die den Bibliotheken angesichts der allgegenwärtigen Digitalisierung gestellt ist, verfehlt und den wirklich spannenden Fragen der digitalen Transformation, die Bibliotheken aus ihrer historisch gewachsenen Rolle heraus beantworten müssen und nur sie allein beantworten können, ausweicht.
Um es ganz direkt zu sagen: Welche neue Art von Digitaltechnik in den nächsten 17 Jahren das Informationsverhalten auch immer prägen wird, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weder von Bibliotheken gestaltet, noch von ihnen entwickelt. Diese Technik ist wie das Wetter. Man kann sich darauf einstellen. Mehr nicht. Ob es nun um mobiles Internet, soziale Medien, Cloudcomputing, Plattformisierung, künstliche Intelligenz oder was auch immer geht: Diese Phänomene erscheinen, wirken auf Bibliotheken ein und werden von ihnen genutzt, wenn es sinnvoll ist. Darüber kann man nachdenken, einige Aspekte kann man vielleicht auch gestalten, sonderlich spannend ist das aber nicht. Es ist für diese Digitaltechniken und ihre Bedeutung schlicht irrelevant, wie Bibliotheken sich zu ihnen verhalten.
Was aber wäre dann die für Bibliotheken interessante Frage angesichts der digitalen Transformation? Um hier eine Antwort zu versuchen, sei kurz in Erinnerung gerufen, dass digitale Transformation etwas anderes ist als bloße Digitalisierung. Bei der Digitalisierung überführt man einen analogen Sachverhalt in eine digitale Form. Aus einem Zettelkatalog wird eine Datenbank, aus einem gedruckten Buch eine Datei. Die digitale Form ist aber mehr als eine bloße Reproduktion ihrer analogen Vorlage. In digitaler Form können Inhalte in einer Art und Weise genutzt werden, die in analoger Form so nicht möglich war. Digitale Bücher kann man durchsuchen, sie können vorgelesen und automatisch in fremde Sprachen übersetzt werden. Diese und viele weitere Möglichkeiten haben Rückwirkungen auf die analogen Vorlagen. Die mit ihnen verbundenen Praktiken und Verhaltensweisen verändern sich genauso wie die Form der Vorlagen selbst. An dieser Stelle sehen und erleben wir digitale Transformation.
Ein gutes Beispiel dafür ist der gedruckte Autoatlas. Als unhandliches Buch an Tankstellen in den 1980er- und 90er-Jahren noch allgegenwärtig, wurde er zunächst mit mäßigem Erfolg durch eigene Navigationsgeräte ersetzt, bei denen per CD-ROM Daten aktualisiert werden mussten. Diese Geräte haben mehr oder weniger das Mitlesen der Landkarte während der Autofahrt übernommen. Mit einer geschickten Begleitung auf dem Beifahrersitz war das noch analog mit einem gedruckten Atlas abbildbar. Als dann aber noch Stauinformationen in Echtzeit, alternative Routen und Wegstreckeninformationen in Diensten wie Google Maps hinzukamen, hatten die gedruckten Atlanten ausgedient. Hier ist eine digitale Transformation passiert. Dass diese Daten auch eine Grundlage für autonom fahrende Fahrzeuge sein werden, zeigt zudem, dass digitale Transformationsprozesse unabgeschlossen sind.
Wenn nun in die Zukunft hinein gefragt werden soll, ist es, wie schon gesagt, schwierig, künftige Entwicklungen zu prognostizieren. Die digitale Transformation hat aber zwei Richtungen. Meist interessiert man sich nur für die genuin digitalen Aspekte und fragt fasziniert nach den neuen technischen Möglichkeiten. Es gibt aber auch die andere Richtung, die Rückwirkung auf den analogen Sachverhalt, der digitalisiert worden ist und sich dann in digitaler Form weiterentwickelt. Etwas vorschnell wird dieser analoge Bereich meist als veraltet und überholt abgetan, wie bei unserem Autoatlas, den es mittlerweile nicht mehr gibt. Der letzte Aral-Autoatlas ist 2012 erschienen.
Im Falle der Bibliotheken kann man diese Haltung bei ihrem für Außenstehende oft merkwürdig ambivalenten Verhältnis zum gedruckten Buch beobachten. Während Altbestände und Sondersammlungen als museales Bibliotheksgut hier einer anderen Aufmerksamkeits- und Wertschätzungsökonomie unterliegen und fast schon wie Reliquien verehrt werden, gilt dies für normale moderne Bestände nicht. Im Gegenteil: Weiträumige Aussonderungen und möglichst geringe Neuerwerbungszahlen im Bereich der gedruckten Bücher gelten nicht selten als Ausweis von Modernität und als Zeichen, dass man die digitale Transformation im Bereich der Informationsversorgung ernst nimmt und verstanden hat.
Aber genau hier liegt ein fataler blinder Fleck, will man die Auswirkungen der digitalen Transformation vollständig erfassen. Es geht bei dieser Transformation eben nicht nur um neue digitale Technik und neue digitale Arbeitsweisen, sondern auch um die Frage, welchen Stellenwert das Analoge im Digitalen hat, verändert doch die digitale Transformation auch ihren analogen Ausgangspunkt. Veränderung meint dabei nicht einfach Obsoleszenz. Die erste Wirkung der digitalen Transformation ist, dass sie es gerade im Vergleich von analoger und digitaler Praxis ermöglicht, Eigenschaften des Analogen zu erkennen, die in einer rein analogen Welt so nicht sichtbar waren, aber im Kontrast zum Digitalen plötzlich aus dem Schatten der Wahrnehmung treten.
Wir können beispielsweise erst angesichts einer umfassenden Digitalisierung zum ersten Mal sinnvoll und aufregend fragen, was eigentlich die Medialität eines gedruckten Buches besonders macht. War in einer Zeit vor der Digitalisierung und vor dem Internet das Druckerzeugnis in Bibliotheken der einzige Weg, einen beliebigen Inhalt einer breiten Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen, so gibt es heute für viele dieser Inhalte bessere digitale Zugänge. Es ist kein Zufall, dass es praktisch keine gedruckten Bibliografien und Indices alten Stils mehr gibt, dass gedruckte Fahrpläne und Kataloge immer weniger zu finden sind, dass Wörterbücher und Lexika mehr und mehr verschwinden und dass ein Buchprojekt wie der gedruckte Brockhaus keine Zukunft mehr hatte. Wenn nunmehr das Buch von Inhalten, die allein aus verbreitungstechnischen Gründen gedruckt worden sind, durch die Digitalisierung entlastet wird, lässt sich fragen, was denn einen für das gedruckte Buch als Medium geeigneten Inhalt ausmacht. Man kann auch die Eigenschaften, die das Buch gegenüber einem digitalen Medium auszeichnen, besser erkennen. Alles das wird parallel zum Fortschreiten der digitalen Transformation auch die gedruckten Bücher und ihre Nutzung verändern.
Will man diese Beobachtung verallgemeinern, so liegen die spannenden Fragen, die sich Bibliotheken in der digitalen Transformation stellen, weniger in immer neuen technischen Arbeitsumgebungen, die man zu adaptieren hat, auch wenn das natürlich wichtige Fragen sind, sondern in den Veränderungen des seit Jahrhunderten gesammelten und gepflegten analogen Bestandes in einer digital transformierten Informationslandschaft. Sich um dieses Thema kompetent kümmern zu können ist gewissermaßen das Alleinstellungsmerkmal von Bibliotheken, während sie bei den Digitalthemen eher unter „ferner liefen“ rangieren und keinesfalls die relevant gestaltenden Akteure sind.
Eine gute Bibliothek im Jahr 2040 wird sich dadurch auszeichnen, inwieweit sie ein sachgerecht funktionaler Ort für das digital transformierte Analoge ist, für Bücher, die angesichts digitaler Möglichkeiten inhaltlich und funktional anders sein werden als es Bücher in der Zeit vor der Digitalisierung und dem Internet waren. Dass zu diesem Ort in weitem Umfang auch digitale Dienstleistungen gehören werden, ist selbstverständlich, sollte aber nicht den Kern des institutionellen Selbstverständnisses ausmachen.
Hier wird insbesondere aus dem Bereich von Einrichtungen, die einer Informationsversorgung in den Technik- und Naturwissenschaften verpflichtet sind, Widerspruch kommen. Zu Recht! Denn auch der Begriff der „Bibliothek“ wird von den Veränderungen der digitalen Transformation nicht verschont werden. Während in der analogen Ära Informationseinrichtungen in den Geistes- und den Naturwissenschaften vergleichbar organisierte Sammlungen von Druckschriften und insoweit fraglos jeweils Bibliotheken waren, kommen die digitalisierten Informationsmöglichkeiten in den Arbeitsweisen in den Naturwissenschaften anders zum Einsatz als in den Geisteswissenschaften. Es ist fast schon unredlich, von der Zukunft „der“ Bibliothek zu sprechen, ohne explizit zu machen, was für eine Art von Einrichtung man jetzt meint.
Dabei zeigt sich ein weiterer Zug der digitalen Transformation, nämlich ihre Differenzierungswirkung. Das Digitale verändert das Analoge nicht nur funktional, es differenziert die Dinge auch aus und macht sie komplexer. Während wir im Digitalen gerne von Konvergenzen reden und damit den Umstand bezeichnen, dass vielfältige Medienformen wie Text, Film und Musik zu neuen Einheiten verschmelzen, hat die digitale Transformation im Analogen eine eher ausdifferenzierende Wirkung. Gedruckte Bücher werden schärfer auf ihre Funktionalität befragt und Inhalte, die sich für dieses Format nicht eignen, werden dort nach und nach verschwinden oder sich verändern müssen.
Die bisherigen Überlegungen lassen sich so zusammenfassen, dass sich die Bibliothek in den nächsten 17 Jahren unter dem Eindruck einer fortschreitenden digitalen Transformation weiter verändern wird. Dabei sollte die bibliothekarische Aufgabe weniger in einem hektischen Schielen nach den neuesten technischen Trends liegen als in der theoretischen und praktischen Bearbeitung der Frage, wie das Analoge sich im digitalen Umfeld verändert und wie eine sachgerechte institutionelle Antwort auf diese Veränderung aussehen kann. Hier liegt eine ureigene Aufgabe für Bibliotheken, die sie an keine andere Einrichtung abgeben können. Ein Teil dieser Antwort könnte auch sein, dass Infrastrukturen für bestimmte Bereiche der Informationsversorgung aufhören werden, Bibliotheken im herkömmlichen Sinne zu sein. Diese Ausdifferenzierung gehört untrennbar zur digitalen Transformation und muss nüchtern in den Blick genommen werden. Man sollte aber nicht den Fehler machen, diese Entwicklung auf alle Bereiche zu übertragen, die traditionell zum Bibliothekswesen gerechnet werden.
Bleibt am Ende die Frage, vor welchem fachlichen Hintergrund die hier aufgeworfenen Fragen am besten beantwortet werden können. In den vergangenen Jahrzehnten gab es eine starke Bewegung weg von einer kulturhistorisch oder verwaltungspraktisch arbeitenden Bibliothekswissenschaft zu einer informatiknahen Informationswissenschaft. In der frühen Phase der Digitalisierung war dies sicher sinnvoll, greift heute aber zu kurz, wenn man ernst macht mit der doppelten Wirkungsrichtung der digitalen Transformation. Um tatsächlich sowohl die neuen digitalen Werkzeuge als auch die dadurch verursachten Veränderungen im Analogen zu erfassen, reicht es nicht, eine Informationstheorie oder eine abstrakte Idee von Informationsversorgung in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen, sondern den Menschen mit seinen informationsfachlichen, vor allem aber seinen intellektuellen und kulturellen Bedürfnissen. Nicht die Informatik, sondern Anthropologie und Kulturwissenschaft sind in dieser Situation die interessanteren Gesprächspartner.
Dabei geht es im Grunde um das, was Paul Raabe einmal prägnant die Bibliothek als „humane Anstalt“ genannt hatte. Das wäre die positive Utopie einer Bibliothek im Jahr 2040. Gelingt es der Bibliothek dagegen nicht, sich in der weiter fortschreitenden digitalen Transformation von einer übertriebenen Technikfixierung freizumachen, wird sie populären Internetdienste immer nur hinterherlaufen, ohne sie je einzuholen. Die dystopischen Konsequenzen dieser Entwicklung lassen sich leicht ausmalen.
About the author

Eric W. Steinhauer
© 2023 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von De Gruyter.
Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
Artikel in diesem Heft
- Titelseiten
- Editorial
- Themenschwerpunkt: Bibliothek 2040 – Utopien und Dystopien
- Bibliotheken 2040: Mit der Szenario-Methode über die Zukünfte von Bibliotheken nachdenken
- Denkräume. Ein Essay über die Bibliotheken der Zukunft
- Kulturgutbesitz und digitale Weltbibliothek: Bibliotheken als Dritte Orte und Nicht-Orte
- Die Wiederkehr der Wunderkammer. Bibliothek 2040 – eine Utopie
- Die Bibliothek im Jahr 2040
- Die Bibliothek 2040 – eine Einrichtung der digitalen Transformation mit vielen Büchern?!
- Universitätsbibliotheken im Jahre 2040
- Öffentliche Bibliothek 2040. Aspekte eines Zukunftsorts
- Lesen (Plural) – Ein Bericht aus dem Jahr 2040
- Bibliotheken 2040 – mehr Utopien als Dystopien
- Experten – Generalisten: Zwei Zukünfte
- Ausflug in eine ferne nahe Welt: Forschungsalltag 2040
- Lessons Learned from Digital-Only Experiences
- Bibliotheken 2040
- Bibliothek als Ereignis
- Feature „Kultur vor Ort“ aus der Kombithek St. Borromäus Goldwies
- Ideathek: Eine Plattform für Wissen
- Ein Tag im Urban Knowledge Hub – die Bibliothek als Knotenpunkt
- Baut keine Bibliotheken mehr!
- Was bleibt von der „Institution“ Bibliothek im Jahre 2040?
- Die unsichtbare Bibliothek
- Misstrauen, Perfektionismus und die dunkle Seite der Sinnhaftigkeit: Drei Hemmschuhe für „New Work“ in Bibliotheken
- Kann die Spur von Bibliotheken nicht in Äonen untergehen?
- The End of the Print Era
- Library Utopias and Dystopias Today and in 2040
- Zukunftsgestalter
- Digitales Know-how als Kulturtechnik
- FDM-Sprint: Enlightening Research Data Management
- „Someone has to organize it“ – Widerstand linked open
- Sonstige Beiträge
- Wagnis Dissens. Kritische (Selbst-)Befragungen zur programmatischen Demokratieförderung schwedischer Bibliotheken
- Veränderungen im bibliothekarischen Zeitschriftenwesen des DACH-Raumes: Eine Auswertung von Daten zu den Jahren 2001, 2011 und 2021
- Wertschöpfung und soziale Innovation für eine neue Generation von Bibliotheken in der EU
- Fehlerkultur: Call for Papers
- Rezensionen
- Rubin, Richard E.; Rubin, Rachel G. (2020): Foundations of Library and Information Science. 5th Ed. Chicago: Neal-Schuman. 627 Seiten.
- Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Im Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels herausgegeben von der Historischen Kommission. Band 5. Im Auftrag der Historischen Kommission herausgegeben von Christoph Links, Siegfried Lokatis und Klaus G. Saur in Zusammenarbeit mit Carsten Wurm: Deutsche Demokratische Republik. Teil 1: SBZ, Institutionen, Verlage. Teilband 1. VII, 397 Seiten. Teilband 2. VIII, Seite 399–806. 104 Abbildungen und Tabellen. Berlin, Boston: De Gruyter, 2022. Abb. ISBN 978-3-11-047003-1. € 319,99
- Siegert, Reinhart: Aufklärung und Volkslektüre. Exemplarisch dargestellt an Rudolph Zacharias Becker und seinem „Noth- und Hülfsbüchlein“. Ergänzte und erweiterte Neuausgabe. Mit einer aktualisierten Personalbibliografie. Bremen: edition lumière, 2022 (Studien zum Zeitalter der Aufklärung im deutschsprachigen Raum 1750–1850: Band III/Philanthropismus und populäre Aufklärung – Studien und Dokumente: Band 21 / Presse und Geschichte – Neue Beiträge: Band 114). XII, 702 S., Abb., fest gebunden. ISBN 978-3-948077-19-8. 49,80 €
- Joel Herndon (Hrsg.): Data Science in the Library: Tools and Strategies for Supporting Data-Driven Research and Instruction. London: Facet, 2022. XXX, 146 Seiten, ISBN 9781783304592 (Paperback).
Artikel in diesem Heft
- Titelseiten
- Editorial
- Themenschwerpunkt: Bibliothek 2040 – Utopien und Dystopien
- Bibliotheken 2040: Mit der Szenario-Methode über die Zukünfte von Bibliotheken nachdenken
- Denkräume. Ein Essay über die Bibliotheken der Zukunft
- Kulturgutbesitz und digitale Weltbibliothek: Bibliotheken als Dritte Orte und Nicht-Orte
- Die Wiederkehr der Wunderkammer. Bibliothek 2040 – eine Utopie
- Die Bibliothek im Jahr 2040
- Die Bibliothek 2040 – eine Einrichtung der digitalen Transformation mit vielen Büchern?!
- Universitätsbibliotheken im Jahre 2040
- Öffentliche Bibliothek 2040. Aspekte eines Zukunftsorts
- Lesen (Plural) – Ein Bericht aus dem Jahr 2040
- Bibliotheken 2040 – mehr Utopien als Dystopien
- Experten – Generalisten: Zwei Zukünfte
- Ausflug in eine ferne nahe Welt: Forschungsalltag 2040
- Lessons Learned from Digital-Only Experiences
- Bibliotheken 2040
- Bibliothek als Ereignis
- Feature „Kultur vor Ort“ aus der Kombithek St. Borromäus Goldwies
- Ideathek: Eine Plattform für Wissen
- Ein Tag im Urban Knowledge Hub – die Bibliothek als Knotenpunkt
- Baut keine Bibliotheken mehr!
- Was bleibt von der „Institution“ Bibliothek im Jahre 2040?
- Die unsichtbare Bibliothek
- Misstrauen, Perfektionismus und die dunkle Seite der Sinnhaftigkeit: Drei Hemmschuhe für „New Work“ in Bibliotheken
- Kann die Spur von Bibliotheken nicht in Äonen untergehen?
- The End of the Print Era
- Library Utopias and Dystopias Today and in 2040
- Zukunftsgestalter
- Digitales Know-how als Kulturtechnik
- FDM-Sprint: Enlightening Research Data Management
- „Someone has to organize it“ – Widerstand linked open
- Sonstige Beiträge
- Wagnis Dissens. Kritische (Selbst-)Befragungen zur programmatischen Demokratieförderung schwedischer Bibliotheken
- Veränderungen im bibliothekarischen Zeitschriftenwesen des DACH-Raumes: Eine Auswertung von Daten zu den Jahren 2001, 2011 und 2021
- Wertschöpfung und soziale Innovation für eine neue Generation von Bibliotheken in der EU
- Fehlerkultur: Call for Papers
- Rezensionen
- Rubin, Richard E.; Rubin, Rachel G. (2020): Foundations of Library and Information Science. 5th Ed. Chicago: Neal-Schuman. 627 Seiten.
- Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Im Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels herausgegeben von der Historischen Kommission. Band 5. Im Auftrag der Historischen Kommission herausgegeben von Christoph Links, Siegfried Lokatis und Klaus G. Saur in Zusammenarbeit mit Carsten Wurm: Deutsche Demokratische Republik. Teil 1: SBZ, Institutionen, Verlage. Teilband 1. VII, 397 Seiten. Teilband 2. VIII, Seite 399–806. 104 Abbildungen und Tabellen. Berlin, Boston: De Gruyter, 2022. Abb. ISBN 978-3-11-047003-1. € 319,99
- Siegert, Reinhart: Aufklärung und Volkslektüre. Exemplarisch dargestellt an Rudolph Zacharias Becker und seinem „Noth- und Hülfsbüchlein“. Ergänzte und erweiterte Neuausgabe. Mit einer aktualisierten Personalbibliografie. Bremen: edition lumière, 2022 (Studien zum Zeitalter der Aufklärung im deutschsprachigen Raum 1750–1850: Band III/Philanthropismus und populäre Aufklärung – Studien und Dokumente: Band 21 / Presse und Geschichte – Neue Beiträge: Band 114). XII, 702 S., Abb., fest gebunden. ISBN 978-3-948077-19-8. 49,80 €
- Joel Herndon (Hrsg.): Data Science in the Library: Tools and Strategies for Supporting Data-Driven Research and Instruction. London: Facet, 2022. XXX, 146 Seiten, ISBN 9781783304592 (Paperback).