Startseite Bibliotheks- & Informationswissenschaft, Buchwissenschaft Die Vermittlung von Digital Humanities und Data-Literacy an wissenschaftlichen Bibliotheken
Artikel Open Access

Die Vermittlung von Digital Humanities und Data-Literacy an wissenschaftlichen Bibliotheken

  • Catrina Langenegger

    Fachreferentin für Jüdische Literatur- und Kulturgeschichte

    ORCID logo EMAIL logo
    und Johanna Schüpbach

    Fachreferentin für Englische Sprach- und Literaturwissenschaft und Allgemeine Linguistik

    ORCID logo EMAIL logo
Veröffentlicht/Copyright: 4. April 2025
Veröffentlichen auch Sie bei De Gruyter Brill

Zusammenfassung

Bibliotheken finden ihren Platz im Bereich der Datenkompetenz sowie bei den Chancen und Herausforderungen der Unterstützung von Studierenden und Forschenden im Feld der Digital Humanities. Schlüsselaspekte dieser Entwicklung sind das Forschungsdatenmanagement, Repositorien, Bibliotheken als Lieferanten von Datensätzen, Digitalisierung und mehr. In den letzten Jahren hat die Universitätsbibliothek Basel Schritte unternommen, um sich aktiv in die Lehre einzubringen und die Grundlagen der Arbeit mit digitalen Quellen zu vermitteln. Dieser Artikel präsentiert Erfahrungsberichte dreier unterschiedlicher Vermittlungsangebote, die von Fachreferent*innen der Arbeitsgruppe Digital Humanities (AG DH) an der Universitätsbibliothek Basel (UB) durchgeführt wurden.

Abstract

Libraries have established their role in the area of data literacy, as well as service providers for students and researchers in the digital humanities. Key aspects of this development are research data management, repositories, libraries as data suppliers, digitisation, and much more. Over the past few years, the Basel University Library, in close collaboration with university teaching staff, has undertaken steps to proactively feedback into teaching to facilitate knowledge transfer of the fundamentals of handling digital sources and research. The article outlines experiences gathered during three different learning opportunities offered by expert librarians of the Digital Humanities Work Group (AG DH) at Basel University Library.

1 Einleitung

Nicht erst seitdem erste KI-Anwendungen wie Chat GPT vor gut zwei Jahren für das breite Publikum zugänglich wurden und sich in der Zwischenzeit zu einem Teil des Alltags gemausert haben, erfahren auch die Digital Humanities sowohl als Fach wie auch als Methode einen wahren Aufschwung.

An den Universitäten steigen sowohl die Nachfrage als auch das Angebot für das Training und die Anwendung von computergestützter Forschung in den Geisteswissenschaften. Ein Blick auf die Lehrangebote in der Doktoratsausbildung der Philosophisch-Historischen Fakultäten genügt, um diesen Eindruck zu bestätigen. Ebenso bieten einige Fachbereiche – allen voran die Geschichtswissenschaft – bereits im Grundstudium Veranstaltungen zu Digital Humanities (DH) und digitalen Methoden an. Wird dies allerdings von den Fakultäten selber angeboten, stellt sich die berechtigte Frage, wo sich denn die wissenschaftlichen Bibliotheken diesbezüglich positionieren sollen. Als Teil der universitären Landschaft und ihrer forschungsunterstützenden Infrastruktur sind sie mit ihrer starken Dienstleistungsorientierung an der Schaffung von Angeboten rund um die DH interessiert – insbesondere, wenn dies mit einem gleichzeitigen Forschungs- und Vermittlungsschwerpunkt zu den eigenen Beständen kombiniert werden kann. So werden sie verstärkt zu wichtigen Akteuren in der Vermittlung von Kompetenzen im Feld von Data Literacy und den Digital Humanities. Je nach Tektonik der unterschiedlichen Universitäten variiert dabei das Angebot, das Universitätsbibliotheken in diesem Bereich erarbeiten, respektive die Kompetenzen, die es seitens der Bibliotheken braucht.[1] Im Folgenden werden wir die Universität Basel in den Fokus nehmen. Dabei gehen wir zunächst auf die Besonderheiten dieser Universität und ihrer Angebote in den DH ein, bevor wir die Rolle der Universitätsbibliothek Basel (UB Basel) und insbesondere die des Fachreferats reflektieren, um schließlich drei konkrete Lehrangebote vorzustellen, anhand derer wir die Rolle der Bibliotheken diskutieren werden.

2 DH-Landschaft an der Universität Basel

Die Universität Basel verfügt über eine ausdifferenzierte Landschaft an Angeboten für die DH. Als Erstes ist das DHLab[2] zu nennen. Es verbindet als interdisziplinäre Einrichtung der Universität Basel Lehre und Forschung im Fach DH mit der Förderung und Koordination von Infrastruktur zur Digitalisierung in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Für die Studierenden bietet das DHLab einen Masterstudiengang und die Promotion an. Für beide Stufen werden grundlegende DH-Kenntnisse vorausgesetzt. Ergänzend zur Forschungsinfrastruktur, welche das DHLab für Forschungsprojekte bietet, ist die Forschungsunterstützung im Bereich der DH an der Universität Basel über RISE[3] gewährleistet. RISE bietet Forschenden Beratungen, Schulungen sowie Unterstützung bei der Implementierung digitaler Arbeitsabläufe an. Die Schulungen werden gratis angeboten, Beratungen sind bis zu einem Aufwand von 20 Stunden ebenfalls kostenlos, Implementierungen hingegen sind kostenpflichtig. Ein weiterer Pfeiler in der DH-Landschaft der Universität Basel ist das CeDA[4], das Center for Data Analytics. Es hat sich auf die Analyse von Datensätzen spezialisiert und fungiert als Netzwerk über die verschiedenen Fakultäten und Disziplinen der Universität hinweg. Mit dem DaSCH ist schließlich auch das schweizweite Daten- und Servicecenter für die Geisteswissenschaften an der Universität Basel angesiedelt, das sich auch Fragen der digitalen Langzeitarchivierung widmet.[5] Dieses dichte Netzwerk bestehender DH-Infrastruktur lässt die begründete Frage nach einem sinnvollen DH-Profil an der UB Basel aufkommen, das sich in das Zusammenspiel der universitären Landschaft einfügt und einen Mehrwert bringen kann. Die UB Basel hat mit dem Digitalisierungszentrum und den Angeboten der Abteilung Digitale Dienste verschiedene Wege der Kooperation mit den anderen DH-Institutionen der Universität. Diese sind teilweise auch strukturell verankert, indem eine Research-Navigator-Stelle von RISE an der UB Basel angesiedelt ist. Neben diesen Dienstleistungen ist das Thema Vermittlung von DH-Inhalten in den Fokus auch des Fachreferats der UB Basel gerückt. Dabei handelt es sich vornehmlich um Vermittlungsangebote nicht an Studierende.

3 Angebote der Universitätsbibliothek Basel

In den letzten Jahren hat die Arbeitsgruppe Digital Humanities (AG DH) der Fachreferent*innen an der UB Basel drei verschiedene Formate entwickelt, um Studierende in die Datenkompetenz, DH und die Arbeit mit digitalisierten historischen Quellen einzuführen: Zum einen ein Forschungsseminar auf Stufe Master, welches in Zusammenarbeit mit dem Professor für Jüdische und Allgemeine Geschichte entwickelt wurde, eine 90-minütige Sitzung zu Data Literacy und der Arbeit mit fachspezifischen Datensätzen im Rahmen eines bestehenden Semesterkurses zur Informations-, Daten- und Medienkompetenz und schließlich eine maßgeschneiderte 90-minütige Sitzung innerhalb eines Forschungsseminars im Fach Anglistik, um eine kurze Einführung in die DH zu geben und zu zeigen, welche Möglichkeiten sich daraus für die weitere Arbeit zum Seminarthema ergeben.

3.1 Forschungsseminar – Fachbereich meets DH

Im Frühjahrssemester 2022 organisierte die AG DH in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. phil. Erik Petry, Professor für Jüdische Studien und Geschichte einen MA-Semesterkurs zum Thema der ersten Zionistischen Kongresse in Basel.[6] Es war eines der ersten Projekte, das die AG DH nach ihrer Konstituierung umsetzte. Während Prof. Petry den inhaltlichen Teil erarbeitet hatte, war die AG DH dafür verantwortlich, unterschiedliche DH-Tools und -Methoden vorzustellen und den Studierenden mit eigenen kleinen Projektarbeiten diese gleich anhand der eigenen Bestände der UB zum Thema auszuprobieren und anzuwenden. Der Kurs wurde von MA-Studierenden der Fachbereiche Geschichte, Jüdische Studien und DH besucht, wobei DH-Kenntnisse keine Voraussetzung waren. Allerdings wurde von den Studierenden ein hohes Engagement und die Bereitschaft, sich selbstständig in die gewählten Tools und Methoden zu vertiefen, erwartet. Dieses Forschungsseminar sollte eine Einführung in und einen Überblick über verschiedene digitale Methoden bieten, welche dann von den Studierenden in ihren jeweiligen Projektarbeiten selbstständig weiterverfolgt und vertieft werden sollten. Der Kurs wurde in verschiedene Phasen unterteilt: Eine Einführung in die Arbeitsorganisation: Grundlagen in (Forschungs-)Datenmanagement und die Datenkompetenz sorgten für die notwendige Basis des wissenschaftlichen und kollaborativen Arbeitens. Darauf aufbauend folgten Sitzungen zu den Grundlagen der DH und Einführungen in unterschiedliche digitale Methoden. Dabei konzentrierten wir uns auf verschiedene Formen historischer Quellen: Bildmaterialien, Karten und Text, wobei jeweils eine Sitzung einem Typ gewidmet war. Dies ermöglichte es uns, für jede Quellenart ein breites Spektrum an DH-Werkzeugen und -Methoden wie beispielsweise Digital Storytelling und IIIF, Geomapping und Arbeiten mit GIS sowie Transkription, Textanalyse und Topic Modelling vorzustellen.

Für den Blick über den Tellerrand hinaus und in andere Anwendungsbereiche sorgten dabei Gast-Inputs von RISE und Forschenden mit abgeschlossenen DH-Projekten. Ein Höhepunkt war auch der Besuch des Digitalisierungszentrums der UB Basel. Hier konnte der Prozess von der physischen Quelle zum Digitalisat nachgezeichnet werden. Als Übergang zur dritten Phase des Semesterkurses organisierten wir eine Sitzung, in der wir den Studierenden verschiedene (physische) Quellen zum Seminarthema entweder aus der UB Basel selber oder von anderen verwandten Institutionen – dem Staatsarchiv Basel-Stadt und dem Jüdischen Museum Schweiz – vorstellten. Diese Quellen dienten den Studierenden in der letzten Phase des Forschungsseminars als Grundlagen für ihre kleinen Abschlussarbeiten, die es ihnen ermöglichten, ihr neu gewonnenes DH-Wissen direkt anhand einer für sie interessanten Quelle anzuwenden. Ziel dieses Leistungsnachweises war die Erforschung von Quellenmaterial mittels einer der vorgestellten digitalen Methoden und der anschließenden Visualisierung ihrer Ergebnisse. Dafür wurde den Studierenden in der dritten Phase des Kurses Zeit zur Verfügung gestellt, um an ihren Projekten zu arbeiten. Wir Fachreferent*innen der AG DH standen dabei für allfällige Fragen zur Verfügung. In einer Blockveranstaltung am Ende des Semesters präsentierten die Gruppen ihre Projekte und den Stand ihrer Arbeit. Während dieser „Mini-Tagung“ konnten so nicht nur wir, sondern auch die Kommiliton*innen die spannenden Ansätze und guten Umsetzungen der Studierenden selbst sehen.

Der Kurs war so nicht nur für die Studierenden eine bereichernde Lehrveranstaltung, sondern war auch eine gute Erfahrung für uns Fachreferent*innen der AG DH. Wir planten den Aufbau und Inhalt der DH-Themen so, dass wir uns auch selbst in je eines der Themen einarbeiteten und dieses für die Unterrichtseinheiten aufbereiteten. Dieses Vorgehen diente auch dazu, ein Set an Erfahrungen und Unterrichtsmaterialien zusammenzustellen, das uns für weitere Veranstaltungen als Steinbruch dienen kann. Während der Vorbereitungsphase profitierten wir von dem breiten Wissen, welches bereits in unserem Team vorhanden war, sowie der Möglichkeit, neue Einblicke und Erfahrungen in ausgewählte Bereiche der DH zu gewinnen. Ebenso schätzten wir die gute Zusammenarbeit mit Prof. Petry.

Trotz der rundum positiven Erfahrung, die auch durch die Rückmeldungen der Studierenden bestätigt wurde, mussten wir zum Schluss kommen, dass dieses Format nicht beliebig replizierbar ist: Der Aufwand, einen ganzen Semesterkurs regelmäßig zu erarbeiten, übersteigt die verfügbaren Ressourcen in der AG DH. Dennoch war der Aufwand für dieses Forschungsseminar gerechtfertigt, da es uns als Pilotprojekt diente, uns ermöglichte, Wissen und Kompetenzen in den DH anzueignen und zu vertiefen, sowie mit diesem Angebot die Bestände der UB Basel sichtbar zu machen und ihre Erforschung zu fördern. Insbesondere der Hands-on-Charakter im dritten Teil des Forschungsseminars ist aber herauszustreichen, da die Studierenden mit ihren praktischen Erfahrungen mit DH-Methoden einen echten Mehrwert herausholen konnten.

3.2 Unterrichtseinheit im Rahmen eines IDM-Semesterkurses

Das zweite Format wurde von der AG DH auf Anfrage von den Organisator*innen der Semesterkurse Informations-, Daten- und Medienkompetenz (IDM) erarbeitet. Diese Semesterkurse werden von der UB Basel seit einigen Jahren für ausgewählte Fachbereiche[7] angeboten, um Studierenden grundlegende Informations-, Daten- und Medienkompetenzen zu vermitteln, die auf ihr Fach zugeschnitten sind. Die AG DH wurde gebeten, zwei 90-minütige Sitzungen zu entwickeln, um die Studierenden in die Grundlagen der Datenkompetenz einzuführen. Nach der Besprechung der Anforderungen mit der Kursleitung entschied sich die AG DH, mit den Kollegen des Open Science Teams zusammenzuarbeiten und die Aufgaben aufzuteilen: Das Team der Open Science übernimmt jeweils die erste Sitzung und deckt das Forschungsdatenmanagement und eine allgemeinere Einführung in das Thema ab. Darauf aufbauend übernimmt die AG DH die zweite Sitzung zur fachspezifischen Datennutzung. Diese ist auf die Anforderungen des jeweiligen Fachbereichs zugeschnitten (z. B. Kunstgeschichte, Soziologie, Kulturanthropologie, Wirtschaftswissenschaften usw.). Diese Sitzungen werden hauptsächlich von einem Mitglied der AG DH vorbereitet und unterrichtet. Die Auswahl erfolgt nach der eigenen Fachspezialisierung, um eine möglichst gute Qualität zu erreichen. Dies bedeutet, dass sich der Aufwand je nach Angebot auf unterschiedliche Schultern verteilt. Die Kolleg*innen profitieren auch von einem gemeinsamen Austausch und dem stetigen Verbessern der Unterrichtsmaterialien, das auch kollaborativ erfolgt.

Die Ziele für die Sitzung zur fachspezifischen Datenkompetenz sind darauf ausgelegt, dass die Studierenden …

  • … die relevanten Quellen kennen, um (Forschungs-)Daten und/oder Korpora für ihre Projekte zu erhalten,

  • … die Besonderheiten der Arbeit mit Daten verstehen, die das jeweilige Fach betreffen,

  • … fachspezifische (wiederverwendete oder gesammelte) Datensätze zusammenstellen und damit arbeiten (d. h. sie analysieren und visualisieren) können,

  • … die Personen und Kontakte an der Universitätsbibliothek kennenlernen, die ihnen bei ihren weiteren Studien/Forschungen helfen können.

Eine Herausforderung für diese Sitzungen besteht in der Reduktion des zu vermittelnden Inhalts auf eine sinnvolle Auswahl. Es ist unmöglich, jede Methode/jedes Werkzeug zu lehren, das die Studierenden für ihre Projekte benötigen könnten. Besonders in Fächern wie der Sozialanthropologie, wo fast alles und jedes als Daten gesammelt werden kann, dient diese Sitzung hauptsächlich als Überblick darüber, was möglich ist. Den Studierenden wird ein Einstiegspunkt, Links, Beispiele und ein Verständnis der verschiedenen Arten von Daten gegeben, auf die sie stoßen könnten – z. B. Texte und linguistische Daten, statistische Daten, Geodaten, Bild- und Audio(visuelle)-Daten – die Skizzierung eigener konkreter Projekte bleibt aber den Studierenden überlassen.

Da diese 90-minütige Sitzung nur ausreicht, um eine kurze Einführung und einen Überblick darüber zu geben, was Daten sind und wie man mit fachspezifischen Daten arbeiten kann, ist es wichtig, den Studierenden genügend weiterführende Informationen zur Verfügung zu stellen und sie auf Fachstellen und Unterstützungsangebote hinzuweisen, z. B. auf den/die Fachreferent*in oder die AG DH. Dabei werden diese Hinweise auch fachspezifisch zusammengestellt. Diese Form der Zusammenarbeit war eine sehr positive Erfahrung – nicht nur mit der Fachabteilung, sondern auch mit den Kollegen, die den IDM-Semesterkurs organisieren, und dem Open Science Team.

3.3 Maßgeschneiderte Inputs

Das dritte Unterrichtsformat zur Vermittlung von DH-Themen ist die Erstellung und Vorbereitung eines maßgeschneiderten Beitrags im Rahmen eines regulären Semesterkurses.[8] Der Fokus in diesem Format liegt also weniger auf der Vermittlung eines grundlegenden Überblicks und einer generellen Sensibilisierung für DH-Themen, sondern auf einem spezifischen Element. Im vorliegenden Beispiel entstand die Idee zur Zusammenarbeit durch ein informelles Gespräch mit Literaturprofessorin Prof. Dr. Ina Habermann und ihrer PhD-Assistentin, MA Stefanie Heeg vom Englischen Seminar der Universität Basel während ihrer Planungsphase eines Forschungsseminars zu frühneuzeitlicher Reiseliteratur. Obwohl dies im Rahmen eines literaturwissenschaftlichen Kurses stattfand, ist das Thema eng mit der historischen Forschung verbunden. Da die UB über einige der im Seminar besprochenen Texte in ihren Sammlungen verfügt, hat sich der Vorschlag angeboten, eine Sitzung direkt in der UB zu unterrichten, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, anhand dieser Originaldrucke einführende Aspekte der DH mit Fokus auf Textquellen zu Originaldrucken betrachten und dann einführende Aspekte der DH besprechen und diskutieren zu können, indem sie diese mit den digitalisierten Texten derselben vergleichen. Mit diesen Beispielen sollte diese 90-minütige Sitzung den Studierenden eine Einführung in die DH, Metadaten, Normdateien (insbesondere die GND) geben und ihnen – basierend auf Material, das für die IDM-Sitzung zur Datenkompetenz verwendet wurde – Möglichkeiten aufzeigen, was sie mit diesen digitalisierten Texten machen und wie sie damit arbeiten können. Unter diesem Gesichtspunkt wurde die Unterrichtseinheit denn auch als Vorbereitungssitzung für einen Nodegoat-Workshop in der darauffolgenden Woche (der von RISE durchgeführt wurde) konzipiert. Im Rahmen der AG DH wurde also auch hier Grundlagenwissen vermittelt, auf dem Expert*innen mit spezifischem Fachwissen mit ihren Inputs aufbauen konnten.

Obwohl auch diese Sitzung inhaltlich sehr dicht war, fügten die Durchführung in der UB und die Bereitstellung der Originaldrucke aus den historischen Beständen zur Untersuchung im Schulungsraum eine schöne interaktive Note zum Kurs hinzu und gestalteten so auch ein informelles Unterrichtserlebnis für die Studierenden. Gleichzeitig erfüllte die Vorbereitung und Durchführung dieser Sitzung zwei Absichten der AG DH: Erstens, die Bindungen zu den Fachbereichen zu stärken und den Forschenden und Lehrenden zu vermitteln, dass die UB die Kompetenz und die Personen hat, um bei grundlegenden DH-Bedürfnissen zu helfen und zu unterstützen; zweitens, unsere (digitalisierten) Sammlungen und Bestände hervorzuheben und Studierende und Forschende mit den Möglichkeiten vertraut zu machen, mit ihnen zu arbeiten. Insbesondere auch hierfür hat sich die Gegenüberstellung der Originaldrucke für ein haptisches Erlebnis zusammen mit dem Digitalisat als Arbeitsgrundlage für weitere Untersuchungen bewährt. Zusätzlich konnte sich die UB als Ort präsentieren, der sowohl die historische Dimension mit den Originaltexten als auch ein Kompetenzzentrum für digitale Methoden vereint.

4 Fazit und Ausblick

Diese drei verschiedenen Formate zeigen einige der Möglichkeiten, aber auch die Herausforderungen, mit denen die AG DH in ihrer Arbeit mit und für Studierende(n) und Forschende(n) konfrontiert ist. Die Erfahrungen und das Feedback aus diesen verschiedenen Formaten werfen ein wichtiges Licht auf die Rolle der UB Basel bei der Aufgabe, Kompetenzen in diesem Bereich zu vermitteln. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass die Durchführung und Erfolg der Vermittlungsangebote seitens der UB Basel mit dem Kontakt zu den Lehrenden an den Fachbereichen und Fakultäten, insbesondere der Professor*innen steht und fällt. Kann dort das Interesse an den Angeboten der UB Basel im Bereich Vermittlung geweckt werden, so ist eine Zusammenarbeit durchaus erfolgversprechend. Wird die UB hingegen nur als Lernort für Studierende und als Lieferantin für Bücher verstanden, haben Kollaborationsprojekte einen schweren Stand. In jedem Fall lässt sich aber sagen, dass ein frühes und aktives Zugehen auf die Dozierenden schöne Erfolge zeigt. Dies kann auch in einem direkten Gespräch, verbunden mit einem konkreten Angebot für die Zusammenarbeit bei der Gestaltung ihrer geplanten Kurse oder durch die Einbindung in bestehende Kursformate wie die IDM-Semesterkurse geschehen. Es ist auch wichtig zu betonen, dass die Mitglieder der AG DH in erster Linie Fachreferent*innen sind und daher ihre akademische Ausbildung sowie ihre Arbeit als akademische Bibliothekar*innen vereinen. Es kann somit gezeigt werden, dass Bibliotheken eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten spielen, auch darum, weil sie als Hüter des kulturellen Erbes in ihrer Funktion als zuverlässige und langfristige Institutionen nachhaltig arbeiten. Wir möchten auch Aspekte hervorheben, die noch verbessert werden können. Vor allem geht es dabei um das Bewusstsein und die Attraktivität solcher Dienstleistungen sowie die Zusammenarbeit mit Forschenden und Lehrenden aus allen Fachbereichen der Philosophisch-Historischen Fakultät, die digital arbeiten. Die Fragen, die die AG DH antreiben, sind vielfältig: Was sind die Bedürfnisse von Forschenden und Studierenden? Was benötigen sie von Ihrer Universitätsbibliothek? Wo sieht die AG DH Möglichkeiten für die Bibliothek, die Arbeit mit historischen Dokumenten zu unterstützen und das Bewusstsein dafür zu schärfen?

Die Universitätsbibliothek ist prädestiniert dafür, Studierenden und Nachwuchsforschenden eine solide Grundlage/grundlegendes Wissen im Bereich Digital Humanities zu vermitteln und ihre ersten Schritte im Umgang mit digitalen und digitalisierten Quellenmaterialien zu begleiten. DH ist möglicherweise nicht die Hauptaufgabe der Bibliothek, aber die Bibliothek ist einzigartig positioniert, um das Bewusstsein für wichtige Grundlagen wie Metadaten, Normdateien, Standards usw. zu schärfen, die zum grundlegenden bibliothekarischen Handwerk gehören und von denen die Studierenden langfristig profitieren. Auch mit dem Digitalisierungszentrum ist die UB Basel ein Motor für die Forschung mit digitalen Methoden, indem sie die Quellen dazu liefert. Weiter kann sie über ihre bestehenden Angebote auch Grundlagen der DH an Studierende vermitteln, die später, wenn sie den Schritt in ihre eigenen Forschungsprojekte machen, davon profitieren können. Wenn dieses Basiswissen nicht genügen sollte, macht es die enge Vernetzung der AG DH möglich, an weitere forschungsunterstützende Infrastrukturen wie z. B. RISE oder das DHLab zu verweisen.

Die Bibliothek bietet ein breites Angebot, einerseits mit ihren Sammlungen und andererseits mit den Expert*innen und ihrem Wissen zu den Beständen. In den unterschiedlichen Abteilungen der UB Basel ist viel Erfahrung, Wissen und Können versammelt, nicht nur im Umgang mit den historischen und modernen Beständen als Quellen, sondern auch in deren Nutzbarmachung. Diese besteht aus guten Metadaten, der Digitalisierung und Bearbeitung, damit die Dokumente von Forschenden gefunden und genutzt werden können. Schließlich ist aber auch die Vermittlung im Sinne der Bibliothek und ihrem Auftrag. Die Vermittlung zum einen der Sammlung, aber auch der Grundlagen zu ihrer Erforschung. In welchem Umfang diese Vermittlung in Zukunft aussehen wird, ist offen. Mit den drei präsentierten Formaten ist die UB Basel aber bereit, unterschiedliche Bedürfnisse abzudecken und die Angebote zu skalieren. Auf fruchtbaren Boden fällt dies, wenn die Bibliothek auch über die Fachreferate und deren Pflege der Kontakte zu ihren Fachbereichen sichtbar gemacht und als mögliche Kooperationspartnerin wahrgenommen wird.


Article Note

Dieser Artikel basiert auf einer Präsentation, die während der Digital History Days in Basel im September 2024 gehalten wurde. Der Long Abstract, der als Grundlage für den Artikel diente, findet sich unter: Langenegger, Catrina; Johanna Schüpbach, Johanna: Data Literacy and the Role of Libraries, https://digihistch24.github.io/submissions/459 [Zugriff: 17.02.2025].


Über die Autoren

Dr. Catrina Langenegger

Fachreferentin für Jüdische Literatur- und Kulturgeschichte

Johanna Schüpbach

Fachreferentin für Englische Sprach- und Literaturwissenschaft und Allgemeine Linguistik

Online erschienen: 2025-04-04
Erschienen im Druck: 2025-04-03

© 2025 bei den Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Heruntergeladen am 11.1.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2025-0032/html?lang=de
Button zum nach oben scrollen