Zusammenfassung
Das Jubiläumsjahr der Stadtbibliothek Mannheim verlief durch Corona ganz anders als geplant. Der Lockdown war eine große Herausforderung, brachte aber keinen Stillstand, sondern führte zu vielen neuen Angeboten und Kompetenzen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Immer mit dem Ziel, flexibel auf die aktuelle Situation und die Bedürfnisse der Menschen zu reagieren.
Abstract
Due to the corona crisis, the library’s anniversary year did not follow the original plan. The shutdown represented a huge challenge but it did not in any way lead to a standstill. Instead, many new services and staff competences have been developed to assure flexibility in reacting on changing conditions and user needs.
Januar 2020
Dieses Jahr ist ein ganz besonderes Jahr, denn unsere Bibliothek feiert ihren 125. Geburtstag. Wir haben für jeden Monat ein anderes Highlight geplant und ein eigenes Jubiläumsmotto und -logo entwickelt. Besonders freuen wir uns auf eine Sommerparty auf dem obersten Parkdeck unseres zukünftigen Bibliotheksstandorts.
Nach einem knappen halben Jahr Umbaumaßnahmen öffnet die Zweigstelle Neckarstadt/West wieder ihre Türen. Die Einweihung soll zusammen mit dem neuen Bürgerdienst später gefeiert werden. Dazu wird es aber nie kommen
Wir laden zum dritten Mal sogenannte Buchmenschen, Verleger*innen, Autor*innen, Buchhändler*innen, Illustrator*innen aus Mannheim und Umgebung – eben alle, die mit Büchern zu tun haben – zum Netzwerken, Austauschen und Frühstücken ein.
Ende des Monats geht es zum 5. Forum Bibliothekspädagogik nach Leipzig. Das wird für sehr lange Zeit die letzte Dienstreise sein.
Februar 2020
Der Monat beginnt mit dem traditionellen MedienElternabend. Neben Vorträgen bieten verschiedene Kooperationspartner Infostände und Beratungsmöglichkeiten für Pädagogen und Eltern an. Die Veranstaltung ist mit über 100 Gästen wie immer gut besucht.
Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist in diesem Monat die Einweihung der neuen TechnoTHEK[1]. Mit Unterstützung des Vereins Deutscher Ingenieure, der Deutsche Telekom Stiftung und unserem Förderkreis können zwei knallrote Schränke, gefüllt mit 75 Bau-, Experimentier- und Programmierkästen sowie 100 Büchern zu allen MINT-Themen, der Presse vorgestellt und mit einem „Makerday für Familien“ einweiht werden.
Mit dem Lessing-Gymnasium haben wir im letzten Jahr einen Kooperationsvertrag abgeschlossen und gestalten erstmals drei intensive Projekttage mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Der Monat endet mit einem Abschied, nach 10 Jahren verlässt Dr. Bernd Schmid-Ruhe die Stadtbibliothek, um an der Hochschule der Medien in Stuttgart eine Professur anzunehmen. Wir werden am Ende ein knappes Jahr führungs- aber nicht kopflos sein.

Die neue TechnoTHEK.
März 2020
Der Monat beginnt mit dem „Familiensonntag“. 300 Besucher*innen haben sich angemeldet für unser dreistündiges Programm. Erstmal tauchen Bedenken wegen des neuen Virus auf, doch das Gesundheitsamt gibt grünes Licht. Als wenig später der erste Lockdown kommt, haben wir das Gefühl, mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein.
Sehr überraschend wird der erste Lockdown angeordnet. Anfangs besteht der Oberbürgermeister noch auf die Öffnung der Bibliothek, doch die Landesverordnung verbietet dies schon wenig später. Was macht man nun in einer Bibliothek, wenn plötzlich keine Kund*innen mehr da sind: Alle Regale werden geputzt, veraltete Medien gelöscht und auch der letzte Winkel aufgeräumt. Aber auch Online-Fortbildungsangebote sind sehr beliebt bei den Kolleg*innen.
April 2020
Zum 8. Mal schreibt die Stadtbibliothek den „Feuergriffel“[2], ein Aufenthaltsstipendium und Preis für Kinder- und Jugendbuchautor*innen, aus. Drei Monate wird der oder die Preisträger*in im Folgejahre in Mannheim leben und arbeiten. Kein Zweifel an der Realisierbarkeit, denn bald ist ja alles wieder normal …
Die Stadtverwaltung richtet WebEx als Plattform für Online-Besprechungen ein. Die ersten Meetings finden noch als Telefonkonferenzen statt, später geht eine Großbestellung für Headsets und Webcams raus. Es dauert aber lange, bis alle Besprechungen stadtweit nur noch online stattfinden – bis in den Herbst hinein sind Präsenztermine üblich. Gleichzeitig lautet die Vorgabe, so viele Mitarbeiter*innen wie möglich ins Homeoffice zu schicken. Da es nur vier Dienstlaptops in der gesamten Stadtbibliothek gibt, müssen viele ihren Dienst-PC mit nach Hause nehmen, was eine Welle von Mini-Umzügen auslöst. Mitarbeiterinnen aus der Folierung erhalten nun regelmäßig Lieferungen mit neuen Büchern und Nachschub an Folie nach Hause. Zum Glück gibt es die Möglichkeit, über VPN-Verbindungen auf alle dienstlichen Laufwerke zuzugreifen, was das Arbeiten von zu Hause aus sehr erleichtert.
Das Osterferienprogramm kann nicht stattfinden. Um Familien trotzdem eine Freude zu machen, wird ganz kurzfristig ein Lieferservice mit Studierenden und Bibliotheksmitarbeiter*innen organisiert. Alles was Räder hat, die Fahrradbibliothek, ein Dienstrad mit Anhänger, ein geliehenes Lastenrad und natürlich private Fahrräder, bringt stadtweit Überraschungs- und Wunschpakete zu Eltern und Kindern, aber auch zu alten oder kranken Menschen. Das tolle Wetter sorgt nebenbei für die erste Bräune.
Obwohl es immer wieder heißt, der Lockdown wird bis Mai oder gar Juni verlängert, kommt am 20. April die Nachricht, dass die Bibliotheken wieder öffnen dürfen. Das kommt so plötzlich, dass wir um eine Woche Aufschub bitten, um ein Hygienekonzept erstellen und das notwendige Material bestellen zu können. Eine Kollegin näht Tag und Nacht Stoffmasken und wir lernen: Gummiband ist das neue Klopapier – überall ausverkauft. Auch mit Spuckschutzwänden und Desinfektionsmittelspendern müssen wir uns beschäftigen. Als wir dann wieder für Publikum öffnen, gibt es Einlasskontrollen (in der Zentralbibliothek sogar mit Wachdienst) und abgezählte Körbe. Nicht alle Kund*innen zeigen Verständnis für die Maßnahmen, erst recht nicht, als später noch das Kontaktnachverfolgungsformular dazu kommt.

Studierende der Universität Mannheim unterstützen den Lieferservice in den Osterferien.
Mai 2020
Alle großen Veranstaltungen in der Stadt werden abgesagt, so auch die überregional beliebte Verbrauchermesse Maimarkt, auf der sich die Stadtbibliothek zusammen mit anderen städtischen Einrichtungen immer präsentiert.
Onleihe, Freegal, Pressreader und die Datenbanken werden extrem gut genutzt, für die Onleihe muss sogar der Etat erhöht werden, um den Bedarf besser stillen zu können. Das sind gute Argumente für den Filmstreamingdienst „filmfriend“, den wir uns schon länger wünschen. Der Fachbereich stellt außerplanmäßig Mittel zur Verfügung.
Als Mitmach-Aktion zum bundesweiten Digitaltag können wir die „Feuergriffel“-Preisträger Tobias Steinfeld und Tania Witte für eine digitale Schreibwerkstatt gewinnen. Zehn Wochen lang gibt es jeden Freitag auf dem Feuergriffel-Blog[3] einen Schreibtipp von den Profis.
Juni 2020
Die Pfingstferien stehen vor der Tür und diesmal soll es richtig viele Angebote für die Kinder geben. Die in Mannheim lebende Illustratorin Constanze von Kitzing setzt für uns einen Monsterzeichenkurs filmisch um, Dr. Oliver Tissot dreht einen wunderbaren Witze-Werkstatt-Film und das Geräusche-Krimi-Tutorial macht Lust auf eigene Aufnahmen. Für die Buchwerkstatt kann das Material in der Bibliothek abgeholt werden, ein Erklärvideo erläutert die Umsetzung. Außerdem warten 500 Lese- und Mitmach-Tüten auf bastel- und lesefreudige Kinder.
Auch beim Kooperationsprojekt „Kicken und Lesen“ und dem Leseclub an der Neckarschule soll es weitergehen. Kleine Filme mit Bewegungs- und Leseaufgaben werden gedreht und auf Instagram gibt es Buchtipps und passende Mitmachangebote für die Kinder. Später wird eine Leseclub-WhatsApp-Gruppe für den Austausch und die Aktivitäten gegründet, weil in diesem Stadtteil Familien nur Smartphones zur Verfügung haben.
Aber es gibt auch wieder Absagen. „Explore Science“, die naturwissenschaftlichen Erlebnistage der Klaus Tschira-Stiftung dürfen nicht stattfinden und so kommt unser mobiles Bibliothekslabor diesen Sommer kaum zum Einsatz.
Neben dem „Feuergriffel“ gibt es noch den „BUNTSTIFT“ – eine Aktion, bei der Vorschulkinder als Juroren ihr Lieblingsbilderbuch aus einer Auswahl von 10–12 Bilderbuch-Erstlingen wählen. Im Januar und Februar konnten wir noch über 20 Gruppen zur Auftaktveranstaltung in der Bibliothek begrüßen und mit einer Büchertasche versorgen. Im Juni wären eigentlich alle Vorschulgruppen wieder zur Jurysitzung gekommen. Die Ergebnisse werden per E-Mail weitergeleitet und anstelle der großen Preisverleihung mit allen Kindern und der Preisträgerin gibt es ein weiteres Bilderbuch für jede Einrichtung und einen filmischen Gruß von der ausgezeichneten Illustratorin Karolina Benz.[4]
Juli 2020
Der Jubiläumsjuli bringt gleich zwei Überraschungen. Die Siegerentwürfe des Architekturwettbewerbs werden der Presse und danach auch der Öffentlichkeit vorgestellt. Endlich haben Bürger und Mitarbeiter*innen eine Vorstellung davon, wie die neue Stadtbibliothek aussehen könnte.[5]

Der neue Automat der Kinder- und Jugendbibliothek spuckt Witze aus.
Und dank der digitalen Witze-Werkstatt haben wir genug Füllung für den neuen Witze-Automaten. Er steht in der Kinder- und Jugendbibliothek, sieht aus wie ein Kaugummi-Automat und spuckt eine Kunststoffkugel mit Witz aus. Dieser wird nicht mit Geld, sondern einem neuen Witz bezahlt, so dass immer für Nachschub gesorgt ist.

Die Fahrradbibliothek beim Sommereinsatz in den Stadtparks.
Weil es nicht nur in den Ferien digitale Veranstaltungsangebote geben soll, organisieren wir das Format „Zeichenwerk digital“. Kinder können sich auf einer Online-Plattform mit Illustratorinnen treffen, die gemeinsam mit den Kindern Wimmelbilder zu einem Thema gestalten. Diese können von den Kindern hinterher ausgedruckt und ausgemalt werden.
Anfragen bei Verlagen sind so mühsam, dass wir für den Sommer sieben „Flitzebücher“-Veranstaltungen bei „Coccinelli“[6] buchen.
Die fleißig lesenden Schulanfänger werden eigentlich am Schuljahresende mit einer exklusiven Veranstaltung belohnt, diesmal gibt es Buchgeschenke. Und der Mannheimer Vorlesewettbewerb für Grundschulen findet gar nicht statt. Die Klassen hatten einfach keine Zeit. Der Börsenverein dagegen lädt zu einer digitalen Wettbewerbs-Endausscheidung ein.
Mutig starten wir in die Sommersaison unserer Fahrradbibliothek FaBio[7]. Die Stadtparks haben nach Vorlage eines Hygienekonzeptes ihre Zustimmung gegeben. Nun gehören nicht nur Bücher und Spiele zur Ausstattung, sondern auch eine Kollektion Desinfektionsmittel.
August 2020
Kaum zu glauben, aber das dreiwöchige Sommerferienprogramm darf fast normal als Präsenzveranstaltung über die Bühne gehen. Klar, alle tragen Maske bis sie an ihrem Platz sitzen, jeder einzeln an einem Tisch mit viel Abstand und alles wird desinfiziert. Aber Eltern und Kinder sind unglaublich dankbar für diese Abwechslung.
Schon lange wünschen wir uns einen Newsletter. Der Hinweis auf notwendige, schnelle Kommunikationsmöglichkeiten mit den Kundinnen und Kunden bringt Bewegung in die Sache und kurzzeitig träumen wir von einem ersten Newsletter im September.
Nebenbei kämpfen wir mit einer neuen Art von Diebstahl. Desinfektionsmittelflaschen sind heiß begehrt und wehe, man lässt einen Spender mal aus den Augen.
September 2020
Der Sommerleseclub „Heiß auf Lesen“ geht zu Ende. Anstelle von Interviews gab es Quizfragen über die Plattform LearningApps. Das ist gut gelaufen, es haben fast noch mehr Kinder und Jugendliche als sonst teilgenommen. Leider gibt es auch keine Abschlussparty in der Tanzschule, sondern nur Urkunden und Preise zum Abholen.
Unser Bücherbus MoBi fährt eigentlich 15 Haltstellen in Stadtteilen ohne ortsfeste Bibliothek an. Ein Hygienekonzept für die kleine Fläche war besonders schwierig und so ist der Bus nur an wenigen Haltestellen unterwegs und dient vor allem als Abholstation.
2019 haben wir uns um den Preis „Bibliothek des Jahres Baden-Württemberg“ beworben. Für die Idee, Erklärvideos zu drehen, wurden wir zusammen mit einer anderen Bibliothek mit dem Sonderpreis[8] ausgezeichnet. Nach langen Vorbereitungen und Überlegungen starten wir mit den Dreharbeiten zu den ersten beiden Filmen. Fertig sind die Filme zwar erst Anfang 2021, aber die Ausstattung und Unterstützung von zwei Profis kommen uns wie gerufen für die weiteren digitalen Veranstaltungsformate.
Das große Fest zum Weltkindertag wurde erst gar nicht geplant, obwohl eigentlich alles im Freien stattfindet. Und so fällt eine liebgewonnene Veranstaltung nach der anderen aus.
Oktober 2020
Der Oktober ist eigentlich der Geburtstagsmonat. Für den 13. hatten wir einen großen Festakt vorbereitet, stattdessen gibt es exklusive Geschenke für den / die 125. Besucher*in in jeder Zweigstelle. Aus alten Fahnen und Bannern hat ein inklusiver Betrieb Taschen genäht. Kundinnen und Kunden senden Glückwünsche, die wir auf Instagram veröffentlichen und die Jubiläumsschrift, die das Stadtarchiv erstellt hat, erscheint pünktlich[9].
Auch das Herbstferienprogramm können wir noch als Präsenzveranstaltung durchführen. Und das Vorlesepatenseminar ist ebenfalls gut besucht, auch wenn jeder mit viel Abstand und eigenem Mini-Catering im Stuhlkreis sitzt.
Das Technoseum hat am 25. Oktober zu „Meet & Code“ geladen. Wir sind einer der wenigen Kooperationspartner, der sowohl Workshops als auch Mitmach-Aktionen und einen Stand anbietet. Entsprechend groß ist die Nachfrage.

Die 125. Besucherin freut sich über eine exklusive Tasche.
Schulklassen kommen dagegen keine mehr. Sie dürfen das Schulgebäude nicht mehr verlassen und wir dürfen zumindest bei den Grundschulen auch nicht mehr rein. Deshalb entscheiden wir uns dafür, die Lesetaschen für die Schulanfänger auf Bestellung an die Schulen zu liefern. Die Resonanz ist riesig. Innerhalb kurzer Zeit verteilen wir über 2.000 rote Taschen mit Anmelde- und Wettbewerbsunterlagen und hoffen, Eltern und Kinder wenigstens auf diesem Weg zu erreichen.
November 2020
Lange haben wir geplant und nach einer Lösung gesucht, nun soll das Pilotprojekt „Kooperation zwischen Stadtbibliothek und Ganztagsschule“ endlich starten. Wir sind später dran als gewünscht, denn die Ausschreibung und Besetzung der Stelle hat sich hingezogen. Am 15. November fängt die neue Mitarbeiterin mit vielen Ideen und Plänen an. Der zweite Lockdown macht uns einen Strich durch die Rechnung und wieder schütteln wir ein Alternativangebot aus dem Ärmel. Für Klasse 2 und 3 gibt es einen Lesetüte mit Buch und Quiz, die vierten Klassen bekommen regelmäßig Post aus der Bibliothek und werden zum Antworten angeregt, eine etwas andere Art der Schreib- und Leseförderung.
Die „Feuergriffel“-Jurysitzung steht vor der Tür. Wir waren gespannt, wie sich Corona auf die Zahl der Bewerbungen auswirkt und mussten feststellen: gar nicht. Die Jurymitglieder haben sich wie immer durch die Motivationsschreiben, Exposés und Textproben gelesen. Zur Belohnung startet die Jurysitzung eigentlich immer mit einem leckeren, gemeinsamen Essen. Diesmal natürlich nicht. Wir sitzen drei Stunden vor einem Bildschirm voller Kacheln und diskutieren. Das macht weit weniger Spaß als sonst und ist extrem anstrengend, aber am Ende einigt man sich auf drei Nominierungen und eine Preisträgerin.
Der Nationaler Vorlesetag wird in Mannheim seit vielen Jahren mit einem großen Lesefest gefeiert, 2020 gibt es stattdessen einen Wettbewerb für Kindertageseinrichtungen und Eltern. Wer vorliest und ein Beweisfoto schickt, nimmt an einer Verlosung teil. Kindertageseinrichtungen bekommen auf Wunsch Bücher, Bilderbuchkinos und Kamishibai-Kartensets geliefert. Zu unserer großen Freude verlosen wir am Ende viele Buchpreise.
Eine weitere Traditionsveranstaltung im November ist unsere Kinderbuchvorstellung zusammen mit einer örtlichen Buchhandlung. Auch darauf wollen wir nicht verzichten und alle drei Referentinnen drehen einen Film von ihrer Buchvorstellung. Wer sich anmeldet, bekommt den Link.
Und wir wagen uns an eine erste digitale Sachbuchlesung. Die Werbung für die Veranstaltung mit Maja Overbeck[10] läuft über Schulen und Elternbeiräte und wir sind erfreut über die große Resonanz. Viele Eltern finden es toll, gemütlich vom heimischen Sofa aus mit einem Glas Wein zuhören zu können, ohne weite Wege im Dunkeln und ohne Kinderbetreuungsstress. Online-Formate haben also auch Vorteile.
Neue Corona-Verordnungen des Landes kommen immer später, erst am Freitagabend, dann am Sonntagnachmittag. Immer warten wir ungeduldig, um die nächste Woche planen zu können.
Dezember 2020
Durch Brandstiftung wurde das Ausweichquartier unserer Zweigstelle im Stadtteil Schönau im Frühjahr 2019 zerstört. Im Herbst 2021 ist der Schulneubau endlich fertig und die kombinierte Schul- und Öffentliche Bibliothek kann mit ganz neuen Medien und Möbeln wieder einziehen. An eine Eröffnungsfeier ist Anfang Dezember nicht zu denken, stattdessen dreht eine Kollegin einen filmischen Rundgang durch die neuen Räume.[11] Der zweite Lockdown sorgt für eine Schließung kurz nach der Wiedereröffnung.
Individuelle Lösungen sind auch für die Schulen notwendig, die am Projekt „Mannheimer Unterstützungssystem Schule“[12] teilnehmen. 1.200 Unterrichtseinheiten außerschulische Bildungsangebote für 16 Schulen werden in jedem Schuljahr organisiert. In Zeiten von Corona gehören wir zu den wenigen Bildungspartnern, die Alternativangebote organisieren. Zusammen mit den Honorarkräften werden Büchertüten und Lesekisten gepackt und mit ergänzenden Rätseln und Bastelangeboten versehen. Aber es gibt auch Online-Sprachförderung und Leseförderung am Telefon. Und wie bei der Ganztagsschule gibt es auch bei MAUS eine Briefaktion. Wichtig ist uns sowohl das Angebot für die Kinder, aber auch eine Verdienstmöglichkeit für die Studierenden, die als Honorarkräfte für uns arbeiten.
Auch für die Vorweihnachtszeit planen wir wieder eine Überraschung für Eltern und Kinder – ein Adventskalenderbuch zum Vorlesen und Basteln. Jeder Tag bis zum 24.12. enthält einen Buchtipp mit Leseprobe und ein Mitmachangebot zum Basteln, Spielen oder Raten. Diesmal sind die Verlage freundlich und hilfsbereit.
Der Dezember bringt auch erste Fälle von Infektionen mit Covid unter dem Personal. Die Anweisungen werden strikter. So viel mobiles Arbeiten wie möglich, Abstand, Maskenpflicht nicht nur im Begegnungsbereich und keine Präsenzbesprechungen mehr. Wir sind alle froh über die Weihnachtspause und hoffen auf ein besseres 2021.
Januar 2021
Diesmal findet der MedienElternabend digital statt und wir stellen stolz unsere ersten beiden Erklärvideos[13] vor. In Zukunft wollen wir den YouTube-Kanal der Stadtbibliothek stärker nutzen.
Inzwischen darf pro Büro nur noch eine Person arbeiten, der Rest arbeitet mobil. Der nächste PC-Rollout steht vor der Tür und bringt zu unserer großen Freude Laptops für alle anstelle der bisherigen Rechner. So werden wir es zukünftig im wahrsten Sinne des Wortes leichter haben.
Bange schauen wir auf die Statistik von 2020 und sind überrascht vom erfreulich guten Ergebnis. Natürlich sieht man an der Zahl der Neuanmeldungen, dass die Klassenführungen fehlen und die Medienangebote der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle wurden deutlich weniger genutzt durch Schulschließungen und Homeschooling. Aber es gibt auch Stellen, deren Zahlen gestiegen sind.
Nach der Jurysitzung findet nun auch die Feuergriffel-Pressekonferenz digital statt. Alles läuft prima und es nehmen sogar mehr Menschen teil als sonst. Die vielen und guten Erfahrungen mit digitalen Formaten machen uns Mut und wir planen mehr.
Gleichzeitig ist „Click & Collect“ das neue Thema. In allen Stellen werden Abholstationen eingerichtet und beworben. Etwas problematisch ist die Situation im Dreiländereck. Mannheim grenzt als nördlichste Stadt Baden-Württembergs an Hessen und Rheinland-Pfalz. Jedes Bundesland hat andere Corona-Regeln und so fährt man nur eine Station mit der Straßenbahn weiter und trifft auf eine geöffnete Bibliothek. Das verstehen die Kund*innen nicht wirklich.
Februar 2021
Mit Yilmaz Holtz-Ersahin bekommen wir nach 11 Monaten einen neuen Chef, der es nicht leicht hat, die Mitarbeiter*innen und den Betrieb kennenzulernen.
Wir starten mit einem neuen Angebot: einem Infotelefon in arabischer Sprache. Mit Unterstützung einer arabischsprachigen Ehrenamtlichen werden einmal wöchentlich Fragen zur Nutzung der Bibliothek beantwortet und Angebote vorgestellt – so werden auch wieder Familien erreicht, die durch die coronabedingte Schließung die Bibliothek nicht mehr genutzt hatten.
Für die Faschingsferien haben wir zusammen mit der Medienpädagogin Janina Wiegand[14] ein Mediencamp geplant, welches vom Medienkompetenzfund Baden-Württemberg[15] gefördert wird.
Nach Veranstaltungen am Nachmittag und Abend wagen wir uns nun an Schullesungen. Auch das klappt erstaunlich gut, sowohl im Grundschulbereich als auch bei den weiterführenden Schulen. Und wir lernen dabei, dass es notwendig ist, den privaten Chat zu sperren.
Unser „Makerday für Familien“ soll nicht ausfallen, sondern zum Thema „Nachhaltigkeit“ als digitales Event stattfinden. Wo normalerweise zehn Stationen in der Kinder- und Jugendbibliothek zum Mitmachen und Ausprobieren einladen, steht nun das Packen von Materialtaschen und Vereinbaren von Abholorten und -terminen auf dem Programm. Plötzlich verbringen wir den Arbeitstag mit dem Abzählen von Legosteinen und Abwiegen von Heilerde – eine interessante Erfahrung. Über 50 Familien freuen sich am Ende über die Abwechslung und bügeln fleißig Bienenwachstücher, formen Samenbomben und programmieren sprechende Müllplakate.

Der vierte „Makerday für Familien“ steht unter dem Motto Nachhaltigkeit.
Aber nicht alle möchten mit ihren Veranstaltungen in den digitalen Raum wechseln. Das Kulturzentraum Alte Feuerwache verschiebt das Literaturfestival „lesen.hören“ in den Sommer. Auch die gemeinsamen Kinder- und Jugendbuchlesungen müssen deshalb neu terminiert werden.
Es ist soweit: Nach gefühlt 100 bürokratischen Hürden verschicken wir stolz unseren ersten Newsletter. Dieser hilft hoffentlich dabei, die Kundinnen und Kunden direkt zu erreichen, denn bei einer Umfrage mussten wir feststellen, dass Presse, Homepage, Social Media und Plakate momentan als Werbung nicht ausreichen.
März 2021
Inzwischen wurden viele Erfahrungen mit virtuellen Veranstaltungen gesammelt und wir starten jeden Monat mit einem umfangreichen digitalen Angebot: Spieleveranstaltungen, ein Nasenflöten-Workshop, ein- und mehrsprachige Vorlesestunden, ein Leseclub für junge Erwachsene, Vorträge zum MedienMittwoch und auch der „Familiensonntag“ steht wieder vor der Tür. Auch hier wagen wir uns an eine digitale Variante, erweitern das Programm sogar von drei auf sechs Stunden und freuen uns über die vielen tollen Rückmeldungen der teilnehmenden Familien.
Ein ganz besonderes Ereignis ist unsere „Feuergriffel“-Buchpremiere. Am 11. März erscheint der Jugendroman „Marilu“ von Tania Witte. Sie war 2019 als 7. Kinder- und Jugendstadtschreiberin zu Gast in Mannheim und ist verzweifelt, dass schon das zweite Buch in einer Zeit ohne Buchmessen und Literaturfestivals erscheint. Wir beschließen mit der Autorin zusammen einen ganzen Premierenmonat auf die Beine zu stellen. Dazu gehören eine digitale Buchpremiere, die Verlosung von Büchern und eine Wohnzimmer-Lesung – alles begleitet durch Posts auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen der Bibliothek und der Autorin. Es wird ein voller Erfolg. An der Buchpremiere nehmen Menschen aus ganz Deutschland und sogar aus den Niederlanden und der Schweiz teil. Das hätten wir mit einer Veranstaltung in der Bibliothek nie geschafft.
In diesem Monat startet auch unter dem Motto „Hoch hinaus“ unser neuer Lesewettbewerb für Grundschulklassen und wir schließen uns damit der bundesweiten „Büchertürme“-Aktion[16] an. Vom langjährigen, klassischen Vorlesewettbewerb verabschieden wir uns nicht ungern. Hatten wir doch immer das Gefühl, nur die guten Leser*innen zu erreichen. „Hoch hinaus“ bedeutet, nur die ganze Klasse zusammen kann teilnehmen und gewinnen. Außerdem passt das neue Format besser zu Homeschooling und Wechselunterricht.
April 2021
Lange Zeit haben wir gehofft, das Osterferienprogramm als Präsenzveranstaltung anbieten zu können. Leider stirbt diese Hoffnung mit den steigenden Infektionszahlen. Wir steigen wieder auf ein digitales Angebot um, allerdings können und wollen da nicht alle Kooperationspartner mitgehen.
Die Schülerberatung „T!BB“ bietet nicht nur Online-Beratung und Materialpakete zum Abholen an, sondern auch „Brain Food“-Goodie Bags und Playlisten auf Freegal Music zur „Entspannung“ und „Motivation“ gegen Lernstress für alle, die sich gerade auf Prüfungen vorbereiten.

Auf gestresste Prüflinge wartet eine besondere Tasche.
Obwohl „Click & Collect“ sehr gut angenommen wird, erreichen wir damit nicht alle Kund*innen und es werden hauptsächlich Bücher bestellt. Brett- und Konsolspiele und Filme sind wenig gefragt. Die nächste Statistik wird sicher anders aussehen.
Julia Willmann zieht als achte Kinder- und Jugendstadtschreiberin in die Turmwohnung. Noch ist fraglich, ob es zu den geplanten Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen kommt oder ob es nur Online-Formate geben wird.
Bereits zum vierten Mal planen wir ein Halbjahresprogramm für Kindertageseinrichtungen und Schulen ins Ungewisse hinein. So viele Veranstaltungen mussten wir schon absagen oder haben diese bereits dreimal verschoben. Die anfängliche Zuversicht hat sich in Unsicherheit verwandelt. Man kann eigentlich nicht mehr langfristig planen, sondern nur kurzfristig reagieren. So wurden gerade die Figurentheatertage und die naturwissenschaftlichen Erlebnistage in den Herbst geschoben.
Es bleibt spannend.
© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
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- Frontmatter
- Editorial
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- Neue Satzung und Organisationsstruktur sowie Vorbereitung auf die deutsche IFLA-Präsidentschaft – der internationale Bibliotheksverband IFLA
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- Deutscher Bibliotheksverband und Deutsche Telekom Stiftung zeichnen vorbildliche Bibliotheken 2021 aus
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- Von 100 auf 0 oder doch nicht?!
- Nach über einem Jahr Corona
- Winterthurer Bibliotheken: der Lockdown als Herausforderung und Chance
- Verbundzentralen in der Pandemie
- Erfahrungen der ekz-Gruppe in der Corona-Krise 2020–2021
- Ein Jahr Corona-Pandemie: Erfahrungen in der Österreichischen Bibliothekenverbund und Service GmbH
- It’s the End of the World as We Know It (And I Feel Fine)
- Digital ist Trumpf oder die DNB in der Coronavirus-Pandemie
- Notizen und Kurzbeiträge
- Notizen und Kurzbeiträge
- Veranstaltungen
- Save the Date: #vBIB21 findet am 1. und 2. Dezember 2021 statt
- Korrigendum
- Korrigendum zu: Tessa Sauerwein. FILL for Future (F4F) – Framework Information Literacy Lessons digital
- Termine
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