Interessenpolitik in der Corona-Krise
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Beatriz Casas González
, Richard Detje , Wolfgang Dunkel , Nick Kratzer and Dieter Sauer
Zusammenfassung
Der Beitrag beleuchtet die Rolle der Mitbestimmung in der Ausnahmesituation der Pandemie. Anhand von exemplarischen Befunden aus drei Handlungsfeldern – der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zum Infektionsschutz, der Stabilisierung der Beschäftigung sowie der Verlagerung von Arbeit ins Homeoffice – wird der Frage nachgegangen, ob die Beteiligung am betrieblichen Krisenmanagement zu einer Stärkung oder Schwächung der Interessenvertretung führt. Die Befunde zeigen eine aktive und häufig auch als erfolgreich wahrgenommene Betriebsratsarbeit, sie zeigen aber auch erhebliche Branchenunterschiede, fortgesetzte Spaltungstendenzen und erweiterte Beteiligungsoptionen, denen die Verankerung in der Mitbestimmung fehlt. Dies deutet auf Pfadabhängigkeiten einer Mitbestimmung im Krisenmodus hin.
Abstract
This paper deals with the role of co-determination in the extraordinary situation of the pandemic. Presenting exemplary findings from three fields of action, i.e. development and implementation of measures for infection prevention, stabilization of employment, and relocation of work into the home office, the paper addresses the question whether participation in crisis management leads to a strengthening or weakening of the workersʼ interest representation. The empirical findings reveal an active role of the works councils which in most cases has been perceived as successful. On the other hand, there are also indications of significant differences according to branches, continued tendencies toward fragmentation, and extended participation options lacking anchoring in the codetermination norms and institutions. These results point to path dependencies of codetermination in the crisis mode.
Literatur
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© 2022 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
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