Zusammenfassung
Die Universitätsbibliothek der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (TUBAF) blickt auf eine wechselvolle Bau- und Planungsgeschichte zurück. Im September 2023 konnte dieses Kapitel mit dem Bezug des Neubaus Universitätsbibliothek/Hörsaalzentrum der TUBAF abgeschlossen werden. Der Neubau vereint nicht nur die Universitätsbibliothek und das Hörsaalzentrum in einem Gebäude, sondern bildet gleichzeitig den Auftaktbau entlang einer neu geschaffenen Verbindungsachse zwischen der Altstadt und dem Campus – dem Wissenschaftskorridor.
Abstract
The University Library of the Technische Universität Bergakademie Freiberg looks back on an eventful construction and planning history after being closed in September 2023 with the move into the new TUBAF University Library/Lecture Hall Centre building. The new building not only combines the university library and the lecture theatre centre in one building, but also forms the prelude to a newly created connecting axis between the old town and the campus – the science corridor.
1 Ausgangsituation
Am 21. November 1765 wurde die Bergakademie Freiberg gegründet und zählt damit zu den ältesten montanistischen Hochschulen der Welt.[1] Wie viele andere Universitätsbibliotheken wurde auch die Freiberger Universitätsbibliothek nicht im eigentlichen Sinne gegründet, sondern entwickelte sich zum einen durch die Festlegung eines „Fonds zu einer anzulegenden Modellkammer, Stufensammlung und Büchersammlung“[2] sowie durch gestiftete Privatbibliotheken.[3] Aufgrund dieser Entstehungsgeschichte verwaltet die UB Freiberg neben ca. 22 000 historisch wertvollen Büchern auch zahlreiche Handschriften, Karten, bergmännische Risse sowie eine umfangreiche Münz- und Medaillensammlung.
Schon bald nach der Gründung der Bibliothek mussten aufgrund des raschen Bestandszuwachses Umzüge und zunehmend auch Ausweichmagazine genutzt werden. Die Zusammenführung aller Bestände an einem Ort gelang erst mit der Einweihung eines neuen Bibliotheksgebäudes im Jahre 1980, einem der wenigen Bibliotheksneubauten der DDR. Der für die DDR typische Plattenbau war ursprünglich als Mensa geplant und für die Bibliotheksnutzung adaptiert worden.
Die baulichen Probleme zeigten sich sehr schnell. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) hatte bereits 1991 mit der Sanierung des Gebäudes begonnen, gleichzeitig aber festgestellt, dass das Gebäude absehbar aufgegeben werden müsse. Aus diesem Grund erfolgte die erste anerkannte Bedarfsmeldung für die Universitätsbibliothek bereits im Jahr 2002. Bei dieser Bedarfsmeldung wurde von einem gleichbleibenden Flächenbedarf ausgegangen, d. h. der Ist-Flächenbestand wurde in unveränderter Form für die Bedarfsmeldung übernommen.
Spätestens ab 2009 entsprach die Universitätsbibliothek in keiner Weise mehr den heutigen Anforderungen, die an eine moderne und zukunftsorientierte Bibliothek gestellt werden, und auch die baubedingten Probleme nahmen immer mehr zu. Um nur einiges an Beeinträchtigungen zu nennen: Für Benutzer:innen und Mitarbeiter:innen waren die klimatischen Bedingungen durch undichte Fenster und zu geringe Dämmung nahezu unerträglich. Bei starken Regenfällen drang regelmäßig Wasser durch das undichte Flachdach in den Lesesaal, wo es in Eimern aufgefangen werden musste. Die in die Decke integrierten quadratischen Lampen waren für die Ausleuchtung der Regalgänge ungeeignet, so dass an manchen Stellen auf dem untersten Regalboden nicht einmal 80 Lux erreicht wurden und strukturell gesehen fehlte es an dringend benötigten Gruppenarbeitsräumen.[4]
Für die nun beginnende Problemlösung wurden verschiedene Szenarien untersucht. Zunächst war geplant, das bestehende Gebäude zu sanieren und den Bedarf an Nutzerarbeitsplätzen durch einen Anbau zu decken. Im Rahmen der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung wurde jedoch festgestellt, dass eine notwendige Interimslösung zur Unterbringung der Buchbestände mit sehr hohen Kosten verbunden wäre. Hinzu kam, dass bereits im Jahr 2006 im Rahmen einer Struktur- und Bauentwicklungsplanung für die Bergakademie Freiberg ein Defizit an Hörsälen und Seminarräumen festgestellt wurde. Um diesen Bedarf zu decken, wurde nun der Neubau einer Universitätsbibliothek und eines Hörsaalzentrums favorisiert.
Wesentlich für die schnelle Umsetzung war auch die Zusammenarbeit der TU Bergakademie mit dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Freiberg. Das LfULG war aufgrund baulicher Veränderungen gezwungen, seine Bibliothek auszulagern. Die Übernahme der geologischen Bestände in den Neubau der Universitätsbibliothek Freiberg ermöglicht Synergieeffekte zum Nutzen beider Einrichtungen und war ein weiterer Grund, den Neubau voranzutreiben.
Auf dieser Grundlage wurden folgende Flächen für den Neubau genehmigt:
Universitätsbibliothek: 6 367 m2, NF 1–6
Hörsaalzentrum: 1 066 m2, NF 1–6
2 Wettbewerb und Planungsphase
Im Jahr 2015 fanden erste konkrete Voruntersuchungen und Workshops zur Lage und Gestaltung des Neubaus statt. Der Wettbewerb wurde als VOF-Verfahren (Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen) durchgeführt und die Auslobung im Januar 2016 veröffentlicht.
Das gesamte Areal zwischen Altstadt und Campus wurde in vier Baufelder gegliedert und die städtebauliche Idee eines „Wissenschaftskorridors Freiberg“ konkretisiert. Auf dem südlichsten und altstadtnächsten der vier Baufelder war die Errichtung des Bibliotheks- und Hörsaalzentrums vorgesehen. Die Haupterschließung soll sich am neu zu schaffenden Fuß- und Radweg orientieren.
Im Rahmen des VOF-Verfahrens sollte eine Idee für die städtebauliche Anordnung innerhalb des Baufeldes sowie die architektonische Ausbildung des Gebäudes für das Bibliotheks- und Hörsaalzentrum entwickelt werden. Im Einzelnen wurden folgende Anforderungen formuliert.
2.1 Anforderungen an die Gestaltung
Die Architektur sollte in Gestaltung, Form, Funktion und Material das Selbstverständnis der TUBAF als traditionsreichste und bedeutendste Montanuniversität zum Ausdruck bringen. Dies konnte z. B. durch Analogien zum Bergbau, zur Industriearchitektur, zu Forschungsschwerpunkten etc. geschehen.
Das neue Gebäude sollte als Landmark ein Ort der Identifikation sein. In seiner Bedeutung für die Universität hat das Gebäude das Potenzial, zukünftig das Leitgebäude der TUBAF zu werden. Mit der Ausformulierung eines turmartigen Baukörpers im Westen des Baufeldes wird das Ziel verfolgt, den Auftakt und die Dominante des „Wissenschaftskorridors“ zu bilden.
Im Rahmen der Projektentwicklung wurde vom Auslober eine erste gestalterische Voruntersuchung erarbeitet, die die Vorstellungen des Bauherrn widerspiegelt. Diese skizzenhaften Vorentwürfe wurden den Teilnehmer:innen zur Verfügung gestellt und beinhalten eine traditionelle Ausrichtung der Architektursprache an der Industriesprache sowie eine Ausführung in Ziegelsichtmauerwerk.

SIB – Städtebauliche Voruntersuchung 2015 (Grafik: SIB – Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement)
2.2 Funktionale Anforderungen
Der Gesamtkomplex sollte die Nutzung von Universitätsbibliothek und Hörsaalzentrum verbinden, aber auch eine klare Zonierung und Orientierung gewährleisten. Zentral genutzte Flächen (Eingangsbereich, Garderobe, WC-Anlagen, Technikzentrale etc.) sollten Synergieeffekte nutzen. Das Funktionskonzept der Universitätsbibliothek war Bestandteil der Auslobung und beschreibt im Wesentlichen die funktionale Gliederung in öffentliche, geschützte und Mitarbeitendenbereiche sowie die Anforderungen an die Wegeführung und die Ein- und Ausgangskontrolle.
An dem VOF-Verfahren haben sich insgesamt neun Büros beteiligt. Die Entwürfe wurden nach den Kriterien städtebauliche Einordnung, funktionale Gebäudegliederung und Gestaltungsqualität bewertet.
Das Büro „behet bondzio lin gmbH+Co.KG“[5] aus Münster wurde als Sieger ausgewählt. Das Architekturbüro konnte in allen drei Kategorien eine hohe Punktzahl erreichen. Die Formensprache des Entwurfs folgt den Vorüberlegungen des SIB. Der Bezug zu den Fördertürmen (Malokow-Türme[6] aus dem 19. Jahrhundert) ist erkennbar
Funktional gelingt es dem Entwurf, eine klare innere Erschließung und eine gute Orientierung darzustellen. Die Haupterschließung erfolgt über den Wissenschaftskorridor. Da ein Teil der Studierendenwohnheime aber auf der Rückseite des Gebäudes liegen, wurde als Lösung eine „innere Straße“ durch das Gebäude geplant, die die beiden gegenüberliegenden Eingänge miteinander verbindet. Der Entwurf ist auch einer der wenigen, die eine gute Lösung für die funktionale Trennung zwischen der Universitätsbibliothek und dem Hörsaalzentrum gefunden haben.

Malakowturm – Entwurf – Realisierung (Bilder: Klaus-D. Wupper, behet bondzio lin architekten GmbH & Co. KG, Matthias Hultsch)
Ein weiterer Vorteil, der vor allem in der weiteren Planung zum Tragen kam, war die Erfahrung des Büros im Hochschul- und Bibliotheksbau. Unter anderem war das Architekturbüro 2009 an der Planung und Umsetzung des Campus Augustusplatz in Leipzig beteiligt. Dort wurden die Mensa, Hörsäle und die 24h-Bibliothek umgebaut bzw. neu errichtet.
Nach der Auswahl des Siegerentwurfs kam es im Zuge der Erstellung der Entwurfsunterlage – Bau (EW-Bau) zu geringfügigen Änderungen. So wurde im Bereich der Bibliothek die Erschließung der Lesesäle geändert. Ursprünglich war vorgesehen, die Lesesäle über den Lichthof des Flachbaus zu erschließen. Aufgrund der zu erwartenden Lärmbelastung in den Lesesälen wurde die Treppe in den Bereich der Fuge verlegt. Mit Nachteilen für die Ein- und Ausgangskontrolle, aber mit einem großen Mehrwert für die Aufenthaltsqualität in den Lesesälen.
Im Juli 2016 lag die genehmigte EW (Entwurfsunterlage) Bau vor und es konnte mit der Ausführungsplanung und der Bauausführung begonnen werden. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 11. Juni 2019 und am 13. August 2020 konnte Richtfest gefeiert werden. Trotz einiger Widrigkeiten, wie die Corona-Pandemie, Stahlknappheit, Schwierigkeiten, Auftragnehmer zu finden etc., erfolgte die Übergabe des Gebäudes an die TU Bergakademie am 29. Juni 2023.
2.3 Einzug – und Inbetriebnahme …
Am 17. Juli 2023 konnte mit dem Umzug der ca. 720 000 Medieneinheiten begonnen werden. Es war geplant, zunächst die geschlossenen Magazinbereiche umzuziehen, um den Lesesaalbetrieb während der Prüfungszeit nicht zu beeinträchtigen. Bedauerlicherweise ist alles anders gekommen.
Am Abend des 17. Juli 2023 wurde bei einer Begehung mit der Umzugsfirma Grohmann festgestellt, dass der Fußboden im Magazin des 7. OG unter Wasser stand. Es stellte sich heraus, dass sich eine Muffe an der Abwasserleitung der Klimaanlage gelöst hatte. Glücklicherweise wurde der Schaden rechtzeitig bemerkt, so dass die darunter liegenden Geschosse noch nicht betroffen waren. Als Vorsichtsmaßnahme, und da noch nicht klar war, wie die Trocknung erfolgen sollte, wurde nicht nur das Magazin im 7. OG, sondern auch das Magazin im 6. OG nicht umgezogen. Die Umzugsplanung musste grundlegend geändert werden und der Umzug der Lesesäle erfolgte nun doch während der Prüfungszeit. Dank der umsichtigen Arbeitsweise der Firma Grohmann und viel Kommunikation haben uns unsere Nutzenden dies nicht übel genommen.
Das Magazin im 7. Obergeschoss wurde trockengelegt und saniert. Im November 2023 konnten die Magazine im 6. OG und 7. OG bezogen und der Umzug abgeschlossen werden.
3 Ergebnis
3.1 Funktionale Gliederung
Das Gebäude gliedert sich optisch und funktional in zwei Baukörper, die durch eine „Fuge“ mit öffentlicher Erschließungsfunktion verbunden sind. Den Auftakt bildet der „Turm“, der direkt an den neu zu errichtenden Wissenschaftskorridor angrenzt und im Wesentlichen die Verwaltung sowie in den Obergeschossen die Kompaktmagazine aufnimmt. Der hinter dem Turm in den Hang hineingezogene „Flachbau“ (UG-3. OG) enthält das ebenerdig erschlossene Untergeschoss mit Technikräumen, das Erdgeschoss mit dem Hörsaalzentrum sowie in den Geschossen 1–3 den Freihandbereich der Bibliothek.

Funktionale Gliederung (Grafik: behet bondzio lin architekten GmbH & Co. KG)
3.2 Pläne und Beschreibung
m Erdgeschoss befindet sich im Windfang zum Wissenschaftskorridor ein Buchrückgabeautomat mit Buchtransportanlage. Der Rückgabeautomat ist nach der Eröffnung des Wissenschaftskorridors 24 Stunden zugänglich.
Hörsaalzentrum: Das Hörsaalzentrum umfasst zwei große, ansteigende Hörsäle mit je 350 Plätzen, die sich auf zwei Ebenen (Untergeschoss und Erdgeschoss) verteilen. Darüber hinaus befinden sich im Erdgeschoss zwei größere Seminarräum mit 50 Plätzen sowie ein kleinerer Seminarraum mit 35 Plätzen. Alle Hörsäle und Seminarräume sind barrierefrei erreichbar.
Neben den genannten Hörsälen befinden sich im Erdgeschoss ein Café und ein Vortragsraum der Bibliothek, der Agricolasaal. Der Vortragsraum schließt direkt an das Café an, mit dem er durch eine große Tür verbunden ist. In der veranstaltungsfreien Zeit kann der Raum als Erweiterung des Cafés genutzt werden, um zu pausieren oder in Gruppen zu arbeiten.
Kunst am Bau: Der Wettbewerb „Kunst am Bau“ für das Bauvorhaben Neubau Bibliothek und Hörsaalzentrum TU Bergakademie Freiberg fand 2021 statt. Gewonnen hat die Arbeit des Bildhauer-Duos Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt vom Studio Winter/Hörbelt aus Frankfurt a. M. Ihre Arbeit mit dem Titel π – Noli Turbare Circulos Meos – Stört meine Kreise nicht ist eine Bodenintarsie, in der Kreisbogensegmente aus poliertem Messing in den hellen Werksteinboden der „Inneren Straße“ im Erdgeschoss eingelassen sind.
Aufgang zur Bibliothek: Die „innere Straße“ wird direkt hinter dem Haupteingang von einer lichtdurchfluteten Achse gekreuzt, die zum Aufgang der Bibliothek führt. Dieser Aufgang wird durch eine repräsentative Wendeltreppe betont, die zum Blickfang des Gebäudes geworden ist.

Grundriss Erdgeschoss (Grafik: behet bondzio lin architekten GmbH & Co. KG)

Hörsaal A (Foto: Matthias Hultsch, Dresden)

Kunst am Bau im Lichthof – „Innere Straße“ (Foto: Matthias Hultsch, Dresden)

Aufgang zur Bibliothek (Foto: Susanne Kandler)

Blick Wendeltreppe (Foto: Marcus Jaursch, SIB)
3.3 Bibliothek – 1. Obergeschoß
Der großzügige Eingangsbereich der Bibliothek gibt den Blick auf die Freiberger Altstadt frei und ermöglicht eine gute Orientierung durch vielfältige Blickbeziehungen wie z. B. in das Foyer, den Lesesaal etc. Im Eingangsbereich befinden sich neben der Ausleih- und Informationstheke die Selbstabholerregale (für Bestellungen aus den geschlossenen Magazinen), Selbstverbucher und Ladeschränke, die das Aufladen von Laptops etc. in den Pausenzeiten ermöglichen.
Die Bibliothek kann im 1. Obergeschoss durch ein Rolltor geschlossen werden. Die Garderobe und die WC-Anlagen befinden sich außerhalb der Bibliothek, so dass diese auch bei Veranstaltungen im Hörsaalbereich genutzt werden können.
Die drei übereinander liegenden Lesesäle befinden sich im Flachbau. Durch die zahlreichen Fensteröffnungen und dem Lichthof sind die Lesesäle lichtdurchflutet und bieten vielfältige Ein- und Ausblicke.
Im Bereich der Lesesäle im 2. und 3. Obergeschoss wird der Lichthof durch Brücken unterbrochen. Diese „Brücken“ wurden als Lounge Bereiche gestaltet, immer mit dem Ziel, den Nutzer:innen unterschiedliche Raum- und Aufenthaltsmöglichkeiten in der Bibliothek anzubieten. Dies setzt sich in der Möblierung und Gestaltung der Lesesäle fort, die nicht nur konzeptionell, sondern auch farblich unterschiedlich gestaltet wurden.
Der Lesesaal im 1. Obergeschoss ist der „laute Lesesaal“, in dem optisch die Farbe „Rot“ eingesetzt wurde und in dem eine große Anzahl von frei beweglichen Sitzmöbeln angeboten wird, die dazu einladen, sich seinen Platz selbst zu gestalten. Auch der Arbeitsraum für blinde und sehbehinderte Nutzer:innen und der Mutter-Kind-Raum sind in diesem Lesesaal untergebracht.
3.4 Bibliothek – 2. Obergeschoß
Über die Wendeltreppe oder den Aufzug gelangt man in den Lesesaal im zweiten Obergeschoss. Dieser ist als halboffener Lesesaal konzipiert, in dem die Farbe „Grün“ dominiert und der nur mit wenigen beweglichen Möbeln ausgestattet ist. Auf der anderen Seite der Treppe befindet sich der Sonderlesesaal, in dem die historischen Bestände eingesehen werden können. Ebenfalls in diesem Stockwerk befindet sich ein kleines Podcast-Studio für die Nutzer:innen.
Im Bereich der „Fuge“ wurde eine Terrasse angelegt, die zum Lesen einlädt, aber auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Auf der Terrasse ist WLAN verfügbar.
3.5 Bibliothek – 3. Obergeschoß
Auch im 3. Obergeschoss erschließen Wendeltreppe und Aufzug zwei Bereiche. Zum einen den oberen Lesesaal und zum anderen den Vortragssaal, der zusammen mit der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät auch als Behavioral Research Lab genutzt wird.
Im oberen, blau gehaltenen Lesesaal befindet sich der „Stille Lesesaal“. Um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen, sind die Tische dort teilweise zusätzlich mit Leselampen ausgestattet. An der Stirnseite befinden sich die geschlossenen Gruppenräume und an den Stirnseiten des Lichthofes sind die Carrels angeordnet.
Im 3. Obergeschoss befinden sich die Mixed-Reality-Räume. Das Mixed Reality Lab ist als Makerspace konzipiert, in dem an speziellen Computern an 3D- und VR-Projekten gearbeitet werden kann. In diesem Bereich befinden sich auch die Hochleistungsscanner für die in den Geowissenschaften wichtigen An- und Dünnschliffscans. Im Mixed-Reality-Raum können sich bis zu acht Personen gleichzeitig in verschiedenen virtuellen Welten bewegen.
3.6 Magazin Bereiche (5.–8. Obergeschoß)
Im „Turm Bereich“ ab dem 5. Obergeschoß befinden sich die geschlossenen und klimatisierten Magazinbereiche. Um den Einbau einer Sprinkleranlage zu vermeiden, wurden alle Magazine nach brandschutztechnischen Gesichtspunkten in 200 m2 große Bereiche unterteilt.
Zur Ausnutzung der Raumhöhen wurde hier von Anfang an mit höheren Regalen inkl. 7. Regalboden geplant. Die Stirnseiten der Regale wurden in kräftigen Farben (je nach Etage unterschiedlich: rot, grün, blau, gelb) ausgeführt. Um eine gute Luftzirkulation zu erreichen, wurden die Stirnseiten der Regale nur bis zur Hälfte der Regalhöhe verkleidet.
3.7 Mitarbeitendenbüros
Die in den Farben schwarz und weiß gehaltenen Büros für Mitarbeiter:innen befinden sich im Bereich des Hochhauses auf den Etagen 2 bis 5. Übergänge zu den öffentlichen Bereichen sind nur in den Etagen 2 und 3 möglich.
Es war eine Herausforderung, sich von ehemals zwei Etagen auf nun sechs Etagen neu zu organisieren. Die verbesserten Arbeitsmöglichkeiten, wie z. B. höhenverstellbare Schreibtische und Teeküchen auf jeder Etage, tragen jedoch zur Eingewöhnung in das neue Gebäude bei.

Grundriss 1. Obergeschoß (Grafik: behet bondzio lin architekten GmbH & Co. KG)

Eingangsbereich Bibliothek (Foto: Matthias Hultsch, Dresden)

Lesesaal 1. Obergeschoss (Foto: Matthias Hultsch, Dresden)

Grundriss 2. Obergeschoß (Grafik: behet bondzio lin architekten GmbH & Co. KG)

Sonderlesesaal (Foto: Susanne Kandler)

Terrasse (Foto: Susanne Kandler)

Lesesaal 2. Obergeschoss – Workbase (Foto: Matthias Hultsch, Dresden)

Lesesaal 2. Obergeschoss – Longe Bereich Brücke (Foto: Matthias Hultsch, Dresden)

Grundriss 3. Obergeschoss (Grafik: behet bondzio lin architekten GmbH & Co. KG)

Lesesaal 3. Obergeschoss (Foto: Matthias Hultsch, Dresden)

Mixed-Reality-Raum (Foto: Susanne Kandler)

Geschlossenes Magazin (Foto: Susanne Kandler)
3.8 Bauausführung
Die Erd- und Gründungsarbeiten wurden aufgrund des Baugrundes und der Gebäudegeometrie höhengestaffelt ausgeführt. Der Rohbau wurde in monolithischer Stahlbetonbauweise errichtet, gedämmt und mit einer Vorhangfassade aus ca. einer halben Million Klinkerriemchen verkleidet.[7]
Die innere Tragkonstruktion besteht in Teilbereichen aus Stahlbeton-Fachdecken auf Stützen und in anderen Teilbereichen aus stützenfreien Stahlbetondecken auf Unterzügen. Der Innenausbau erfolgte in Trockenbauweise, wobei sowohl bewährte Naturbaustoffe als auch neue, zeitgemäße Baustoffe zum Einsatz kamen.
Als Bodenbeläge wurden Betonwerkstein, Linoleum, textile Beläge und Parkett verwendet. In den Hörsälen und Seminarräumen sowie in den Freihandbereichen der Bibliothek wurden Akustikelemente aus Holz mit Eichenoberfläche eingebaut.
3.9 Gebäudetechnik
Die Einordnung des Gebäudes als Hochhaus sowie die Nutzung des Foyers als Versammlungsraum erfordern eine Teilsprinkleranlage. Hierfür wurde eine Sprinklerzentrale in das Untergeschoss eingebaut, die aus einem ca. 290 m³ fassenden Wasserbecken gespeist wird. Das Gebäude verfügt über eine flächendeckende Brandmeldeanlage mit integrierter Sprachalarmierung. Diese kann auch für Durchsagen und Informationen an die Bibliotheksnutzer:innen genutzt werden. Eine flächendeckende BOS-Funkanlage wurde zur besseren Kommunikation der Feuerwehr im Gebäude installiert. Um alle Lichtszenarien, die automatische Beschattung und den Blendschutz sowie alle Funktionen des Gebäudes von einer zentralen Stelle aus zu steuern, kam ein KNX-Bus-System mit über 500 KNX-Teilnehmern zum Einsatz.

Ausstellungsbereich (Planung) (Grafik: Nicole Kluge, Büro: Helmstedt Kluge Rom)
3.10 Was fehlt noch …
Wie bei den meisten Bauprojekten gibt es Verzögerungen bei der Fertigstellung:
Noch nicht realisiert werden konnte der Ausstellungsbereich im Eingangsbereich (1. OG) der Universitätsbibliothek. Ausgehend von der Idee, den Ausstellungsbereich im Stil einer Petersburger Hängung zu entwickeln, wurde nach vielen Planungsrunden mit SIB, Architekten und Bauleitung der TUBAF eine Ausstellungsvitrine vom Büro „Helmstedt|Kluge|Rom“ entworfen, in der die ursprüngliche Idee noch ablesbar ist. Die Vitrine wurde inzwischen von der Tischlerei Kamprad fertiggestellt und wird baldmöglichst aufgestellt.
4 Zahlen, Daten, Fakten
|
Bauherr |
Freistaat Sachsen, Sächsisches Staatsministerium der Finanzen, Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus |
|
Architekten |
behet bondzio lin architekten GmbH & Co. KG, Münster/Leipzig |
|
Wettbewerb |
Januar 2016–Mai 2016 |
|
Planungsbeginn auf Basis der genehmigten ES (Entscheidungsunterlage) Bau |
Juli 2016 |
|
Baubeginn |
Januar 2019 |
|
Grundsteinlegung |
11.06.2019 |
|
Baufertigstellung |
29.06.2023 |
|
Inbetriebnahme |
04.10.2023 |
|
Außenmaße Gebäude |
Länge: ca. 72 m, Breite: ca. 36 m, Höhe: Flachbau ca. 22 m, Höhe: Turm ca. 42 m |
|
Hauptnutzfläche |
7 326 m2 |
|
NF Bibliothek |
ca. 6 364 m² |
|
NF Hörsaalzentrum |
ca. 1 063 m² |
|
Bruttogeschossfäche |
ca. 15 690 m² |
|
Bruttorauminhalt |
ca. 74 115 m³ |
|
Baukosten |
ca. 49 Mio. € |
|
Außenwandverkleidung |
Klinker-Ziegel |
|
Nutzarbeitsplätze |
480 |
|
Gruppenräume |
4 (insgesamt 36 Personen) |
|
Regalsystem |
|
Autorin
Über den Autor / die Autorin

Susanne Kandler
© 2024 bei den Autoren, publiziert von De Gruyter.
Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
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