Luzia Thiel, Freundschaftskonzeptionen im späten 18. Jahrhundert. Schillers „Don Karlos“ und Hölderlins „Hyperion“. 2004
Zwischen Friedrich Schiller (1759–1805) und seinem elf Jahre jüngeren württembergischen Landsmann Friedrich Hölderlin (1770–1843) gab es, zumindest in den Jahren 1793–1795, eine enge Verbindung. Schiller förderte den jungen Hölderlin zunächst entscheidend: Er vermittelte die erste Hofmeisterstelle bei Charlotte von Kalb in Waltershausen, er druckte in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Thalia das Fragment von Hyperion (1794) ab, und er stellte die Verbindung zu Cotta her, der den Hyperion-Roman (1797/1799) in Verlag nahm. Zudem war Schiller einer der wichtigsten Gesprächspartner Hölderlins, als sich dieser im Wintersemester 1794/1795 in Jena aufhielt. Eine Verbindung zwischen beiden Dichtern bestand nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf philosophischer Ebene: In seinen ästhetischen Schriften greift Hölderlin Probleme auf, die er in Schillers Schriften als nicht abschließend gelöst ansieht, um sie sodann selbst weiterzuentwickeln. So beabsichtigt er zum einen, in Anlehnung an Schillers Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen (1795) „Neue Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen“ zu schreiben, zum anderen nimmt Hölderlins objektive Bestimmung des Schönen in der Vorrede zur vorletzten Hyperion-Fassung (1795) ihren Ausgang in dem Plan, eine „Analyse des Schönen und Erhabnen“ vorlegen zu wollen, „wie es schon Schiller zum Theil in s. Schrift über Anmuth und Würde gethan“ habe, dabei jedoch „einen Schritt weniger über die Kantische Gränzlinie gewagt“ habe, als es Hölderlin selbst vorschwebe.
© Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2006
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