Richard T. Gray, About Face. German Physiognomic Thought from Lavater to Auschwitz. 2004
-
Michael Gamper
Die Geschichte der Physiognomik und ihrer vielfältigen und weitreichenden Einflüsse beziehungsweise Reflexe in der Kultur der Moderne seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert haben sich in den letzten 15 Jahren eines regen Forschungsinteresses erfreut. Vor allem kulturanthropologische, aber auch wissenschaftsgeschichtliche Studien haben physiognomische Praxis und Denken als mit grundlegenden Strukturen westlicher Kultur verbunden erwiesen. Dies gilt sowohl für Sammelbände, die eher literaturwissenschaftlich ausgerichtet sind, als auch für solche, die dezidiert einen allgemeineren kulturwissenschaftlichen Fokus aufweisen beziehungsweise sich den Verflechtungen mit den Wissenschaften verschrieben haben. In dieses detailliert und gut erschlossene Forschungsfeld hat sich Richard T. Gray mit seiner umfangreichen Studie begeben, welche die Reihe der prominenten Arbeiten aus dem angloamerikanischen Raum zur Problematik der Physiognomik fortsetzt. Gray umreißt dabei mit seiner Monographie zeitlich fast vollständig den Bereich der modernen Physiognomik, indem er ihren Weg im „German Physiognomic Thought from Lavater to Auschwitz“ beschreibt. Ihn leitet das spezifische Interesse an der Frage, „why physiognomic theory enjoyed such uncommon vitality in the sociocultural and intellectual atmosphere of modern Germany in particular“ (S. XIX). Dabei erkennt er die strategische Funktion der Physiognomik in ihrer Eignung als angewandte Hermeneutik, also als spezifische interpretative Praxis im Dienste von Nationalismus und Rassismus (S. XXII).
© Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2006
Articles in the same Issue
- Theodore Ziolkowski, Ovid and the Moderns. 2005
- Oliver Jahraus, Literatur als Medium. Sinnkonstitution und Subjekterfahrung zwischen Bewußtsein und Kommunikation. 2003
- Erika Greber / Bettine Menke (Hgg.), Manier – Manieren – Manierismen. 2003
- Hans-Werner Goetz / Jörg Jarnut (Hgg.), Mediävistik im 21. Jahrhundert. Stand und Perspektiven der internationalen und interdisziplinären Mittelalterforschung. 2003
- Arthur Groos / Hans-Jochen Schiewer (Hgg.), Kulturen des Manuskriptzeitalters. 2004
- Christine Jakobi-Mirwald, Das mittelalterliche Buch. Funktion und Ausstattung. 2004
- Helmut Birkhan / Karin Lichtblau / Christa Tuczay (Hgg.), Motif-Index of German Secular Narratives from the Beginning to 1400. Part 1: Matière de Bretagne: Albrecht, Jüngerer Titurel – Lancelot 2. Part 2: Matière de Bretagne: Lancelot 3 – Wolfram von Eschenbach, Titurel. 2005
- Die Hessische Passionsspielgruppe. Edition im Paralleldruck. Hg. von Johannes Janota. Bd. 3: Heidelberger Passionsspiel. Mit den Paralleltexten der ‚Frankfurter Dirigierrolle‘, des ‚Frankfurter Passionsspiels‘ und des ‚Fritzlarer Passionsspielfragments‘. 2004
- Guntram Haag, Traum und Traumdeutung in mittelhochdeutscher Literatur. Theoretische Grundlagen und Fallstudien. 2003
- Esther Collmann-Weiß, Kleinere Spruchdichter des dreizehnten Jahrhunderts. Der Hardegger – Höllefeuer – Der Litschauer – Singauf – Der Unverzagte. 2005
- Ulrike Spyra, Das „Buch der Natur“ Konrads von Megenberg. Die illustrierten Handschriften und Inkunabeln. 2005
- Bodo Guthmüller / Wolfgang G. Müller (Hgg.), Dialog und Gesprächskultur in der Renaissance. 2004
- Werner Wilhelm Schnabel, Das Stammbuch. Konstitution und Geschichte einer textsortenbezogenen Sammelform bis ins erste Drittel des 18. Jahrhunderts. 2003
- Klaus Garber / Martin Klöker (Hgg.), Kulturgeschichte der baltischen Länder in der Frühen Neuzeit. Mit einem Ausblick in die Moderne. 2003
- Dietmar Till, Transformationen der Rhetorik. Untersuchungen zum Wandel der Rhetoriktheorie im 17. und 18. Jahrhundert. 2004
- Jörg Wesche, Literarische Diversität. Abweichungen, Lizenzen und Spielräume in der deutschen Poesie und Poetik der Barockzeit. 2004
- Jörn Garber / Heinz Thoma (Hgg.), Zwischen Empirisierung und Konstruktionsleistung: Anthropologie im 18. Jahrhundert. 2004
- Richard T. Gray, About Face. German Physiognomic Thought from Lavater to Auschwitz. 2004
- Wilhelm Heinse, Die Aufzeichnungen. Frankfurter Nachlaß. Hg. von Markus Bernauer u. a. 2003–2005
- Astrid Urban, Kunst der Kritik. Die Gattungsgeschichte der Rezension von der Spätaufklärung bis zur Romantik. 2004
- Hee-Ju Kim, Ich-Theater. Zur Identitätsrecherche in Karl Philipp Moritz' ‚Anton Reiser‘. 2004
- Ute Tintemann / Christof Wingertszahn (Hgg.), Karl Philipp Moritz in Berlin 1789–1793. 2005
- Agnes Kornbacher-Meyer, Komödientheorie und Komödienschaffen Gotthold Ephraim Lessings. 2003
- Christina Reuter, Autorschaft als Kondeszendenz. Johann Georg Hamanns erlesene Dialogizität. 2005
- Angela Borchert / Ralf Dressel (Hgg.), Das „Journal des Luxus und der Moden“. Kultur um 1800. 2004 – Stefan Matuschek (Hg.), Organisation der Kritik. Die „Allgemeine Literatur-Zeitung“ in Jena 1785–1803. 2004
- Briefe an Goethe. Gesamtausgabe in Regestform. Hg. von der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen. Bd. 7: 1816–1817. Bearbeitet von Manfred Koltes, Ulrike Bischof und Sabine Schäfer. 2004
- Martin Dönike, Pathos, Ausdruck und Bewegung. Zur Ästhetik des Weimarer Klassizismus 1796–1806. 2005
- Klaus Lüderssen, „… daß nicht der Nutzen des Staats Euch als Gerechtigkeit erscheine“. Schiller und das Recht. 2005
- Luzia Thiel, Freundschaftskonzeptionen im späten 18. Jahrhundert. Schillers „Don Karlos“ und Hölderlins „Hyperion“. 2004
- Diethelm Brüggemann, Kleist. Die Magie. Der Findling – Michael Kohlhaas – Die Marquise von O… – Das Erdbeben in Chili – Die Verlobung in St. Domingo – Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. 2004
- Stefan Scherer, Witzige Spielgemälde. Tieck und das Drama der Romantik. 2003
- Silke Horstkotte, Androgyne Autorschaft. Poesie und Geschlecht im Prosawerk Clemens Brentanos. 2004
- Bettine Menke, Prosopopoiia. Stimme und Text bei Brentano, Hoffmann, Kleist und Kafka. 2000
- Antal Mádl, Nikolaus Lenau und sein kulturelles und sozialpolitisches Umfeld. 2005
- Jan-Arne Sohns, An der Kette der Ahnen. Geschichtsreflexion im deutschsprachigen Roman 1870–1880. 2004
- Priska Pytlik, Okkultismus und Moderne. Ein kulturhistorisches Phänomen und seine Bedeutung für die Literatur um 1900. 2005
- Sophie von Glinski, Imaginationsprozesse. Verfahren phantastischen Erzählens in Franz Kafkas Frühwerk. 2004
- Benjamin Bühler, Lebende Körper. Biologisches und anthropologisches Wissen bei Rilke, Döblin und Jünger. 2004
- Liane Schüller, Vom Ernst der Zerstreuung. Schreibende Frauen am Ende der Weimarer Republik: Marieluise Fleißer, Irmgard Keun und Gabriele Tergit. 2005
- Christian Gloystein, „Mit mir aber ist es was anderes“. Die Ausnahmestellung Hans Castorps in Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“. 2001
- Nathalie Amstutz, Autorschaftsfiguren. Inszenierung und Reflexion von Autorschaft bei Musil, Bachmann und Mayröcker. 2004
- Nachrichten aus dem Fach
- Arbiter criticorum
Articles in the same Issue
- Theodore Ziolkowski, Ovid and the Moderns. 2005
- Oliver Jahraus, Literatur als Medium. Sinnkonstitution und Subjekterfahrung zwischen Bewußtsein und Kommunikation. 2003
- Erika Greber / Bettine Menke (Hgg.), Manier – Manieren – Manierismen. 2003
- Hans-Werner Goetz / Jörg Jarnut (Hgg.), Mediävistik im 21. Jahrhundert. Stand und Perspektiven der internationalen und interdisziplinären Mittelalterforschung. 2003
- Arthur Groos / Hans-Jochen Schiewer (Hgg.), Kulturen des Manuskriptzeitalters. 2004
- Christine Jakobi-Mirwald, Das mittelalterliche Buch. Funktion und Ausstattung. 2004
- Helmut Birkhan / Karin Lichtblau / Christa Tuczay (Hgg.), Motif-Index of German Secular Narratives from the Beginning to 1400. Part 1: Matière de Bretagne: Albrecht, Jüngerer Titurel – Lancelot 2. Part 2: Matière de Bretagne: Lancelot 3 – Wolfram von Eschenbach, Titurel. 2005
- Die Hessische Passionsspielgruppe. Edition im Paralleldruck. Hg. von Johannes Janota. Bd. 3: Heidelberger Passionsspiel. Mit den Paralleltexten der ‚Frankfurter Dirigierrolle‘, des ‚Frankfurter Passionsspiels‘ und des ‚Fritzlarer Passionsspielfragments‘. 2004
- Guntram Haag, Traum und Traumdeutung in mittelhochdeutscher Literatur. Theoretische Grundlagen und Fallstudien. 2003
- Esther Collmann-Weiß, Kleinere Spruchdichter des dreizehnten Jahrhunderts. Der Hardegger – Höllefeuer – Der Litschauer – Singauf – Der Unverzagte. 2005
- Ulrike Spyra, Das „Buch der Natur“ Konrads von Megenberg. Die illustrierten Handschriften und Inkunabeln. 2005
- Bodo Guthmüller / Wolfgang G. Müller (Hgg.), Dialog und Gesprächskultur in der Renaissance. 2004
- Werner Wilhelm Schnabel, Das Stammbuch. Konstitution und Geschichte einer textsortenbezogenen Sammelform bis ins erste Drittel des 18. Jahrhunderts. 2003
- Klaus Garber / Martin Klöker (Hgg.), Kulturgeschichte der baltischen Länder in der Frühen Neuzeit. Mit einem Ausblick in die Moderne. 2003
- Dietmar Till, Transformationen der Rhetorik. Untersuchungen zum Wandel der Rhetoriktheorie im 17. und 18. Jahrhundert. 2004
- Jörg Wesche, Literarische Diversität. Abweichungen, Lizenzen und Spielräume in der deutschen Poesie und Poetik der Barockzeit. 2004
- Jörn Garber / Heinz Thoma (Hgg.), Zwischen Empirisierung und Konstruktionsleistung: Anthropologie im 18. Jahrhundert. 2004
- Richard T. Gray, About Face. German Physiognomic Thought from Lavater to Auschwitz. 2004
- Wilhelm Heinse, Die Aufzeichnungen. Frankfurter Nachlaß. Hg. von Markus Bernauer u. a. 2003–2005
- Astrid Urban, Kunst der Kritik. Die Gattungsgeschichte der Rezension von der Spätaufklärung bis zur Romantik. 2004
- Hee-Ju Kim, Ich-Theater. Zur Identitätsrecherche in Karl Philipp Moritz' ‚Anton Reiser‘. 2004
- Ute Tintemann / Christof Wingertszahn (Hgg.), Karl Philipp Moritz in Berlin 1789–1793. 2005
- Agnes Kornbacher-Meyer, Komödientheorie und Komödienschaffen Gotthold Ephraim Lessings. 2003
- Christina Reuter, Autorschaft als Kondeszendenz. Johann Georg Hamanns erlesene Dialogizität. 2005
- Angela Borchert / Ralf Dressel (Hgg.), Das „Journal des Luxus und der Moden“. Kultur um 1800. 2004 – Stefan Matuschek (Hg.), Organisation der Kritik. Die „Allgemeine Literatur-Zeitung“ in Jena 1785–1803. 2004
- Briefe an Goethe. Gesamtausgabe in Regestform. Hg. von der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen. Bd. 7: 1816–1817. Bearbeitet von Manfred Koltes, Ulrike Bischof und Sabine Schäfer. 2004
- Martin Dönike, Pathos, Ausdruck und Bewegung. Zur Ästhetik des Weimarer Klassizismus 1796–1806. 2005
- Klaus Lüderssen, „… daß nicht der Nutzen des Staats Euch als Gerechtigkeit erscheine“. Schiller und das Recht. 2005
- Luzia Thiel, Freundschaftskonzeptionen im späten 18. Jahrhundert. Schillers „Don Karlos“ und Hölderlins „Hyperion“. 2004
- Diethelm Brüggemann, Kleist. Die Magie. Der Findling – Michael Kohlhaas – Die Marquise von O… – Das Erdbeben in Chili – Die Verlobung in St. Domingo – Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik. 2004
- Stefan Scherer, Witzige Spielgemälde. Tieck und das Drama der Romantik. 2003
- Silke Horstkotte, Androgyne Autorschaft. Poesie und Geschlecht im Prosawerk Clemens Brentanos. 2004
- Bettine Menke, Prosopopoiia. Stimme und Text bei Brentano, Hoffmann, Kleist und Kafka. 2000
- Antal Mádl, Nikolaus Lenau und sein kulturelles und sozialpolitisches Umfeld. 2005
- Jan-Arne Sohns, An der Kette der Ahnen. Geschichtsreflexion im deutschsprachigen Roman 1870–1880. 2004
- Priska Pytlik, Okkultismus und Moderne. Ein kulturhistorisches Phänomen und seine Bedeutung für die Literatur um 1900. 2005
- Sophie von Glinski, Imaginationsprozesse. Verfahren phantastischen Erzählens in Franz Kafkas Frühwerk. 2004
- Benjamin Bühler, Lebende Körper. Biologisches und anthropologisches Wissen bei Rilke, Döblin und Jünger. 2004
- Liane Schüller, Vom Ernst der Zerstreuung. Schreibende Frauen am Ende der Weimarer Republik: Marieluise Fleißer, Irmgard Keun und Gabriele Tergit. 2005
- Christian Gloystein, „Mit mir aber ist es was anderes“. Die Ausnahmestellung Hans Castorps in Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“. 2001
- Nathalie Amstutz, Autorschaftsfiguren. Inszenierung und Reflexion von Autorschaft bei Musil, Bachmann und Mayröcker. 2004
- Nachrichten aus dem Fach
- Arbiter criticorum