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Aus der DGI

Published/Copyright: January 13, 2021
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DGI-Mitgliederversammlung online

Die DGI-Mitgliederversammlung für das Jahr 2020 wurde aufgrund der Kontaktbeschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie als Online-Veranstaltung per Zoom am 11. Dezember 2020, 16:00 Uhr abgehalten. Schon im Vorfeld war beschlossen worden, die turnusmäßig anstehenden Vorstandswahlen auf ein hoffentlich im ersten Halbjahr 2021 stattfindendes physisches Treffen zu verschieben. Bis dahin wird der bisherige Vorstand satzungsgemäß im Amt bleiben.

Vorstand und Kassenprüfer wurden entlastet, die Kassenprüfer für das Jahr 2020 gewählt. Daneben wurde eine Satzungsänderung verabschiedet, die auch in Zukunft Online-Mitgliederversammlungen ermöglichen soll. Das Protokoll der Mitgliederversammlung sowie die Präsentation des Vorstands sind im Mitgliederbereich der DGI-Website abrufbar. Bei Zugriffsproblemen wenden Sie sich bitte telefonisch an die Geschäftsstelle unter 069 430313 oder schreiben eine Nachricht an mail@dgi-info.de

KIBA-Jahrestagung 2020

Statt wie geplant an der Hochschule Hannover fand die KIBA-Jahrestagung 2020 am 5. und 6. November als Web-Konferenz statt. Da die Hochschulen bereits ein ganzes Semester lang gezwungen waren, Veranstaltungen online durchzuführen und die Lehrenden einen entsprechende Schatz an Erfahrungen sammeln konnten, verlief dieses Treffen, organisiert und moderiert vom Vorsitzenden Prof. Stefan Schunk, äußerst professionell und ohne technische Probleme.

Der 2019 neu gewählte Vorstand trifft sich regelmäßig wöchentlich online zu einem jour fixe und hat sich ein anspruchsvolles Arbeitsprogramm auferlegt. Die für den Bibliothekartag vorgesehenen Vor-Ort-Veranstaltungen mussten für die virtuelle Form umgeplant werden. So fanden am 28. Mai die Verleihung des TIP Award 2020 online statt ebenso wie die Beteiligung an der Diskussionsveranstaltung zum Berufsfeld Bibliotheken. Unter dem Motto [Berufsfeld.rebooting ...] wirkt der Vorstand in einer Workshop-Reihe zur partizipativem Entwicklung einer Identität des Berufsfelds Bibliothek mit, die auf dem Bibliothekartag im Juni 2021 ihren Abschluss finden soll. Im Zentrum stehen dabei die Fragen: Für welche Werte steht das Berufsfeld, welchen Beitrag leisten Bibliotheken für die Gesellschaft, was bildet den Kern der Angebote von Bibliotheken und mit welchen Merkmalen kann man sie beschreiben, welche Tätigkeitsbereiche gibt es im Berufsfeld und welche Expertise wird dafür benötigt? Die Antworten auf diese Fragen sind wichtige Voraussetzung für die kontinuierliche Anpassung der Ausbildungs- und Studieninhalte, gerade vor dem Hintergrund, dass fast alle Hochschulen rückläufige Anmeldezahlen in den einschlägigen Bibliotheksbezogenen Studiengängen konstatieren müssen.

Der Vorstand wertet derzeit in einem fortlaufenden Projekt die Stellenanzeigen von OpenBiblioJobs[1] aus, um die geforderten Kenntnisse und Kompetenzen bei bibliothekarischen und informationswissenschaftlichen Stellenbesetzungen zu ermitteln. Untersuchungsaspekte sind formale Charakteristika von bibliotheksbezogenen Stellenangeboten, erkennbare oder nicht erkennbare Trends bezüglich der Fachkräftenachfrage sowie Kompetenzanforderungen in ausgewählten Themenfeldern. Datengrundlage sind 14859 Metadatensätze zu Stellenangeboten aus dem Archiv von 2013 bis 2020 sowie die Volltexte von 1700 Stellenangebote auf OpenBiblioJobs von Januar bis Oktober 2020. Im Zuge der Datenaufbereitung wurde eine terminologische Bereinigung und Homogenisierung durchgeführt sowie bei der Auswertung der Volltexte eine Trennung von Anforderungen (Skills) und Aufgaben (Tasks) vorgenommen. Allererste Auswertungsergebnisse zeigen, dass in allen Bibliotheksformen sowohl FaMI als auch Bibliothekskräfte mit Studienabschluss gesucht wurden. IT-Kenntnisse sind zunehmend gefragt. Weniger häufig, aber auch mit steigender Tendenz werden Kompetenzen in Erschließung und Katalogisierung nachgefragt. Stellen für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sind nach einem Anstieg bis 2019 inzwischen stark rückläufig, Kenntnisse im Umgang mit Forschungsdaten tauchen hingegen häufiger auf. Immer wieder werden von wissenschaftlichen Bibliotheken auch Kenntnissen von Metadatenstandards und -formaten und der Verarbeitung von Metadaten nachgefragt. Der Vorstand bereitet eine Publikation der Auswertung vor.

Ulla Wimmer vom IBI der HU Berlin erörterte das Spannungsfeld zwischen akademischer Hochschullehre und den Anforderungen der Bibliothekspraxis. Das Berufsfeld sei heute stark ausdifferenziert, ein gemeinsamer Wissenskanon sei kaum mehr auszumachen. Benötigt würden einerseits Spezialkräfte, andererseits Personen mit allgemeinem umfassendem Fachverständnis sowohl für das Bibliothekswesen als auch für die in wissenschaftlichen Bibliotheken einschlägigen Fachdisziplinen. Kurzfristig benötigter Praxisbedarf stehe daher im Konflikt mit einer mittelfristigen Studiengangsentwicklung. Um aktuelle Praxisprobleme zu lösen, müssen die Studienabsolventinnen und -absolventen sofort einsatzfähig sein, sie müssen darüber hinaus aber auch darauf vorbereitet sein, zukunftsfähige Entwicklungsprojekte durchzuführen.

Verstärkt und verstetigt hat die KIBA die Zusammenarbeit mit dem HI. Im Oktober und November 2020 haben beide gemeinsam einen zweiteiligen Online-Workshop durchgeführt, bei dem die im Sommersemester 2020 gesammelten Erfahrungen mit der digitalen Lehre in der Informationswissenschaft ausgetauscht worden sind und nachahmenswerte Beispiele vorgestellt wurden (s. Bericht von Vivien Petras und Stefan Schmunk auf S. 54 dieser Ausgabe).

Ebenfalls engagiert sich die KIBA bei der Begleitung des FID BBI. Dr. Johannes Mangei und Anna Lingnau, seit 1. November 2020 neue Projektkoordinatorin, stellten den aktuellen Stand des FID BBI vor. Am augenfälligsten sind das neue Corporate Design mit der gut lesbaren Schrift Share Tech. Ein Drahtgittermodell soll als abstrakte Wort-Bild-Marke Offenheit, Speicher und Vernetzung symbolisieren und unterstreichen, dass es um Inhalte und Funktionalitäten geht. Die KIBA-Mitglieder durften bei der Vorführung des teilfunktionalen Mockup im neuen Layout einen ersten Blick auf den modernisierten responsiven Webauftritt für das Nachweisportal werfen. Die erweiterte Suche bietet eine Vielzahl von Filtern und Suchkategorien zur Eingrenzung der Treffermenge in Form einfacher Aus

 Anna Lingnau, seit 1. November 2020 neue Projektkoordinatorin des FID BBI, stellte sich bei der virtuellen KIBA-Jahrestagung vor (Screenshot: Marlies Ockenfeld).

Anna Lingnau, seit 1. November 2020 neue Projektkoordinatorin des FID BBI, stellte sich bei der virtuellen KIBA-Jahrestagung vor (Screenshot: Marlies Ockenfeld).

wahllisten. Die Weiterverarbeitung, wie Zitieren, Exportieren, Drucken, Versenden oder Aufnahme in eine Merk- oder Favoritenliste sind optisch klar abgegrenzt von der Anzeige der Treffer. Das gleiche gilt für die Zugriffsmöglichkeiten auf das ausgewählte nachgewiesene Dokument. Auffällig aus Sicht der Terminologie unseres Fachs ist, dass die Bezeichnung Dokumentart anscheinend schleichend durch den Ausdruck Medienart ersetzt wird.

Neu lizenzierte Inhalte sind über drei Millionen Einheiten aus den Book History Online und dem Book Sales Catalogues Online von Brill. Anna Lingnau will sich demnächst vorrangig um institutionelle Kooperationen und die Lizenzierung von LIS-Datenbanken kümmern sowie E-Books zugänglich machen. Besondere Anstrengungen gelten auch der Einbindung von Open Access und Open Source. Sobald das neue Nachweisprotal fertig ist, soll eine Evaluierung stattfinden. Die Erweiterung der Inhalte soll sich auf Umfragen, Workshops, aber auch die Bitte nach konkreten Vorschlägen gründen. Um die Studierenden zu erreichen, ist die KIBA als Ansprechpartnerin gefragt. Der DFG-Fortsetzungsantrag war im November noch nicht bewilligt.

Hella Klauser vom Kompetenznetzwerk für Bibliotheken im dbv im stellte die Angebote für einen internationalen bibliothekarischen Wissenstransfer vor. IFLA und ALA haben Berichte über Trends im Bibliotheksbereich erarbeitet.[2] 2019 bis 2021 sind die Niederlande BID-Partnerland ab 2022 wird es Tschechien sein. 2021 wird Barbara Lison IFLA-Präsidentin, was mutmaßlich Rückwirkungen auf die Bibliotheksszene in Deutschland und die Nachwuchskräfte haben werde.

Marlies Ockenfeld stellte abschließend die aktuellen Aktivitäten der DGI vor, darunter die Reform des Berufsbilds FaMI der Fachrichtung Dokumentation. Aufgrund der Zeitknappheit soll der Dialog über eine stärkere Rückbindung in weiteren Online-Besprechungen mit Günther Neher, Frauke Schade und Stefan Schunk fortgeführt werden.

Ansteheden Themen der KIBA für das kommende Jahr sind u. a. die Fortführung der Workshops zum Erfahrungsaustausch, der gegenseitige Austausch von Lehr- und Lernmaterialien, eine Sekundär­analyse vorliegender Verbleibstudien sowie die Zusammenarbeit mit den Fachvereinigungen zur Erarbeitung von zukunftsfähigen Kompetenzprofilen.

Das nächste KIBA-Jahrestreffen soll am 4. und 5. November 2021 – dann hoffentlich tatsächlich in persönlicher Begegnung an der Hochschule Hannover stattfinden.

Marlies Ockenfeld

DGI-Lehrgang Informationsassistenz 2021

Auch 2021 möchten wird den gut eingeführten berufsbegleitenden Zertifikatslehrgang Informationsassistenz anbieten. Aufgrund der Unwägbarkeiten durch die Coronavirus-Pandemie stehen noch keine Termine fest. Der modulare Aufbau ermöglicht es, den gesamten Kurs, einzelne Wochen oder Tage zu besuchen. Bei erfolgreicher Teilnahme am gesamten Lehrgang wird das europäische Zertifikat Informationsassistent/Informationsassistentin erteilt. Für die Teilnahme an einzelnen Lehrgangsteilen wird eine Teilnahmebestätigung ausgefertigt. Ausführlichere Informationen finden Sie auf der DGI-Website unter www.dgi-info.de/fortbildung/informationsassistenz 2021. Bitte schreiben Sie an informationsassistent@dgi-info.de, wenn Sie Interesse an unserem Weiterbildungsangebot und Terminwünsche haben.

DGI-Praxisseminare 2021

Im Frühjahr und Sommer 2021 bietet die DGI eine Reihe von Praxisseminaren online an. Da die aufgrund der Coronavirus-Pandemie entwickelten digitalen Angebote auf große Nachfrage gestoßen sind, bemüht sich die DGI dieses stufenweise zu erweitern. In kompakten Einheiten wird in kleinen Gruppen praxisrelevantes Wissen vermittelt und durch praktische Übungen ergänzt. Einzelne Lehreinheiten werden in einem zweistufigen Seminaraufbau angeboten, je nach Wissensstand können entweder das Basis-Modul, das Fortgeschrittenen-Seminar oder beide besucht werden.

Das Themenspektrum reicht von professioneller Kommunikation, formaler und inhaltlicher Erschließung, EU-DSVGO, Urheberrecht, Wissensmanagement, Social-Media-Recherche, Social-Media und Öffentlichkeitsarbeit, Digitalfotografie für Social Media und Webseiten bis hin zur Projektplanung, -durchführung und -evaluierung.

Kommunikation für Information Professionals I 19. bis 20 Januar 2021, online: Zielorientiert und erfolgreich kommunizieren: Theorie und praktische Übungen

Kommunikation für Information Professionals II 21. Januar 2021, online: Rhetorik und Präsentationstechniken: Ideen und Produkte überzeugend vermitteln

Projektplanung, -durchführung und -evaluierung I 26. bis 27. Januar 2021, online: Einführung für Information Professionals

Projektplanung, -durchführung und -evaluierung II 28. Januar 2021, online: Agile Projektmanagement-Methoden, Scrum und Kanban

Schreibwerkstatt I–Websites 29. Januar 2021, online: – Ein- und Aufstieg beim Texten

Schreibwerkstatt II–Blogs 1. Februar 2021, online

Methoden und Instrumente der formalen und inhaltlichen Informationserschließung I 2. bis 3. Februar 2021, online: Metadaten gegen das Informationschaos: Einführung in die formale und inhaltliche Erschließung

Methoden und Instrumente der formalen und inhaltlichen Informationserschließung II 4. Februar 2021, online: Methoden und Instrumente: Klassifikationen, Thesauri, Taxonomien und Ontologien

Schreibwerkstatt III- Storytelling – die etwas andere Form der Wissensvermittlung 8. Februar 2021, online

Schreibwerkstatt IV–Essays – Vermitteln Sie Ihr Fachwissen spannend und mit Nachhall 9. Februar 2021, online

Digitalfotografie für Social Media und Websites I 15. Februar 2021, online

Digitalfotografie für Social Media und Websites II 16. Februar 2021, online

Social Media und Öffentlichkeitsarbeit I–Einführung 17. Februar 2021, online: Fachbegriffe, Strategien, Mechanismen, Potentiale/Gefahren, Portale und ihrer Funktionsweisen. Keine Vorkenntnisse nötig.

Social Media und Öffentlichkeitsarbeit II–Vertiefung 18. Februar 2021, online: Fallbeispiele, praktische Übungen, Content Strategien, redaktionelle Planung, Zusammenarbeit von Abteilungen, Monitoring und Community Management, Vorsichtsmaßnahmen, Zeit/Personalbedarf. Vorkenntnisse erforderlich.

Projektplanung, -durchführung und -evaluierung I 23. bis 24. Februar 2021, online: Einführung für Information Professionals

Projektplanung, -durchführung und -evaluierung II 25. Februar 2021, online: Agile Projektmanagement-Methoden, Scrum und Kanban

Kommunikation für Information Professionals I 2. bis 3. März 2021, online: Zielorientiert und erfolgreich kommunizieren: Theorie und praktische Übungen

Kommunikation für Information Professionals II 4. März 2021, online: Rhetorik und Präsentationstechniken: Ideen und Produkte überzeugend vermitteln

Wissensmanagement I 16. März 2021, online: Wissenstransfer und Know-how-Sicherung in Unternehmen. Eine Einführung für Information Professionals

Wissensmanagement II 17. März 2021, online:

Social Media und Öffentlichkeitsarbeit I–Einführung 18. März 2021, online: Fachbegriffe, Strategien, Mechanismen, Potentiale/Gefahren, Portale und ihrer Funktionsweisen. Keine Vorkenntnisse nötig.

Social Media und Öffentlichkeitsarbeit II–Vertiefung 19. März 2021, online: Fallbeispiele, praktische Übungen, Content Strategien, redaktionelle Planung, Zusammenarbeit von Abteilungen, Monitoring und Community Management, Vorsichtsmaßnahmen, Zeit/ Personalbedarf. Vorkenntnisse erforderlich.

Social Media und Recherche – Einführung 14. April 2021, online: Charakteristika der bekanntesten Social Media-Plattformen, Spezialsuchmaschinen für Social-Media, Strategien für die Recherche

Social Media und Recherche – Einführung 12. Juli 2021, online: Charakteristika der bekanntesten Social Media-Plattformen, Spezialsuchmaschinen für Social-Media, Strategien für die Recherche

Die Anmeldung ist über unsere Website, per E-Mail oder postalisch möglich. Für nähere Auskünfte schreiben Sie an mail@dgi-info.de. Weitere Seminare zu den Themen Machine Learning, Visualisierung, Urheberrecht, gute wissenschaftliche Praxis und Datenschutzgrundverordnung sind in der Planung. Unser Aktuelles Programm finden Sie unter https://dgi-info.de/events/.

DGI-Forum Wittenberg

2021 soll das DGI-Forum Wittenberg turnusgemäß wieder sattfinden. Da nicht absehbar ist, wann persönliche Begegnungen in größerer Zahl möglich sind, planen wir derzeit eine virtuelle Konferenz im zweiten Halbjahr 2021.

Das Thema ist „Informationsvermittlung in Zeiten der Distanz“. Damit möchten wir Kernkompetenzen der DGI in den Titel integrieren und zugleich mittels der „Distanz“ den Raum für technische, wirtschaftliche und pädagogisch-didaktische Themengebiete schaffen. 2020 hat große Veränderungen beim Umgang mit Information und Wissen und ihrer Vermittlung gebracht, die wir aufgreifen wollen. Der Call for Papers wird in Kürze veröffentlicht.

DGI Mitglieder stellen sich vor

Walter Greulich

Publishing and more

Von Hause aus Physiker bin ich 1983 in das Verlagswesen eingestiegen, aber mit dem Ziel, so dicht wie möglich an der Physik dranzubleiben: Bei den Physikalischen Blättern, der Zeitschrift der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, war ich fünf Jahre lang einer von zwei Redakteuren. Während dieser Zeit konnte ich bei der VCH Verlagsgesellschaft (heute Wiley-VCH) in Weinheim, bei der die Zeitschriftenredaktion angesiedelt war, in das Buchlektorat hineinschnuppern. Mir gefiel die Arbeit mit Büchern sehr und da es noch keinen Physiker im Lektorat gab, habe ich diese Aufgabe übernommen. In den kommenden Jahren entstanden mit meiner Beteiligung einige große Nachschlagewerke wie die 23-bändige „Encyclopedia of Applied Physics“, das achtbändige Handbuch „Sensors“, das auf 18 Bände angelegte Handbuch „Materials Science and Technology“ und das mehr als 20-bändige Referenzwerk „Ternary Alloys“, um nur einige zu nennen.

Ein Thema, das bei all diesen Werken große Bedeutung hatte, war das Erstellen der Register. Und da bereits damals (Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre) der Computer bei Verlagsprojekten eine große Rolle spielte, kamen bei den Indexen der genannten Großwerke Datenbankprogramme zum Einsatz. Aus heutiger Sicht wurde mit Kanonen nach Spatzen geschossen, denn inzwischen hat sich das sogenannte Embedded Indexing in Textverarbeitungs- und Layoutprogrammen enorm weiterentwickelt und es existieren darüber hinaus kleine, aber feine Indexing-Spezialprogramme, mit denen sich Indexe effizient erstellen lassen.

Beide Themen – Großwerke und Indexing – begleiteten mich auch während meiner Zeit als selbständiger Redakteur und Lektor von Mitte 1992 an. Die „Encyclopedia of Applied Physics“, deren Betreuung ich mit in die Selbständigkeit nahm, wurde 1999 abgeschlossen, der Index dazu, auf den ich bis heute sehr stolz bin, hatte am Ende knapp 35.000 Einträge und füllte einen ganzen Band. Eine große Herausforderung war die 1995 vom Spektrum Akademischen Verlag an mich herangetragene Aufgabe, ein neues „Lexikon der Physik“ zu schaffen, das die Nachfolge des gleichnamigen, in den 1960er Jahren erschienen Werks sein sollte. Es erforderte u. a. die Erstellung einer hierarchisch geordneten Liste von Artikeln, im Grunde eines ganzen Wissensnetzes der Physik, damit alle Autoren wussten, wie lang ihre Artikel werden sollten und wie sie mit anderen Artikeln zusammenhingen. Die Artikelliste umfasste mehr als 30.000 Begriffe, die nur mithilfe einer Datenbank in den Griff zu bekommen war. Die Leserschaft hielt am Ende ein gedrucktes Werk in den Händen, das aus alphabetisch angeordneten Artikeln bestand. Der Übergang von der hierarchischen zur alphabetischen Gliederung konnte dank Computerunterstützung gut gemeistert werden.

Parallel zur Arbeit an diesem auf „nur“ sechs Bände angelegten Werk entwickelte sich der Kontakt zu den beiden großen Verlagshäusern in Deutschland, die für publikumsnahe Lexika standen (inzwischen leider nicht mehr): das Bibliographische Institut in Mannheim, bei dem die Brockhaus-Enzyklopädie und der Duden samt ihrer zahlreichen Ableger erschienen, und der Wissen-Media-Verlag in Gütersloh, der zu Bertelsmann gehörte, und der das Bertelsmann-Lexikon mit ebenfalls vielen Zusatzwerken herausbrachte. Für beide habe ich mit einer inzwischen auf acht Personen angewachsenen Redaktion (die WGV Verlagsdienstleistungen GmbH) etliche mehrbändige Vielautorenwerke betreut oder mitbetreut, die, wenn sie nicht selbst alphabetisch aufgebaut waren, natürlich alle auch Register brauchten. Zu den alphabetisch aufgebauten Werken zählten z. B. der Schülerduden Physik und der Schülerduden Chemie sowie der mehr als 1000 Seiten umfassende „Brockhaus Computer und Informationstechnologie“. Von den hierarchisch gegliederten Werken sind (stellvertretend für etliche weitere) zwei sehr aufwändig erarbeitete Bände aus der Reihe „Mensch – Natur – Technik“ des Bibliographischen Instituts sowie neun Bände der insgesamt 24 bändigen „Naturenzyklopädie“ des Wissen-Media-Verlages zu nennen. Das Gesamtregister zur Naturenzyklopädie war und ist das Größte, für das ich je verantwortlich war: Es umfasste rund 110.000 Einträge. Sechs Monate lang bestand die Tätigkeit der halben Redaktion aus nichts anderem als dem Erarbeiten dieses Registers.

Steigerungen gibt es aber selbst dann noch. Denn das anspruchsvollste und komplexeste Register, an dem ich mit meiner Redaktion mitarbeiten durfte, war der Index zu dem seit über 100 Jahren existierenden, über 350 Bände umfassenden „Landolt-Börnstein“, einem Nachschlagewerk mit Zahlenwerten und Funktionen aus Naturwissenschaft und Technik, das im wissenschaftlichen Springer-Verlag in Heidelberg erscheint. Für das Register haben wir zusammen mit der LB-Redaktion (die bis 2008 in Darmstadt saß) eine hochgradig (aus zahlreichen Tabellen bestehende) relationale Datenbank entwickelt, deren Inhalte 2009 als Metadaten in die Landolt-Börnstein-Online-Datenbank einflossen, die damals auch die Printausgabe des Gesamtwerks ablöste. Bei allen Registern, an denen mehrere Personen arbeiten, stellt die Abstimmung der individuellen Denkprozesse, die bei der Auswahl von Registerbegriffen stattfinden, die größte Herausforderung dar. Damit ein solches Registerprojekt nicht in die falsche Richtung läuft, muss mit kontrollierten Vokabularen gearbeitet werden. Beim LB-Register waren das u. a. das Dewey-Dezimalklassifikationsschema, das Physics and Astronomy Classification Scheme (PACS), Begriffslisten des FIZ Karlsruhe und die Wortliste des Lexikons der Physik. Diese Vokabulare wurden zusammen mit Volltexten aus dem PDF-Bestand des Landolt-Börnstein in die genannte Index-Datenbank aufgenommen und standen den Indexern bei der Begriffsauswahl direkt zur Verfügung. Das heißt, vor jeder Entscheidung wurden von uns Redakteuren (allesamt Naturwissenschaftler) etliche Prüfungen und Abgleiche vorgenommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass solche Entscheidungen künstlichen Algorithmen überlassen werden können, zumindest heute noch nicht und – falls eine dem menschlichen Intellekt ähnlich tiefe Durchdringung der Wissenszusammenhänge das Ziel ist – auch in absehbarer Zeit nicht. Dass der Mensch nicht so schnell ersetzt werden kann, ist die Überzeugung der meisten Indexer weltweit. Die Motivation für diese Überzeugung entspringt aber, so möchte ich behaupten, nicht dem Selbsterhaltungstrieb unseres Berufsstandes, sondern hat objektive Gründe. Robert Fugmann, der große, international vernetzte Indexer der letzten Jahrzehnte in Deutschland, hat dazu etliche Argumente angeführt, die in mehreren Artikeln der IWP und Büchern der DGI veröffentlicht wurden.

Die Zeit der großen gedruckten Nachschlagewerke ist endgültig vorbei, gute Indexe als vorgefilterte Begriffsauswahlen, die die Nutzer einen digitalen Inhalt bequem und sicher erschließen lassen, werden aber immer noch benötigt. Daher wird es an Aufträgen zur Erstellung von Registern auch in absehbarer Zeit nicht mangeln. Wie „in“ das Thema Indexing ist, zeigt auch die Tatsache, dass ständig an der Verbesserung von Indexingtechniken gearbeitet wird. Zwei der Entwicklungen in den letzten Jahren sind das Programm Index-Manager der Firma Klarso (Berlin) und die Methode des SmartIndexing der Firma abavo (Buchloe). Über beide ist ebenfalls bereits in der IWP berichtet worden. Ich kann mich glücklich schätzen, an beiden Entwicklungen einen gewissen Anteil zu haben. Selbst vermeintliche altbekannte Techniken wie das Embedded Indexing mit Word oder der Einsatz des PDF beim Indexing haben einige Neubelebungen erfahren, zu denen ich ab 2018 in der Zeitschrift „The Indexer“ einige Artikel veröffentlicht habe.

Wenn man, wie ich, vom Thema Indexing einmal infiziert ist, lässt es einen nicht mehr los, zumal, wenn irgendwann der Austausch mit anderen Indexerinnen und Indexern weltweit hinzukommt. Diese neue Phase begann bei mir im Jahr 2004, als das DGI-Mitglied Jochen Fassbender mit der Frage auf mich zukam, ob ich mir vorstellen könnte, bei einem neu zu schaffendem Indexer-Netzwerk mitzuwirken. Gemeinsam mit Robert Fugmann und den Indexern Michael Robertson und Dietmar Töpfer gründeten wir im selben Jahr auf der Frankfurter Buchmesse das Deutsche Netzwerk der Indexer (DNI). Von Beginn an stand im Raum, dass ich auch in die DGI eintrete, zumal es immer wieder konkrete Berührungspunkte gab. So hielt das Indexernetzwerk mehrere Jahrestreffen am Rande der Frankfurter Buchmesse ab, wobei die DGI Hilfe bei der Anmietung von Räumlichkeiten leistete und durch ihre Präsidentin Frau Ockenfeld, die seit vielen Jahren ebenfalls Mitglied im DNI ist, würdig vertreten wurde. Die letzten Treffen fanden direkt am Stand der DGI auf der Buchmesse statt. 2017 beschlossen die versammelten Mitglieder des DNI, eine Arbeitsgruppe Indexing in der DGI ins Leben zu rufen, und 2019 trat das Internationale Komitee von Vertretern der Indexing-Gesellschaften (ICRIS: International Committee of Representatives of Indexing Societies) an das DNI mit der Bitte heran, den ICRIS-Kongress 2021 auszurichten. Dieser Herausforderung wollen wir als DNI uns stellen, und wir sind froh, dass die DGI uns dabei helfen wird. Die Mitorganisation wird die erste konkrete Aufgabe der Indexing-Arbeitsgruppe in der DGI werden. Als Neumitglied in der DGI freue ich mich auf einen intensiven Erfahrungs- und Wissensaustausch mit den in der DGI versammelten Informationsexpertinnen und. Neben mir ist auch das DNI-Mitglied Jutta Mühlenberg in die DGI eingetreten.

Online erschienen: 2021-01-13
Erschienen im Druck: 2021-01-07

© 2021 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 4.2.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/iwp-2020-2144/html
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