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Das öffentliche Interesse an der Bereitschaft zur Mitwirkung in Staat und Gesellschaft als Abwägungskriterium im Persönlichkeits- und Presserecht

  • Christian Schertz
Veröffentlicht/Copyright: 20. August 2025
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AfP
Aus der Zeitschrift AfP Band 56 Heft 4

Zusammenfassung

Die politischen wie auch die tatsächlichen Rahmenbedingungen für Politikerinnen und Politiker sind derzeit so schlecht wie noch nie, so dass sich die Frage stellt, wer unter den aktuellen Bedingungen überhaupt noch bereit ist, in Staat und Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Sie sind teils einem unbändigen Hass im Netz durch sog. Wutbürger ausgesetzt. Eine Vielzahl von Kommunalpolitikern berichtet in einer aktuellen Umfrage von Bedrohungen und Beleidigungen. Auch medial stehen Politiker unter „Dauerbeschuss“, sie sind also ständiger Kritik ausgesetzt, wobei Sachverhalte nicht selten bewusst skandalisiert werden, um Klickzahlen, Einschaltquoten und Auflagen zu generieren. Viele Politikerinnen und Politiker sind im Zeitpunkt ihres Ausscheidens aus einem Amt im Ansehen beschädigter als zu dem Zeitpunkt, als sie es angetreten haben. Zu Recht hat daher das BVerfG zuletzt in der Künast-Entscheidung festgestellt, dass ein „wirksamer Schutz der Persönlichkeitsrechte von Amtsträgerinnen und Amtsträgern, sowie Politikerinnen und Politikern über die Bedeutung für die jeweils Betroffenen hinaus im öffentlichen Interesse liegt, was das Gewicht dieser Rechte in der Abwägung verstärken kann.“ Im Folgenden soll untersucht werden, inwiefern dieses vom BVerfG faktisch neu eingeführte Abwägungskriterium des öffentlichen Interesses am gesellschaftlichen Engagement im Persönlichkeits- und Presserecht in Zukunft einen stärkeren Persönlichkeitsschutz der betreffenden Berufsgruppe garantieren kann und ob dieses Kriterium nicht nur in Fällen von Schmähungen und Beleidigungen zur Anwendung kommt, sondern auch in Fällen der sog. Verdachtsberichterstattung und des Schutzes der Privatsphäre bei der Abwägung Berücksichtigung finden muss.

Online erschienen: 2025-08-20
Erschienen im Druck: 2025-08-01

© 2025 by Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln.

Artikel in diesem Heft

  1. Titelei
  2. Inhalt
  3. Impressum
  4. Aufsätze
  5. Das öffentliche Interesse an der Bereitschaft zur Mitwirkung in Staat und Gesellschaft als Abwägungskriterium im Persönlichkeits- und Presserecht
  6. Öffentliches Engagement und Persönlichkeitsschutz in den Medien – ein Spannungsverhältnis
  7. Öffentliches Engagement und Persönlichkeitsschutz in den Medien – ein Spannungsverhältnis: Aus der Perspektive der Medien
  8. Rundfunkbeitragspflicht und Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
  9. Bericht
  10. Öffentliches Engagement und Persönlichkeitsschutz in den Medien – ein Spannungsverhältnis — 134. Tagung des Studienkreises für Presserecht und Pressefreiheit e.V. in Berlin
  11. EGMR-Rechtsprechung
  12. Frankreich: Unzulässige Veröffentlichung von Bildaufnahmen aus Gerichtsverhandlung — EGMR (Fünfte Sektion), Entsch. v. 27.5.2025 – 42635/20 (Leost gegen Frankreich)
  13. Vereinigtes Königreich: Inanspruchnahme der parlamentarischen Immunität zur Offenlegung vertraulicher Informationen — EGMR (Vierte Sektion), Urt. v. 8.4.2025 – 22077/19 (Green gegen Vereinigtes Königreich).
  14. Blick nach Brüssel
  15. Stand: 1.8.2025
  16. Medienkartellrecht
  17. Stand: 1.8.2025
  18. Nachrichten
  19. Renate Damm 1935-2025
  20. Neue EU‑Leitlinien zum Jugendschutz auf Online-Plattformen
  21. Digitalabgabe für große Internet-Plattformen
  22. Verhaltenskodex für GPAI-Anbieter
  23. Forderung nach Überarbeitung der Entwaldungsverordnung
  24. Entscheidungen
  25. Beeinträchtigung durch Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verbreitung angeblich unwahrer Informationen
  26. Auskunftsanspruch zur Vorbereitung einer weiteren angemessenen Beteiligung – Portraitfoto
  27. Kein Unterlassungsanspruch gegenüber Plagiatsvorwurf
  28. Unzulässige Berichterstattung über Geburtsdatum einer Minderjährigen
  29. Zulässiges KI‑Training durch Meta
  30. Zulässige Vermögensschätzung in „Reichenliste“
  31. Zulässige Nennung in „Reichenliste“
  32. Unzulässige Verdachtsberichterstattung durch Blogbetreiber
  33. Anhörungspflicht trotz pauschaler Ablehnung einer Stellungnahme
  34. Zulässige Verdachtsberichterstattung über Mitgliedschaft in rechtsterroristischer Gruppe
  35. Keine Kostentragung bei fehlender Veranlassung zur Klageerhebung
  36. Auskunftsanspruch bzgl. Verteidiger in Ermittlungsverfahren
  37. Unzulässige Bildberichterstattung über Auslandsimmobilie eines Prominenten
  38. Kein Anspruch auf Löschung eines Beitrags über namentlich genannte Straftäter aus Online-Archiv
  39. Kein Archiv-Privileg für unwahre Behauptung in Mediathek
  40. Kein Werktitelschutz bei fehlender Verwechslungsgefahr – Nie wieder keine Ahnung
  41. Keine Feststellung eines Sicherheitsrisikos nur aufgrund der Angabe von Kontakten in sozialen Netzwerken
  42. Unklare Urteilsgründe aufgrund geschlechtsneutraler Formulierungen
  43. Volle Konzentration
Heruntergeladen am 6.2.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.9785/afp-2025-560402/html
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