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Explikativkomposition Explikativkomposition

  • Christian Lehmann
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Zusammenfassung

Explikativkomposition ist ein Subtyp der Determinativkomposition, wo das Determinans ein Hyponym des Determinatums ist. Sie liegt vor in Fällen wie Migrationsbewegung und Hyponymiebeziehung. Der Bildungstyp ist von ähnlichen Typen der pleonastischen Komposition wie der tautologischen und fokussierenden Komposition zu unterscheiden. Lexemsemantisch betrachtet ist er ein Fall von semantischer Sekretion (Harnisch 2004). In der diachronen Betrachtung zeigt sich, dass Explikativkomposition die semantische Verdunklung des Determinans sowohl voraussetzen als auch befördern kann. Daher ist sie nicht allein durch ein Bestreben zur Verdeutlichung (Krieg-Holz 2010) motiviert. Explikativkomposition kann grammatisch motiviert sein. Komposita wie Unglücksfall und Ratschlag bilden einen Plural, den ihr Determinans als Simplex nicht bildet. Andere wie Hyponymiebeziehung gehen in syntaktische Konstruktionen ein, z. B. als Objekt von haben oder adverbiales Komplement von stehen, für die ihr Determinans nicht verfügbar ist. Zudem kann Explikativkomposition diskurssemantisch motiviert sein.Viele dieser Komposita haben, im Gegensatz zu ihrem Determinans, keine generische Verwendung und eignen sich im Umkehrschluss zur Individuation, wie in unkontrollierte Migrationsbewegungen. Damit wird die Explikativkomposition anderen Verfahren der Explikation (z. B. dem Genitivus explicativus) und der Klassifikation (z. B. der Numeralklassifikation) ähnlich, die sich teils im Deutschen, teils in anderen Sprachen finden. Die nachgewiesenen motivierenden Faktoren haben keinen unmittelbaren Bezug zu (re‐)konstruktionellem Ikonismus, denn es gibt kein ikonisches Prinzip, wonach eine implizierte semantische Komponente einen eigenen Ausdruck haben müsste. Vielmehr schafft die formale Sekretion eines semantischen Merkmals einen („Dummy“‐)Träger für grammatische und Diskursoperationen, für die das Determinans sich weniger eignet.

Zusammenfassung

Explikativkomposition ist ein Subtyp der Determinativkomposition, wo das Determinans ein Hyponym des Determinatums ist. Sie liegt vor in Fällen wie Migrationsbewegung und Hyponymiebeziehung. Der Bildungstyp ist von ähnlichen Typen der pleonastischen Komposition wie der tautologischen und fokussierenden Komposition zu unterscheiden. Lexemsemantisch betrachtet ist er ein Fall von semantischer Sekretion (Harnisch 2004). In der diachronen Betrachtung zeigt sich, dass Explikativkomposition die semantische Verdunklung des Determinans sowohl voraussetzen als auch befördern kann. Daher ist sie nicht allein durch ein Bestreben zur Verdeutlichung (Krieg-Holz 2010) motiviert. Explikativkomposition kann grammatisch motiviert sein. Komposita wie Unglücksfall und Ratschlag bilden einen Plural, den ihr Determinans als Simplex nicht bildet. Andere wie Hyponymiebeziehung gehen in syntaktische Konstruktionen ein, z. B. als Objekt von haben oder adverbiales Komplement von stehen, für die ihr Determinans nicht verfügbar ist. Zudem kann Explikativkomposition diskurssemantisch motiviert sein.Viele dieser Komposita haben, im Gegensatz zu ihrem Determinans, keine generische Verwendung und eignen sich im Umkehrschluss zur Individuation, wie in unkontrollierte Migrationsbewegungen. Damit wird die Explikativkomposition anderen Verfahren der Explikation (z. B. dem Genitivus explicativus) und der Klassifikation (z. B. der Numeralklassifikation) ähnlich, die sich teils im Deutschen, teils in anderen Sprachen finden. Die nachgewiesenen motivierenden Faktoren haben keinen unmittelbaren Bezug zu (re‐)konstruktionellem Ikonismus, denn es gibt kein ikonisches Prinzip, wonach eine implizierte semantische Komponente einen eigenen Ausdruck haben müsste. Vielmehr schafft die formale Sekretion eines semantischen Merkmals einen („Dummy“‐)Träger für grammatische und Diskursoperationen, für die das Determinans sich weniger eignet.

Heruntergeladen am 3.2.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/9783111031170-006/html
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