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Nachfragemacht im Kartellrecht

  • Stefan Thomas
Published/Copyright: September 11, 2015
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Zusammenfassung

Die Auswirkungen von unternehmerischer Nachfragemacht auf den Wettbewerb und die Verbraucher sind ambivalent. Einerseits kann Nachfragemacht zu geringeren Einkaufspreisen führen, die den Konsumenten zugute kommen. Andererseits kann sie als ein Mittel zu Verdrängung kleinerer Konkurrenten mit geringerer Nachfragemacht auf nachgelagerten Märkten eingesetzt werden. Darüber hinaus werden in der Wettbewerbsökonomie weitere Auswirkungen von Nachfragemacht diskutiert, wie die Beeinflussung der dynamischen Effizienz und der Produktvielfalt, wobei sich hier bislang keine eindeutigen Grundsätze für die konkrete Kartellrechtsanwendung erkennen lassen. Die kartellrechtliche Bewertung von Nachfragemacht wirft ferner spezifische Schutzzweckfragen auf, die bislang durch die Rechtsprechung nicht geklärt wurden. Es geht darum, ob Lieferanten ein eigenes Interesse an angemessenen Preisen und Konditionen geltend machen können, welches gegen die Ausübung von Nachfragemacht zu schützen ist, selbst wenn es zu keinen weiteren negativen Auswirkungen auf die Gesamt- oder Konsumentenwohlfahrt kommt. Viele dieser Fragen werden durch neuere kartellbehördliche Entscheidungen direkt oder jedenfalls indirekt aufgeworfen. Dazu gehört etwa der Untersagungsbeschluss des BKartA in der Sache EDEKA/Tengelmann. Der vorliegende Beitrag geht ihnen nach und bezieht hierbei auch das US-Kartellrecht mit ein.

Abstract

Buyer Power and Antitrust Law

This article considers the effects of buyer power under the antitrust laws. It focuses on EU and German antitrust law, namely the laws against abuses of dominance and merger control. Moreover, it takes into account the stance of US antitrust law. Recent investigations of several European antitrust authorities in the grocery sector have expressed concerns that concentration on the demand side can result in market foreclosure or anticompetitive exploitation of market participants. Also, in the US there is an ongoing debate about the anticompetitive and procompetitive effects of buyer power, which is inter alia reflected in the landmark decision of the US Supreme Court in Weyerhaeuser and in the merger control policies of the DOJ and the FTC. Against this background, the present article underscores the necessity to distinguish between single price monopsony on the one hand and individual bargaining power on the other hand, since the economic effects of these two types of buyer power deviate significantly. In subsequent steps, the paper analyses different theories of harm that can be raised with respect to buyer power. It discusses the effects of buyer power on allocative efficiency, dynamic efficiency as well as consumer welfare and draws conclusions from that for the enforcement of the antitrust laws.

Online erschienen: 2015-9-11
Erschienen im Druck: 2015-9-10

© 2015 RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Aachener Str. 222, 50931 Köln.

Downloaded on 13.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.15375/zwer-2015-0303/html
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