Home History Revolutionäre Anthropologie. Oder der Versuch, Georg Forster neu zu lesen
Article
Licensed
Unlicensed Requires Authentication

Revolutionäre Anthropologie. Oder der Versuch, Georg Forster neu zu lesen

  • Horst Dippel
Published/Copyright: August 3, 2010
Become an author with De Gruyter Brill
Historische Zeitschrift
From the journal Volume 291 Issue 1

Zusammenfassung

Der Aufsatz will deutlich machen, daß eine Analyse der Anthropologie Georg Forsters bei der „Reise um die Welt“ einsetzen muß, die auf diesem Gebiet seine eigenen Vorstellungen zum Ausdruck bringt und nicht die Ideen seines Vaters wiedergibt. Dieses wird deutlich mittels der ergänzenden Betrachtung von Johann Reinhold Forsters „Observations Made During a Voyage Round the World“ im direkten Vergleich mit ihrer deutschen, von Georg Forster revidierten Ausgabe als „Bemerkungen über Gegenstände der physischen Erdbeschreibung“. Anders als bei seinem Vater beruht Georg Forsters Anthropologie nicht monokausal auf dem Klima, sondern berücksichtigt eine Vielzahl menschlicher Entwicklungsfaktoren und ist von dem Fortschrittsglauben der Aufklärung und dem Gedanken menschlicher Brüderlichkeit durchdrungen. Damit gehörte auch die Revolution potentiell zur menschlichen Entwicklung. Diese Revision der bisherigen Georg Forster-Forschung stößt damit zugleich das Tor auf zu zwei Feldern zukünftiger Forster-Forschung. Dies ist zum einen die Frage der Kontinuität des Forsterschen Denkens vom jugendlichen Anthropologen bis zum Mainzer Revolutionär unter der Perspektive, Forster endlich als Einheit zu begreifen, statt ihn weiterhin zu segmentieren in den Weltumsegler, den Aufklärer und schließlich den Revolutionär. Das zweite Feld ist auf das umfangreiche Corpus der Forsterschen Übersetzungen ausgerichtet. Hier gilt es Original und Übersetzung jeweils sorgfältig gegenüberzustellen, um die in den Übersetzungen versteckten Zusätze und Äußerungen Forsters offenzulegen, die er sozusagen in der Anonymität einstreuen konnte. Wie der unmittelbare Vergleich der ,Bemerkungen' mit den ,Observations' deutlich gemacht haben dürfte, sind auf diesem Feld zukünftig noch wesentliche Erkenntnisse zum Denken Georg Forsters zu erwarten.

Abstract

The article intends to demonstrate that any analysis of Georg Forster′s anthropology has to start with his “Voyage Round the World”, as it expresses his own views rather than the ideas of his father. This becomes obvious when Johann Reinhold Forster′s original “Observations Made During a Voyage Round the World” is juxtaposed with its German translation “Bemerkungen über Gegenstände der physischen Erdbeschreibung” undertaken, with major revisions of the text, by Georg Forster. Contrary to his father, Georg Forster did not monocausally base his anthropology on climate, but incorporated a wide range of factors in explaining human development. His approach is, in fact, suffused with the Enlightenment′s faith in progress and the ideal of universal brotherhood, leading to the inclusion of revolution as a potential element in humanity′s advance. This revision of our traditional understanding of Georg Forster suggests two future areas of research. The first concerns the question of continuity in Georg Forster′s thinking through his growth from adolescent anthropologist to Mainz revolutionary and involves challenging a historiography content with fragmenting Georg Forster into disconnected roles as circumnavigator, enlightened philosophe and finally revolutionary. The second requires a new focus on his large corpus of translations. In meticulously contrasting the original texts with his translations, his hidden revisions and additions need to be laid open. As the direct comparison of the “Bemerkungen” with the “Observations” documents, our knowledge of Georg Forster′s thinking will greatly profit from this.

Published Online: 2010-08-03
Published in Print: 2010-08

© by Oldenbourg Wissenschaftsverlag, Kassel, Germany

Downloaded on 16.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1524/hzhz.2010.0032/html
Scroll to top button