Abstract
Zu den wenig beachteten Opfern der NS-Diktatur gehören tuberkulosekranke Menschen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Fälle von gezielter Patientenvernachlässigung, physischer Gewalt und schließlich Mord nach 1945 juristisch nicht belangt wurden, soweit es deutsche Opfer betraf. Patrick Bernhard fragt nach den Gründen dafür und zeigt auf der Basis neu erschlossener Quellen, dass dies mit dem Unwillen zusammenhing, Verbrechen zu ahnden, die nicht in Konzentrationslagern oder als genuin nationalsozialistisch begriffenen Institutionen begangen worden waren. So kann man das Vorgehen der beteiligten Juristen als erfolgreichen Versuch begreifen, den Nationalsozialismus und die in seinem Namen begangenen Verbrechen einzuhegen und sie auf bestimmte Tatkomplexe, Täter und Tatorte zu begrenzen. Der Aufsatz verweist damit auch darauf, wie in der westdeutschen Gesellschaft „Normalität“ konstruiert wurde.
Abstract
Persons suffering from tuberculosis are among the forgotten victims of the Nazi dictatorship. One of the reasons for this was the fact that cases of intentional patient neglect, physical violence and finally murder were not prosecuted after 1945 insofar as they pertained to German victims. Patrick Bernhard inquires into the reasons for this and – by using newly treated sources – points to a lack of will to deal with crimes which did not take place in concentration camps or institutions understood to be genuinely National Socialist. Thus, the approach of the involved jurists can be interpreted as a successful attempt to enclose National Socialism and the crimes committed in its name by reducing them to certain criminal acts, perpetrators and crime scenes. The article thereby also describes how “normality” was constructed in West German society.
© 2023 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
Artikel in diesem Heft
- Frontmatter
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- Aufsätze
- Genese eines Feindbilds
- Zwischen Wehrmachtgemeinde und Gefängniszelle
- Die ausgebliebene Ahndung
- NS-Kontinuitäten oder persönliche Mythenbildung?
- Dokumentation
- Die „schwarze Pantherin“ vor Gericht
- Notiz
- Christliche Parteien in Westdeutschland und der Bundesrepublik nach 1945
- VfZ-Online
- Neu: Eine weitere Folge von „Ins Heft gezoomt“, ergänzende Materialien zu Ute Elbrachts Notiz in dieser Ausgabe sowie ein Beitrag von Margit Szöllösi-Janze im „Forum“
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