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Die ausgebliebene Ahndung

Nationalsozialistische Verbrechen an Tuberkulosekranken, westdeutsche Strafverfolgung und die Konstruktion von „Normalität“ nach 1945
  • Patrick Bernhard EMAIL logo
Veröffentlicht/Copyright: 1. Oktober 2023
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Abstract

Zu den wenig beachteten Opfern der NS-Diktatur gehören tuberkulosekranke Menschen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Fälle von gezielter Patientenvernachlässigung, physischer Gewalt und schließlich Mord nach 1945 juristisch nicht belangt wurden, soweit es deutsche Opfer betraf. Patrick Bernhard fragt nach den Gründen dafür und zeigt auf der Basis neu erschlossener Quellen, dass dies mit dem Unwillen zusammenhing, Verbrechen zu ahnden, die nicht in Konzentrationslagern oder als genuin nationalsozialistisch begriffenen Institutionen begangen worden waren. So kann man das Vorgehen der beteiligten Juristen als erfolgreichen Versuch begreifen, den Nationalsozialismus und die in seinem Namen begangenen Verbrechen einzuhegen und sie auf bestimmte Tatkomplexe, Täter und Tatorte zu begrenzen. Der Aufsatz verweist damit auch darauf, wie in der westdeutschen Gesellschaft „Normalität“ konstruiert wurde.

Abstract

Persons suffering from tuberculosis are among the forgotten victims of the Nazi dictatorship. One of the reasons for this was the fact that cases of intentional patient neglect, physical violence and finally murder were not prosecuted after 1945 insofar as they pertained to German victims. Patrick Bernhard inquires into the reasons for this and – by using newly treated sources – points to a lack of will to deal with crimes which did not take place in concentration camps or institutions understood to be genuinely National Socialist. Thus, the approach of the involved jurists can be interpreted as a successful attempt to enclose National Socialism and the crimes committed in its name by reducing them to certain criminal acts, perpetrators and crime scenes. The article thereby also describes how “normality” was constructed in West German society.

Online erschienen: 2023-10-01
Erschienen im Druck: 2023-09-30

© 2023 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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