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Spiritualität – Eine evolutionäre und psychotherapiewissenschaftliche Perspektive

Spirituality – An evolutionary and scientific psychotherapy perspective
  • Mario Schlegel

    Dr. sc. nat. ETH, dipl. natw. biologischer Anthropologe (Uni. Zürich). Dissertation in Verhaltenswissenschaften an der ETH Zürich. Psychotherapie Ausbildung am C.G. Jung-Institut Zürich, heute Dozent, Lehranalytiker und Supervisor. Leiter des Forschungskolloquiums am C. G. Jung-Institut Zürich; Vorsitzender der Wissenschaftskommission der Schweizer Charta für Psychotherapie, Co-Präsident des Internationalen Netzwerkes Forschung und Entwicklung in der Analytischen Psychologie Dreiländergruppe (INFAP3). Mitbegründer und Redaktor der Zeitschrift „Psychotherapie-Wissenschaft“. Psychotherapeut ASP in eigener Praxis. Arbeitsschwerpunkt: Dialog zwischen den Therapieschulen und die Biologie der Intersubjektivität.

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Veröffentlicht/Copyright: 15. Januar 2020

Zusammenfassung

Diese Arbeit zeichnet eine Linie von der Entwicklung der Empathie der Säugetiere bis hin zu den spirituellen Fähigkeiten des Menschen. Der Bezug zur Biologie besteht somit nicht im hypothetischen „Gottesgen“ oder „Religionsmodul“ im Gehirn, sondern in dem von der Ethologie erforschten beobachtbaren, natürlichen Verhalten, vorwiegend von Menschenaffen im Vergleich mit Kleinkindern unter Einbezug der Entwicklungspsychologie. Bis hin zu den moralischen Fähigkeiten des Menschen gibt es innerhalb der Ethologie bereits eine Diskussion. Da Spiritualität mit dem persönlichen Erleben, mit Sinn und Werten verbunden ist, kann der biologische Ansatz allein keine Brücke zu ihr schlagen. Um diese Lücke zu schließen, werden psychotherapiewissenschaftliche Modelle methodisch einbezogen. Sie erlauben eine Verbindung bis an den Punkt, wo die Erstpersonperspektive des persönlichen spirituellen Erlebens anfängt. Die strikte Auseinanderhaltung vom Verstehen aus intuitiver und wissenschaftlicher Perspektive und die Setzung ihrer Gleichwertigkeit, ist die Basis für den nicht-reduktionistischen Ansatz dieser Arbeit. Die ethologische und psychotherapiewissenschaftliche Perspektive auf die biologischen Grundlagen der Spiritualität erlaubt eine präzisere Beschreibung dessen, was unter Spiritualität verstanden werden kann.

Abstract

This work charts a line from the development of empathy in mammals through to human’s spiritual capability. The reference to Biology is not based on a hypothetical „God gene“ or „religious module“ in the brain, but rather on Ethology-based research and observation of natural behaviour, primarily of the great apes. A discussion already exists in Ethology through to the human capacity for morality. As spirituality is connected with personal experience, meaning and values, the gap cannot be bridged on the basis of input from Biology. In order to close this gap; methodical scientific psychotherapy models have been incorporated. They enable a connection to be made to the point where the first person perspective of personal spiritual experience begins. The strict examination of understanding from an intuitive and a scientific perspective and placing both on an equivalent level is the basis for a non-reductionist approach of this work. The ethological and scientific psychotherapy perspectives on the biological basis of spirituality allow a more precise description of what can be understood by spirituality.

Über den Autor / die Autorin

Mario Schlegel

Dr. sc. nat. ETH, dipl. natw. biologischer Anthropologe (Uni. Zürich). Dissertation in Verhaltenswissenschaften an der ETH Zürich. Psychotherapie Ausbildung am C.G. Jung-Institut Zürich, heute Dozent, Lehranalytiker und Supervisor. Leiter des Forschungskolloquiums am C. G. Jung-Institut Zürich; Vorsitzender der Wissenschaftskommission der Schweizer Charta für Psychotherapie, Co-Präsident des Internationalen Netzwerkes Forschung und Entwicklung in der Analytischen Psychologie Dreiländergruppe (INFAP3). Mitbegründer und Redaktor der Zeitschrift „Psychotherapie-Wissenschaft“. Psychotherapeut ASP in eigener Praxis. Arbeitsschwerpunkt: Dialog zwischen den Therapieschulen und die Biologie der Intersubjektivität.

Autorenbeteiligungen

Der Autor übernimmt die volle Verantwortung für den gesamten Inhalt und die Einreichung des Manuskripts.

Forschungsförderung

Keine Forschungsförderung.

Widerstreitende Interessen

Der Autor gibt an, dass keine Interessenkonflikte bestehen.

Erklärung zur ethischen Zulassung

Für die Forschungsarbeit wurden keine Daten von Menschen erhoben.

Author contributions

The author has accepted responsibility for the entire content of this submitted manuscript and approved submission.

Research funding

None declared.

Competing interests

The author states no potential conflict of interest.

Ethical approval

The conducted research is not related to human use.

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Online erschienen: 2020-01-15
Erschienen im Druck: 2020-01-08

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Artikel in diesem Heft

  1. Frontmatter
  2. Frontmatter
  3. Editorial
  4. Säkulare Spiritualitäten
  5. Originalia
  6. Ehrfurcht/Dankbarkeit als säkulare Form der Spiritualität bei jungen Erwachsenen und Ordens-Christen
  7. Spiritualität – Eine evolutionäre und psychotherapiewissenschaftliche Perspektive
  8. Was ist mit der Philosophie in Spiritual Care?
  9. Sozialgerichte, Spiritualität und Seelsorge
  10. Dokumentation
  11. Sozialgericht Karlsruhe Urteil S 9 KR 1621/17 vom 28.02.2019 (rechtskräftig)
  12. Kasuistik
  13. Fallbeschreibung aus Sicht des Medizincontrollers
  14. Seelsorgliche Begleitung auf einer onkologischen Station
  15. Essay
  16. Ein Durchbruch für das Recht auf spirituelle Begleitung
  17. Kommentar
  18. Die ganze Wirklichkeit in den Blick genommen
  19. Kasuistik
  20. Gertrud oder: Krankenhausseelsorge – Ein Qualitätsmerkmal palliativer Komplexbehandlung
  21. Spiritueller Impuls
  22. Das Zeitliche segnen
  23. Erfahrungsbericht
  24. Bericht über Seelsorge im Rahmen von FELASA B-Kursen an der Tierärztlichen Hochschule Hannover
  25. Essay
  26. Patienten auf den Weg bringen – Ansatzpunkte für Spiritual Care in der Onkologie
  27. Erfahrungsbericht
  28. Wie nutzen Studierende das Online-Seminar „Spiritual Care – Emergency Care – Palliative Care (SEPCare)“?
  29. Tagungsbericht
  30. Von Angesicht zu Angesicht: Die spirituelle Dimension im klinischen Alltag
  31. Charting Spiritual Care? Spitalseelsorge und klinische Dokumentation
  32. Interview
  33. Zwiespältigkeit von Religion und Spiritualität im Kontext von Flucht und Migration
  34. Stichwort
  35. Körper/Leib
  36. Rezensionen
  37. René Pahud de Mortanges, Hansjörg Schmid, Irene Becci (Hg.) (2018) Spitalseelsorge in einer vielfältigen Schweiz. Interreligiöse, rechtliche und praktische Herausforderungen. Zürich: Schulthess Verlag. ISBN 978-3-7255-7809-2; 290 Seiten; Preis CHF 79.00.
  38. Stephan M. Probst (Hg.) (2019) Das Antlitz der Alten umschönen. Von Umgang mit dem Älterwerden und dem Alter im Judentum. Berlin: Hentrich & Hentrich. ISBN: 978-3-95565-312-5; 244 Seiten, Preis: 19,90 €
  39. Isabelle Noth, Georg Wenz, Emmanuel Schweizer (Hg.) (2017) Pastoral and Spiritual Care Across Religions – Seelsorge und Spiritual Care in interkultureller Perspektive. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-7887-3087-1; 230 Seiten; Preis: 30,00 €, E-Book: 25,99 €
  40. Mitteilungen
  41. Mitteilungen
Heruntergeladen am 5.2.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/spircare-2019-0050/html?lang=de
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