Knut Wicksell: Zum Geburtstag des Begründers einer kritischen Vertragstheorie
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Jörg Markt
Zusammenfassung
Im vorliegenden Beitrag wird Knut Wicksell anläßlich seines 150. Geburtstages gewürdigt. Zunächst wird Wicksells Leben und Werk kurz vorgestellt, bevor auf seine zentralen Leistungen für die Theorie der Besteuerung eingegangen wird. Das von Wicksell entwickelte Prinzip der Einstimmigkeit ist Grundlage einer ökonomischen Vertragstheorie, mit der dem Bürger Möglichkeiten von Kooperationsvorteilen aufgrund der Bereitstellung bestimmter öffentlicher Leistungen aufgezeigt werden können.
Wicksell wird in dem Beitrag als Begründer einer kritischen Vertragstheorie präsentiert. Eine kritische Vertragstheorie muß drei Elemente beinhalten: Als erstes muß ihre Argumentation streng individualistisch sein. Zweitens sollte nach einem gerechten Verfahren und nicht nach einem „gerechten“ Ergebnis bei der Bestimmung öffentlicher Aufgaben gesucht werden. Und drittens sollte eine kritische Vertragstheorie die Verteilungsfrage nicht aus dem Blick verlieren. Alle drei Elemente wurzeln im Wicksellschen Werk. Obwohl Wicksell der Lösung der Verteilungsfrage, mit dem von mir als „produktive Regeln der Umverteilung“ bezeichneten Konzept, sehr nahestand, war er selbst bezüglich ihrer prinzipiellen Lösung eher pessimistisch.
Bei kritischer Betrachtung fällt auf, daß Wicksell in seinem Modell die Entscheidungskosten nicht berücksichtigte. Daher wird am Schluß des Beitrages dargelegt, wie ihre Berücksichtigung Möglichkeiten für weitere Forschung bietet.
Summary
On the occasion of his 150th birthday this paper serves the purpose of honouring Knut Wicksell. First, the life and work of Wicksell is portrayed. Subsequently, the attention is directed to his central contribution to the theory of taxation. The contemporary economic contract theory mainly rests upon the principle of unanimity developed by Wicksell. This principle is apt to guide the citizens’ search for mutual gains from cooperation through the provision of public goods.
Wicksell is presented as the founder of a “critical contract theory”. Such a critical contract theory must comprise three basic elements: Firstly, its reasoning has to be strictly individualistic. Secondly, it has to be, pertaining to the finding of public functions and to the provision of public goods, in search of a procedural as opposed to an outcome oriented justice. Thirdly, a critical contract theory should not lose sight of social and distributive issues. In this contribution it is suggested that all three elements of the critical contract theory are rooted in Wicksell’s work. Even though Wicksell develops what I prefer to call the concept of “Productive Rules for Redistribution” and thereby approximates a solution for the problem of distribution, he himself remains remarkably pessimistic about the solvability of the problem of a just distribution.
After careful consideration it strikes that Wicksell did not explicitly consider the costs of decision making. In this regard, the paper concludes by offering a range of possibilities for future research.
© 2001 by Lucius & Lucius, Stuttgart
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