Zusammenfassung
Die privilegierte Stellung der Gattung Märchen wird vor dem Hintergrund der grundsätzlich skeptizistischen Haltung der Frühromantik behandelt. Differenzen zur Grimmschen Märchenpoetik treten hervor. Das Märchen von Hyazinth und Rosenblüte besitzt in seinem Kontext, im Romanfragment Die Lehrlinge zu Sais, die Funktion einer frühromantischen Selbstkritik. Die Suche nach der unerreichbaren höchsten Evidenz wird in Liebeserfahrung und Familiengründung aufgelöst. Dieser Lösungsvorschlag behält aber in der Vielstimmigkeit der Rahmenerzählung den Status einer Option - der Skeptizimus wird nicht außer Kraft gesetzt.
Summary
The privileged position of the genre of the fairytale is dealt with in the light of the general scepticism prevailing in early Romanticism. With regard to the poetological concept of the Brothers Grimm, some significant differences emerge. The fairytale of Hyazinth and Rosenblüte functions as self-criticism within its original context, the fragmentary novel Die Lehrlinge zu Sais. The search for the unattainable ultimate evidence is dissipated by the experience of love and setting up a family. Woven into the polyphony of the frame narrative, this approach remains, however, an option only - scepticism is not overruled by it.
Résumé
La position privilégiée du genre du conte de fées est traitée dans le contexte de l’attitude fondamentalement sceptique du premier romantisme allemand. Sa poétique du conte diffère nettement de celle des frères Grimm. Le conte de Hyazinth et Rosenblüte qui est inséré dans le roman fragmentaire Die Lehrlinge zu Sais exerce dans ce contexte une fonction d’autocritique qui est caractéristique du premier romantisme allemand. La recherche de l’évidence ultime et inaccessible se dissolue dans ce conte dans l’expérience d’aimer et de fonder une famille. Ne représentant qu’une seule voix dans la polyphonie du récit-cadre, cette solution reste cependant une pure possibilité : le scepticisme n’en est pas annulé.
© 2014 by Walter de Gruyter Berlin/Boston
Artikel in diesem Heft
- Titelei
- I. Aufsätze
- Das aufgeklärte Märchen: Eine europäische Erfolgsgattung von Mme d’Aulnoy und Perrault bis zu den Brüdern Grimm. Einleitung zum Tagungsband
- 1. Das aufgeklärte Märchen: Problemskizzen
- Es war einmal Das Märchen als gegenwartsorientierte, dynamische Gattung
- Natürlich übernatürlich: das aufgeklärte Märchen
- Der discours des aufgeklärten Märchens. Märchenerzählen bei Wieland, Musäus und den Grimms
- 2. Fallstudien
- Märchen und Aufklärung im Frankreich des 18. Jahrhunderts
- Der ‚Hang zum Wunderbaren‘ und die ‚Liebe zur Wahrheit‘ Märchen und Aufklärung bei Wieland
- „Ohne Poesie läßt sich nichts in der Welt wirken, Poesie aber ist Mährchen.“ Zu Johann Wolfgang von Goethes Märchen und zu seinem Mährchen
- Spielerische Komplexitätsreduktion. Das Märchen von Hyazinth und Rosenblüte aus Friedrich von Hardenbergs Romanfragment Die Lehrlinge zu Sais
- Das Märchen als Provokation: Ludwig Tiecks Volksmährchen herausgegeben von Peter Leberecht
- 3. Die Neuerfindung der Gattung und deren Folgen: Die Kinderund Hausmärchen der Grimms
- Zerstreute Autorschaft. Anonymität als Autorisierungsfunktion Grimmscher Märchen
- Die Austreibung der Schrift durch die Schrift Zur philologisch-historischen Reflexion von Mündlichkeit nach 1800 am Beispiel der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen
- V. Besprechungen
- VII. Eingesandte Bücher
Artikel in diesem Heft
- Titelei
- I. Aufsätze
- Das aufgeklärte Märchen: Eine europäische Erfolgsgattung von Mme d’Aulnoy und Perrault bis zu den Brüdern Grimm. Einleitung zum Tagungsband
- 1. Das aufgeklärte Märchen: Problemskizzen
- Es war einmal Das Märchen als gegenwartsorientierte, dynamische Gattung
- Natürlich übernatürlich: das aufgeklärte Märchen
- Der discours des aufgeklärten Märchens. Märchenerzählen bei Wieland, Musäus und den Grimms
- 2. Fallstudien
- Märchen und Aufklärung im Frankreich des 18. Jahrhunderts
- Der ‚Hang zum Wunderbaren‘ und die ‚Liebe zur Wahrheit‘ Märchen und Aufklärung bei Wieland
- „Ohne Poesie läßt sich nichts in der Welt wirken, Poesie aber ist Mährchen.“ Zu Johann Wolfgang von Goethes Märchen und zu seinem Mährchen
- Spielerische Komplexitätsreduktion. Das Märchen von Hyazinth und Rosenblüte aus Friedrich von Hardenbergs Romanfragment Die Lehrlinge zu Sais
- Das Märchen als Provokation: Ludwig Tiecks Volksmährchen herausgegeben von Peter Leberecht
- 3. Die Neuerfindung der Gattung und deren Folgen: Die Kinderund Hausmärchen der Grimms
- Zerstreute Autorschaft. Anonymität als Autorisierungsfunktion Grimmscher Märchen
- Die Austreibung der Schrift durch die Schrift Zur philologisch-historischen Reflexion von Mündlichkeit nach 1800 am Beispiel der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen
- V. Besprechungen
- VII. Eingesandte Bücher