Zusammenfassung
Der Beitrag behandelt das spannungsvolle Verhältnis von ‚Wahrem‘ und ‚Wunderbarem‘, das für Wieland tief in der menschlichen Psyche und Kulturgeschichte verwurzelt ist, als besonderes Kennzeichen seiner aufgeklärten Märchen. Er untersucht dazu sowohl die Märchen im Kontext von Wielands Romanen als auch seine märchenhaften Verserzählungen und seine Märchensammlung Dschinnistan. Auf formaler Ebene arbeitet Wieland vor allem mit Verfahren der Illusionsbrechung. Er führt außerdem verschiedene naturalistische Chiffren für übernatürliche Phänomene ein. Schließlich wird vor allem das philosophische Märchen als ‚Lehrart sokratischer Weisheit‘ erprobt.
Summary
The article deals with the relation of ‘truth’ and the ‘marvellous’ as a distinguishing characteristic of Wieland’s enlightened tale. It examines the fairytale in the context of Wieland’s novels as well as his verse tales and his tale collection Dschinnistan. In these different genres Wieland uses different methods to deal with the friction of ‘truth’ and the ‘marvellous’, which in his view is deeply rooted in the human psyche and history. On a formal level he works with techniques of illusion-breaking. He also introduces naturalistic ciphers for supernatural phenomena (e.g., the dream). Especially the philosophical tale is being tested as a ‘Socratic method of teaching wisdom’.
Résumé
D’après Christoph Martin Wieland, la relation entre le ‹ vrai › et le ‹ merveilleux › est profondément ancré dans l’histoire culturelle et dans l’âme humaine. Le présent article se propose d’étudier la façon dont cette tension se manifeste dans les contes de fées de Wieland. À cette fin, ses contes seront lus dans le contexte de ses romans, de ses poèmes en vers et de son recueil de contes Dschinnistan. Au niveau formel, Wieland multiplie les ruptures de l’illusion. Il introduit des chiffres naturalistes pour des phénomènes surnaturels (p. e. le rêve) et il explore dans quelle mesure le conte de fée peut servir comme ‹ méthode socratique d’enseigner la sagesse ›.
© 2014 by Walter de Gruyter Berlin/Boston
Artikel in diesem Heft
- Titelei
- I. Aufsätze
- Das aufgeklärte Märchen: Eine europäische Erfolgsgattung von Mme d’Aulnoy und Perrault bis zu den Brüdern Grimm. Einleitung zum Tagungsband
- 1. Das aufgeklärte Märchen: Problemskizzen
- Es war einmal Das Märchen als gegenwartsorientierte, dynamische Gattung
- Natürlich übernatürlich: das aufgeklärte Märchen
- Der discours des aufgeklärten Märchens. Märchenerzählen bei Wieland, Musäus und den Grimms
- 2. Fallstudien
- Märchen und Aufklärung im Frankreich des 18. Jahrhunderts
- Der ‚Hang zum Wunderbaren‘ und die ‚Liebe zur Wahrheit‘ Märchen und Aufklärung bei Wieland
- „Ohne Poesie läßt sich nichts in der Welt wirken, Poesie aber ist Mährchen.“ Zu Johann Wolfgang von Goethes Märchen und zu seinem Mährchen
- Spielerische Komplexitätsreduktion. Das Märchen von Hyazinth und Rosenblüte aus Friedrich von Hardenbergs Romanfragment Die Lehrlinge zu Sais
- Das Märchen als Provokation: Ludwig Tiecks Volksmährchen herausgegeben von Peter Leberecht
- 3. Die Neuerfindung der Gattung und deren Folgen: Die Kinderund Hausmärchen der Grimms
- Zerstreute Autorschaft. Anonymität als Autorisierungsfunktion Grimmscher Märchen
- Die Austreibung der Schrift durch die Schrift Zur philologisch-historischen Reflexion von Mündlichkeit nach 1800 am Beispiel der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen
- V. Besprechungen
- VII. Eingesandte Bücher
Artikel in diesem Heft
- Titelei
- I. Aufsätze
- Das aufgeklärte Märchen: Eine europäische Erfolgsgattung von Mme d’Aulnoy und Perrault bis zu den Brüdern Grimm. Einleitung zum Tagungsband
- 1. Das aufgeklärte Märchen: Problemskizzen
- Es war einmal Das Märchen als gegenwartsorientierte, dynamische Gattung
- Natürlich übernatürlich: das aufgeklärte Märchen
- Der discours des aufgeklärten Märchens. Märchenerzählen bei Wieland, Musäus und den Grimms
- 2. Fallstudien
- Märchen und Aufklärung im Frankreich des 18. Jahrhunderts
- Der ‚Hang zum Wunderbaren‘ und die ‚Liebe zur Wahrheit‘ Märchen und Aufklärung bei Wieland
- „Ohne Poesie läßt sich nichts in der Welt wirken, Poesie aber ist Mährchen.“ Zu Johann Wolfgang von Goethes Märchen und zu seinem Mährchen
- Spielerische Komplexitätsreduktion. Das Märchen von Hyazinth und Rosenblüte aus Friedrich von Hardenbergs Romanfragment Die Lehrlinge zu Sais
- Das Märchen als Provokation: Ludwig Tiecks Volksmährchen herausgegeben von Peter Leberecht
- 3. Die Neuerfindung der Gattung und deren Folgen: Die Kinderund Hausmärchen der Grimms
- Zerstreute Autorschaft. Anonymität als Autorisierungsfunktion Grimmscher Märchen
- Die Austreibung der Schrift durch die Schrift Zur philologisch-historischen Reflexion von Mündlichkeit nach 1800 am Beispiel der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen
- V. Besprechungen
- VII. Eingesandte Bücher