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5. Hessischer Fachwirtlehrgang beendet

  • Karin Holste-Flinspach EMAIL logo
Published/Copyright: September 3, 2025
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Abstract

Mit dem Ablegen der Prüfung zu Fachwirten für Informationsdienste beendeten die Teilnehmenden des 5. Hessischen Fachwirtlehrgangs ihre Weiterbildung. Somit hat sich bundesweit die Anzahl der Fachwirte im Bibliotheks- und Archivsektor auf 88 erhöht.

Abstract

The participants in the 5th Hessian specialist training course successfully completed the programme by taking their exams as specialists in media and information services. Nationwide, the number of media and information specialists in the library and archiving sector has thus further increased to 88.

Mit der abschließenden Teilprüfung der Teilnehmenden des 5. Hessischen Fachwirtlehrgangs Ende August des Jahres – gestartet im Januar 2023 – erhöhte sich die bundesweite Gesamtzahl der Fachwirte in Bibliotheken, Archiven und Dokumentationsstellen auf 88.

Die berufsbegleitenden Fachwirtfortbildungslehrgänge in Hessen werden seit 2009[1] in Frankfurt am Main durchgeführt.

Vorangegangen war 2005 eine Empfehlung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHT) und von ver.di zur Fachwirtfortbildung für Angestellte im Bereich Bibliothek, Archive und Dokumentationsstellen[2] zu geprüften Fachwirten für Informationsdienste als Basis des Erlasses von Prüfungsordnungen für eine öffentlich-rechtliche Prüfung nach Maßgabe des Berufsbildungsgesetzes durch die zuständigen Stellen[3].

Abb. 1: Die Teilnehmenden des 5. Hessischen Fachwirtlehrgangs.
Abb. 1:

Die Teilnehmenden des 5. Hessischen Fachwirtlehrgangs.

Aufstiegsfortbildungen zu Fachwirten sollen durch die Erweiterung des Fachwissens, der Kenntnisse und Fähigkeiten sowie methodischer und persönlicher Kompetenzen zur Wahrnehmung höherwertiger, komplexer und verantwortungsvoller Aufgaben mit Fach- und Führungsverantwortung qualifizieren. Fachwirt und Bachelor werden im deutschen und europäischen Qualifikationsrahmen[4] dem Niveau 6 zugewiesen – sie gelten grundsätzlich als gleichwertige, wenn auch nicht gleichartige Abschlüsse.

Auf den Empfehlungen basierend erließen die Handelskammer Hamburg, die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern neben Stellen des öffentlichen Dienstes bei der Bundesverwaltung, in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachen entsprechende Fachwirtprüfungsordnungen. Zur Umsetzung kam es jedoch nur in Nordrhein-Westfalen und Hessen. In Niedersachsen wurde aufgrund des 2012 eingeführten Studienangebotes an der Hochschule Hannover für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste darauf verzichtet.

Zeitlich gesehen wurde ein Fachwirtfortbildungsangebot für Angehörige der mittleren beruflichen Ebene in Bibliotheken, Archiven und Dokumentationsstellen erst spät, 11 Jahre nach Inkrafttreten der Ausbildungsordnung der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste im Jahr 1998 eingerichtet und bis vor ungefähr einem Jahrzehnt zunächst durch eine Präferierung des Zugangs zu (berufsbegleitenden) Studiengängen seitens der Berufsverbände und zuständigen Stellen erschwert.

Das erste Fachwirtfortbildungsangebot wurde 2009 als Lehrgang beim Verwaltungsseminar Frankfurt am Main berufsbegleitend eingerichtet. Im Jahr 2012 begann in Nordrhein-Westfalen einmalig ein Fachwirtlehrgang.

Der jetzt abgeschlossene Lehrgang – organisiert wiederum vom Hessischen Verwaltungsschulverband (Verwaltungsseminar in Frankfurt am Main[5]) – begann Anfang 2023.

Von Zeitdauer (gut 2,5 Jahre), Curriculum und Prüfungsablauf entsprach der jüngste Lehrgang den Vorgängern.[6]

Das Curriculum für die 620 Unterrichtsstunden umfasste sowohl handlungsfeldübergreifende als auch spezifische Fächer:

  • Lern- und Arbeitsmethodik

  • Aspekte der Volks- und Betriebswirtschaft, Recht und Steuern

  • Organisation, Informationsmanagement, Rechnungswesen und Controlling

  • Personalwirtschaft, Führung und Kommunikation

  • Informationsprozesse und Informationssystem

  • Berufsspezifisches Recht

  • Archivieren, Erhalten, Sichern und Vermitteln von Informationen und Dokumenten

In zwei Teilprüfungen wurden abgeprüft:

Teilprüfung I:

  1. Aspekte der Volks- und Betriebswirtschaft, Recht und Steuern

  2. Organisation, Informationsmanagement, Rechnungswesen und Controlling (inkl. Unternehmensführung und Projektmanagement)

  3. Personalwirtschaft, Führung und Kommunikation (inkl. Personal- und Berufsbildungsrecht)

Teilprüfung II:

  1. Informationsprozesse und Informationssysteme, berufsspezifisches Recht

  2. Archivieren, Erhalten, Sichern, Vermitteln von Informationen und Dokumenten

Praxisbezogene Projektarbeiten mit einer breit gestreuten Thematik von FOLIO-Schulungskonzepten bis zu Lego-Education, deren Präsentation und Erörterung sowie ein Fachgespräch, beendeten die Fachwirtprüfungen.

Hessische Fachwirtlehrgänge in Zahlen

Frauenquote

76 %

Bibliotheksanteil insgesamt

88 %

davon Öffentliche Bibliothek

44 %

Herkunft Bundesland

Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen

Öffentlicher Dienst als Arbeitsgeber

94 %

Zulassungsvoraussetzung zur Lehrgangsteilnahme war und ist in Hessen die Fachangestelltenausbildung, alternativ ein anderer Berufsabschluss im Bereich Archiv, Bibliothek bzw. IuD sowie eine anschließende einschlägige Berufstätigkeit mit einer abschlussnotenabhängigen Dauer.

Der Ausrichtung des Lehrgangs entsprechend kamen die Teilnehmenden bei allen Maßnahmen fast ausschließlich aus Bibliotheken, aber auch der Archivsektor war in jedem Kurs vertreten. Auch steht der Lehrgang Teilnehmern aus allen Bundesländern offen, die Teilnehmenden in Frankfurt kamen überwiegend aus Hessen und Rheinland-Pfalz.

Eine wesentliche Änderung gab es 2023 bei der Unterrichtsorganisation. So wurde im Gegensatz zu den Vorgängerlehrgängen mit Präsenztagen freitags und ggf. samstags (außerhalb der hessischen Schulferien) in Frankfurt am Main, der fünfte Lehrgang hybrid angelegt mit zahlreichen Digitalschalten und nur wenigen Vorortterminen. Damit öffnete sich die Aufstiegsfortbildung für ausgebildete Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste weitgehend unabhängig vom Wohnort und konnte helfen, Kosten und Zeitaufwand für Übernachtungen und Fahrtwege einzusparen sowie eine bessere Vereinbarkeit von beruflichen sowie familiären Verpflichtungen und der Lehrgangsteilnahme zu erleichtern. Denn ohne Rechtsanspruch auf arbeitgeberseitige Kostenübernahme und/oder Gewährung der erforderlichen (idealerweise vergüteten) Freistellung für Präsenz- und Fernstudientage kann insbesondere die Lehrgangsfinanzierung herausfordernd werden – neben dem erforderlichen hohen zeitlichen Engagement neben der Erwerbstätigkeit. Dies dürfte neben dem durch die Einstellung der Bibliotheks-Fernweiterbildung in Potsdam noch weiter dezimierten Weiterbildungsangebot vielleicht auch mit ein Grund gewesen sein für die weit mehr als 20 Teilnehmenden des fünften Kurses.

Abb. 2: Zeitschiene der Fachwirtlehrgänge.
Abb. 2:

Zeitschiene der Fachwirtlehrgänge.

Und die Zukunft des Fachwirts?

Hier kann sich insbesondere die in Kürze bevorstehende Neuordnung der FaMI-Ausbildung als förderlich erweisen, da für Absolventen dualer beruflicher Erstausbildungen laut dem Berufsbildungsgesetz generell aufstiegsorientierte, berufsbegleitende Fortbildungsangebote mit entsprechendem Abschluss vorzusehen sind, idealerweise nach § 53 Berufsbildungsgesetz bundeseinheitlich geregelt im Einvernehmen der Bundesministerien für Bildung und Forschung sowie Wirtschaft und Technologie[7]. Unabhängig davon erfordert aber schon allein die demographische Entwicklung mit der zunehmend herausfordernder werdenden Akquise neuer Mitarbeitender, der Fachkräftemangel generell Optionen des beruflichen Aufstiegs durch anerkannte (auch tarifpolitisch verankerte) berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten.

Online erschienen: 2025-09-03
Erschienen im Druck: 2025-08-28

© 2025 bei den Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 9.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2025-0071/html
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