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Rezension des „Farbenbuches“ – herausgegeben von Stefan Muntwyler, Juraj Lipscher und Hanspeter Schneider

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Veröffentlicht/Copyright: 28. November 2024
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Abb. 1: Muntwyler, Stefan; Lipscher; Juraj; Schneider, Hanspeter: Das Farbenbuch.
Abb. 1:

Muntwyler, Stefan; Lipscher; Juraj; Schneider, Hanspeter: Das Farbenbuch.

Wen das faszinierende Farbspiel in unserer natürlichen und vom Menschen geschaffenen Umwelt begeistert und wer sich zudem für das natürliche Vorkommen, für Herstellung und Eigenschaften sowie für die vielfältigen Rezepturen, Auftragstechniken und Anwendungsgebiete von natürlichen und synthetischen Farbmitteln interessiert, dem sei dieser nicht nur farbprächtige Band aus dem Schweizer alataverlag wärmstens empfohlen.

Eine leuchtend orange Banderole umschließt das Werk als ob sie, zusätzlich zum in Halbleinen gestalteten Bucheinband, das Innere zusammenhalten und beschützen soll.

An diesem Referenzwerk haben 25 Autorinnen und Autoren gearbeitet. Sie haben ihr Wissen und ihre langjährigen Erfahrungen auf knapp 500 Seiten in vorbildlicher Art und Weise interdisziplinär zusammengefasst. Die Texte werden ergänzt durch mehr als 1.000 Abbildungen im beeindruckenden, die Darstellung feinster Farbnuancen ermöglichenden, 18-Farbdruck (üblich ist für Kunst- und Bildbände ein 4-Farbdruck). Insgesamt werden 367 Pigmente/Farbstoffe, 693 Farbmuster auf Papier und 78 Färbungen auf Wolle und Seide gezeigt und besprochen. Reproduktionen und Farbanalysen von 19 Aquarellen mit Farbstoffen aus Färberpflanzen und von 213 Gemälden, Statuen und Wandmalereien mit natürlichen und/oder synthetischen Farbmitteln zeigen deren Vielfalt in weltbekannten Kunstgütern.

Für die in Heft 5/2024 der Zeitschrift „Bibliotheksdienst“ und ebenso in der vorliegenden Ausgabe (12/2024) diskutierten arsenhaltigen natürlichen Pigmente Auripigment und Realgar und für das in jüngster Zeit erneut heftig diskutierte synthetische Pigment Schweinfurter Grün finden sich in diesem Buch, wie für alle anderen 367 Farbmittel, ausführliche Beschreibungen mit Angaben zu Namen und Synonymen, chemischer Zusammensetzung und Formeln, Biologie, Vorkommen, Produktion und Herstellung, Historischem, Eigenschaften, Bindemitteleignung und Anmerkungen. Dem Schweinfurter Grün wird eine der 19 „Farbgeschichten“ unter dem Titel „Schweinfurter Grün. Zwischen verführerischer Brillanz und giftigen Tapeten“ gewidmet.

Abb. 2: Vitrine auf dem Sächsischen Werkstatttag für Bestandserhaltung 2024 in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden (siehe den Beitrag in diesem Heft). Gezeigt werden zwei Exemplare von „Das Farbenbuch“ (alataverlag), rechts: Titel in Halbleinen, links: Seiten 90–91 mit dem Beitrag zu Schweinfurter Grün (SG) und Papierfärbungen unter Verwendung dreier SG-Pigmente aus unterschiedlicher Herstellung und jeweils mit ein- bis dreifachem Farbauftrag, links: Pigmentproben von Schweinfurter Grün (leuchtend grün), Auripigment (gelb), Realgar (orange) und Conichalcit (lindgrün) (Leihgaben von Kremer Pigmente aus Aichstetten bei Ravensburg. Foto: SLUB, Kohlert).
Abb. 2:

Vitrine auf dem Sächsischen Werkstatttag für Bestandserhaltung 2024 in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden (siehe den Beitrag in diesem Heft). Gezeigt werden zwei Exemplare von „Das Farbenbuch“ (alataverlag), rechts: Titel in Halbleinen, links: Seiten 90–91 mit dem Beitrag zu Schweinfurter Grün (SG) und Papierfärbungen unter Verwendung dreier SG-Pigmente aus unterschiedlicher Herstellung und jeweils mit ein- bis dreifachem Farbauftrag, links: Pigmentproben von Schweinfurter Grün (leuchtend grün), Auripigment (gelb), Realgar (orange) und Conichalcit (lindgrün) (Leihgaben von Kremer Pigmente aus Aichstetten bei Ravensburg. Foto: SLUB, Kohlert).

Auch das etwa 260 Seiten umfassende Kapitel „Kompendium der Pigmente und Farbstoffe“ mit den Unterkapiteln: Einführung – Natürliche anorganische Farbmittel – Synthetische anorganische Farbmittel – Natürliche Tier- und Pflanzenfarbmittel – Synthetische organische Farbmittel sollte nicht nur Chemikern, Künstlern, Restauratoren und Konservatoren, sondern auch interessierten Laien eine Quelle der Information und Inspiration sein.

Wie stark der Farbeindruck eines Pigmentes oder Farbmittels von dessen Körnung, Bindemittel, Konzentration, Untergrund und Auftragstechnik abhängt, wird immer wieder sehr eindrucksvoll anhand von Färbungen von Papier und Textilien demonstriert (Abbildung 2).

Spannend liest sich auch das Kapitel „Pigmentanalysen“ (50 Seiten), in dem wichtige kunstwissenschaftliche Untersuchungsmethoden kurz vorgestellt werden, vor allem aber Pigmentanalysen von 11 Gemälden auf Holz oder Leinwand. Das in historischem Schriftgut immer wieder nachweisbare Schweinfurter Grün war im mittleren bis späten 19. Jahrhundert nicht nur im Buchdruck, sondern in der Bildenden Kunst als solche sowie im Handwerk ein wichtiges und häufig eingesetztes Pigment, oft im Gemisch und/oder gemeinsam mit anderen heute als toxikologisch bedenklich bewerteten Pigmenten, zum Beispiel Zinnober (HgS), Cadmiumgelb (CdS), Chromgelb (PbCrO4), Bleiweiß ((PbCO3)2 • Pb(OH)2) oder Mennige (Pb3O4). Dass die beiden letztgenannten bleihaltigen Pigmente seit der Antike und zumindest im Fall von Bleiweiß bis um 1900 auch als Schminke verwendet wurden, erfährt man, neben so vielem anderen, auch beim Studium dieses Bandes.

Erläuterungen zum 18-Farbendruck, Biografien der Autorinnen und Autoren, ein Glossar, ein Farbmittelverzeichnis und Bildnachweise schließen den üppigen Band ab. Er atmet die Begeisterung und das Engagement aller an dessen Entstehung Beteiligten. Leider konnte Stefan Muntwyler (Farbforscher, Künstler, Buchautor und Ko-Herausgeber von „Das Farbenbuch“) den großen Erfolg dieses Werkes nur noch kurz genießen; er verstarb im Oktober 2023 im Alter von 69 Jahren. Umso mehr wünscht man dem Buch eine große Verbreitung in privaten Büchersammlungen, in Öffentlichen Bibliotheken und in anderen Kultureinrichtungen – es wäre eine adäquate Form, den Herausgebern und Autoren sowie dem Verlag für ihre Passion und für ihr Engagement die Referenz zu erweisen.

Die Rezension basiert auf einem regulär im alataverlag erworbenen privaten Exemplar von „Das Farbenbuch“.


Article Note

Muntwyler, Stefan; Lipscher; Juraj; Schneider, Hanspeter (Hrsg.): Das Farbenbuch. 367 Pigmente – Farbstoffe – 19 Farbgeschichten. 17 Pigmentanalysen von Gemälden. 2. Aufl. Elsau, Schweiz: alataverlag, 2023. – 496 Seiten: über 1.000 Abb. im 18-Farbendruck; 34 cm. – ISBN: 978-3-0330-8879-5. Festeinband: CHF1 96,00.


Online erschienen: 2024-11-28
Erschienen im Druck: 2024-11-26

© 2024 bei den Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Heruntergeladen am 18.4.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2024-0106/html
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