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Die Burg Bibliothek - ein Ort der Inspiration

  • Petra Runge

    Petra Runge

    Foto: Matthias Ritzmann.

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Published/Copyright: December 4, 2019
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Abstract

Die Burg Bibliothek ist das mediale Zentrum der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Das Zusammenwirken freier und angewandter Disziplinen sowie die künstlerischen und gestalterischen Bereiche sind für das Profil der Kunsthochschule bestimmend und damit auch für das Profil der Burg Bibliothek. Heute ist die Einrichtung die wichtigste und umfassendste wissenschaftliche Spezialbibliothek zu Kunst und Design des 20./21. Jahrhunderts im mitteldeutschen Raum. Sie umfasst zudem eine Materialsammlung, auch sind das Hochschularchiv sowie die Kustodie der Bibliothek zugeordnet. Der 2015 entstandene Architekturneubau ist inzwischen mehrfach preisgekrönt.

Abstract

The “Burg Bibliothek” library is the media centre of Burg Giebichenstein’s Art and Design College in Halle. Combining liberal arts and applied disciplines to build a bridge between art and design is the hallmark of the art academy and also defines the profile of the new “Burg Bibliothek”. The institution is the most important and comprehensive academic special library for art and design in the central German region today. It also houses a significant collection of materials; the academy’s archive and the library’s custody are allocated units. The architecturally intriguing new building was completed in 2015 and has already won several awards.

Die Burg Bibliothek ist das mediale Zentrum der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Das Zusammenwirken freier und angewandter Disziplinen sowie die künstlerischen und gestalterischen Bereiche sind für das Profil der Kunsthochschule bestimmend und damit auch für das Profil der Burg Bibliothek. Heute ist die Einrichtung die wichtigste und umfassendste wissenschaftliche Spezialbibliothek zu Kunst und Design des 20./21. Jahrhunderts im mitteldeutschen Raum.

Über 100 Jahre Bibliotheksgeschichte

Die Geschichte der heute über 1.000 Studierende zählenden Kunsthochschule spiegelt sich auch in der Bibliotheksgeschichte genau wider. Im ihrem Gründungsjahr 1915 übernahm die Schule als Grundstock für eine eigene Bibliothek Buchbestände aus der Vorgängereinrichtung, der Gewerblichen Zeichen- und Handwerkerschule. 1958 erhielt die Schule den Status einer Kunsthochschule. Dadurch wurde der Buchbestand zur Hochschulbibliothek, die nebenamtlich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Schule geführt wurde. 1979 übernahm erstmalig eine ausgebildete Bibliothekarin die Leitung der Bibliothek, erschloss den Bestand und baute ihn aus. Die Bibliothek wechselte des Öfteren ihren Standort innerhalb der Unterburg Giebichenstein.

1986 wurde sie schließlich aus dem heutigen Campus Kunst, dem historischen Burggelände, ausgelagert und erhielt 2001 ihren Sitz in einem umgewidmeten Plattenbau gegenüber der Burg Giebichenstein, im Sprachgebrauch genannt das „Weiße Haus“.

Ein Bibliotheksneubau entsteht - und überzeugt

Ursprünglich als Interimslösung für den geplanten Neubau der Burg Bibliothek gedacht, hatte die Zwischenlösung im „Weißen Haus“ dennoch ganze 15 Jahre Bestand. Das Jahr 2007/08 wurde schließlich für die Burg Bibliothek zu einem entscheidenden Jahr - der geplante Neubau wurde in das EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung)-Förderprogramm des Landes Sachsen-Anhalt aufgenommen, der Startschuss für alle folgenden Schritte war gegeben. Ein internationaler Architekturwettbewerb wurde 2011 für die neue „Mediathek - Bibliotheks- und Leistungszentrum für integriertes Informationsmanagement der Burg Giebichenstein“ ausgeschrieben. Aus 123 Bewerbungen wurden 30 Architekturbüros weltweit ausgewählt und zur Teilnahme am Wettbewerb eingeladen.

Schließlich überzeugen konnte der vom Dresdener Büro F 29 Architekten in Zusammenarbeit mit ZILA Freie Architekten Leipzig erarbeitete Entwurf, die mit der Umsetzung beauftragt wurden.

Unverhofft wurde im Zuge der Bauarbeiten auf einen wahren „Schatz“ gestoßen - archäologische Untersuchungen brachten einen sensationellen Fund ans Tageslicht. Es wurde der älteste, zusammenhängende Salzsiedeplatz auf dem Gebiet der Stadt Halle gefunden: eine 3.000 Jahre alte komplette Salzproduktionsstätte.

Trotz der Grabungen und Bergung dieser Funde konnte die Grundsteinlegung am 30. Januar 2014 erfolgen, nur anderthalb Jahre später im 100-jährigen Jubiläumsjahr der Kunsthochschule wurden Ende 2015 die neuen Räume der Bibliothek am Campus Design feierlich eröffnet.

Entstanden ist ein schlankes, linienförmiges Gebäude mit drei sichtbaren Vollgeschossen. Es ordnet sich der angrenzenden Villenarchitektur unter und ist dennoch klar und eigenständig. Die Ansicht wird durch eine Pfosten-Riegel-Fassade mit einer Verkleidung aus Lärchenvollholz optisch gegliedert. Dadurch fügt sie sich in die vorhandene parkähnliche Anlage am Campus Design und ihrer Umgebung ein. Der Entwurf und die Umsetzung konnte nicht nur Studierende und Lehrende vollends überzeugen, sondern auch die Fachwelt. Mehrfach wurde die Burg Bibliothek inzwischen preisgekrönt: Die Architektur wurde ausgezeichnet mit dem Deutschen Hochschulpreis (2016), dem Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt (2016), dem German Design Award (2017), dem Hannes-Meyer-Preis (2018) sowie jüngst mit dem BDA-Architekturpreis Nike in der Kategorie „Komposition“ (2019).

Sammlung und Bestände der Burg Bibliothek

Die Bibliothek richtet sich nicht nur an Studierende und Lehrende der Kunsthochschule, sie steht allen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Halle (Saale) 55 Stunden wöchentlich zur Verfügung und wird durch die Präsenz in den Medien auch gerne besucht.

Auf etwa 2.000 Quadratmetern stehen unterschiedliche Wissensquellen zur freien Verfügung. Der Eingangsbereich der Bibliothek empfängt die Gäste mit einer großen Ausleihtheke. Weiterhin befinden sich hier Schließfächer und Recherche-PCs. Lounge-Möbel vor der Ausleihtheke laden zum ersten Verweilen, Warten oder dazu ein, die Sicht auf den Campus Design der BURG zu genießen. Die Fläche im Foyer wird auch für Ausstellungen, etwa zur Jahresausstellung der Hochschule, genutzt. Der in die Bibliothek integrierte Seminarraum im Erdgeschoss erfreute sich bereits kurz nach der Bibliothekseröffnung regen Zuspruchs, ob für Fachkonferenzen, Senatssitzungen oder Projektvorstellungen von Studierenden.

Abb. 1: Thekenbereich. Foto: Sascha Linke.
Abb. 1:

Thekenbereich. Foto: Sascha Linke.

Die Besucherinnen und Besucher der Bibliothek können sich die Literatur direkt heraussuchen und bei der Durchsicht des breiten Angebotsbestands weitere Inspirationen erhalten.

In der ersten Etage dominiert der offen gestaltete Bereich, in dem die Bibliotheksmitarbeiterinnen auch ihre Arbeitsplätze haben. Er lädt ganz bewusst zur Kontaktaufnahme ein und fördert so die qualifizierte Fachberatung. Die Problematik dieser Arbeitsplätze im Publikumsbereich wurde intensiv diskutiert und für die Mitarbeiterinnen entstanden teilweise ganz neue Arbeitsbedingungen.

Zusätzlich ist in der Bibliothek mit der Materialsammlung ein einzigartiges Bindeglied zwischen Lehre, Werkstätten und Bibliothek geschaffen worden, deren Bestand noch stetig ausgebaut wird. Die Materialsammlung mit mittlerweile fast 1.000 Materialproben schafft eine Schnittstelle zwischen theoretischer Auseinandersetzung mit Werkstoffen - auch zu Forschungszwecken - und praktischer Vermittlung von sinnlichen Materialeigenschaften sowie Fertigungs- und Verarbeitungstechniken.

Im oberen Geschoss lädt zudem der lichtdurchflutete Zeitschriftenraum zum Stöbern und Lesen in einer inspirierenden, ruhigen Atmosphäre ein.

Abb. 2: Materialsammlung. Foto: Aart van Bezooijen.
Abb. 2:

Materialsammlung. Foto: Aart van Bezooijen.

Über 160 laufende Zeitschriften aus Kunst, Design, Architektur und Wissenschaft sowie die gebundenen Zeitschriften der jeweils letzten fünf Jahre sind hier zu finden. Gruppen- und Einzelarbeitsplätze (in sogenannten Carrels als Lesekabinen eingerichtet) stehen für die Studierenden bereit und werden intensiv genutzt. Die Nutzerinnen und Nutzer haben zudem in allen Etagen die Möglichkeit, mit zugänglichem Wifi internetgestützt zu arbeiten. Auch verschiedene Datenbanken sowie die hochschuleigene Datenbank BOM (Bild/Objekt/Material) stehen den Studierenden zur Verfügung, die ein breites Spektrum an Bildern, Objekten und Materialien für Recherchezwecke bieten.

Mehr als eine Bibliothek: Archiv und künstlerische Sammlung

Im Jahr 2017 wurden die Hochschulbibliothek und das Hochschularchiv / Kustodie zu einer zentralen Betriebseinheit zusammengeführt. Die Leiterin der Burg Bibliothek und Autorin dieses Beitrags Petra Runge übernahm damit auch die Leitung des Archivs und der Sammlung. Das Archiv der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bewahrt und erschließt die archivische Überlieferung der gesamten Hochschule und ihrer Vorgängereinrichtungen. Der Bestand dokumentiert damit, wenn auch ungleichmäßig und nicht vollständig, die über 100-jährige Geschichte einer der heute wichtigsten und größten Kunsthochschulen Deutschlands.

Abb. 3: Einzelarbeitsplätze. Foto: Sascha Linke.
Abb. 3:

Einzelarbeitsplätze. Foto: Sascha Linke.

Die Bestände der Sammlung aus Kunst und Design umfassen sämtliche an der BURG vertretenen künstlerischen Sparten: von Malerei über Schmuck, von Mode über Bildhauerei bis hin zu Industriedesign oder Multimediadesign.

Die Bestände der Sammlung sind dabei annähernd vollständig in der „BOM - Bild/Objekt/Material“-Datenbank digital erfasst, die jedoch nur intern zur Verfügung steht und als Arbeitsmittel genutzt wird. Der reiche Sammlungsbestand bot und bietet eine wichtige Grundlage für eine Reihe von Ausstellungsvorhaben, regional wie überregional. Gerade auch im Bauhausjubiläumsjahr wurde die Burg Bibliothek mit ihrer Sammlung zu einem wichtigen Leihgeber für große Ausstellungsvorhaben im In- und Ausland.

Das Archiv mit Sammlung befindet sich weiterhin in der Um- und Neustrukturierung. In den nächsten Jahren wird ein Neubau für den Fachbereich Kunst der Hochschule einen neuen Standort des Archivs und Sammlung ermöglichen. Bis dahin werden die Bestände weiter aufbereitet, ihre digitale Integration in eine Datenbank zählt damit aktuell zu einer vorrangigen Aufgabe. Es ist zu wünschen, dass ebenso wie der bereits erfolgreiche Neubau der Hochschulbibliothek, die Eröffnung der neuen Räumlichkeiten für die weitere Wahrnehmung des Archivs mit ihrer Sammlung sowohl innerhalb der Hochschule, als auch in der Öffentlichkeit ein nächster, wichtiger Schritt sein wird. In den nächsten fünf Jahren erfolgt zudem in der Hochschulbibliothek mit Archiv und Sammlung ein Generationswechsel. Die Leiterin sowie zwei Bibliothekarinnen werden in den Ruhestand wechseln und es ist zu wünschen, dass sich für eine weitere Entwicklung dieser spannenden und vielfältigen Einrichtung interessiertes Fachpersonal findet.

Zahlen und Fakten zur Hochschulbibliothek

Bauzeit des Neubaus:

1,5 Jahre (ohne Herstellung der Baugrube und archäologischer Erkundung)

Kosten:

6,5 Millionen Euro

Ersteinrichtung:

770.000 Euro

Fläche:

1.560 m² Nutzfläche + 483 m² Nebenflächen

Bestand:

106.497 Medien

Zeitschriften:

161 lfd. Zeitschriften

Benutzer:

2.683

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:

7

Entleihungen 31.12.2018:

56.620

Hochschularchiv mit Sammlung

Das Archiv umfasst Verwaltungs- und Personalakten seit 1900, Dissertationen und Diplomarbeiten seit 1922, Urkunden, Druckerzeugnisse, Zeitungsausschnitte, Künstlerdossiers, Unterrichtsaufzeichnungen, Nachlässe und thematische Konvolute, ein Bildarchiv mit weit über 100.000 Papierabzügen, Negativen und Dias, die die künstlerischen Arbeiten wie auch Personengeschichte und Ereignisse dokumentieren.

Sammlung

In der Sammlung befinden sich 6.000 zwei- und dreidimensionale Werke aus allen künstlerischen sowie gestalterischen Bereichen und Studienrichtungen der BURG sowie eine 4.200 Exemplare umfassende Plakatsammlung.

Quelle:

Architekturwettbewerb Neubau Burg Giebichenstein. Entwürfe zum internationalen Architekturwettbewerb der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Halle 2012, S. 2.


Article Note

Petra Runge ist seit 2000 Leiterin der Hochschulbibliothek und leitet seit 2017 zudem das Archiv und die Sammlung der BURG.


About the author

Petra Runge

Petra Runge

Foto: Matthias Ritzmann.

Published Online: 2019-12-04
Published in Print: 2019-12-01

© 2020 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 7.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2020-0012/html
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