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Notizen und Kurzbeiträge

Published/Copyright: January 4, 2018
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Fair Open Access Alliance und Technische Informationsbibliothek kooperieren

Ziel ist die Umstellung von Zeitschriften auf faire Open-Access-Modelle

Am 9. November 2017 unterzeichnete die Technische Informationsbibliothek (TIB) eine Kooperationsvereinbarung mit der Fair Open Access Alliance (FOAA) (https://fairoa.org/). Ziel ist die Umstellung von Zeitschriften auf Open Access (das sogenannte journal flipping). Im Mittelpunkt steht zunächst die Unterstützung auf Open Access umgestellter mathematischer Fachzeitschriften.

Bei der Umstellung sollen die „Fair Open Access Principles“ angewandt werden: Diese zielen auf eine transparente Struktur der Zeitschrift, niedrige und nachvollziehbare Kostenmodelle, keine Kosten für die Autorinnen und Autoren sowie eine klare Open-Access-Orientierung.

Für die TIB ist die Umstellung etablierter Zeitschriften auf Open Access ein wichtiger Bestandteil der Open-Access-Transformation. „Uns geht es um die optimale Zugänglichkeit von Zeitschriften, die bereits eingeführt sind und in ihrer Community anerkannt sind. Mit der Unterstützung von FOAA möchten wir dazu beitragen, dass nachhaltige Open-Access-Modelle, die keine zusätzlichen Belastungen für Autorinnen und Autoren bringen, mehr Gewicht erhalten“, sagt Prof. Dr. Auer, Direktor der TIB.

Prof. Johan Rooryck, Präsident von FOAA, freute sich, die TIB als Deutsche Zentrale Fachbibliothek für Technik und Naturwissenschaften an Bord begrüßen zu können: „Die TIB hat sich bereit erklärt, eine der Zeitschriften im Rahmen von Mathematics in Open Access (MathOA) zu unterstützen, die auf Fair Open Access wechseln. Die TIB ist der erste Unterstützer, der sich uns seit der Gründung der FOAA im Sommer 2017 anschließt. Wir hoffen, dass wir in Zukunft noch viele weitere Bibliotheken und Organisationen begrüßen dürfen. Zu diesem Zweck haben wir ein Partnerprogramm eingerichtet.“

Die TIB strebt eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit FOAA an. Dabei wird sie aktiv mit den Fachcommunities der Mathematik und weiterer Fächer zusammenarbeiten.

Weitere Informationen zu der Kooperation zwischen FOAA und TIB gibt es in einem Beitrag von Marco Tullney im TIB-Blog: https://blogs.tib.eu/wp/tib/2017/11/13/tib-unterstuetzt-fair-open-access-und-mathoa/

Ansprechpartner:

Technische Informationsbibliothek (TIB)

Dr. Sandra Niemeyer

Pressereferentin

Kommunikation und Marketing

Welfengarten 1 B//30167 Hannover

T 0511 762-2772//F 0511 762-2686

sandra.niemeyer@tib.eu, www.tib.eu

Verschollene Märchenoper „Gänseliesel“ in Kassel wiederentdeckt

Auf dem Dachboden der Murhardschen Bibliothek in Kassel wurde bei der Durchsicht älterer Geschenke die seit Jahrzehnten verschollene Orchesterfassung der Märchenoper ‚Gänseliesel‘ von Luise Greger (1862 – 1944) wiederentdeckt. Die Murhardsche Bibliothek ist Teil der Universitätsbibliothek und damit der Universität Kassel.

Bekannt war bisher lediglich ein Klavierauszug der im Dezember 1933 in Baden-Baden unter großem Applaus uraufgeführten Märchenoper. Dieser hatte 2012 als Grundlage für die Rekonstruktion und kammermusikalische Aufführung des Stücks in Kassel gedient. Der überraschende Fund, im Jahre ihres 155. Geburtstags, stammt aus dem Spätwerk der produktiven und beliebten Kasseler Komponistin und Kammersängerin.

Als jüngstes von vier Kindern 1862 in Greifswald geboren, erhielt Luise schon früh Klavier- und Kompositionsunterricht und besuchte in den 1880er Jahren die Königliche Musikhochschule in Berlin. Sie heiratete 1888 den Arzt Ludwig Greger, aus der Ehe gingen drei Söhne hervor. 1894 eröffnete das Paar eine erfolgreiche Kuranstalt in der Burgfeldstraße in Kassel-Wilhelmshöhe. In der Folgezeit konnte Luise Greger sich nur noch eingeschränkt der Musik widmen. Erst nach ihrer Scheidung 1911 wirkte sie wieder verstärkt als Sängerin, Pianistin, Liedkomponistin und Gastgeberin in ihren musikalischen Salons.

Nach dem Tod ihres ältesten Sohnes Helmuth, mit dem sie eine enge Beziehung verband, zog Luise Greger 1939 in das so genannte „Siechenhaus Hofgeismar“. Von dort aus wurde sie im Dezember 1943 im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms mit einem Sammeltransport in die psychiatrische Anstalt Merxhausen verlegt, wo sie infolge gezielter Unterversorgung im Januar 1944 starb. Ihr Grab befindet sich auf dem Wahlershäuser Friedhof in Wilhelmshöhe.

Gregers etwa 170 Liedkompositionen, unter anderem zu Texten von Theodor Storm und Johann Wolfgang von Goethe, wurden über die Grenzen Deutschlands hinaus geschätzt und aufgeführt. Die Märchenoper ‚Gänseliesel‘ zählt zu Luise Gregers letzten Werken. Das Libretto basiert auf dem Märchenspiel der in Baden-Baden ansässigen etwa gleichaltrigen Emilie Riedel (1861-1945). Der Text erschien um 1933 als Privatdruck und ist heute nur noch in drei Exemplaren nachweisbar.

Das Märchenspiel in 10 Bildern erzählt die Geschichte der Gänseliesel, einem Waisenkind aus Hungersdorf, das sich auf den Weg zu Verwandten nach Glücksdorf macht. Auf dem Weg schläft sie im Spukwald ein und gelangt in ein Zauberreich, wo sie auf allerlei Elfen und andere Gestalten trifft, die Liesel zu einem Tanz im Mondschein auf die Elfenwiese führen. Während die Verwandten die Ankunft des Mädchens erwarten, macht sich der Ziegenhirte Peter, Liesels bester Freund, auf die Suche nach ihr. Nachdem er die träumende Liesel geweckt hat, wandern sie gemeinsam nach Glücksdorf, wo das Kind von der Begegnung mit den Zauberwesen berichtet. Der letzte Teil enthält die Schilderung eines Tanzfestes zu Erntedank, der Feier des Nikolaustages und des Kirchgangs am Weihnachtsabend. Mit einem Happy End und einer weihnachtlichen Friedensbotschaft endet das Stück.

Der überraschende Fund der Märchenoper beflügelt auch Überlegungen zu einer umfassenderen Würdigung der Komponistin anlässlich ihres 75. Todestages 2019, unter Beteiligung der Familie und des Furore-Verlags Kassel, der sich seit Jahren stark für das Werk Luise Gregers engagiert.

Das historische Original der Musikalie wurde in der Universitätsbibliothek Kassel digitalisiert und ist über das Onlinearchiv der Universität ORKA weltweit und kostenfrei zugänglich.

Kontakt:

Dr. Brigitte Pfeil

Universitätsbibliothek Kassel

Leitung Abteilung IV: Landesbibliothek, Leitung der Sondersammlungen

Telefon +49 561 804-7344

pfeil@bibliothek.uni-kassel.de

Digitalisat in ORKA:

https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1511175017375/1/

Published Online: 2018-01-04
Published in Print: 2018-12-27

© 2018 by De Gruyter

Downloaded on 4.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2018-0017/html
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