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Zur Schärfung des Bibliotheksprofils durch Vermittlung von Informationskompetenz an Lehrende: Ein Praxisbericht

  • Martin Wollschläger-Tigges

    Martin Wollschläger-Tigges

    Fachhochschule Bielefeld

    Hochschulbibliothek

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    and Anna Lea Simpson

    Anna Lea Simpson (Dipl.-Bibl.)

    Leiterin Benutzungs- und Informationsdienste

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Published/Copyright: March 15, 2016
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Zusammenfassung:

Lehrende der FH Bielefeld identifizieren die Bibliothek der Hochschule z. T. in einem klassischen Verständnis mit Büchern und Einführungsveranstaltungen. Damit zeigen sie ein ungenaues Bild von den vielfältigen Dienstleistungen und Services der Bibliothek. Um dieses ungenaue Verständnis zu verbessern, sollen die Dienstleistungen und Services der Hochschulbibliothek besser kommuniziert werden. Ein hierzu entwickelter Workshop zum Erwerb von bzw. zur Weiterentwicklung der persönlichen Informationskompetenz (IK) für Lehrende soll zu einer Schärfung des Bibliotheksprofils führen. Die Anknüpfungspunkte und v. a. die Entwicklung, Umsetzung und Weiterentwicklung dieses Ansatzes zeichnet dieser Praxisbericht nach. Es zeigt sich, dass das Konzept inhaltlich und auch methodisch auf Interesse stößt; sich aber Entwicklungspotentiale v. a. in einer Sequenzierung einzelner IK-Inhalte, einer dezentralen Veranstaltungsform sowie in einer direkten Initiierung von Workshops durch die Bibliothek ergeben. Mit dem vorgestellten Ansatz sind Bibliotheken in der Lage, ihr Image bei einer spezifischen Zielgruppe zu korrigieren, indem über sachliche Inhalte sowohl ein Nutzen für Lehrende als auch für die Bibliothek geschaffen wird.

Abstract:

Some members of the teaching staff of the Bielefeld University of Applied Sciences solely identify the library with books and introduction workshops, thus showing an imprecise impression of the various services of the library. In order to improve this impression, the university library’s services shall be explained in a workshop. It was designed to impart and further develop the personal information competence (IK) of the teaching staff and thus clarify the library‘s profile. This report portrays the starting-points and especially the development, realisation and further development of the approach. It becomes clear that the concept is interesting from the point of content and methodology. However, it still has potential regarding sequencing single IK contents, organising the workshops directly through the library and holding them in different places. The approach presented in this report will enable libraries to revise their image with a specific target group by using facts to create a benefit for the teaching staff as well as for the library.

Schlüsselwörter: : Informationskompetenz; Image; Marketing

1 Einleitung

Lehrende der FH Bielefeld sehen in der Bibliothek der Hochschule eine wichtige und etablierte Institution, die Forschung und Lehre unterstützt. Dies lässt sich als Ergebnis einzelner unsystematisch durchgeführter und erfasster Gespräche mit Lehrenden zusammentragen. Auch zeigt sich hierbei, dass bei den Lehrenden z. T. ein ungenaues Bild von den Möglichkeiten, die die Bibliothek mit ihren Dienstleistungen und Services bietet, vorliegt. Dieses uneinheitliche Verständnis äußert sich v. a. darin, dass die Hochschulbibliothek mit Büchern und Einführungsveranstaltungen identifiziert wird. Damit ergibt sich ein Handlungsbedarf, die Hochschulbibliothek genauer und besser zu positionieren. In diesem Zusammenhang kommt neben reinen Informationen zu Dienstleistungen und Services als Kommunikation im Sinne von Werbung v. a. ein spezielles Workshop-Angebot für Lehrende als möglicher Informationskanal in Betracht. Mit diesem Angebot sollen Lehrende an Hand aktueller Themen der Informationslandschaft sowie des individuellen Informationsmanagements die Potentiale der Hochschulbibliothek mit ihren Services und Dienstleistungen praktisch erfahren und erleben. Neben konkreten Informationen und Inhalten erfolgt eine Leistungsschau der Bibliothek, bei der den Lehrenden deutlich werden soll, dass die Bibliothek sowohl mit ihren gängigen Dienstleistungen und Services als auch mit Service-Erweiterungen ein verlässlicher Partner in Forschung und Lehre ist. Damit sollen eine ausreichende Sensibilisierung sowie eine gezielte Schärfung des Problembewusstseins für die Dienstleistungen und Services der Bibliothek bei den Lehrenden geschaffen werden, sodass bewusst wird, dass die Bibliothek mehr ist als ein Stereotyp für Bücher und Bibliothekseinführungen: Ein Experte für alle Belange und Eigenschaften von Informationen und Informationsprozessen. Durch diese Profilschärfung bei den Lehrenden wird beabsichtigt, die Haltung der Lehrenden zur Bibliothek auf Studierende zu übertragen, da die Lehrenden wesentlichen Einfluss auf Studierende haben und nehmen. Es wird hierdurch nebenbei auf eine offenere Haltung zu einer intracurricularen Einbindung von Inhalten und Veranstaltungen zum IK-Erwerb in der Fachlehre hingewirkt die Lehrenden fungieren somit als Multiplikatoren, die die Tür für die Bibliothek bei den Studierenden öffnen sollen. Um somit eine Schärfung des Bibliotheksprofils bei Lehrenden zu erreichen, handelt es sich bei der Verwendung spezieller Veranstaltungen zur IK für Lehrende um ein Marketinginstrument, das in einer direkten Interaktion zum Tragen kommt. Diese direkte Interaktion ist eine Form des Direktmarketings[1] , bei der das Instrument des direkten Vertriebs[2] , der nach Bruhn eine Maßnahme des Direktmarketings ist,[3] eingesetzt wird.

Ausgehend von den Überlegungen Smith‘ und Reimers‘, Lehrende als besondere Zielgruppe von IK-Maßnahmen zu erschließen,[4] wird angestrebt, Lehrende über bestehende Dienstleistungen und Services der Bibliothek zu informieren sowie mit darüber hinausgehenden Erweiterungen von Angeboten, die Bibliothek als Partner für Forschung und Lehre zu positionieren. Die bisherige Art der Partnerschaft lässt sich als eine reaktive Zusammenarbeit charakterisieren. Sie begründet sich im Rahmen eines bekannten und abgerufenen Leistungsspektrums sowie in einem gewissen wissenschaftlichen Selbstverständnis, eine Bibliothek als Grundrüstzeug wissenschaftlichen Arbeitens zu verstehen. Dieser Sachverhalt verweist auf die bei Bock als „‚vorwissenschaftlichen, mechanischen Vorgang‘, für den der ‚gesunde Menschenverstand‘ oder die ‚Intuition‘ ausreicht“ festgestellte Ursache einer vernachlässigten Benutzerschulung für Studierende.[5] Um nun die Bibliothek mit ihren Services und Dienstleistungen besser bei den Lehrenden zu positionieren, bedarf es der gezielten Aufklärung über die Möglichkeiten, die die Dienstleistungen und Services einer Bibliothek bieten. Eine solche Aufklärung erfolgt i. d. R. im Rahmen von Kommunikationsprozessen, die in einem solchen Zusammenhang als Marketingkommunikation verstanden werden. Dabei hat eine bessere Positionierung zum Ziel:

  1. Ein verbessertes Bild und Verständnis des Dienstleistungs- und Service-Portfolios der Hochschulbibliothek bei den Lehrenden zu schaffen,

  2. Durch Service- und Dienstleistungserweiterungen eine aktive Partnerschaft zwischen der Bibliothek und den Lehrenden zu schaffen, sodass Aspekte der IK experimentell oder selbstverständlich in die Fachlehre integriert werden,

  3. Die Öffnung der Fachlehre für IK-Inhalte, sodass Studierende durch intracurriculare Maßnahmen auf informatorische Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens bzw. der Berufspraxis vorbereitet werden.

Es geht hier also darum, Lehrende über das Portfolio und die Möglichkeiten der Hochschulbibliothek im Rahmen einer speziellen IK-Veranstaltung im Sinne einer vertieften Aufklärung zu informieren sowie den Erwerb weiterer Kompetenzen zu fördern und zu entwickeln. Bei dieser Aufklärung liegt eine sehr konkrete und direkte Kommunikation sowie Interaktion vor, die für das Direktmarketing und den Direktvertrieb charakteristisch sind. Nach Kotler et al. bedeutet Direktmarketing, „in direktem Dialog mit sorgfältig ausgewählten potenziellen Kunden zu treten, um eine unmittelbare Reaktion zu erhalten und um langfristige Kundenbeziehungen herzustellen.“[6] In diesem Sinne wird durch spezielle IK-Veranstaltungen die Gruppe der Lehrenden eindeutig als Zielgruppe ins Auge gefasst. Die unmittelbare Reaktion besteht in einem verbesserten Verständnis des Dienstleistungs- und Service-Portfolios sowie dem Erwerb neuer Fähig- und Fertigkeiten; die langfristige Kundenbindung kennzeichnet sich durch eine aktive Partnerschaft zwischen Bibliothek und Lehrenden sowie einer Öffnung der Fachlehre für IK-Themen.

Der verwendete Ansatz des Direktmarketings hat nach Kotler et al. die Absicht, eine Marke bekannt zu machen bzw. ein bestimmtes Markenimage aufzubauen sowie eine schnelle, unmittelbare und messbare Kundenreaktion zu gewinnen.[7] Im Falle der IK-Veranstaltung für Lehrende geht es im Hinblick auf Markenbildung und -image um die Vereinheitlichung des Verständnisses der Dienstleistungen und Services der Hochschulbibliothek. Eine schnelle, unmittelbare und messbare Reaktion zeigt sich zum einen im Interesse und der damit verbundenen Nachfrage spezieller Lehrenden-Workshops. Zum anderen zeigen direkte und indirekte Reaktion der Teilnehmenden während eines Workshops sowie konkrete Evaluierungen und im Nachgang konkrete Service-Anfragen und Kooperationen einen messbaren Effekt. Dabei ist das Direktmarketing nach Kotler et al. „eine Mischung aus Kommunikations- und Vertriebskanälen.“[8] Dies unterstreicht die Einordnung des Direktvertriebs als Maßnahme bzw. Instrument des Direktmarketings bei Bruhn und Jung,[9] was auch in der Verwendung des Kommunikationsformats Lehrenden-Workshop deutlich wird, da es sich bei einer Schulung mit konkreten Inhalten und Interaktion um mehr handelt als eine reine Werbemaßnahme. Durch die Vermittlung von Dienstleistungen und Services erhält das Kommunikationsformat die typische Form des Direktvertriebs. Nach Kotler et al. ist der Direktvertrieb „der zwischenmenschliche Teil der Marketing-Kommunikation, d. h. der Außendienst interagiert mit Kunden bzw. mit potentiellen Kunden mit dem Ziel, zu verkaufen und Kundenbeziehungen herzustellen.“[10] Ausschlaggebend ist, dass ein Hersteller oder Dienstleister mit bestehenden oder potentiellen Kunden in einen sehr direkten und konkreten Austausch tritt, sodass etwas verkauft werden kann oder eine Kundenbeziehung etabliert wird. Die Hochschulbibliothek stellt in der konkreten Interaktion Lehrenden gewisse Services und Dienstleistungen vor und ermöglicht so den Lehrenden, sich neue Kompetenzen in der Auseinandersetzung mit Inhalten und in der Diskussion mit anderen Lehrenden anzueignen. Dabei wird den Lehrenden deutlich, dass die Bibliothek ein proaktiver Partner für Lehrende und damit auch für Studierende sein kann. Dies soll in erster Linie zu einer effektiven und effizienten Nutzung der angebotenen Services und Dienstleistungen führen, aber auch dabei helfen, eine gute und partnerschaftliche Beziehung aufzubauen. Nach Jung lassen sich in diesem Zusammenhang die Vorteile des Direktvertriebs als „eines der wirkungsvollsten Instrumente der absatzfördernden Kommunikation“ einsetzen, indem maßgeblich das Kundenverhalten durch „Präferenzbildung“, „Einstellungsänderung“ und „Kaufhandlung“ gesteuert und beeinflusst wird.[11] Für die Services und Dienstleistungen der Bibliothek bedeutet dies, dass sich durch die vereinheitlichte und damit bessere Kenntnis der Dienstleistungen und Services Lehrende bewusst für eine Dienstleistung oder einen Service entscheiden. Dies zielt u. a. auch in Richtung Einstellungsänderung, da mit einer konkreten und bewussten Entscheidung für eine Dienstleistung oder einen Service eine Akzeptanz und Annahme einer Dienstleistung bzw. eines Services stattgefunden hat. Im Hinblick auf eine aktive Partnerschaft sowie eine intercurriculare Einbindung von IK-Inhalten soll sich die Einstellungsveränderung dahingehend entwickeln, dass durch die Leistungsschau eine Akzeptanz und Angemessenheit erreicht wird, die eine Partnerschaft bzw. Einbindung von IK-Inhalten als zweckdienlich und förderlich erkennbar machen. Die „Kaufhandlung“ konkretisiert sich in der bewussten Bevorzugung von Dienstleistungen und Services, die die Bibliothek anbietet, vor Dienstleistungen externer oder anderer Anbieter.

Durch ein spezielles Workshop-Angebot für Lehrende soll also die Bibliothek besser positioniert werden, indem über die traditionellen und neuen Services und Dienstleistungen informiert und aufgeklärt wird. Der zu erwartende Rückkopplungseffekt ist in einer gesteigerten Akzeptanz der Bibliothek zu sehen, die als aktiver Partner in Forschung und Lehre akzeptiert und berücksichtigt wird. Diese Aufwertung soll zu einer Einstellungsänderung führen, sodass Lehrende dazu bereit sind, ihre Fachlehre für Inhalte bzw. Veranstaltungen der Bibliothek zu öffnen, um im Sinne einer intercurricularen Veranstaltung bei Studierenden den IK-Erwerb zu fördern. Ferner sollen Lehrende als Nebeneffekt neue Kompetenzen erwerben, ein Austausch unter Lehrenden gefördert werden und eine Institutionalisierung der Workshop-Inhalte in der Fachlehre stattfinden (inter- oder intracurriculare Verankerung). In diesem Sinne versteht sich dieser Ansatz auch als Lösungsversuch des bei Bock diagnostizierten Problems der Haltung von Lehrenden zu Fachliteratur und Bibliotheken als „vorwissenschaftliche Tätigkeit“ und der damit verbundenen Vernachlässigung von Workshops und Schulungen für Studierende seitens der Bibliotheken.[12] Mit der Übertragung der Haltung Lehrender zur Bibliothek auf Studierende wird auch mit diesem Ansatz der Empfehlung Bocks entsprochen, „Hochschullehrer von der wissenschaftlichen Relevanz der Benutzerschulung bzw. der qualifizierten Bibliothekskompetenz zu überzeugen, um dadurch indirekt auf die Motivation der Studenten gegenüber der Benutzerschulung und Bibliotheksbenutzung einzuwirken.“[13]

Hierzu wird zunächst die Ausgangslage skizziert, um dann aus den daraus abgeleiteten Zielen die Gewinnung der Schulungsinhalte und deren didaktisches Arrangement zu zeigen. Daran schließt die Kommunikation für einen speziellen Lehrenden-Workshop an, dessen Durchführung in wesentlichen Zügen dargestellt wird, um schließlich die Ergebnisse des Workshops hinsichtlich eines Ausblicks zu diskutieren.

2 Workshop „Informationswelt in Lehre und Beruf – Von Social Media über Creative Commons, bis in den Bereich Literaturverwaltung und Plagiate”

Auf dem Weg zu einem speziellen Lehrenden-Workshop war es zunächst erforderlich die Ausgangslage zu erfassen und bewusst zu formulieren, um daraus eine Zielsetzung für den Workshop selbst (operatives Ziel) als auch den Zweck des Workshops (strategisches Ziel) und damit konkrete Teilziele zu formulieren. Daraus lassen sich dann dem bei Klafki formulierten Primat der Didaktik entsprechend,[14] zielorientierte Lerninhalte ableiten, um aus diesen wiederum einen Workshop entwickeln zu können. Daran schließt sich die Bekanntmachung und Kommunikation des Workshops an, der dann auch die konkrete Umsetzung mit einer Evaluierung folgt. Die Ergebnisse der Evaluierung erlauben es, das Angebot des Lehrenden-Workshops weiterzuentwickeln und bedarfsgerecht anzupassen.

2.1 Ausgangslage

Das unscharfe Bild der Dienstleistungen und Services der Hochschulbibliothek der FH Bielefeld äußert sich bei einzelnen Lehrenden v. a. in einer fehlenden bzw. falschen Kenntnis der Bibliotheksangebote sowie einem klassisch geprägten Bibliotheksimage. Die fehlende bzw. falsche Kenntnis äußert sich v. a. darin, dass einzelnen Lehrenden unbekannt ist, welche Services und Dienstleistungen (z. B. Einrichtung eines analogen oder digitalen Semesterapparates) es gibt. Daneben herrscht vereinzelt die Meinung, dass der Bibliotheksbestand ausschließlich aus gedruckten Büchern besteht. Dies ignoriert v. a. das erweiterte Angebot um E-Books und Video-Tutorials oder Selbstlernkurse z. B. für das Erlernen von Fremdsprachen.

Es besteht Handlungsbedarf, um dem unscharfen Bibliotheksprofil bei einzelnen Lehrenden entgegenzuwirken und eine Korrektur des Bildes bzw. des Images der Bibliothek zu erreichen. Um eine Image-Korrektur herbeiführen zu können, bedarf es geeigneter Kommunikationsmaßnahmen.

Zunächst bietet es sich an, eine enge Bindung der Fachbereiche und der Bibliothek sicherzustellen. Diese Bindung zwischen Fachbereichen und Bibliothek ist seit geraumer Zeit durch Fachberater*innen innerhalb der Bibliothek und Bibliotheksbeauftragte in den einzelnen Fachbereichen sichergestellt. Die Fachbetreuerinnen nehmen eine ähnliche Rolle wie Fachreferent*innen in Universitätsbibliotheken ein; wobei die wesentliche Funktion in einer Bündelung verschiedener Dienstleistungs- und Aufgabenbereiche und nicht in einer detaillierten sowie konkreten Fachexpertise zu sehen ist. Damit wird sichergestellt, dass eine Ansprechpartner*in innerhalb der Bibliothek für ein Fach verantwortlich ist. Die Bibliotheksbeauftragten sind i. d. R. Professor*innen, die ein Fachbereich als Ansprechpartner*in für die Bibliothek ernennt. Bibliotheksbeauftrage fungieren hierbei als Vermittler zwischen Bibliothek und Fachbereich und kommunizieren in beide Richtungen die jeweiligen Anliegen und Wünsche.

Sowohl Fachberater*innen als auch die Bibliotheksbeauftragten sind für einen initialen Anstoß, um die erweiterten Dienstleistungen und Services vorzustellen, ein Lösungsansatz. Dieser Lösungsansatz ist aber in seiner Form limitiert, da sowohl Fachberater*innen als auch Bibliotheksbeauftrage Mittler zwischen verschiedenen Gruppen sind und damit nur sehr indirekt wirken. Diese indirekte Kommunikation hat eine eingeschränkte Reichweite und scheidet – da wenig zielführend – als Lösungsansatz aus.

Als nächstes kommen Kommunikationsmaßnahmen wie Plakate, Rundmails oder Roadshows in Betracht. Diese sind jedoch auf Grund ihrer unkonkreten und unspezifischen Ansprache sowie ihrer vereinfachenden und verkürzenden Darstellungen als nicht zielführend abzulehnen.

Schließlich kommt eine direkte Ansprache von Lehrenden in Frage, wobei individuelle Einzelgespräche mit allen Lehrenden aus Zeit- und damit auch Kostengründen unrealistisch sind und somit als Lösung ausscheiden. Aber eine Ansprache von Lehrenden in kleinen Interessengruppen ist realistisch. Hierbei kann durch eine Art Leistungsschau der Dienstleistungen und Services eine Imagekorrektur erreicht werden, indem konkret und spezifisch auf individuelle Bedürfnisse eingegangen werden kann. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass eine inhaltlich gehaltvolle Veranstaltung geschaffen wird, für die es sich als Lehrender lohnt, Zeit zu investieren. Also ist eine Bindung zwischen Inhalt und Kommunikation zu schaffen, um damit zu zeigen, dass die Bibliothek mit ihren bewährten Dienstleistungen und Services sowie deren Erweiterungen ein verlässlicher Partner für Forschung und Lehre ist. Jedoch kommen nur Teilausschnitte des gesamten Leistungsspektrums in Frage. Es ist nicht zielführend, eine umfassende Leistungsschau zu geben, die keine ausreichende Würdigung einzelner Leistungen erlaubt. Somit ergibt sich im Hinblick auf die Zielgruppe der Lehrenden, dass Themen der täglichen Arbeit in der Hochschullehre zu identifizieren sind und innerhalb dieser eine Auswahl interessanter Aspekte erfolgt, die durch die Bibliothek unterstützt, begleitet und gefördert werden können.

2.2 Zielsetzung

Die Fokussierung auf eine direkte Ansprache von Lehrenden mit einem speziellen Workshop erfordert nun eine klare Formulierung von Zielen, um konkrete Handlungs- und Entwicklungsperspektiven zu identifizieren und die Absichten, die mit dem Workshop verfolgt werden, zu erreichen. Aus der dargestellten Ausgangssituation der Bibliothek und der Lehrenden lassen sich folgende Ziele formulieren:

  1. Imageverbesserung,

  2. Bessere Nutzung der Services für Lehrende,

  3. Lehrende als Multiplikatoren gewinnen,

  4. Stärkere Einbindung von IK-Angeboten in der Lehre,

  5. Engere Kooperationen hochschulweit.

Primär soll eine Imageverbesserung erreicht werden, indem das Verständnis bei den Lehrenden für die einzelnen Dienstleistungen und Services sowie deren Erweiterungen aktualisiert und ergänzt wird.

Damit verbunden ist eine bessere Nutzung der Bibliothek allgemein, aber auch die Nutzung spezieller Dienstleistungen und Services für Lehrende. So wäre es z. B. wünschenswert, eine noch breitflächigere Nutzung digitaler oder klassischer Semesterapparate zu erreichen.

Ein wesentliches Ziel ist es, die Lehrenden als Multiplikatoren zu gewinnen. Die Multiplikatoren-Rolle ist dabei mehrdimensional. Zum einen soll sie sich in einem Selbstverständnis der Bibliotheksbenutzung gegenüber anderen Lehrenden darstellen und zum anderen soll sie im Sinne einer Vorbildfunktion zur Veränderung der Haltung Studierender zur Bibliothek beitragen. So wird erreicht, dass durch die Vorbildfunktion der Lehrenden Studierende zu einer selbstverständlichen Benutzung der Hochschulbibliothek geführt werden.

Damit verbunden ist das Ziel, eine stärkere Einbindung von Angeboten zur Entwicklung von IK v. a. in die Fachlehre zu erreichen. Durch die Darstellung der Dienstleistungen und Services im Lehrenden-Workshop wird ein sachlogisches Argument geschaffen, das Lehrende davon überzeugen soll, ihre Veranstaltungen und damit die Fachlehre für Angebote zur Entwicklung von IK zu öffnen. Hierfür können Lehrende ihre Fachlehre um IK-relevante Inhalte anreichern oder aber auch Studierende konkrete IK-relevante Inhalte in Zusammenarbeit und unter Anleitung der Bibliothek erarbeiten lassen (intracurriculare Verankerung). Eine intracurriculare Verankerung ist dabei das anzustrebende Ziel, um eine stärkere Einbindung von IK-Angeboten zu erreichen.

Schließlich wird das Ziel einer noch regeren sowie engeren hochschulweiten Kooperation angestrebt. Die Lehrenden, die an diesem speziellen Workshop teilnehmen, sollen sich untereinander und damit innerhalb eines Fachbereichs aber auch über die Fachbereiche hinaus vernetzen. Angelpunkt ist dabei das gemeinsame Thema, das durch die Bibliothek initiiert wird bzw. die Bibliothek als Ort und ihre Dienstleistungen und Services.

An diesen verschiedenen Zielhorizonten lassen sich konkrete Inhalte und damit Workshop-Themen ausrichten.

2.3 Inhalte

Die Wahl und Zusammenstellung in Frage kommender Themen für einen Workshop erfolgte an Hand allgemeiner Trendbeobachtungen im Bibliotheks- und Hochschulwesen bzw. hinsichtlich allgemeiner Internettrends. Hinzu kamen die Ergebnisse und Erkenntnisse aus einzelnen Gesprächen mit Lehrenden. Dies bedeutet, dass es keine formale sowie systematische Evaluierung und Marktforschung für eine Themenfindung gab, sondern in loser Anlehnung an ethnografische Methoden sowie Sekundäranalysen relevante Themen identifiziert und zusammengetragen wurden.

Dabei stellten sich folgende Themen als Interessensschwerpunkte heraus:

  1. Urheberrecht,

  2. Creative Commons,

  3. das Lernmanagementsystem ILIAS,

  4. Plagiate,

  5. Internet-Trends,

  6. Social Media,

  7. Services für Lehrende,

  8. Digitale Angebote.

In einem ersten Komplex ließen sich die Themen Urheberrecht und Creative Commons (CC) zusammenfassen. Hier geht es v. a. darum, welche Grenzen es im Urheberrecht gibt bei der Verwendung von Fremdmaterialien (z. B. Bilder und Texte) und auf was dabei zu achten ist. Damit hängt das Thema CC als eine alternative Form des Schutzes und der Verwendung geistigen Eigentums zusammen. Hierbei geht es zunächst darum, allgemein über CC zu informieren, um dann die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten im Rahmen von CC aufzuzeigen. In diesem Zusammenhang ergibt sich dann auch eine Überschneidung zur Digitalisierung von Lehre und deren Darstellung über Lernmanagementsysteme wie ILIAS. Was darf hierbei an Materialien verwendet werden und welche Möglichkeiten gibt es, Unterstützung bei der Entwicklung und dem Aufbau eines Lernarrangements zu bekommen? Bzw. wie kann studentisches Lernen mit einem Lernmanagementsystem unterstützt und gefördert werden?

In Zusammenhang mit Fragen zum Urheberrecht kommt das Thema geistiges Eigentum und Plagiate auf. Welche Plagiatformen gibt es? Und welche Möglichkeiten gibt es Plagiate zu identifizieren (u. a. Plagiaterkennungssoftware)? Dabei soll auch auf präventive Methoden eingegangen werden, die zum Ziel haben, Plagiate zu vermeiden und geistiges Eigentum zu respektieren.

Im Rahmen allgemeiner Internet-Trends stellt sich v. a. die Frage, wie Social Media bei der beruflichen Weiterbildung helfen können. Wie kann man über die aktuellen Trends zum eigenen Thema einfach auf dem Laufenden bleiben? Und wie kann Studierenden vermittelt werden, mit Informationen aus dem Internet in angemessener Form umzugehen?

Schließlich sollen Service-Neuerungen, also v. a. Verbesserungen und Veränderungen, vorgestellt und diskutiert werden. Insbesondere soll in diesem Zusammenhang auf die elektronischen Angebote aufmerksam gemacht werden. Die elektronischen Angebote sind eine Art Clearinghouse, in dem je Disziplin Fachdatenbanken zusammengetragen und elektronische Zeitschriften hinterlegt sind bzw. werden hierüber Aufsatzbestellungen und Fernleihwünsche abgesetzt.

Die gewonnenen Themen wurden zunächst gegliedert, sortiert und dann zeitlich budgetiert, um einen ersten Entwurf für einen Lehrenden-Workshop zu erstellen. Hierzu wurde zu den einzelnen Workshop-Abschnitten und den damit verbundenen Themen ein kommentierter Workshop-Plan entwickelt. Dieser beinhaltete neben den Themen auch eine zeitliche Budgetierung der Inhalte – detaillierte didaktische Überlegungen wurden zu diesem Zeitpunkt noch nicht angestellt.

Als nächstes wurde der Workshop-Entwurf mit einem Lehrenden diskutiert. Dieser Lehrende eignete sich durch seine besondere didaktische Qualifikation als hochschuldidaktischer Trainer, seine bibliotheksaffine Haltung sowie seine intensive Bibliotheksnutzung für eine angemessene kritische Würdigung, den Workshop-Entwurf als Experte zu beurteilen. Bei dieser Würdigung konnte herausgearbeitet werden, dass die thematische und inhaltliche Gestaltung stimmig war, jedoch die Schwerpunktbildung und auch der zeitliche Ablauf einzelner Workshop-Abschnitte sowie der zeitliche Zuschnitt des gesamten Workshops zu gering und unausgewogen ausfielen. Der zunächst auf 90 Minuten ausgelegte Workshop wurde durch eine Aufwertung einzelner Workshop-Themen auf 240 Minuten erweitert, sodass zu jedem Punkt ausreichend Zeit zur Verfügung stand, Inhalte zu erarbeiten und diese dann auch in einem Erfahrungsaustausch zu diskutieren. Bei dieser Diskussion kristallisierten sich auch das geleitete Lehrgespräch sowie Live-Sessions als didaktische Instrumente heraus, die in einer ersten Umsetzung des Workshops erprobt und dann ggf. angepasst werden sollten.

Nach den Anmerkungen wurde der Workshop-Entwurf in eine endgültige Workshop-Fassung gebracht und dieser dann über verschiedenste Kanäle kommuniziert, um Interessenten und damit Workshop-Teilnehmer zu gewinnen.

2.4 Workshop-Angebot : Kommunikation

Für eine geeignete Kommunikation und Ansprache der Lehrenden wurde zunächst das Netzwerk hochschuldidaktische Weiterbildung Nordrhein-Westfalen (hdw nrw) als Partner gewonnen, da es seine Weiterbildungsangebote speziell an Hochschullehrende richtet und damit über sehr gute Kontakte zu Lehrenden verfügt bzw. sehr gut wahrgenommen wird. Auch ist das hdw nrw ein idealer Partner, da es hochschuldidaktische Maßnahmen akkreditiert und diese dann auch zertifizieren kann. Somit wurde zunächst der entwickelte Workshop dem hdw nrw vorgestellt, angemeldet und schließlich in das hdw nrw-Programm aufgenommen. Hierzu ist das Workshop-Konzept mit einer Beschreibung der Ziele und Zwecke sowie der konkreten hochschuldidaktischen Aspekte eingereicht worden. Nach einer positiven Rückmeldung wurde die Fortbildungsmaßnahme als regulärer Workshop des hdw nrw aufgenommen und gelistet.

Um zunächst nur Lehrende der FH Bielefeld anzusprechen, wurde die Form des Inhouse-Workshop gewählt. Dieser wurde über die Website des hdw nrw und auf weiteren Kanälen in der FH Bielefeld kommuniziert. Da bis kurz vor dem angesetzten Workshop-Termin die Anmeldezahlen mit einer Anmeldung zu gering waren, um den Workshop überhaupt stattfinden zu lassen, fiel der Entschluss in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) die Veranstaltung für alle Mitarbeiter*Innen zu öffnen und die Veranstaltung vor Ort in den Fachbereich IuM zu verlegen. Mit dieser Neuausrichtung der Kommunikation schied das hdw nrw als Partner einvernehmlich aus und die Bibliothek trat nun innerhalb der Hochschule als Veranstalter auf. Die Öffnung der Veranstaltung für alle Mitarbeitenden, nicht nur für Lehrende, hatte zur Folge, dass auch wissenschaftliche Mitarbeiter*Innen angesprochen werden konnten, die sehr nah an der Lehre arbeiten und z. T. auch Lehre in einem geringen Umfang als Aufgabe wahrnehmen, aber über kein reguläres Lehrdeputat verfügen.

In Folge dieser Öffnung und direkter Ansprachen bestimmter Gruppen innerhalb der FH Bielefeld erhielt der Workshop einen unerwartet hohen Zuspruch mit zehn Anmeldungen (erwartet waren fünf Personen).

2.5 Workshop-Durchführung

Der Workshop selbst fand in einem Besprechungsraum des Fachbereichs IuM statt, der über ausreichend Präsentationstechnik mit einem Video-Beamer und Lautsprechern verfügt. Darüber hinaus konnten die Möbel zu einem großen Gruppentisch arrangiert werden, um Diskussionen zu erleichtern.

An dem Workshop nahmen schließlich von den zehn angemeldeten neun Personen teil. Die Teilnehmer*Innen kamen aus unterschiedlichen Fachbereichen und waren v. a. an einzelnen Themen des gesamten Workshops interessiert. Der Workshop dauerte insgesamt 240 Minuten. Der Medieneinsatz beschränkte sich im Wesentlichen auf kurze Live-Sessions, in denen Inhalte und Zusammenhänge in kurzen Frontalvorträgen erklärt wurden. Wobei die Frontalvorträge bedarfsorientiert mit Zwischenfragen unterbrochen wurden. Ferner sollten die kurzen Inputphasen dazu dienen, Themen für eine anschließende Gruppendiskussion vorzubereiten, um einen Erfahrungsaustausch zu fördern. Diese Diskussionen fanden überwiegend als geleitetes Lehrgespräch statt, wobei sich ansatzweise richtige Diskussionen entwickelten.

Am Ende der Veranstaltung wurde im Rahmen eines Schlaglichts eine Evaluierung vorgenommen. Das Ergebnis wird seitens der Hochschulbibliothek als positiv und vielversprechend wahrgenommen, da es positive Rückmeldungen gab und v. a. durch sehr konstruktive Kritik Entwicklungspotentiale verzeichnet werden konnten.

2.6 Ergebnisse und Perspektiven

Der Workshop war geplant worden, um das Bibliotheksprofil bei Lehrenden zu schärfen. Die Frage nach dem Gelingen dieses Vorhabens kann nicht eindeutig beantwortet werden, da eine vielmehr zielgerichtete Evaluierung des Workshops nicht stattgefunden hat. Jedoch ist an Hand der direkten Rückmeldung aus dem Workshop hervorgegangen, dass der Themenzuschnitt und die Themenwahl als sehr attraktiv empfunden wurden. Auch die Präsentation und Darstellung sowie der rege Austausch der Lehrenden untereinander wurden positiv bewertet.

Kritisch, aber sehr konstruktiv wurden v. a. die Form und der dezentrale Veranstaltungsort gewertet. So wurde der Wunsch geäußert, dass Inhalte stärker erarbeitet werden sollten. Hier wurde kritisiert, dass viele interessante Informationen gegeben, aber wenige Handlungs- oder Lösungsansätze angeboten oder erarbeitet wurden. Auch wurden konkrete Vorschläge unterbreitet, den Workshop mit seinen Einzelthemen in kleinere Workshops aufzuteilen und diese in den einzelnen Fachbereichen oder im Lernzentrum der Bibliothek zu veranstalten. Ferner wird das hdw nrw seitens der Bibliothek als wenig geeignet angesehen, um einen Lehrenden-Workshop innerhalb einer Hochschule zu kommunizieren und bibliotheksrelevante Themen zu adressieren.

Auf Grund der genannten Vorteile und der Entwicklungspotentiale wird trotz einer fehlenden systematischen Evaluierung davon ausgegangen, dass ein spezieller Lehrenden-Workshop ein geeignetes Marketing-Instrument ist, um Dienstleistungen und Services einer Bibliothek Lehrenden näher vorzustellen und somit das Profil einer Bibliothek zu schärfen.

Als Konsequenz aus diesem Workshop sowie der positiven als auch negativen Kritik wurden zwischenzeitlich Angebote für die einzelnen Fachbereiche entwickelt. Hierzu werden in Impuls-Workshops einzelne Themen präsentiert, diskutiert und Lösungen sowie Handlungsansätze erarbeitet. So stößt bspw. das Thema CC auf großes Interesse, sodass regelmäßig Workshops angeboten werden. Damit ist es gelungen, einzelne Workshops und Themen als ständiges Weiterbildungsangebot der Bibliothek zu etablieren.

Dem Präsenzangebot wurde ein Kurs als E-Learning-Angebot zur Seite gestellt, mit dem bedarfsorientiert Lehrende Workshop-Themen bearbeiten und vertiefen können. Darüber hinaus ist ein synchroner Online-Selbstlernkurs mit den einzelnen Workshop-Themen in Bearbeitung.

3 Zusammenfassung und Fazit

Mit einem speziellen Workshop für Lehrende soll das Image und damit das Profil einer Bibliothek geschärft werden. Hierzu werden an Hand aktueller Themen der Hochschullehre und des Bibliothekswesens erweiterte Dienstleistungen und Services einer Hochschulbibliothek erarbeitet. So konnte gezeigt werden, dass ein spezieller Lehrenden-Workshop eine besondere Form des Marketings (Direktmarketing resp. Direktvertrieb) und damit ein geeignetes Werkzeug ist, um Dienstleistungen und Services zu kommunizieren und somit eine Profilbildung und -schärfung einer Bibliothek bei der Zielgruppe der Lehrenden zu beeinflussen. Die iterative Themenzusammenstellung erwies sich im Workshop und in der Resonanz als eine angemessene thematische Zusammenstellung. Ferner zeigte sich, dass die Kommunikation des Workshops (Werbung) in einer engen Kooperation der Bibliothek mit den Fachbereichen erfolgreich war. In der konkreten Durchführung scheint es mit dem Austausch unter Lehrenden möglich, Dienstleistungen und Services einer Bibliothek in geeigneter Weise zu fördern und damit sowohl die Bibliothek als Einrichtung als auch die Veranstaltung des speziellen Lehrenden-Workshops zu positionieren.

Nichtsdestotrotz sind abseits der genannten Aspekte weitere Themen für die Weiterentwicklung und Umsetzung eines Lehrenden-Workshops von besonderer Bedeutung. Hier sind v. a. ein zu beobachtender Kaskadeneffekt sowie eine Evaluierung zu nennen.

Nach der Durchführung des vorgestellten Workshops stellt sich die Frage der Effektivität und wie stark der Nutzen tatsächlich sein wird. Es ist davon auszugehen, dass gewisse Kaskadeneffekte eintreten werden, bei denen es über verschiedene Stufen zu einer immer weiteren Abnahme einer tatsächlichen Nutzung kommen wird. Das bedeutet, dass es bei den Workshop-Teilnehmenden, die Interesse an den Themen hatten, lediglich bei einem kleinen Teil der Teilnehmenden wirklich zu einer Umsetzung in die Praxis kommt wird: Ein Großteil der Workshop-Teilnehmenden wird eine Fortführung oder Vertiefung der Themen nur randständig bzw. nicht weiter verfolgen; lediglich ein kleiner Teil der Teilnehmenden wird interessiert sein, die Themen fortzuführen und zu vertiefen. Von diesen Interessierten wiederum wird sich nur ein Teil für ein konkretes Produkt oder eine Dienstleistung aus dem Portfolio der Hochschulbibliothek entscheiden und diese in das eigene Informationsmanagement oder auch in die eigene Lehre einbinden.

Um den Nutzen des vorgestellten Workshops zu ermitteln, kommt eine Evaluierung des Workshops sowie eine Auswertung der Systeme, die die Bibliothek zur Verfügung stellt, in Frage. Es lassen sich so Effekte mess- und überprüfbar machen, indem Aussagen zu den Workshops selbst gewonnen werden bzw. lassen sich zu den angebotenen und genutzten Dienstleistungen und Services der Bibliothek Informationen im Hinblick auf die angebotenen Workshops ableiten. Diese Informationen dienen in erster Linie einer zielgruppenspezifischen Anpassung, Verbesserung und Weiterentwicklung von Workshop-Angeboten bzw. erlauben auch ggf. eine Anpassung oder Weiterentwicklung von Dienstleistungen und Services.

Trotz dieser kritischen Punkte ist der vorgestellte Ansatz ein erster und vielversprechender Versuch, das Profil einer Bibliothek mit einem speziellen Lehrenden-Workshop zu schärfen. Auch ist es ein erster Ansatz der bei Bock diagnostizierten Haltung von Lehrenden aktiv entgegen zu wirken, um IK-relevante Workshops für Studierende über Lehrende zu initiieren. Mit den konkreten Entwicklungsmöglichkeiten, die Inhalte in kleinere Einheiten zusammenzufassen, diese in den einzelnen Fachbereichen erarbeiten zu lassen sowie einer konsequenten Nutzung der Möglichkeiten des Direktmarketings und -vertriebs ergeben sich erste Handlungselemente, dieses Konzept auszubauen und weiterzuentwickeln.

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Published Online: 2016-03-15
Published in Print: 2016-03-01

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  18. Abschlussarbeiten des Bachelor-Studiengangs Bibliotheksmanagement und des Masterstudiengangs Informationswissenschaften an der Fachhochschule Potsdam 2015
  19. Veranstaltungen
  20. Bestandserhaltungskompetenz – Theorie und Praxis – oder: „Man sieht nur, was man weiß“
  21. Termine
  22. Termine
  23. Anzeigen
  24. Anzeigen
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