Verhandlungen mit der Massenkultur – Die neueste Literatur(-wissenschaft) und die soziale Realität
Massenmedien, Märkte, Markennamen – wie noch nie zuvor erscheint die Gegenwart als mediales Konstrukt. In den Literaturwissenschaften haben vor allem die Erben der sozialgeschichtlichen Methode: Systemtheorie, Diskursanalyse und New Historicism einen Zugang zu diesen vermittelten Realitäten gefunden (1.). Die Gegenwartsliteratur gewinnt entsprechende seismograpische Qualitäten, wenn sie sich von einer Suche nach der verlorenen Eigentlichkeit vor den Diskursen abkehrt und statt dessen den Sprung in die Diskurse der Massenkultur wagt (2., 3.). Damit geschieht jedoch kein Ausverkauf von Literarizität. Im Gegenteil: In einer exemplarischen Lektüre von Joachim Lottmanns Roman Deutsche Einheit (1999) wird vorgeführt, daß aus der literarischen Interaktion mit der medialen Öffentlichkeit eine nicht nur zeitgemäße, sondern auch formbewußte Ästhetik resultiert (4.).
Mass media, markets, brand names – that our sense of reality appears to be largely a medial construction has never been as salient as it is today. In literary theory and criticism, it is primarily the heirs of socio-historical approaches – such as system theory, discourse analysis, and the new historicism – that have focused on the medial nature of our realities (1.). Contemporary literature tends to achieve similarly astute diagnostic powers when it dares to turn away from the quest for »lost« prediscursive originality and instead takes a hearty dive into the discourses of mass culture (2., 3.). By doing so, moreover, contemporary literature does not necessarily surrender aesthetic brilliance. Quite on the contrary – as I am going to demonstrate with an exemplary reading of Joachim Lottmann's novel Deutsche Einheit (German Union, 1999) –, the literary engagement with the medial aspects of our society leads to an aesthetics that is not only up to date but also quite sensitive to aspects of form.
© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2001
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