Robert E. Norton, Secret Germany. Stefan George and his Circle. 2002
In einem 1910 erschienenen Aufsatz nannte Karl Wolfskehl „das geheime Deutschland, das einzig lebendige in dieser Zeit“, und er fügte hinzu: Heute gelte es, „dem Leben eine Stätte zu bereiten, nicht wider die Zeit, denn alles Hadern ist von Übel, führt zur Verödung, sondern unberührt, weil fern von ihrem Pesthauch“. Fünf Jahre später griff der junge Norbert von Hellingrath in seinem Vortrag „Hölderlin und die Deutschen“ diese Prägung auf: Es liege im deutschen Wesen, daß sein Kern nicht im Kriegsgetümmel, sondern „nur in einem geheimen Deutschland zutage tritt“. Stefan Georges Gedicht Geheimes Deutschland entstand, laut Ute Oelmanns Erläuterungen zum Neuen Reich, „nach August 1922“. Das 102 Zeilen zählende Gedicht gipfelt in dem Vorwurf, daß das, was uns heute wert dünkt, „faules Laub ist im Herbstwind“. Nur das Verborgene, das für uns heute Undeutbare, „Geschick wird des kommenden Tages“. In seiner bekannten Wiederantrittsvorlesung, Frankfurt 1933, gab Ernst Kantorowicz dieser zuvor behutsam verwendeten Chiffre eine neue, eigene Aktualisierung. Ihm folgte Karlhans Kluncker, der als erster Das geheime Deutschland zum Buchtitel einer Aufsatzsammlung schaltete (Bonn 1985). Schließlich wurde die Prägung, krimiartig anglisiert, zum Thema einer wissenschaftlichen Tagung „In Search of the Secret Germany“ (Cambridge 2002), und Secret Germany steht, als offenbar werbewirksamer Titel, über der ebenfalls 2002 in Amerika erschienenen George-Biographie.
© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2003
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- Corinna Dörrich, Poetik des Rituals. Konstruktion und Funktion politischen Handelns in mittelalterlicher Literatur. 2002
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- Albrecht Hausmann, Reinmar der Alte als Autor. Untersuchungen zur Überlieferung und zur programmatischen Identität. 1999
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- Ulrich Kronauer / Jörn Garber (Hgg.), Recht und Sprache in der deutschen Aufklärung. 2001
- Gabriele Ball, Moralische Küsse. Gottsched als Zeitschriftenherausgeber und literarischer Vermittler. 2000
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- Jürgen Fohrmann, Schiffbruch mit Strandrecht. Der ästhetische Imperativ in der ‚Kunstperiode‘. 1998
- Ulrike Morgner, „Das Wort aber ist Fleisch geworden“. Allegorie und Allegoriekritik im 18. Jahrhundert am Beispiel von K. Ph. Moritz' „Andreas Hartknopf. Eine Allegorie.“. 2002
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