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Pastorenausbildung in der Church of England

  • Alexander Jensen

    Revd Canon Alexander Jensen ist Principal des Eastern Region Ministry Course, Cambridge.

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Published/Copyright: November 26, 2025
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Zusammenfassung

Die Pastorenausbildung in der Church of England ist kürzer und flexibler als in der EKD. Sie ermöglicht auch Spätberufenen den Einstieg ins Pfarramt und bewirkt eine vielfältigere Pfarrerschaft. Die Ausbildung ist eher praxisnah als akademisch und erfolgt meist an kirchlichen Einrichtungen mit unterschiedlichen theologischen Ausrichtungen. Die Ausbildung endet mit der Ordination und einer anschließenden praktischen Phase („curacy“). Zentrale Kriterien der Kandidatenauswahl sind unter anderem „Berufung“, „Liebe zum Menschen“, „Weisheit“ und „Vertrauenswürdigkeit“.

Abstract

Pastoral training in the Church of England is shorter and more flexible than in EKD. It also enables those with a late calling to enter the ministry, resulting in a more diverse clergy. The training is more practice-oriented than academic and usually takes place at church institutions from various theological traditions. It ends with ordination and a subsequent practical phase (curacy). Key selection criteria include “calling”, “love for people”, “wisdom”, and “trustworthiness.”

1 Einleitung

Die Pastorenausbildung in der Church of England ist erheblich kürzer und flexibler als in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das bedeutet zwar, dass die meisten anglikanischen Pastoren[1] weniger wissenschaftlich ausgebildet sind als ihre deutschen Amtsbrüder und -schwestern, dafür ist die Ausbildung aber erheblich flexibler, und es ist für „Spätberufene“ viel einfacher, einen Weg in das Pfarramt zu finden, was der Diversität der Amtsträger sehr zuträglich ist. Man geht die Pastorenausbildung, wie so viele andere Dinge in England, eher pragmatisch an – was braucht man, um in der Gemeinde fruchtbringend arbeiten zu können?

Um die Church of England zu verstehen, muss man sich bewusst machen, dass sie eine sehr breite Kirche ist, die Traditionen und Parteien enthält, die in Deutschland über viele Konfessionen verteilt sind: Die mittlere Tradition, „middle of the road“ genannt, ist in etwa mit dem Spektrum evangelischer Landeskirchen in Deutschland vergleichbar. Daneben gibt es den evangelikalen Flügel, der sich in evangelikal-reformiert, evangelikal-charismatisch (pfingstlerisch) und „open evangelical“ (moderat evangelikal und liberal) aufspaltet. Auf der anderen Seite steht der hochkirchliche (anglo-katholische) Flügel, der seinerseits in liberale und traditionalistische Gruppen zerfällt. Diese Flügel sind leider offen zerstritten. Das zeigt sich auch in der Pastorenausbildung und der damit zusammenhängenden Kirchenpolitik.

Ich werde in diesem Artikel einen kurzen historischen Aufriss präsentieren. Wie so viele Dinge in Großbritannien ist die Pastorenausbildung nicht vernunftgemäß geplant, sondern organisch gewachsen, und daher ist etwas geschichtlicher Hintergrund wichtig. Dann werde ich die Kandidatenauswahl, Bildungseinrichtungen und Ausbildungsgänge beschreiben. Dem folgen eine grobe Skizze der weiterführenden Ausbildung und ein paar abschließende Bemerkungen.

2 Geschichte und Hintergrund

In der Reformation hat die Church of England das dreifache Amt von Diakon, Priester und Bischof erhalten. Der Bischof ordiniert qualifizierte Kandidaten zunächst zum Diakon und nach einem Jahr zum Priester. Nach der Ordination zum Diakon fängt die „curacy“ an, eine dreijährige praktische Ausbildung, die mit dem deutschen Vikariat vergleichbar ist, mit dem Unterschied, dass die Anglikaner schon zu Beginn ordiniert sind.[2] Was „qualifiziert“ meint, ist in England und Deutschland sehr verschieden und in der Church of England auch ständigem Wandel unterworfen und umstritten.

In den deutschen evangelischen Landeskirchen gehört die wissenschaftliche Ausbildung zum Standesbewusstsein der Geistlichen. Ein Universitätsstudium in Theologie ist seit der Reformation Bestandteil der Ausbildung. Dem ist in der Church of England nicht so. Seit der Reformation haben Bischöfe versucht einzuführen, dass alle Geistlichen wenigstens einen Universitätsabschluss haben. Ein Bachelor of Arts (in den freien Künsten) reichte aus; es war nicht notwendig, auf einer höheren Fakultät Theologie zu studieren. Selbst das war nicht durchgängig erfolgreich. In Südengland und finanziell gut ausgestatteten Gemeinden mit einem guten Einkommen für den Pfarrer war das zwar am Ende des 18. Jahrhunderts weitgehend der Fall, in Nordengland und für ärmere Gemeinden mit geringen Bezügen für den Pfarrer eher weniger.[3] Wo es nicht möglich war, Kandidaten mit Universitätsabschluss zu rekrutieren, haben einige Bischöfe nichtuniversitäre Einrichtungen gegründet, um dem Pfarrermangel zu begegnen.[4] Manchmal wurden auch Männer ohne formelle Ausbildung ordiniert.[5] Zu ordinieren und zu bestimmen, wer ordiniert wird, ist im anglikanischen Verständnis das Vorrecht des Bischofs, und so ist es theoretisch möglich, dass Bischöfe Personen ohne anerkannte Ausbildung ordinieren, wovon einige Bischöfe zum Leidwesen der zuständigen Kirchenbehörden bis heute Gebrauch machen.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert hat es immer wieder Reformen der Universitäten und der Pastorenausbildung gegeben. Die Universitäten fingen an, für die Pastorenausbildung geeignete Kurse anzubieten, und Bischöfe gründeten „Colleges“, an denen sich junge Männer nach dem Universitätsabschluss auf das Pfarramt vorbereiten konnten.[6] Ein vorheriges Theologiestudium war nicht nötig. Im 20. Jahrhundert hatte ein typischer Kandidat einen Universitätsabschluss in einem anderen Fach als Theologie und hat dann drei Jahre auf einem College studiert. Es wurden auch Kurse für Kandidaten ohne Universitätsausbildung angeboten, diese waren aber in der Minderheit.

Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts wurde eine neue Form der Pastorenausbildung entwickelt, um den Bedarf an Pastoren zu decken. Man begann, Priester ins Ehrenamt zu ordinieren. Sie dienen in Teilzeit als „associate vicar“ oder „associate priest“ (Hilfspastoren) und verbinden das mit einem weltlichen Beruf. Für diese Kandidaten wurden regionale Einrichtungen („regional courses“) gegründet, die für einzelne Diözesen oder Gruppen von Diözesen Teilzeitkurse anbieten. Diese „regional courses“ bilden zunehmend auch Gemeindepastoren für den Vollzeitdienst aus.

Ein anderer wichtiger Unterschied ist, dass die Kirche die Pastorenausbildung bezahlt. Wenn man als Kandidat angenommen ist, bezahlt die Kirche die Studiengebühren an anerkannten Einrichtungen und kommt für Vollzeitstudenten auch für den Unterhalt auf.

Von der oben beschriebenen Ausgangslage im 19. Jahrhundert her hat sich das Ausbildungswesen organisch entwickelt, meistens ohne zentrale Planung und mit begrenzter Lenkung. Man versucht immer wieder, das so gewachsene System den sich wechselnden Umständen anzupassen und fortzuentwickeln. Das heißt, dass man keine übergreifende planende Logik in den Strukturen der Pastorenausbildung finden kann. Man kann sie, wie so viele britische Institutionen, nur aus ihrer Geschichte verstehen.

3 Auswahl

Vor der Ausbildung findet ein Auswahlverfahren statt, das die Eignung zum Pastorenberuf beurteilt. Das Verfahren fängt in der Diözese an und geht dann mit einem nationalen Auswahlverfahren weiter. Da die Entscheidung über die Ordination dem Bischof vorbehalten ist, kann die Auswahlkommission nur Empfehlungen aussprechen, denen ein weiser Bischof folgen wird.

Es gibt Auswahlkriterien („qualities“ genannt), nach denen Kandidaten beurteilt werden. Die sind „love for God“, „call to ministry“, „love for people“, „wisdom“, „fruitfulness“, „potential“ und „trustworthiness“.[7] An diesen werden Kandidaten gemessen und beurteilt.

Jede Diözese hat einen „Diocesan Director of Ordinands“ (DDO), der Kandidaten durch Auswahlverfahren und Ausbildung hindurch betreut. Wenn ein Gemeindemitglied eine mögliche Berufung zum geistlichen Amt mit dem Gemeindepastor bespricht und dieser darin Potenzial sieht, empfiehlt er die Person an den DDO weiter. Der hilft dem Bewerber, die Berufung zu durchdenken und im Sinne der Auswahlkriterien zu artikulieren. Währenddessen evaluiert der DDO die Eignung des Bewerbers. Wenn der DDO ihn für geeignet hält, empfiehlt er dem Bischof, den Bewerber in die zweite Phase zu senden, die von der Church of England zentral durchgeführt wird und aus Assessment-Centern besteht. Danach spricht die Auswahlkommission dem Bischof ihre Empfehlung aus. Während des Auswahlverfahrens entscheidet der DDO mit dem Kandidaten über den besten Ausbildungsweg.

4 Ausbildung

4.1 Einrichtungen

Die Pastorenausbildung findet in „Theological Education Institutions“ (TEI) statt. Diese sind selbständige Körperschaften, die von der Kirche als Ausbildungseinrichtungen anerkannt sind. Zurzeit gibt es 21 solcher Einrichtungen. Davon sind zehn „Theological Colleges“, die hauptsächlich Vollzeitkurse für Kandidaten anbieten, die im College wohnen. (Einige bieten zusätzlich andere Ausbildungswege an.) Colleges gehören in der Regel einem der kirchlichen Flügel an oder werden ihm zugerechnet. Grob gesagt ist eines zentral-liberal, eines liberal-evangelikal, zwei evangelikal, eines evangelikal-reformiert, eines evangelikal-charismatisch, zwei liberal-katholisch und zwei traditionalistisch-katholisch. Die Colleges sind stark in Südengland konzentriert. In Oxford gibt es drei, in Cambridge zwei, und jeweils eines in London, Bristol, Birmingham, Mirfield in Yorkshire und in Durham.

Elf Einrichtungen sind „regional courses“, die Teilzeit- und Vollzeitkurse anbieten. Da die Kandidaten, die an diesen „regional courses“ studieren, sich nicht durch Traditionszugehörigkeit, sondern durch Wohnort zuordnen, sind sie normalerweise kirchlich gemischt. Allerdings wird einer der „regional courses“ von einer der großen charismatischen Gemeinden in London mitgetragen. Einige der „regional courses“ bieten auch Ausbildungswege für Laienprediger („reader“) an.

Die TEIs werden indirekt von der Church of England durch Studiengebühren für Pfarramtskandidaten finanziert. Wo sie Laienprediger ausbilden, bezahlt dafür nicht die zentrale Church of England, sondern die jeweilige Diözese. Zusätzlich haben viele TEIs je nach Ausrichtung und Größe andere Einnahmequellen (bspw. Stiftungsvermögen, reiche Gönner). Die Church of England übt Qualitätskontrolle über die TEIs aus, und es gibt regelmäßige Visitationen.

Die Church of England hat eine Vereinbarung mit der Universität Durham, die über das „Common Awards“-Programm die Studien an den TEIs validiert. Das heißt, dass man, wo auch immer man studiert, einen Abschluss aus Durham bekommt.[8] Es gibt allerdings Ausnahmen. Die „Colleges“ in Oxford und Cambridge bieten neben den „Common Awards“ auch Abschlüsse der jeweiligen Universitäten an. Die „Common Awards“ decken fast den ganzen Umfang der Universitätsabschlüsse ab, einschließlich Bachelors und Masters.

Leider ist die ökumenische Dimension der Pastorenausbildung in den letzten zwanzig Jahren sehr zurückgegangen. Wegen des drastischen Rückgangs der Kandidatenzahlen haben sich die Methodisten und Reformierten (United Reformed Church) aus den meisten ökumenischen Einrichtungen für die Pastorenausbildung zurückgezogen. Vorher hatten die meisten „regional courses“ auch Methodisten und Reformierte ausgebildet. Die Methodisten arbeiteten auch mit mehreren „Colleges“ zusammen. Die einzige Zusammenarbeit mit den Methodisten besteht heute in „The Queen’s Foundation“, Birmingham, wo jetzt alle methodistischen Pastoren ausgebildet werden und die auch Anglikaner ausbildet. Die United Reformed Church unterhält zwei „Colleges“ in England, eines davon ist Mitglied in der „Cambridge Theological Federation“, zu der auch zwei anglikanische „Colleges“ gehören. Einige „Colleges“ arbeiten zusammen mit anderen Konfessionen und bieten freikirchliche Studiengänge an. Die evangelikalen „Colleges“ haben häufig viele freikirchliche Studenten ohne formelle Vereinbarungen.

4.2 Ausbildungswege

Im englischen Hochschulwesen gibt es eine ganze Reihe an Abschlüssen, die in Deutschland kein Äquivalent haben. Für den Bachelor of Arts (BA) braucht man normalerweise drei Jahre (Vollzeit). Nach jedem der drei Jahre kann man mit einem niedrigeren Abschluss abgehen, nach dem ersten Jahr mit einem „Certificate of Higher Education“ und nach dem zweiten mit einem „Diploma of Higher Education“. Nach dem dritten Jahr erreicht man den BA.

Die Mindestvoraussetzung für einen Gemeindepastor ist das „Diploma of Higher Education“, d. h. die ersten zwei Jahre des Bachelorstudienganges. Diesen Abschluss kann man in zwei Jahren Vollzeitstudium oder in drei Jahren Teilzeitstudium erreichen. Die individuelle Länge der Ausbildung hängt vom Alter und der Vorbildung der Kandidaten ab. Für unter 32-Jährige ohne Studienabschluss in Theologie dauert die Ausbildung normalerweise drei Jahre Vollzeit, meistens an einem College. Das ermöglicht jüngeren Kandidaten, den BA zu erwerben. Jüngere Kandidaten mit vorherigem Theologiestudium an einer staatlichen Fakultät – man kann in England unabhängig von der Pfarramtsausbildung an staatlichen Universitäten Theologie studieren, um dann nichtkirchliche Berufe zu ergreifen – studieren normalerweise zwei Jahre Vollzeit und erreichen einen Master of Arts. Ältere Kandidaten studieren zwei Jahre Vollzeit oder drei Jahre Teilzeit und erwerben das „Diploma“. Noch ältere Kandidaten, d. h. 55 Jahre oder älter, und die „associate priest“ (s. o.) werden wollen, studieren meistens zwei Jahre Teilzeit und erwerben ein „Certificate“.[9]

Dies sind die Mindestanforderungen. Daneben gibt es Ausbildungswege für Kandidaten, die Potenzial als zukünftige akademische Lehrer zeigen und als Teil ihrer Ausbildung promovieren. Es gibt auch viele Pastoren, die später berufsbegleitend weiterstudieren und auf dem „Diploma“ einen Bachelor aufbauen und dann später Magister- und Doktorabschlüsse machen. Es gibt durchaus die Tradition des gelehrten Priesters, des „scholar-priest“, doch das ist nicht die Norm.

Das Studium ist praxisbezogen. Neben den traditionellen akademischen Fächern nehmen die praktischen Fächer im Lehrplan sehr viel Raum ein. Daher durchlaufen auch jene, die bereits an der Universität Theologie studiert haben, die gleiche Ausbildung, nur findet sie in den akademischen Fächern auf höherem Niveau statt und führt zu einem höheren Abschluss. Für die Qualifikation zum Pfarrberuf ist der Unterschied aber unerheblich.

Ein Schwerpunkt der Ausbildung an den TEIs ist die „theological reflection“, eine aus der Befreiungstheologie stammende Methode, um Theorie und Praxis zusammenzubringen. Durch den Einfluss der evangelikalen Gruppen liegt ein weiteres Schwergewicht auf der Mission. Zusätzlich sind in allen Ausbildungsformen Kandidaten neben ihren Studien an Gemeinden angeschlossen und erhalten dort begleitende praktische Ausbildung. Das hilft den Kandidaten, Theologie und Praxis zu integrieren. Wegen der kurzen Ausbildungsdauer denken TEIs viel mehr über Pädagogik nach, als das an deutschen Fakultäten der Fall ist.

Ein Vollzeitstudent an einem „College“ wohnt dort in der Regel. Es gibt tägliche Gottesdienste, wenigstens Morgen- und Abendgebet, in anglo-katholischen „Colleges“ auch tägliches Abendmahl. An Wochentagen ist normaler Studienbetrieb. An Orten, an denen es mehr als ein „College“ gibt, wie in Oxford und Cambridge, wird der Lehrbetrieb gemeinsam durchgeführt. Daneben gibt es interne Lehrveranstaltungen, die die jeweilige Tradition des Seminars betonen. An Sonntagen sind die Studenten einer Gemeinde zugeteilt, wo sie üben, zu predigen und Gottesdienst zu leiten. Je nach Ausbildungslänge absolvieren die Studenten ein oder zwei Gemeindepraktika in den Ferien.

Teilzeitstudenten an „regional courses“ sind meistens berufstätig. Der Lehrbetrieb findet abends und an Wochenenden statt. Normalerweise besuchen diese Studenten eine Abendklasse pro Woche, eine Studienwoche und fünf oder sechs Wochenenden im Jahr. Dazu sind Studenten am Sonntag in der Gemeinde aktiv, wo sie predigen und Gottesdienste leiten. Ein oder zwei Gemeindepraktika sind während der Ausbildung vorgesehen.

Vollzeitstudenten an „regional courses“ besuchen zusätzlich zum Teilzeitprogramm weitere Lehrveranstaltungen und werden drei Tage pro Woche in einer Gemeinde praktisch ausgebildet.

In den letzten Jahren gibt es, bei generell rückgängigen Kandidatenzahlen, einen deutlichen Trend hin zur Teilzeitausbildung. Von 861 Kandidaten, die 2024–2025 in der Ausbildung waren, waren 402 in Teilzeitkursen, 239 in Vollzeitkursen an „regional courses“ und 220 in Vollzeitkursen an „Colleges“ eingeschrieben.[10] Die Flexibilität der Pastorenausbildung macht es leichter als in deutschen Landeskirchen, als „Spätberufener“ den Pastorenberuf zu ergreifen. So waren im selben Zeitraum von 329 Studienanfängern 57 unter 32 Jahre alt, 60 im Alter zwischen 32 und 39 Jahren, 138 zwischen 40 und 55 Jahren und 73 älter als 55 Jahre.[11] Es ist auffällig, dass jüngere Kandidaten mehrheitlich männlich sind und ältere vorwiegend weiblich. Insgesamt waren in der genannten Gruppe etwa 60 Prozent Frauen, bei den unter 40-Jährigen etwa 45 Prozent und bei den über 40-Jährigen etwa 66 Prozent.

Die Church of England bemüht sich darum, dass sich die Pastoren stärker aus verschiedenen Bevölkerungsschichten rekrutieren als bisher, damit die Pastoren die Vielfalt in der Bevölkerung besser widerspiegeln. Besonders auf größere ethnische und soziale Diversität wird Wert gelegt, und so gibt es Programme, um Kandidaten mit Migrationshintergrund[12] und aus der Arbeiterklasse[13] zu rekrutieren. Auch hierbei spielt die Flexibilität der Ausbildung eine große Rolle.

5 Ordination und danach

Während der Ausbildung sind die Kandidaten weiter in der Obhut ihrer sendenden Diözese. Der DDO bleibt mit den Kandidaten in Kontakt, und das TEI schickt dem Bischof im vorletzten und letzten Jahr einen ausführlichen Bericht über den Kandidaten. Wenn der Kandidat die Kriterien erfüllt, empfiehlt das TEI dem Bischof, den Kandidaten zu ordinieren.[14] Im Jahr vor der Ordination werden dem Kandidaten Stellen für die „curacy“ (das Äquivalent des Vikariates) angeboten. Die meisten Kandidaten bleiben in der sendenden Diözese. Einige wechseln zu diesem Zeitpunkt. Da die Diözesen miteinander strukturell erheblich enger verbunden sind als die deutschen Landeskirchen, ist ein Wechsel leicht möglich. Es kommt vor, dass es sich während der Ausbildung herausstellt, dass ein Kandidat nicht zum Pfarramt geeignet ist. Je nachdem wann das ist, wird die Ausbildung entweder abgebrochen oder der Kandidat wird nach abgeschlossener Ausbildung nicht ordiniert.

Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung werden die Kandidaten in den meisten Diözesen um das Petrus-und-Paulus-Fest herum (am Sonntag vor oder nach dem 29. Juni) zum Diakon ordiniert. Danach beginnt die dreijährige „curacy“, in der der „curate“ von einem Ausbildungspastor angeleitet in der Gemeinde arbeitet. Nach dem ersten Jahr erfolgt die Ordination zum Priester.

Während der „curacy“ geht die Ausbildung weiter. Die einzelnen Diözesen haben Ausbildungsprogramme für die „curates“, wobei die Qualität dieser Programme von Diözese zu Diözese sehr schwankt. Um die „curacy“ erfolgreich zu beenden, muss man wieder kirchenweite Kriterien und Ausbildungsziele erfüllen.[15] Danach kann man sich auf Pfarrstellen als Gemeindepastor oder Assistenzpastor bewerben.

6 Schluss

Die Pastorenausbildung in der Church of England ist kürzer und flexibler als in den Kirchen der EKD. Während es leicht ist, aus deutscher Perspektive darauf hinabzublicken, ist im späteren kirchlichen Dienst kein großer Unterschied festzustellen. Deutsche evangelische und anglikanische Pastoren erfüllen ihre Aufgaben in den Gemeinden kompetent und begegnen sich auf Augenhöhe. Es gibt in beiden Kirchen genauso viele gute, mittelmäßige und schlechte Prediger. Die praxisbezogene Ausbildung in den TEIs mit der bewussten Integration von Theologie und Praxis hilft Pastoren, diese beiden Aspekte zusammenzubringen. Das zeigt sich vor allem in der Seelsorge und Liturgie.

Wahrscheinlich sind die verschiedenen Ausbildungswege Ausdruck der verschiedenen Kulturen, in denen wissenschaftliche Ausbildung in der Gesellschaft einen jeweils anderen Stellenwert hat. Aber dennoch kann man viel voneinander lernen.

Über den Autor / die Autorin

Revd Canon Alexander Jensen

Revd Canon Alexander Jensen ist Principal des Eastern Region Ministry Course, Cambridge.

Online erschienen: 2025-11-26
Erschienen im Druck: 2025-11-25

© 2025 bei den Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 30.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/mdki-2025-0034/html
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