WeltLiteraturen / World Literatures
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Die Schriftenreihe der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien an der Freien Universität Berlin steht für eine theoretisch avancierte und global orientierte Literaturwissenschaft. Sie fasst das gesamte Spektrum philologischer Disziplinen – von der Germanistik bis zur Japanologie – in den Blick und setzt zu diesem Zweck auf die gemeinsame Basis literaturtheoretischer Grundsatzreflexionen. Systematische Schwerpunkte der Schriftenreihe sind Theorien der Weltliteratur,Literaturgeschichte als Verflechtungsgeschichte, Wissenspoetologien, Intermedialität der Literatur und Praxeologie.
Die Reihe präsentiert Monographien und Sammelbände aus allen an der Schlegel-Schule beteiligten Fachgebieten, zu denen die europäischen Literaturen und außereuropäische Literaturen gehören. Die einer vergleichenden und/oder verallgemeinernden Perspektive folgenden Beiträge erheben Anspruch auf eine exemplarische Leistung in ihrem Fachgebiet und bilden zugleich einen wichtigen Beitrag zu einem oder mehreren der theoretischen Schwerpunkte.
Ziel ist die Integration von einzelwissenschaftlicher und komparatistischer Forschung unter Einbeziehung benachbarter diskursiver Praktiken. Das Leitbild Friedrich Schlegels verpflichtet hierbei zum Studium literarischer Kulturen in universalpoetischer Perspektive.
Wissenschaftlicher Beirat
- Ute Berns (Universität Hamburg)
- Stefan Keppler-Tasaki (Universität Tokyo)
- Renate Lachmann (Universität Konstanz)
- Catriona MacLeod (University of Chicago)
- Ken'ichi Mishima (Tokyo Keizai Universität)
- Glenn W. Most (Scuola Normale Superiore Pisa)
- Janet A. Walker (Rutgers University)
- Christy Wampole (Princeton University)
- Christopher Young (University of Cambridge)
Information zu Autoren / Herausgebern
J. Müller-Tamm, A. J. Johnston, A. Eusterschulte, S. Frank, M. Gamper, Freie Universität Berlin.
Zusatzmaterial
Der Sammelband widmet sich vergessenen avantgardistischen und modernistischen Strömungen im nördlichen und östlichen Europa. Literatur- und kulturhistorische Überblicksdarstellungen konzentrieren sich meist auf den westlichen Teil Europas und vernachlässigen die skandinavischen, baltischen und ostmitteleuropäischen Zentren der avantgardistischen Moderne. Das Aufkommen der literarischen und künstlerischen Moderne und der sie forcierenden Avantgarden wird daher weitgehend mit der Geschichte des Westens gleichgesetzt, obwohl es im nördlichen und östlichen Europa zahlreiche herausragende Künstler und Künstlerinnen gab, die ebenfalls avantgardistische Bewegungen begründeten. Die Wechselwirkungen und Wanderungsbewegungen avantgardistischer Konzepte und Akteure zwischen Nord, Ost und West sind bisher jedoch nur sporadisch erforscht worden und werden nun exemplarisch aus gesamteuropäischer Perspektive vergleichend untersucht.
Ziel ist es, das Wissen über die nördlichen und östlichen Avantgarden zu erweitern und so in der interdisziplinären Zusammenarbeit (zwischen Germanistik, Skandinavistik, Baltistik und Slavistik sowie Kunst- und Kulturwissenschaften) neue Forschungsfelder zu pluralen Avantgarden in Europa zu erschließen.
Meilenstein literarischer Karrieren und Gatekeeper des Literaturbetriebs, entscheidendes Instrument der Kulturförderung und Außenkulturpolitik, Rückzugsort und Inspirationsquelle für Schreibende, Drehkreuz künstlerischer Mobilität – all dies und vieles mehr sollen deutsche Residenzprogramme im Ausland sein. Zu diesem globalen, von Akteuren wie dem Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut koordinierten Netzwerk gehören ambitionierte Institutionen wie die Villa Massimo in Rom, die Villa Aurora in Los Angeles, die Villa Kamogawa in Kyoto und die Kulturakademie Tarabya in Istanbul. Welche Ziele verfolgen diese und weitere deutsche Residenzprogramme im Ausland? Nach welchen Kriterien fördern sie Literatur? Was für ein Bild literarischen Schaffens kultivieren sie? Welche Wirkungen hat diese Förderung auf die Formen der Literatur und des Literaturbetriebs, welche Effekte hat sie für die Schreibenden? Mit diesen Fragen setzt sich der vorliegende Band auseinander, indem er ein breites Spektrum von politikwissenschaftlichen, kultursoziologischen und literatur- bzw. theaterwissenschaftlichen Ansätzen und Fallstudien zusammenführt.
Der zweisprachige, deutsch-italienische Band geht der Frage nach, inwiefern Rezensionen in Zeitschriften zwischen 1700 und 1850 zu einem Begriff der ‚Weltliteratur‘ beitrugen, wobei ‚Weltliteratur‘ als Diskursanker rekonstruiert wird, der von Beginn an durchaus widersprüchlich eingesetzt und verstanden wurde. Bisher ausgeblendet geblieben ist die Frage nach den kommunikativen Bedingungen, die einer transnationalen Verständigung über Literatur zugrundelagen. Die Beiträge kehren zu den fundierenden Konstellationen des 18. und 19. Jahrhunderts zurück, um einen Aspekt in den Blick zu nehmen, der bisher erstaunlich vernachlässigt wurde: jenen der medialen Voraussetzungen des Weltliteratur-Diskurses. Dies ist umso erstaunlicher, als Goethe den Begriff der ‚Weltliteratur‘ nicht von ungefähr mit Blick auf die neuen Kommunikationsmöglichkeiten prägte, die das schnellste Massenmedium seiner Zeit, die periodische Presse, bereithielt.
Mit Blick auf eine breite Palette von europäischen Zeitschriften wird die Rezension in ihrer kommunikationssteuernden Bedeutung für die frühe Aushandlung von ‚Weltliteratur‘ sichtbar gemacht. Die Beiträge des Bandes zeigen, wie Rezensionen die frühe internationale Debatte allererst ermöglichten und nachhaltig prägten.
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der transnationalen Dimension der Kanonisierung von Literatur im Rahmen der griechisch-sowjetischen Literaturbeziehungen. Teil der sowjetischen ideologischen Expansion war auch ein Konzept von Weltliteratur, mithilfe dessen ein normatives ästhetisches Programm exportiert und eine ‚Internationale des Geistes‘ etabliert werden sollte. Die Arbeit betrachtet die Übersetzung und Publikation neugriechischer Literatur in der Sowjetunion als Unterprojekt des sowjetischen Kultur- und Weltliteraturprojekts und erkundet anhand dieses literarhistorischen Fallbeispiels dessen Wege und Realisierungsstrategien. Den Forschungsgegenstand der Arbeit bilden Rezeption, Übersetzung, Publikation und Präsentation neugriechischer Literatur in der Sowjetunion in Hinblick auf narrative Strategien, Übersetzungspraktiken und Vermittlungsaktivitäten. Die Arbeit, die sowohl eine narratologische als auch eine literaturpragmatische Dimension von Kanonisierung in den Blick nimmt und sich weitgehend auf unveröffentlichtes Archivmaterial stützt, stellt die erste systematische komparatistische Untersuchung des bis dato unkartierten Bereichs der griechisch-sowjetischen Literatur- und Übersetzungsgeschichte dar.
Poetic critique – is that not an oxymoron? Do these two forms of behavior, the poetic and the critical, not pull in different, even opposite, directions? For many scholars working in the humanities today, they largely do, but that has not always been the case. Friedrich Schlegel, for one, believed that critique worthy of its name must itself be poetic. Only then would it stand a chance of responding adequately to the work of art.
Taking Schlegel’s idea of poetische Kritik as a starting point, this volume reflects on the possibility of drawing these alleged opposites closer together. In light of current debates about the legacy of critique, it investigates whether a concept such as poetic critique (or poetic criticism) lends itself to enriching our intellectual practice by engaging with the poetic potential of criticism and the critical value of art and literature.
Die Defiguration der Schrift – der Tintenklecks, der Makulaturfetzen, der Schreibfehler – bricht mit der Schrift als vom gestaltlosen Hintergrund abgehobener, distinkter Zeichenfigur. Der drohende oder eingetretene Verlust der schriftlichen Repräsentation lässt dabei Visualität und Stofflichkeit der Schrift hervortreten. Die Studie untersucht dieses bei
den zwei Autoren der europäischen Romantik E.T.A. Hoffmann und Nikolaj Gogol’ gehäuft auftretende, doch bisher kaum wissenschaftlich beachtete literarische Motiv und materielle Phänomen in publizierten Texten, Handschriften und Zeichnungen. Dabei werden zunächst zentrale Konflikte der (früh-)romantischen Schriftreflexion in ihrem mediengeschichtlichen Kontext herausgearbeitet und anschließend die werkspezifischen Verarbeitungen dieser bei beiden Autoren beleuchtet. Die Defiguration der Schrift erweist sich als Ausdruck der gegenseitigen Bedingtheit von
Schriftutopie und Schriftkritik in der Romantik. Über die explizite Materialität der Defiguration der Schrift setzen sich die untersuchten Autoren E.T.A. Hoffmann und Nikolaj Gogol’ mit der Abhängigkeit gegensätzlicher Schriftbegriffe auseinander, die bereits in der deutschen Frühromantik angelegt ist.
Ausgehend von Agambens Lebensbegriff der „zoe" entwickelt die Studie eine Theorie des Zoegraphischen. Mit ihr lässt sich nichtmenschliches Leben in autobiographischen Texten beschreiben. Im Zentrum der Analyse steht das Romanwerk des russischen Dichters, Bildenden Künstlers und Performers Dmitrij Aleksandrovič Prigov (1940–2007). Zoegraphisches Erzählen wird hier zur poetologischen Strategie zwischen Avantgarde, Totalitarismus und Posthumanismus.
Die Fiktionstheorie sieht in peritextuellen Elementen häufig Signale, die den Umgang mit einem Text steuern oder gar festlegen. Weder die historischen Hintergründe noch die theoretischen Implikationen dieser Annahme wurden ausführlicher analysiert. Diese Studie verfolgt daher zwei Ziele: Einerseits sollen die Anschlussmöglichkeiten und Verschränkungen zwischen theoretischen Positionen in Fiktions- und Paratexttheorie aufgezeigt werden. Andererseits wird in der komparatistisch angelegten Betrachtung von Erzähltexten insbesondere des 18. und 20. Jahrhunderts eine breitere Materialbasis geschaffen, um peritextuelle Signalisierungen, Markierungen und Verhandlungen von Fiktion in ihrem jeweiligen Kontext situieren zu können. Dabei zeigt sich, dass diese immer auch auf zeitgenössische Probleme im Umgang mit fiktionalen Texten reagieren – ob sie nun eine wahre Geschichte versprechen oder aber behaupten, dass alles frei erfunden ist und Ähnlichkeiten zur Realität rein zufällig sind. Der Peritext als vermeintlich externer Kommentar, der aber selbst Teil dessen werden kann, was kommentiert wird, ist ein Ort der Selbstreflexion, an dem sich inter(peri)textuelle Traditionslinien und Topoi herausbilden, die sich als sehr komplex erweisen.
Die Studie aus dem Bereich der Philosophie und Anthropologie der Literatur untersucht Verführung als Erschließungskategorie moderner Prosa. Die Hauptachse der Arbeit bilden die komparatistischen Analysen der Werke von Robert Musil, Bruno Schulz und Witold Gombrowicz. Die Autoren benutzten die Kategorie der Verführung in ihren literarischen und theoretischen Texten, um ihre Auffassungen von Kunst, Subjekt und Wirklichkeit zum Ausdruck zu bringen.
Die Fiktionsforschung entwickelt ihre Theorien traditionsgemäß anhand fiktionaler Erzähltexte. In den letzten Jahren zeigt sich jedoch zunehmend eine Öffnung der Debatte in Richtung anderer Künste und Medien. Eine Vorreiterrolle nimmt in diesem Zusammenhang Kendall L. Waltons Studie Mimesis as Make-Believe (1990) ein, die sich für aktuelle Entwicklungen der Fiktionstheorie in verschiedener Hinsicht als prägend erwiesen hat. Der Band knüpft hieran an und wirft Fragen nach der medialen Reichweite sprachbasierter Ansätze, aber auch nach dem heuristischen Potential einer künste- und medienvergleichenden Herangehensweise für die Fiktionsforschung auf. Welche Konsequenzen ergeben sich aus traditionellen, narrativ orientierten Ansätzen für nicht oder nur bedingt narrative Praktiken wie etwa Fotografie und Malerei, soweit diese überhaupt als fiktionale zu beschreiben sind? Und welchen Beitrag können diese und andere Künste und Medien wiederum für eine Theorie des Fiktionalen leisten? Der Band nimmt Phänomene der Fiktion aus einer künste- und medienvergleichenden Perspektive in den Blick und trägt so zu einer transmedial fundierten und interdisziplinär ausgerichteten Fiktionsforschung bei.
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Empfindungen im Prosawerk des jüdisch-rumänischen Autors M. Blecher: Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit, Vernarbte Herzen und Beleuchtete Höhle. Die Autorin geht von der Beobachtung aus, dass M. Blechers literarisches Unterfangen habitualisierte Seh- und Denkweisen radikal in Frage stellt. Anders als die Surrealisten lotet Blecher selten die Interferenz von Traum und Wachzustand ästhetisch aus. Es ist vielmehr das virtuelle Vermögen der entregelten Sinne und Empfindungen, das eine wahrere Realität zu eröffnen verspricht. In der Aufladung des ‚rohen‘ Empfindens als vermeintlich unmittelbarer Zugang zur Welt überschneidet sich Blechers Literatur mit philosophischen und phänomenologischen Diskursen der Zeit: mit Bergson, Merleau-Ponty und Schapp etwa. Doch die poetische Prosa will selbst Medium der Einübung in anderes Sehen und Empfinden sein. In Zeiten der Sprachkrise strebt Blecher eine Sprache von aisthetischer Intensität an, die sich, auch wenn sie von Schmerz und Krankheit erzählt, stets der Sentimentalität verwehrt.
Die Arbeit stellt den ersten monographischen Beitrag im deutschen Sprachraum zum Werk M. Blechers dar.
Im Zeitraum zwischen 1756 und 1832 lassen sich zwei Phasen des britisch-deutschen Literaturtransfers ausmachen. Die Anglophilie und europäische Gelehrsamkeit der Deutschen - besonders in Braunschweig, Göttingen, Hamburg, Leipzig, Zürich und Weimar - wird zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts abgelöst vom wetteifernden Denken in den Kategorien Welt und Nation.
Die Beiträge des Bandes nähern sich dem weit verzweigten Netz britisch-deutscher und am Rande auch deutsch-britischer Bezüge mit zwölf Fragestellungen, die sich auf die Rezeption, Übersetzung und Verarbeitung britischer Schriften im deutschsprachigen Raum bis nach Prag, auf den Vergleich ästhetischer Diskurse sowie auf Schilderungen von Englandreisen beziehen.
Die Untersuchung widmet sich dem Vergleich von Kommentierungsstrategien in der Renaissance am Beispiel der bisher wenig beachteten Horazkommentare des Cristoforo Landino von 1482 und des Denis Lambin von 1561, die in ihrem Verhältnis zum kommentierten Autor stark kontrastieren. Im ersten Teil liegt der Fokus auf den autorisierenden Paratexten beider Editionen. Landino zeigt sich als Kommentator, der sich als Teil der Dichtungstradition versteht. Lambin hingegen stellt seine Selbststilisierung in den Vordergrund. Im zweiten Teil werden diejenigen Passagen vergleichend analysiert, die die Kommentatoren aufgrund ihres intellektuellen Umfelds vor sprachliche und inhaltliche Herausforderungen stellen: obszöne und epikureische Passagen. Anhand dieser Textstellen kristallisiert sich eine eindeutige Verschiebung im Verhältnis zwischen Autor, Kommentator und Leser heraus: Landino glättet Horaz und schützt seine Leser. Lambin hingegen entzieht sich dieser Verantwortung und konfrontiert seine Leser mit Anstößigkeiten. Dabei werden exemplarisch Entwicklungen im Genre des Kommentars zwischen dem fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert und die Vielseitigkeit der rinascimentalen Horazrezeption sichtbar.
When a term is overused, it tends to fall out of fashion. Cynicism seems to be an exception. Its polytropic versatility apparently prevents any discontinuation of its application. Everyone knows that cynicism denotes that which is deemed deleterious at a given time; and every time will specify its toxicities – the apparent result being the term’s non-specificity. This study describes the cynical stance and statement so as to render the term’s use scholarly expedient.
Close readings of textual sources commonly deemed cynical provide a legible starting point. A rhetorical analysis of aphorisms ascribed to the arch-Cynic Diogenes facilitates describing the design of cynical statements, as well as the characteristic features of the cynical stance. These patterns are identifiable in later texts generally labeled cynical – above all in Machiavelli’s Principe. With recourse to the Diogenical archetype, cynicism is likewise rendered describable in Gracián’s Oráculo manual, Diderot’s Le neveu de Rameau, and Nietzsche’s Posthumous Fragments.
This study’s description of cynicism provides a phenomenon otherwise considered amorphous with distinct contours, renders transparent its workings, and tenders a dependable basis for further analyses.
Die Studie widmet sich der Literarisierung von Forschungsexpeditionen um 1800 anhand eines Vergleichs der Reiseberichte von Georg Forster, Alexander von Humboldt und Adelbert von Chamisso. Im ersten Teil stehen Techniken im Mittelpunkt, welche die Makrostruktur und Mikrostruktur des Textkorpus prägen. Hierbei weist die Arbeit nach, dass sich die drei Autoren sowohl auf spannungsreiche Art mit dem „klassischen“ Gattungsmodell des Reiseberichts auseinandersetzen als auch mit der Einfügung von Zitaten (Forster), der Annäherung an die Kunst (Humboldt) und dem Rückgriff auf die Lyrik (Chamisso) darüber hinausgehen. Im zweiten Teil wechselt der Fokus von der Fremddarstellung der Expeditionsziele zur Selbstdarstellung der Reisenden. Hier beleuchtet die Studie zunächst drei Posen der literarischen Selbstinszenierung: bei Forster dessen Einreihung in die Mode der Empfindsamkeit, bei Humboldt dessen Agieren als Causeur sowie bei Chamisso dessen Identifikation mit der fiktionalen Figur Peter Schlemihl. Im Anschluss daran analysiert die Arbeit Selbstverortungen der drei Autoren auf dem literarischen Feld. Dabei zeigt sie, dass von Forster über Humboldt zu Chamisso immer weniger die Annäherung und immer stärker die Abgrenzung zu anderen Autoren im Zentrum steht.
Der Band legt Mishima Yukios Essay Zur Verteidigung unserer Kultur (1968) erstmals in Übersetzung vor. Mishima befasst sich darin mit dem Verhältnis von Kultur, Tradition, Kaiser und Nation und positioniert sich zu diesen Themen, die auch sein fiktionales Schaffen bestimmen. Die Autorin unterzieht den Text einem close reading und zeigt anschließend durch dessen Kontextualisierung wichtige Diskurse der japanischen Nachkriegszeit auf.
Solange es Film gibt, gibt es die Verfilmung von Gedichten. Dennoch sind audiovisuelle Erscheinungsformen von Lyrik bislang weitgehend vernachlässigt worden.
Die vorliegende Studie beginnt, diese Forschungslücke auf dem Gebiet der Literatur-Film-Beziehungen zu schließen und entwirft zunächst eine Typologie des Poesiefilms. Im Zentrum steht der Gedichtfilm, der sich als konkrete Realisierung von Lyrik im audiovisuellen Medium von verwandten Phänomenen wie dem poetischen Film und der Literaturverfilmung abgrenzen lässt.
In einem historischen Abriss werden Traditionen des noch wenig bekannten Kurzfilm-Genres im Avantgardekino der 20er Jahre, der Medienkunst und der Spoken-Word-Bewegung nachgezeichnet. Die systematische Untersuchung arbeitet zentrale Analysekategorien heraus und führt sie exemplarisch vor.
Im Sinne des acoustic turns wird dabei eine einseitige Konzentration auf semantische und visuelle Aspekte vermieden und stattdessen die audiovisuelle Verfasstheit von Gedichtfilmen betont. Poesiefilme bewegen sich zwischen den Polen etablierter Dichotomien und geben Anlass, Gegensatzpaare wie Textualität und Performativität, Performativität und Medialität und nicht zuletzt Hören und Sehen auf ihre Wechselwirkungen hin zu befragen.
This book explores one of the central questions that has haunted husbands and wives and lovers over the millennia of history: What kind of afterlife might they expect for their love once one or both of them have died? Focusing on the evolution of ideas about posthumous love within medieval and early modern Europe, the book includes many religions and cultures in order to understand how expectations about the afterlife differed across traditions.
Grenzen, ihre Überschreitung, ihre Auflösung und ihre Wiederherstellung sind ein Schlüsselkonzept für das Verständnis romantischer Literatur. Die Studie analysiert vergleichend literarische Entgrenzungsphänomene in der Romantik in Deutschland, den USA und Großbritannien auf der Basis eines aus der Semiotik der Romantik und der postmodernen Theorie abgeleiteten "a-limitation"-Modells. Dabei geht sie über das etablierte Verständnis romantischer Entgrenzung als subjektphilosophisches Konzept der Transgression oder Transzendenz hinaus. A-limitation ist ein transepochales romantisches Phänomen, das in drei interdependenten Dimensionen (Zeichen, Subjekt, Raum) auftritt. Der Mechanismus von A-limitation, die Überschreitung von internen Grenzen bei gleichzeitiger Annäherung an ein externes Limit, tritt in den drei verschiedenen Dimensionen als eine Spannung hervor zwischen adamitisch-bedeutungsvollem Zeichen und arbiträrem Sprachspiel, zwischen ganzheitlichem Individuum und Entgrenzungsphantasie, zwischen gekerbtem Zivilisationsraum und offenem Naturraum. Dass dieses Spannungsverhältnis leicht verschoben in der postmodernen Theoriebildung fortlebt, zeigt eine Lektüre von Deleuze und Guattaris geophilosophischer Schrift "Tausend Plateaus", die als theoretischer Referenztext das Begriffsinventar liefert. Die Methode der Arbeit erforscht die Grenzzonen zwischen Text und Theorie. In drei Hauptkapitel und drei "Theorieplateaus" wird dieser Grundspannung nachgegangen. Dabei werden in den Lektürekapiteln jeweils mindestens drei verschiedene Texte aus den drei Nationalliteraturen in möglichst weiter zeitlicher und thematischer Streuung untersucht, in den und Theoriekapiteln eine Verallgemeinerung der A-limitations-Theorie und damit ihre Übertragbarkeit auf andere Texte ermöglicht. Die Lektüre von kanonischen und weniger bekannten Texten, von Charlotte Smiths Sonetten über Josef von Eichendorffs "Taugenichts" zu Herman Melvilles "Moby-Dick", bietet den ersten systematischen Zugang zu einem genuin romantischen Phänomen, das sich bis zu posthumanen Ideen der zeitgenössischen Literatur verfolgen lässt. Die Studie wurde 2012 mit dem von der Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freunde, Förderer und Ehemaligen der Freien Universität Berlin e.V. gestifteten Ernst-Reuter-Preis als herausragende und zukunftsweisende Promotionsarbeit ausgezeichnet. Boundaries constitute a key concept in Romanticism: their transgression, their elimination, but also their reconstruction. By analyzing the triad of sign, subject, and space, this study provides a comprehensive analysis of boundaries in German, English, and American Romanticism. Its trans-epochal approach reveals a shared dynamic of a multiplicity of heterogeneous boundary phenomena ranging from the late 18th century to postmodern Romantic texts and constructs a model for the examination of limits: a theory of a-limitation. Drawing upon diverse semiotic theories in Romanticism, "Liminal Semiotics" uncovers a tension between the idea of a meaningful protolanguage and the arbitrary language games that pervade linguistic thinking in the late 18th and early 19th century. Boundary phenomena in Romantic texts are thus defined by this tension which is mirrored in spatial concepts and the philosophy of the subject. The oscillation of the Romantic subject between the desire for individuality and dissolution, which has hitherto been the focus of scholarship on Romanticism, is complemented by a more comprehensive approach to boundary phenomena. This study is the first to explore the mechanisms of different boundary phenomena in detail. With a creative theoretical design that allows the reader to survey readings of individual texts as well as situating them in a broader theoretical framework, "Liminal Semiotics" offers a new perspective on a variety of literary texts and theories. After an introductory chapter on boundaries that establishes a terminology for the theory of a-limitation derived from postmodern thinking, a detailed mapping of the semiotics of Romanticism forms the basis for the ensuing exploration of Romantic boundaries. Each main chapter is devoted to the analysis of a-limitation in three Romantic texts as diverse as William Blake’s "Jerusalem", Josef von Eichendorff’s "Der Taugenichts", and Walt Whitman’s "Leaves of Grass". The ensuing theoretical chapter offers a detailed account of the theoretical instruments employed in the preceding analysis. Methodologically, "Liminal Semiotics" is therefore placed at the intersection between textual analysis, literary theory and cultural studies. The thesis was awarded the Ernst-Reuter-Prize 2012 for outstanding dissertations at Freie Universität Berlin.