Simulationsgestützte Optimierung von partiell gehärteten Automobilteilen aus Mehrphasen-Stahl*
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J. Lütjens
, M. Hunkel , U. Scholl , T. Wallmersperger , R. Schilling , D. Sihling and K. Wiegand
Kurzfassung
Die Anforderungen hinsichtlich Leichtbau und Einsatzsicherheit im Automobilbau erfordern in zunehmendem Maß lokal angepasste Bauteile. Hier wird untersucht, inwieweit Crashträger aus Mehrphasenstählen durch lokale Härtung in einem Teilstück versteift werden können, ohne durch eine Vergrößerung der Querschnittsfläche das Gewicht zu erhöhen. Auf Basis dieser experimentellen Untersuchungen wird parallel die Verbesserung der Vorhersagekraft von Simulationsrechnungen durch Kopplung unterschiedlicher FEM-Programme erforscht. Ein Aspekt ist dabei die Übertragung und Interpolation tensorieller Größen wie Spannungs- oder Dehnungszustand. Damit gelingt erstmals eine durchgängige Simulationskette der Prozessschritte Umformung und Wärmebehandlung mit anschließender Crashsimulation.
Abstract
In the automotive industry, increasing demands for weight reduction as well a safety requirements have motivated the use of locally optimized components. This study shows how crashrelevant side rails made of multi-phase steels can be improved in terms of local rigidity by local hardening, thus avoiding an increase of the cross section. Based on the experiments, the improvement of crash simulations by simulation of the entire production chain is investigated.A dedicated software tool was developed to enable the coupling of a wide range of commercially available FEM software products for forming, heat treatment, and crash simulations. One central aspect tobe solved is the transfer of tensor-like properties such as stress or strain states.
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Das gemeinsame Forschungsvorhaben 171 N der Forschungsvereinigung Automobiltechnik e.V. (FAT) und der Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik e. V. (AWT) wurde im Programm zur Förderung der „Industriellen Gemeinschaftsförderung (IGF)“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie über die AiF finanziert.
Die Autoren danken dem Arbeitskreis 27 „Finite-Element-Anwendung im Automobilbau“ der FAT für die Beiträge zur erfolgreichen Durchführung dieses Forschungsvorhabens.
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Diskussion /Discussion
H. Berns : Die gute Eigenschaftskombination von Festigkeit und Zähigkeit der Mehrphasenstähle beruht unter anderem ganz nachdrücklich auf ihrer Feinkörnigkeit.Die Nachhärtung könnte das aufheben,Sie überhitzen das Gefüge vielleicht sogar. Ich konnte nicht so genau ausmachen, welche Korngrößen dabei herauskommen. Außerdem bekommen Sie in den Vorversuchen Härtesteigerungen bis in die Größenordnung von 500 Vickers, also 50 Rockwell. Sie haben dann in Zugversuchen nachgewiesen, dass noch eine gute Dehnung vorliegt, aber es ist die Dehnung in der Hochlage. Und meine Frage ist,wenn ich 50 Rockwell und ein grobes Korn habe und wenn noch, konstruktiv bedingt, irgendwo ein Kerblein auftritt, wo liegt dann die Übergangstemperatur? Das ist, glaube ich, eine wichtige Frage. Das Aufreißen an der Schweißnaht hängt vielleicht auch damit zusammen.
J. Lütjens : Es fand keine Vergröberung in dem Sinne statt.Wir haben ja das Gefüge gesehen, also die Ferritkörner und dazwischen kleine Martensitanteile. Im Fall von DP beispielsweise hat es sich dahingehend verändert, dass die Ferritkörner ein bisschen geschrumpft sind und die Martensitkörner ein bisschen gewachsen sind, aber es ist jetzt nicht so, dass Körner zusammengewachsen sind oder so etwas in der Art. Ich würde widersprechen, dass das Gefüge sich vergröbert hat.Was den anderen Effekt angeht,die Schweißnaht und der Einfluss der Wärmebehandlungstemperatur darauf, da könnte ich mir durchaus vorstellen, dass das einen großen Einfluss gehabt hat.
H. Berns : Ich würde schon dafür plädieren, dass Sie sich auch in irgendeiner Form, natürlich nicht mit den üblichen Kerbschlagproben, aber ein Bild machen über die Lage der Übergangstemperatur in Abhängigkeit von angenommenen Kerbeinflüssen. Mir scheint das sehr wichtig. Und dass Sie bei 950 °C bei Stählen, die unter 800 °C endverformt sind, kein Kornwachstum bekommen, das würde mich verwundern.
J. Lütjens : Ja, das hat mich auch gewundert. Aber ich gebe Ihnen insofern Recht, als dass diese Versuche bestimmt sinnvoll wären. Die metallographischen Ergebnisse zeigen alderdings ein anderes Bild, also kein besonders grobes Korn.
Nachtrag J. Lütjens : Die Diskrepanz erklärt sich aus der kurzen Wärmebehandlungsdauer von 30 s.
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Diskussionsteilnehmer
Prof. em.Dr.-Ing. H. Berns,Ruhr-Universität, Institut für Werkstoffe, Bochum
Dr. J. Lütjens, IWT Stiftung Institut für Werkstofftechnik, Bremen
Literatur
1 Lütjens, J.; Hunkel, M.; Hoffmann, F.; Zoch, H.-W.: FEM simulation of carbon diffusion and phase transformations in dual phase and TRIP steels. Proc. 15th IFHTSE Conf., 25.-29.09.06,Wien/A,ASMET/A (Hrsg.), S. 354-360Search in Google Scholar
2 Lütjens, J.;Hunkel, M.;Hoffmann, F.; Zoch,H.-W.: FEM simulation of local heat treatment on dual phase and TRIP steel parts. HTM Z.Werkst.Wärmebeh. Fertigung 61 (2006) 5, S. 249-253Search in Google Scholar
3 Shepard, D.: Two-Dimensional Interpolation Function for Irregularly-spaced Data. Proc. 23rd National Conf. Association for Computing Machinery, 27.-29.08.68. Schriftenreihe ACM Publication, P-68; S. 517-524Search in Google Scholar
4 Wolf, K.: Verbesserung der Prognosefähigkeit der Crashsimulation aus höherfesten Mehrphasenstählen durch Berücksichtigung von Ergebnissen vorangestellter Umformsimulationen. FAT AK 27, beteiligt: Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI), Institut für Statik und Dynamik der Luft- und Raumfahrtkonstruktionen (ISD); FAT-Schriftenreihe, Frankfurt/M, 2005Search in Google Scholar
5 Lütjens, J.: Untersuchungen zum Einsatz von Wärmebehandlungsverfahren zur gezielten Beeinflussung des Crashverhaltens von hochfesten Karosseriekomponenten. Stiftung Institut für Werkstofftechnik Bremen (IWT), beteiligt: Institut für Statik und Dynamik der Luft- und Raumfahrtkonstruktionen (ISD), Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen (SCAI), FAT AK 27; Schlussbericht zum AiF-Vorhaben 171 / ZN, 2007Search in Google Scholar
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