Marktabgrenzung bei mehrseitigen Online-Plattformen
Zusammenfassung
Unter den vielen Problemen, die im Kartellrecht durch die Digitalisierung entstanden sind, wird zur Marktabgrenzung bei Online-Plattformen aktuell viel diskutiert. Solche Plattformen sind beispielsweise Google, Facebook oder eBay, die mehrere Parteien – wie bei eBay Käufer und Verkäufer – aneinander vermitteln. Während die Problematik in der europäischen und US-amerikanischen Praxis weitgehend noch terra incognita darstellt, feilt das Bundeskartellamt seit den letzten Jahren an einer neuen Methode zur Abgrenzung von mehrseitigen Märkten. Bei Plattformen möchte das Amt in manchen Fällen einen einheitlichen Markt, in anderen Fällen mehrere, getrennte Märkte entlang der Plattformseiten abgrenzen. Die Behörde lässt sich dabei von ökonomischen Erwägungen wie Netzwerkeffekten oder multi- und single-homing leiten. Ein genauer Blick auf die neue Methodik offenbart aber Kritikpunkte. Die vom Bundeskartellamt vorgeschlagene Unterscheidung sogenannter Werbe- und Matching-Plattformen ist in vielen Fällen unklar. Außerdem wird die Prüfung durch eine Ausnahme für Verkaufstätigkeiten unnötig kompliziert. Deswegen wird eine Änderung der Methodik vorgeschlagen. Dieses hier sogenannte zweigliedrige Bedarfsmarktkonzept soll Einordnungsschwierigkeiten vermeiden und eine schlankere Prüfung ermöglichen.
Abstract
Defining Markets for Multi-sided Online Platforms
Among the many chapters that the book “Competition Law Problems in the Digital Economy“ contains, the section on market definition of online platforms expands steadily these days. Those platforms such as Google, Facebook or eBay, connect multiple parties by serving as an intermediary. While this issue is largely terra incognita in the legal practice in the US and the EU, the German Federal Cartel Office is working on a new methodology for the definition of multi-sided markets. The Office wants to at times define single markets around platforms, while at other times delineate separate markets along the platform sides. Economic considerations like network effects or multi- and single-homing play a major role in this new approach. A detailed review reveals points of criticism, though. The proposed distinction between advertising and matching platforms is unclear in many cases. Also, the legal test becomes unnecessarily extensive by adding an exception to the rule. The author thus suggests a modification to the new method. The hereinafter so-called two-part demand market concept is supposed to avoid unclear distinctions and establish a condensed legal test.
© 2017 RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Aachener Str. 222, 50931 Köln.
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- Inhaltsverzeichnis
- Veranstaltungshinweise
- Aufsätze
- Befugnisse und Praxis des Bundeskartellamts im Verbraucherschutz nach der 9. GWB-Novelle
- Streitverkündung und sekundäre Darlegungslast seit der 9. GWB-Novelle – was bleibt vom ORWI-Urteil des BGH?
- Big Data and Competition Law
- Marktabgrenzung bei mehrseitigen Online-Plattformen
- Entscheidungsbesprechung
- Die relativ-tätigkeitsveranlasste Einstandspflicht der Gesellschafter eines Gemeinschaftsunternehmens für Kartellbußgelder
- Impressum
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