Neue Impulse für ein globalisiertes Kartellrecht
Zusammenfassung
Fusionsanmeldungen in 20 Staaten der Erde, internationale Auslieferungsersuchen gegen einen Kartelltäter, Missbrauchsverdacht gegen Amazon in den USA, der EU und Japan: Jeder größere Fall hat heutzutage internationale Fallstricke, die rasch zu Verwerfungen führen. „Modern antitrust law is thus global antitrust law“ – wie es Einar Elhauge und Damien Geradin formulierten. In diesem Beitrag wird die Frage erörtert, welche Perspektiven das „Weltkartellrecht“ hat. Schon der Begriff weckt Emotionen: Manche belächeln die Idee einer globalen Wettbewerbsordnung – obwohl es doch beispielsweise für die Immaterialgüterrechte mit dem TRIPS-Abkommen gelungen ist, ein globales Regime zu schaffen. Andere fürchten ein regulatorisches Bürokratiemonster. Einige romantisieren das Weltkartellrecht als wesentlichen Baustein „zum ewigen Frieden“.
Die kartellrechtliche Weltkarte hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert: Aus einem Nischenrechtsgebiet, das in wenigen entwickelten Ländern durch Spezialisten angewendet wurde, ist ein weltumspannendes Phänomen geworden. Inzwischen gibt es in fast allen Staaten der Erde Kartellrechtsgesetze, in vielen werden diese auch mit Verve angewendet. Neben Kartellbehörden entscheiden auch Gerichte immer häufiger über kartellrechtliche Themen. Umso dringlicher stellt sich die Frage, wie die Kosten einer nationalen Fragmentierung für Behörden, Unternehmen und die Allgemeinheit gesenkt werden können. Handlungsmöglichkeiten werden durch fünf „Treiber“ des internationalen Kartellrechts eröffnet, die der Ausgangspunkt dieses Beitrags sind (I). Nach wie vor sind wichtige Praxis-Probleme im internationalen Kartellrecht ungelöst (II). Ein Blick auf das Modell der EU bietet Inspirationen für globale Lösungen (III), für die in verschiedenen Foren längst Ansätze vorhanden sind (IV). Plädiert wird abschließend für eine verfahrensrechtliche Lösung, die einen evolutiven Prozess ermöglicht (V). Dieser Beitrag basiert auf der Überzeugung, dass das Recht grenzüberschreitenden unternehmerischen Aktivitäten nicht dauerhaft hinterher hinken darf.
Abstract
New impulses for a globalised competition law
This contribution deals with the question how the global antitrust framework could be improved in the light of new developments. Five key drivers have emerged in competition law that give fresh impulses to the global antitrust agenda: trade agreements, the more economic approach, the digitalisation of the economy, better access to information and private enforcement. While these developments foster international cooperation, the problems for the cross-border regulation of activities of undertakings remain the same as in the past: multiple merger filings, leniency applications in different states, compliance of cross-border-business models and enforcement weaknesses in international cases are burdensome for undertakings and authorities alike.
Thinking about a global framework for competition law leads to the regional model of the European Union where the Member States forged a strong network. Key characteristics are substantial convergence, institutional cooperation and the leadership role of the Court of Justice and the European Commission. On the global level, there are starting points for these three characteristics as well. Even in the EU model, however, there is a lot of leeway for diverse decisions and procedures. Proponents of a global competition law therefore should first get rid of the idea of a uniform, harmonised set of rules for all countries. Instead, the international community should work on establishing an international discovery procedure how to learn from each other and how to react to different economic phenomena. In order to facilitate this and to remedy some of the most costly problems in international compliance the author proposes i. a. to work on the harmonisation of procedural and institutional questions – instead of focussing on substantive matters as before.
© 2016 RWS Verlag Kommunikationsforum GmbH, Aachener Str. 222, 50931 Köln.
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- Inhaltsverzeichnis
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- Editorial
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- Gebiets- und Kundenzuweisungen bei Produktions-Joint-Ventures
- Neue Impulse für ein globalisiertes Kartellrecht
- “Collective Redress” in European Competition Law
- Antitrust and Financial Services in the EU: Commitments in Credit Default Swaps (CDS)
- Entschärfung der Vorstandshaftung im Kontext kartellrechtlicher Kronzeugenregelungen
- Liefergemeinschaften im Walzasphaltsektor im Kreuzfeuer des Kartellrechts
- Impressum
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