Abstract
The oral realization of written punctuation basically brings two parameters into play: rhythm and intonation. The former is visualized in writing the typeface by a space, while the latter is determined by conventions and depends on the speaker’s personal means of expression. In the 18th century, the oral realization of punctuation was only marginally addressed in grammars. Additional sources can be found in the area of music history, because the music theorists of the 18th century discussed the connection between language and music with great interest.
In this essay, prosodic models for the oral (audible) realization of punctuation marks are examined by comparing the current prosodic description of German with the musical analyses of Johann Mattheson and the remarks in the grammars of his time. Then baroque music examples are examined from the point of view of the possibility of refining the theoretical models. The aim of this interdisciplinary approach is to make use of ancient sources, both theoretical and practical, for the reconstruction of the prosody of 18th century German.
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Notenausgaben
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Anhang: Texte der untersuchten Kompositionen
Einschübe in Rezitativen unterstrichen[86]
hoch
tief
gleiche Tonhöhe
Pausen (kurz = Sechzehntel, mittel = Achtel, lang = länger als Achtel)
im Kontext lange Note (bei Satzzeichen)
Melodierichtung bei Einschüben und Akzenten
1 Rezitative mit einem Sänger
Johann Sebastian Bach: Schweiget stille, plaudert nicht, BWV 211, Nummern 1 und 9 und
Georg Joachim Joseph Hahn: Wie ruhig ist ein Geist
Bach, Rezitativ 1: Erzähler
Schweigt stille (. .) plaudert nicht, T (.)
und höret (. .) was itzund geschicht: T (:) (. .)
Da kömmt Herr Schlendrian mit seiner Tochter, ↓ Liesgen, ↑ her: H (.)
er brummt ja wie ein Zeidelbär; T (…)
hört selber, T (. .)
was sie ihm getan! H (:)
Bach, Rezitativ 9: Erzähler
Nun geht und sucht der alte Schlendrian, T (:) (. .)
wie er vor seine Tochter Liesgen bald einen Mann verschaffen kann; T (:) (. .)
doch Liesgen streuet heimlich aus: H (:) (…)
kein Freier komm mir in das Haus, H (.)
er hab es mir denn selbst versprochen, ↓ (. .) und rück es auch der Ehestiftung ein, (-) (.) dass mir erlaubet möge sein (.) den Coffee, (. .) ↑ wenn ich will, (.) ↑ zu kochen. H
Hahn, Wie ruhig ist ein Geist
Wie ruhig ist ein Geist, H (:) (. .)
der sich dem, T (.)
was irdisch heißt, H (:) (. .)
mit freiem Muth entreißt. H (:) (…)
Der in der Einsamkeit (. .) lebt mit Zufriedenheit, T (:) (. .)
der tritt die Welt mit Füßen, H (.)
und mag von nichts, H (:) (. .)
als stiller Ruhe wissen. T
2 Durchkomponierte Lieder
Johann Philipp Kirnberger, O weh! Mir bleibt die schauernde Seele
Joseph Martin Kraus, Airs et Chansons 3 und 8
Kirnberger
O weh! H (:)
mir bleibt die schauernde Seele noch! T (:) (. .)
Ich fühle noch voll seeliger Trunkenheit den Gott im Busen! H (:)
schone Liber! H
schone du schrecklicher Thyrsisschwinger schone du schrecklicher Thyrsisschwinger. T (:)
Kraus Nummer 3, An – als ihm die – starb
Der Säemann säet den Samen, H (. .)
die Erd empfängt ihn, T (. .)
und über ein kleines (…) keimt die Blume herauf – H (:) (…)
Du liebtest Sie. T (:) (. .)
Was auch diess Leben sonst für Gewinn hat, T (…)
war klein, H (:) (…)
klein dir geachtet – T (…)
Du libtest Sie; H (:) (…)
und Sie entschlummerte dir! H (…)
Was weinest du neben dem Grabe (:) (…) und hebst die Hände (. .) zur Wolke des Todes (.) und der Verwesung empor. H (:) (…)
Wie Gras auf dem Felde sind Menschen dahin, ↑dahin, (:) (…) ↑ wie Blätter! T (…)
nur wenige Tage (…) gehen wir verkleidet einher! T (:) (…)
↑ nur wenige Tage (…) gehen wir verkleidet einher. H (:) (…) ↑
Was weinest du? H (…)
Was weinest du? (-) H (:) (…)
Der Adler besuchet die Erde (. .) doch säumt nicht: T (. .)
schüttelt vom Flügel den Staub (:) (…) und kehret zur Sonne zurück. H (:)
Kraus Nummer 8, Die Henne
Es war‘ mal eine Henne fein, (-) (:) (. .)
die legte fleissig Eyer, T (. .)
und pflegte dann ganz ungemein, (-) (:) (. .)
wann sie ein Ey gelegt, (-)
zu schrein, H (:) (. .)
als wär im Hause Feu’r. H (:) (…)
Ein alter Truthahn in dem Stall der Fait vom Denken machte, H (.)
ward bös darob, T (…)
und Knall (. .) und Fall (…) gieng er zur Henn‘, H (. .)
und sagte: T (…)
ich dächte, ↓ Nachbarin, (-) (…) das Schrei’n wär nicht von nöthen; H (.)
und, (-) weil es doch zum Ey (A) nichts thut, (.) ↓ so legt das Ey, H (.)
so legt das Ey, H (.)
und damit gut; H (. .)
hört, H (:) (. .)
hört, seyd darum gebeten. T (…)
Ihr wisst es nicht, T (. .)
ihr wisst es nicht,
wie’s durch den Kopf mir geht „Hm! H (:) (. .)
sprach die Nachbarin, Hm! H (:) (. .)
sprach die Nachbarin und thät mit einem Fuss vortreten Ihr wisst wohl recht, T (:)
was heuer die Mode mit sich bringt, T (. .)
ihr ungezognes Vieh! H (:)
ihr ungezognes Vieh! T (:)
Erst, (. .) (-) erst (-) leg ich meine Eyer, (-) (…)
dann (. .)↑ dann ↑ recensir ich sie. H
3 Rezitative mit zwei Sprechern
Johann Sebastian Bach: Schweiget stille, plaudert nicht, BWV 211, Nummern 3, 5 und 7 (Liesgen und Schlendrian)
Bach, Rezitativ 3
Du böses Kind, T (.)
du loses Mädchen, T (. .)
Ach! H (. .)
wenn erlang ich meinen Zweck, T (…)
tu mir den Coffee weg. T (…)
Herr Vater, T (. .)
seid doch nicht so scharf, H (…)
wenn ich des Tages nicht dreimal mein Schälchen Coffee trinken darf, H (.)
so werd ich ja zu meiner Qual wie ein verdorrtes Ziegenbrätchen. H
Bach, Rezitativ 5
Wenn du mir nicht den Coffee lässt, T (.)
so sollst du auf kein Hochzeitfest, T (…)
auch nicht spazierengehn. T (:) (…)
Ach ja! T (:) (. .)
Nur lasset mir den Coffee da. T (:) (Überlappung mit folgendem Sprecher)
Da hab ich nun den kleinen Affen! H (. .)
Ich will dir keinen Fischbeinrock nach itzger Weite schaffen. T (.)
Ich kann mich leicht darzu verstehn. H (:) (Überlappung mit folgendem Sprecher)
Du sollst nicht an das Fenster treten (.) und keinen sehn vorübergehn. T (. .)
Auch dieses; T (. .)
doch seid nur gebeten (. .) und lasset mir den Coffee stehn. T (:) (…)
Du sollst auch nicht von meiner Hand (.) ein silbern, H
oder goldnes Band auf deine Haube kriegen. H (. .)
Ja! T
Ja, H (…)
nur lasst mir mein Vergnügen. H (. .)
Du loses Liesgen du, T (.)
so gibst du mir denn alles zu? H
Bach, Rezitativ 7
Nun (…) folge, T (. .)
was dein Vater spricht. T (:) (Überlappung mit folgendem Sprecher)
In allem, H (. .)
nur den Coffee nicht. T (…)
Wohlan! H (:) (. .)
so musst du dich bequemen auch niemals einen Mann zu nehmen. H (. .)
Ach ja! T (:) (. .)
Herr Vater (. .) einen Mann! T (:) (. .)
Ich schwöre dass es nicht geschicht. T (:) (.)
Bis ich den Coffee lassen kann? H (:) (. .)
Nun Coffee, bleib nur immer liegen; T (.)
Herr Vater, ↑ hört, (. .) (-) ich trinke keinen nicht. T (:) (Überlappung mit folgendem Sprecher)
So sollst du endlich einen kriegen. H
© 2023 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
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