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Vorwort

Published/Copyright: November 5, 2024

Die Zeitschrift für Tourismuswissenschaft (TW) ist im Jahr 2024 in verschiedener Hinsicht von einem Neubeginn geprägt. Generell hat uns alle im engsten HerausgeberInnenkreis die Zeitschrift über viele Jahre begleitet. Wir verfolgen das bewährte Konzept von Varia-Heften und einschlägigen Themenheften, wir haben für die wichtigsten tourismuswissenschaftlichen Organisationen im deutschsprachigen Raum (DGT, AKTF) eine Publikationsplattform etabliert und wir haben in den letzten Jahren wesentlich an der Internationalisierung der Zeitschrift für Tourismuswissenschaft (auf engl. Journal of Tourism Science) gearbeitet. Somit punkten wir zunehmend mit englischen Beiträgen, die Download-Zahlen sind im Steigen und dank der Initiative des De Gruyter Verlags ‘Subscribe to open’, sollte über Open Access auch die Reichweite gesteigert und die Zahl der Zitationen erhöht werden.

Dennoch zeigen sich über die letzten Jahre auch die Mühlen des Alltags. Es wird zunehmend schwieriger, einschlägige AkteurInnen in der Tourismuswissenschaft zu Themenheften zu motivieren. Die Zahl der Varia-Einreichungen schwankt und es ist oft herausfordernd, qualitativ hochwertige Beiträge herauszubringen.

Deshalb wird mit diesem Nachwuchsheft gleichsam eine neue Ära eingeleitet. Unsere Forschung im Allgemeinen und eine tourismuswissenschaftliche Zeitschrift im Besonderen leben von neuen Ideen und Ansätzen. Wir alle in unseren etablierten Positionen an Universitäten und Fachhochschulen lesen vielfach herausragende Abschlussarbeiten und sind stets von hochtalentierten jungen Nachwuchskräften umgeben. Sowohl in der DGT (Deutsche Gesellschaft für Tourismuswissenschaft) als auch im AKTF (Arbeitskreis Tourismusforschung in der Deutschen Gesellschaft für Geographie) gibt es spezifische Nachwuchspreise, die in der weiteren wissenschaftlichen Laufbahn unterstützend wirken. Dies bedeutet jedoch häufig, dass nur einige wenige Arbeiten im Rampenlicht stehen, während eine Vielzahl guter Arbeiten nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält. Dem wollen wir mit dieser Initiative eines Nachwuchsheftes nun entgegenwirken. Es sollen jährlich alle AutorInnen von herausragenden Arbeiten die Gelegenheit erhalten, eine Kurzfassung der jeweiligen Forschung in der TW einzureichen. Die Beiträge werden – so wie alle Beiträge der TW – nach striktem Peer-Review Verfahren evaluiert und erst nach mehr oder weniger umfassenden Überarbeitungen publiziert. Somit verfolgen wir mit unserem Nachwuchsheft mehrere Interessen:

  • Wir geben NachwuchswissenschaftlerInnen die Möglichkeit, die Procedures einer Journal-Publikation kennenzulernen und den Umgang mit wissenschaftlichen Reviews zu erlernen. Dabei werden sie auch von erfahrenen Forschenden in der Ausarbeitung unterstützt.

  • Wir geben der deutschsprachigen Tourismusforschung neuen Aufwind, indem wir beim Nachwuchs ansetzen, um diese lebendiger und agiler zu gestalten.

  • Unsere Nachwuchsheft-Initiative ist bewusst auf die Zukunft ausgerichtet, weil NachwuchswissenschaftlerInnen möglicherweise stärker abseits geordneter Bahnen denken und neue, zukunftsträchtige Themen adressieren.

  • Wir wollen unseren Nachwuchsforschenden Wege einer Karriere in der Tourismuswissenschaft aufzeigen und sie mit dem nötigen Werkzeug für eine künftig solide Tourismusforschung und -lehre ausstatten.

Aus unserer Sicht kann das erste Nachwuchsheft durchaus punkten. Wir präsentieren Arbeiten von erfolgreichen Dissertationen bis zu absolvierten Bachelorarbeiten und können mit dem Heft eindrucksvoll präsentieren, dass auf allen Ebenen der Qualifizierungsarbeiten wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse bereitgestellt werden können. Der Abschluss des Nachwuchsheftes bildet eine Buchbesprechung von Tobias Reeh des Buches Tourism Destination Development – A Geographic Perspective on Destination Management and Tourist Demand vom AutorInnen-Team Markus Pillmayer, Marion Karl und Marcus Hansen.

In weiterer Folge möchten wir näher auf die einzelnen Beiträge dieses Special Issues eingehen. Thematisch beleuchten die vier Arbeiten folgende vier Themen: New Urban Tourism im Stadtkontext, Instagram als Einflussfaktor auf ein Destinationsimage, die Wahrnehmung von Overtourism in ländlichen Gebieten und Veränderungen in der Praxis der Geschäftsreisen angesichts des Klimawandels.

Wir beginnen gleich mit der näheren Vorstellung der Beiträge und gehen zuerst auf die Analyse der Wirkung sozialer Norm-Interventionen auf das Mobilitätsverhalten von Geschäftsreisenden ein. Die Dissertation von Adrian Müller, die nun in Artikelform vorliegt, setzt den Fokus auf Bahnreisen im Vergleich zu umweltschädlicheren Verkehrsmitteln. Durch Online-Experimente mit häufig reisenden Geschäftsleuten wird analysiert, ob Interventionen das Verhalten beeinflussen; dabei wird auch das Potenzial negativer Reaktionen der Reisenden betrachtet. Obwohl die Interventionen keine signifikante Verhaltensänderung bewirkten und nur geringe Reaktanz auslösten, hebt die Studie zentrale Aspekte hervor, die nachhaltiges Reiseverhalten fördern könnten und bietet folglich viele Ansätze für die zukünftige Forschung.

Der Artikel von Jacqueline Assaad basiert auf einer Masterarbeit, wobei hier der Einfluss von Instagram auf das Image der touristischen Destination Kappadokien bei der Generation Z den Schwerpunkt der empirischen Analyse bildete. Die Studie zeigt, dass bildbasierte Instagram-Beiträge sowohl das kognitive als auch das affektive Image der Destination prägen, wobei der affektive Eindruck (Romantik, Emotionalität) stärker beeinflusst wird. Trotz positiver Imagewahrnehmung wurde kein signifikanter Einfluss auf die tatsächliche Besuchsabsicht festgestellt. Instagram erweist sich dennoch als wichtiger Faktor bei der Reiseinspiration, insbesondere wenn emotionale und ästhetische Inhalte zielgruppengerecht vermarktet werden.

Der dritte Beitrag von Felicitas Steber untersucht die Wahrnehmung von Overtourism unter den BewohnerInnen des ländlichen Allgäus während der COVID-19-Pandemie und basiert ebenfalls auf einer Masterarbeit. Mit einem qualitativen Ansatz wurden semi-strukturierte Interviews durchgeführt, um die Auswirkungen des verstärkten Inlandstourismus in der Zeitspanne der Pandemie auf das subjektive Wohlbefinden und die Lebensqualität der Einheimischen zu analysieren. Die Studie zeigt, dass die Pandemie zur Wahrnehmung eines überbordenden Tourismus führte, was auch von vielen BewohnerInnen vor Ort als belastend erlebt wurde. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer partizipativen und nachhaltigen Tourismussteuerung, um ein Gleichgewicht zwischen Tourismus und dem Wohlbefinden der Einheimischen zu gewährleisten.

Der vierte Beitrag von Francesca Rübesamen basiert auf einer sichtlich hervorragenden Bachelorarbeit. Die Autorin thematisiert das Phänomen des New Urban Tourism und hat im Rahmen ihrer Qualifizierungsarbeit eine empirische Studie in München durchgeführt. Anhand von Reiseblog-Analysen wurden das Glockenbach-, Gärtnerplatzviertel und Werksviertel-Mitte als häufig genannte Insidertipps identifiziert. Befragungen von TouristInnen und Einheimischen zeigen, dass viele Besucher tatsächlich als erfahrene Städtereisende klassifiziert werden können. Diese suchen bewusster nach authentischen Orten, um das lokale Leben kennenzulernen. Hierbei verschwimmen in spezifischen Settings die Grenzen zwischen Reisenden und Einheimischen.

Wir freuen uns sehr, diese vier spannenden Arbeiten zu zukunftsträchtigen und gesellschaftlich hochrelevanten tourismusbezogenen Themen in diesem Nachwuchsheft präsentieren zu können. Wir planen nun im jährlichen Rhythmus unseren Nachwuchsforschenden diese Plattform zur Verfügung zu stellen und Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen entsprechend zu würdigen! Abschließend möchten wir allen AutorInnen zu ihren Arbeiten und hier insbesondere zu der erstmaligen, erfolgreichen Fertigstellung eines wissenschaftlichen Fachzeitschriftenartikels gratulieren. Mögen noch viele weitere Artikel hin zu einer gelungenen wissenschaftlichen Karriere in der Tourismuswissenschaft folgen!

Monika Bandi Tanner & Wolfgang Aschauer

(HeftbetreuerInnen dieses Schwerpunkthefts und ab 2025 geschäftsführende HerausgeberInnen der Zeitschrift für Tourismuswissenschaft)

Online erschienen: 2024-11-05
Erschienen im Druck: 2024-11-11

© 2024 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 29.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/tw-2024-2003/html
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