Markus Pillmayer, Marion Karl, Marcus Hansen (Eds.) (2024): Tourism Destination Development – A Geographic Perspective on Destination Management and Tourist Demand. (De Gruyter Studies in Tourism, Volume 11). Berlin/Boston: Walter de Gruyter GmbH. 511 Seiten. Festeinband, ISBN 978-3-11-079402-1
Rezensierte Publikation:
Markus Pillmayer Marion Karl Marcus Hansen (Eds.) ( 2024 ): Tourism Destination Development – A Geographic Perspective on Destination Management and Tourist Demand. (De Gruyter Studies in Tourism, Volume 11). Berlin/Boston: Walter de Gruyter GmbH. 511 Seiten. Festeinband, ISBN 978-3-11-079402-1
Allein die imposante Anzahl von 46 AutorInnen aus unterschiedlichen Fachrichtungen lässt erahnen, was die LeserInnen des vorliegenden Sammelbandes erwartet: Eine facettenreiche Betrachtung des Themenfeldes ‚Touristische Destinationsentwicklung‘. Das Autorenverzeichnis (Kurzvorstellung im Anhang der Publikation) erleichtert angesichts der Fülle der damit einhergehenden Gedankenwelten, Axiomen und Argumentationssträngen eine orientierende Einordnung. Zudem liefert die Entscheidung des Herausgeberteams, den ‚Prozess‘ als basale Systemkomponente in das Zentrum zu stellen, eine inhaltliche Rahmung. Ausdruck ist die Klammerung des Konglomerats durchaus heterogener Beiträge durch ‚rote Fäden‘ in Form der folgenden – nicht immer ganz trennscharf voneinander abgrenzbaren – raumbezogenen Entwicklungsdimensionen: Developing Competitive Destinations, Developing Sustainable Destinations, Developing Accessible Destinations sowie Developing Future-Proof Destinations. Diese Aspekte geben die Kapitelstruktur des Buches vor. Zwar hätte die Auswahl etwas eingehender Begründung finden können, sie bildet aber die Agenda von DMOs mit Blick auf potenzielle Zukunftsvisionen sicherlich ab. Hinzu tritt der interessante Leitgedanke, eine Destination als „geographically constructed ecosystem“ (S. 2) zu adressieren. Leider erweisen sich die Erörterungen hierzu als eher fragmentarisch. Insbesondere die Verknüpfung zu den in der (Tourismus-)Geographie einschlägigen Raumkonzepten hätte sich an dieser Stelle angeboten, auch wenn dies mitunter eine disziplinäre Engführung bedeutet.
Die einzelnen Kapitel beinhalten jeweils fünf Beiträge. Die aufgefächerten Themenbereiche werden somit ausgewogen behandelt. Die AutorInnen referieren dabei durchweg auf einen umfangreichen Quellenfundus, so dass der aktuelle Wissensstand und die resultierenden Forschungsbedarfe zumeist adäquat erfasst sind. Teilweise tragen die Ausführungen sogar den Charakter von kommentierten Literaturreviews. Jeder Beitrag endet mit einer – mehr oder weniger – einheitlich ausgestalteten Textbox, in der die Relevanz der behandelten Thematik sowie der erzielten Resultate für die übergeordnete Zielstellung des Bandes – das Aufzeigen von Leitplanken für die Entwicklung zukunftsfähiger Destinationen – prägnant diskutiert ist. In der Regel steuern die Textboxen überdies konkrete Ansatzpunkte für weitergehende (Forschungs-)Vorhaben bei. Dies passt trefflich, schließt das Herausgeberteam das Buch doch mit „An Invitation to Act“ (S. 480) motivierend ab.
Theoretisch-konzeptionelle Ansätze, methodische Herangehensweisen als auch empirische Fallbeispiele – der Sammelband bietet insgesamt mannigfaltige Zugänge und Einblicke. Das inhaltliche Spektrum reicht dabei von so unterschiedlichen destinationsassoziierten Sachverhalten wie etwa dem Besuchermanagement, der Nachhaltigkeit, dem Risiko und der Resilienz, der Partizipation und dem Tourismus für Alle sowie dem anthropogenen Klimawandel bis hin zu technologischen Neuerungen (Artificial Intelligence / Augmented Reality / Virtual Reality) oder auch der Migration. ‚Klassische‘ und ‚innovative‘ Untersuchungsgegenstände der Tourismusforschung werden somit entlang des Oberthemas gleichermaßen aufgearbeitet. Zudem erweisen sich die Räume der Fallstudien – dann wohl Destinationen – als überaus vielfältig hinsichtlich ihrer geographischen Lage sowie ihres Maßstabs: Berlin, Bayern, Fünen, Südtirol, Nordschweden, die Dominikanische Republik, Sri Lanka, Namibia, die Mongolei, Thailand, Kirgisistan und unzählige weitere Raumausschnitte sind – wenn auch in unterschiedlicher Intensität – fundiert beleuchtet. Diese Spannbreite eröffnet erkenntnisreiche Vergleichsmöglichkeiten; ein Umstand, der für zahlreiche LeserInnen einen wertvollen Zugewinn darstellen dürfte. Angesichts der Umfänglichkeit der Inhalte erleichtert folgerichtig ein Schlagwortregister die gezielte Suche nach Informationen. Gleiches trifft für die den Beiträgen stets vorangestellten Abstracts und Keywords zu. Anders als es der Untertitel des Buches suggeriert, wird das Zusammenspiel von Destinationsentwicklung und touristischer Nachfrage trotz der ‚prozesshaften Bedeutung‘ für die Erfassung, Beschreibung und Erklärung der (räumlichen) Veränderungen nicht in allen Artikeln durchgängig konzeptualisiert. Erfreulicherweise ist jedoch stets ein Bemühen um greifbare akteursbezogene Handlungsempfehlungen für die touristische Praxis – nicht zuletzt DMOs – feststellbar. Dies gilt explizit auch angesichts des Phänomens Overtourism in einigen der adressierten Destinationen. Der Präsentation von Best-Practice-Beispielen wird demgemäß ein besonderes Gewicht zugesprochen.
Bemerkenswert ist das Ringen des Herausgeberteams um eine Synthese der mannigfaltigen Erträge am Ende des Bandes. Die Komplexität des Themenfeldes wird dabei durch ‚Wortwolken‘ veranschaulicht. Aus tourismuswissenschaftlicher Perspektive wäre eine weiterführende Abstraktion in Form eines ‚konzeptionellen Schemas‘ oder bestenfalls auch eines geographischen ‚Entwicklungsmodells für Destinationen‘ auf der Grundlage der so emsig gesammelten Erkenntnisse wünschenswert gewesen. Überaus gelungen sind die vom Herausgeberteam formulierten Quintessenzen und Anregungen im Sinne von ‚lessons learned‘ in den fokussierten Bereichen – an dieser Stelle zeigen sich sachkundige Bezüge zur Angewandten Geographie.
Die Publikation enthält zahlreiche Abbildungen und Tabellen. Die Schaubilder sind zum Teil farbig angelegt, vereinzelt ist die Lesbarkeit allerdings – insbesondere durch die Verwendung sehr kleiner Schrift – beeinträchtigt. Einen stärkeren Rückgriff auf kartographische Visualisierungen hätte man erwarten können. VertreterInnen aus der Tourismusforschung als auch der Tourismuspraxis sei das vorliegende Werk insgesamt als ergiebige ‚Fundgrube‘ zur versierten Einschätzung von Chancen und Herausforderungen einer zukunftsfähigen Gestaltung von Destinationen empfohlen.
© 2024 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
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- Markus Pillmayer, Marion Karl, Marcus Hansen (Eds.) (2024): Tourism Destination Development – A Geographic Perspective on Destination Management and Tourist Demand. (De Gruyter Studies in Tourism, Volume 11). Berlin/Boston: Walter de Gruyter GmbH. 511 Seiten. Festeinband, ISBN 978-3-11-079402-1
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