Notizen und Kurzbeiträge
ZB MED sagt Falschinformationen den Kampf an
KI-Anwendung soll helfen, eine qualifizierte Einschätzung zu treffen
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert ab dem 1. Dezember 2022 über die nächsten drei Jahre ein Projekt von ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften, das der Bekämpfung von Desinformation in den Lebenswissenschaften dient. Im Projekt AQUAS – Automatic Quality Assessment: NLP-Verfahren zur semantischen Kartierung von lebenswissenschaftlichen Texten wird unter anderem eine Anwendung erstellt, die auf Künstlicher Intelligenz basiert. Ziel ist es, unbekannte Texte aufgrund semantischer Kriterien in drei Klassen graduell einzuordnen: wissenschaftlich, populärwissenschaftlich oder desinformierend. Die Anwendung wird in das ZB MED-Suchportal LIVIVO integriert, um sie der Allgemeinheit kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Ebenfalls werden ergänzende Informationen zur guten wissenschaftlichen Praxis der Publikationen bereitgestellt, die Hinweise über Falschinformationen enthalten können.
Das wachsende Aufkommen von bewusst oder unbewusst verbreiteten Falschinformationen stellt unsere demokratische Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Politische Interessengruppen streuen sogenannte Desinformationen, um den öffentlichen Diskurs zu bestimmen. Von den Rezipienten können diese Falschinformationen teils nur schwer entlarvt werden. Da sich Desinformationen auch in wissenschaftlichen Informationsangeboten finden, betrifft diese Entwicklung auch Wissenschaftler*innen. Insbesondere in der Medizin kann dies gesundheitsgefährdende Auswirkungen haben.
Hier setzt das Projekt AQUAS an. Das ZB MED-Team wird den ersten deutschsprachigen Datensatz zur Desinformation in den Lebenswissenschaften erstellen. Für die Identifizierung folgt AQUAS den Einschätzungen unter anderem der Bundeszentrale für politische Bildung, des ARD-Faktenfinders sowie der NGO MedWatch. Auf Basis des Datensatzes wird dann eine Machine-Learning-Anwendung entwickelt, die es ermöglicht, unbekannte Literatur vollautomatisiert in ihrer graduellen Ähnlichkeit als wissenschaftlich, populärwissenschaftlich und desinformierend zu klassifizieren.
Ebenso erhalten die Nutzer*innen bei einzelnen Titeln ergänzende Informationen zu deren Compliance mit einer guten wissenschaftlichen Praxis, wie sie die DFG vorschreibt. Dies betrifft die Zitierungen, das Peer Review oder auch den Retraction-Status, also den nachträglichen Rückzug eines Artikels durch eine Zeitschrift nach Bekanntwerden von Fehlern. Auch das dient der Identifikation von Fehl- und Desinformationen.
AQUAS geht es nicht darum, eine abschließende Leseempfehlung zu geben oder gar Inhalte zu zensieren. Mit der Veröffentlichung der Informationen über das ZB MED-Suchportal LIVIVO unterstützt AQUAS die Leser*innen darin, eine informierte Einschätzung über die (pseudo-)wissenschaftliche Literatur zu treffen.
Im Sinne von Open Science stellt ZB MED sowohl den Datensatz und das Modell als auch den Workflow zum Training sowie die Software zum Betrieb des Dienstes nach Möglichkeit offen bereit. So kann die Anwendung nachgenutzt und auch für andere Themenfelder adaptiert werden. Auch wird das KI-Verfahren den Nutzer*innen transparent kommuniziert.
Weitere Informationen im Internet:
Projekt AQUAS: https://www.zbmed.de/forschen/laufende-projekte/aquas
MedWatch: https://medwatch.de
Kontakt:
Ulrike Ostrzinski
Pressesprecherin ZB MED
Gleueler Str. 60 | 50931 Köln
E-Mail: pressestelle@zbmed.de
URL: https://www.zbmed.de
ZBW erneut Datenlieferant im Wirtschaftswoche-BWL-Ranking
ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft bietet wiederholt Datenbasis für Ranking der forschungsstärksten deutschsprachigen Betriebswirt*innen – Die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich vertraut auf international anerkannte ZBW-Qualität der Metadaten
Die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft ist wiederholt Datenlieferant für das Wirtschaftswoche-BWL-Ranking. Der Informationsdienstleister ZBW mit dem weltweit größten Datenpool schickt der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich für die Datenbank des Forschungsmonitorings einen Abzug mit 9.366 relevanten Datensätzen. Insbesondere die Qualität der Metadaten überzeugte die KOF.
Regelmäßig publiziert das Wirtschaftsmagazin Wirtschaftswoche ein Ranking der forschungsstärksten Betriebswirt*innen in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Datengrundlage bildet das bibliometrische Webportal Forschungsmonitoring (www.forschungsmonitoring.org), welches von der KOF betrieben wird. Die ZBW lieferte der KOF für die Analyse einen Datenbankauszug mit 9.372 relevanten Datensätzen, die meisten aus den letzten drei Jahren. Die Artikel wurden von 4.750 Forscher*innen in 1.362 Zeitschriften publiziert.
Mit dieser Datenlieferung legt die ZBW den Grundstein für das neue BWL-Ranking.
Die ZBW ist die einzige Institution in Deutschland, die jeden einzelnen Aufsatz in den wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften erfasst. Allein 2021 wurden 74.244 Zeitschriftenaufsätze neu nachgewiesen. Neben der Detailtiefe bei der Katalogisierung internationaler wirtschaftswissenschaftlicher Publikationen ist die ZBW außerdem durch die intellektuelle Auswertung von Publikationen und anderen Informationsquellen in der Lage, die Autor*innen wissenschaftlicher Publikationen auch bei gleichen Namen zu unterscheiden.
Für die Güte des BWL-Rankings sind umfassende und vor allem hochwertige Metadaten unerlässlich. Es ist wesentlich zu wissen, ob ein Aufsatz eines „Peter Meyer“ von „Peter Meyer“ des Instituts X oder vom gleichnamigen Forscher der Universität Y verfasst wurde. Würde die ZBW das nicht ausweisen, so würde bei der KOF ein hoher Validierungsaufwand anfallen. „Daher sind wir der ZBW für die detailgetreue und kundenfreundliche Zusammenarbeit sehr dankbar“, so Crombach Lamar von der KOF.
Über die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
Die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) ist die weltweit größte Informationsinfrastruktur für die Wirtschaftswissenschaften. Die Einrichtung beherbergt rund 4 Millionen Medieneinheiten und ermöglicht den Zugang zu Millionen wirtschaftswissenschaftlicher Online-Dokumente. Allein 2021 wurden mehr als 17 Millionen digitale Volltexte heruntergeladen. Daneben stellt die ZBW eine rasant wachsende Sammlung von Open-Access-Dokumenten zur Verfügung. EconStor, der digitale Publikationsserver, verfügt aktuell über 240.000 frei zugängliche Aufsätze und Working Papers. Mit EconBiz, dem Fachportal für wirtschaftswissenschaftliche Fachinformationen, können Studierende oder Forschende in über 10 Millionen Datensätzen recherchieren. Zudem gibt die ZBW die beiden wirtschaftspolitischen Zeitschriften Wirtschaftsdienst und Intereconomics im Gold Open Access heraus. Die ZBW ist eine forschungsbasierte wissenschaftliche Bibliothek. Mit Professuren in der Informatik, Wirtschaftswissenschaft und Medienwissenschaft und deren international besetzter Doktorandengruppe beschäftigt sich die ZBW transdisziplinär mit dem Thema Open Science. Die ZBW ist in ihrer Forschung international vernetzt. Hauptsächliche Kooperationspartner kommen aus EU-Vorhaben, aus DFG- bzw. BMBF-Projekten sowie aus dem Leibniz-Strategieforum Open Science. Die ZBW ist Teil der Leibniz-Gemeinschaft und Stiftung des öffentlichen Rechts.
URL: www.zbw.eu
Pressekontakt
Dr. Doreen Siegfried, Pressesprecherin
ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
Düsternbrooker Weg 120 | 24105 Kiel
Tel.: 0431 88 14-455 | E-Mail: d.siegfried@zbw.eu
URL: www.zbw.eu
Ausgezeichnet: twillo ist „Digitaler Ort Niedersachsen“
Mit dem Portal für Open Educational Resources ganz leicht offene Bildungsmaterialien für die Hochschullehre finden und bereitstellen
„Teilen in der Hochschullehre“, so lautet das Motto des OER-Portals twillo (https://www.twillo.de/oer/web), das die Digitalagentur Niedersachsen nun als Digitalen Ort Niedersachsen ausgezeichnet hat. Damit ehrt das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung Initiativen, Projekte oder Einrichtungen, die aktiv zum digitalen Wandel in Niedersachsen beitragen.
Bildungsmaterialien zu teilen, bedeutet Wissen zu teilen
Das OER-Portal ist die zentrale Anlaufstelle für Open Educational Resources (OER) – offene Lehr- und Lernmaterialien – im Hochschulbereich. Ob einzelne Visualisierungen, Videos, Podcasts, Skripte, Kursmaterialien oder komplette Kurse – OER können ganz unterschiedlicher Natur sein. Wichtig ist, dass sie unter einer offenen Lizenz und in offenen Formaten veröffentlicht werden. OER können geteilt, verändert, nachgenutzt, an spezifische Lehr- und Lernkontexte angepasst und gemeinschaftlich weiterentwickelt werden.
„Mit twillo erleichtern wir den Zugang zu qualitativ hochwertigen Bildungsmaterialien und offenem Lernen wesentlich“, erklärt Projektleiterin Noreen Krause. Der Startschuss für das Portal fiel im August 2019 im Rahmen des Projekts „OER-Portal Niedersachsen“, seit 2020 ist es online. Die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften leitet das Projekt, an dem außerdem die niedersächsischen Einrichtungen ELAN e.V., das HIS Institut für Hochschulentwicklung e.V., die Hochschule Emden/Leer, die Universität Osnabrück und Stud.IP e.V. beteiligt sind.
Inzwischen sind rund 1.500 Bildungsmaterialien auf twillo veröffentlicht, die nachgenutzt werden können. Durch die Einbindung des OER-Suchindex (https://oersi.org/resources) sind mehr als 55.000 Ressourcen über twillo auffindbar. „Neben der Infrastruktur bietet twillo vielfältige Services, etwa Weiterbildung und Beratung zu rechtlichen, didaktischen und technischen Fragen rund um OER“, ergänzt Noreen Krause von der TIB.
„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung als Digitaler Ort Niedersachsen. Das ist eine große Anerkennung für twillo, das einen wichtigen Beitrag zu einer offenen Gestaltung digital gestützter Lehre und einer Kultur des Teilens in der Hochschulbildung leistet“, sagt TIB-Direktor Prof. Dr. Sören Auer.
Aufgrund des erfolgreichen Projektfortschritts und der bislang erreichten Meilensteine erhielt das hinter twillo stehende Konsortium niedersächsischer Wissenschaftseinrichtungen kürzlich die Zusage über eine Anschlussförderung von 2023 bis 2027 über weitere 2,7 Millionen Euro.
Über die TIB
Die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften versorgt als Deutsche Zentrale Fachbibliothek für Technik sowie Architektur, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik Wissenschaft und Wirtschaft mit Literatur und Informationen. Sie verfügt als weltweit größte Fachbibliothek in ihren Bereichen über einen exzellenten Bestand an grundlegender und hochspezialisierter technisch-naturwissenschaftlicher Fachinformation. Hierzu zählen auch Wissensobjekte wie 3D-Modelle, Forschungsdaten und audiovisuelle Medien. Die TIB engagiert sich für Openness, den offenen Zugang zu Informationen, Publikationen und wissenschaftlichen Daten: Sie arbeitet daran, Information und Wissen transparenter, einfacher zugänglich und besser nachnutzbar zu machen.
Die TIB baut ihre Rolle als deutsches Informationszentrum für die Digitalisierung von Wissenschaft und Technik stetig aus und betreibt angewandte Forschung und Entwicklung, um neue Dienstleistungen zu generieren und bestehende zu optimieren. Ihre Schwerpunkte liegen auf Responsible Data Science, nicht-textuellen Materialien, Scientific Data Management, Open Science und Visual Analytics.
Fach- und Forschungscommunities unterstützt die TIB unter tib.eu (https://www.tib.eu/de) mit wissenschaftlichen Inhalten und digitalen Diensten in den verschiedenen Phasen des wissenschaftlichen Arbeitens. Im TIB AV-Portal (https://av.tib.eu) kann, basierend auf semantischen Analyseverfahren, zielgenau im großen Bestand an wissenschaftlichen Videos gesucht werden. Durch die Vergabe von DOI-Namen (Digital Object Identifier) sichert die TIB die Qualität sowie die dauerhafte Verfügbarkeit und Referenzierbarkeit von wissenschaftlichen Objekten.
Die TIB ist eine Stiftung öffentlichen Rechts des Landes Niedersachsen. Sie ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Kontakt:
TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften
Dr. Sandra Niemeyer, Pressereferentin
Kommunikation und Marketing
Welfengarten 1 B | 30167 Hannover
Tel.: 0511 762-2772 | Fax: 0511 762-2686
E-Mail: sandra.niemeyer@tib.eu | URL: www.tib.eu
NFDI4Memory wird Teil der nationalen Forschungsdateninfrastruktur. Bayerische Staatsbibliothek als Mitantragssteller maßgeblich beteiligt
Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder hat auf ihrer Sitzung am 4. November 2022 über die Anträge der dritten Ausschreibungsrunde für die Nationale Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) entschieden. Das vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz federführend koordinierte Konsortium NFDI4Memory wurde bewilligt.
NFDI4Memory ist Schrittmacher institutioneller, fachlicher und methodischer Innovationen in den historisch arbeitenden Geisteswissenschaften: Das Konsortium integriert erstmals historische Forschungs-, Gedächtnis- und Informationsinfrastrukturen in einer digitalen Forschungsdateninfrastruktur, um so die nachhaltige Transformation der geschichtswissenschaftlichen Forschung zu ermöglichen. Das Konsortium wird von 11 Institutionen mit großer Erfahrung in digitalen Methoden sowie von mehr als 70 beteiligten Einrichtungen aus der gesamten disziplinären und epochalen Breite der historischen Forschung getragen.
Der Sprecher des Konsortiums, Prof. Dr. Johannes Paulmann, sieht in der Bewilligung eine zukunftsweisende Entscheidung: „NFDI4Memory erschließt auf der Basis zunehmend digitalisierter und digitaler Daten sowie digitaler Methoden neue Bereiche für die historische Forschung und unterstützt den kulturellen Wandel in der Wissenschaft.“
Das Konsortium fördert digitale Kompetenzen in Universitäten, Archiven, Bibliotheken und Sammlungen und schafft grundlegende Strukturen und Anreize für Innovation und neue Karrierewege.
Die Bayerische Staatsbibliothek als die größte geschichtswissenschaftliche Bibliothek Deutschlands ist die einzige antragstellende Bibliothek im Konsortium und verantwortet gemeinsam mit dem Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg den Projektbereich „Data Connectivity“. Hier geht es um die Verknüpfbarkeit und Anschlussfähigkeit geschichtswissenschaftlicher Forschungsdaten in vielfältigen und heterogenen Arbeitsumgebungen.
NFDI4Memory entwickelt in seinem auf fünf Jahre ausgelegten Arbeitsprogramm ein Portfolio von Schlüsseldiensten, die historische Wissenschaft und digitale Ressourcen systematisch miteinander verknüpfen. Seine Internationalisierungsstrategie stellt sicher, dass globale Perspektiven und internationale Partner eingebunden werden. NFDI4Memory sichert die Bedeutung und kritische Funktion der historischen Forschung in Gesellschaft, Kultur und Politik im Rahmen der digitalen Transformation.
NFDI4Memory wird durch die Förderung Teil der NFDI. In dieser disziplinübergreifenden Infrastruktur werden wertvolle Datenbestände von Wissenschaft und Forschung für das gesamte deutsche Wissenschaftssystem systematisch erschlossen, vernetzt und nachhaltig sowie qualitativ nutzbar gemacht.
Über die Bayerische Staatsbibliothek
Die Bayerische Staatsbibliothek, gegründet 1558 durch Herzog Albrecht V., ist mit rund 37 Millionen Medieneinheiten die größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands und eine der international bedeutendsten Forschungsbibliotheken. Mit über 3 Millionen digitalisierten Werken verfügt die Bayerische Staatsbibliothek über den größten digitalen Datenbestand aller deutschen Bibliotheken. Die Bibliothek bietet vielfältige Dienste im Bereich innovativer digitaler Nutzungsszenarien an.
Kontakt
Dr. Silvia Daniel
Bayerische Staatsbibliothek
Bestandsentwicklung und Erschließung 1
Ludwigstr. 16 | 80539 München
Tel.: +49 89 28638-2769 | E-Mail: daniel@bsb-muenchen.de
Prof. Dr. Johannes Paulmann
Sprecher der Konsortiums NFDI4 Memory
Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz
Alte Universitätsstr. 19 | 55116 Mainz
Tel.: +49 6131 3939362 | E-Mail: 4memory@ieg-mainz.de
Bayerische Staatsbibliothek und Nationalbibliothek des Kosovo schließen Kooperationsvereinbarung
Die Bayerische Staatsbibliothek und die Nationalbibliothek von Kosova „Pjetër Bogdani“ haben am 28.10.2022 im Beisein des bayerischen Staatsministers für Wissenschaft und Kunst, Markus Blume, des kosovarischen Ministers für Kultur, Jugend und Sport, Hajrulla Ҫeku sowie des kosovarischen Generalkonsuls in München, Afrim Nura, eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die eine verstärkte Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen auf zahlreichen bibliothekarischen Handlungsfeldern vorsieht.
Für die Bayerische Staatsbibliothek unterzeichnete Generaldirektor Dr. Klaus Ceynowa die Kooperationsvereinbarung, für die Nationalbibliothek von Kosova der Direktor des Hauses, Fazli Gajraku.
Die Zusammenarbeit bezieht sich dabei vorrangig auf Projekte wie den wechselseitigen Austausch von bibliographischen Daten, die Unterstützung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des jeweils anderen Landes durch den vereinfachten Zugang zu Informationsressourcen, die kooperative Entwicklung und Umsetzung von wissenschaftlichen Projekten und die Digitalisierung urheberrechtsfreier Bestände. Auch die gegenseitige Information über Open-Access-Publikationen, die Organisation gemeinsamer Veranstaltungen vor Ort oder virtuell, der Austausch von Informationsmaterial und Publikationen sowie gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit stehen auf der Agenda der Zusammenarbeit.
Markus Blume, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, begrüßt die Kooperation der beiden Bibliotheken: „Bibliotheken sind Tore zu den Errungenschaften des menschlichen Geistes: Sie sind Informationsspeicher der eigenen Wissenschafts- und Kulturgeschichte und schlagen zugleich Brücken über die eigene geistige Heimat hinaus. Die Zusammenarbeit der Bayerischen Staatsbibliothek und der Nationalbibliothek von Kosova ist gelebte Völkerverständigung auf wissenschaftlicher Basis – gerade in Zeiten wie diesen ein wertvoller Schatz des friedlichen Miteinanders.“
Über die Bayerische Staatsbibliothek
Die Bayerische Staatsbibliothek, gegründet 1558 durch Herzog Albrecht V., ist mit rund 37 Millionen Medieneinheiten die größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands und eine der international bedeutendsten Forschungsbibliotheken. Mit über 3 Millionen digitalisierten Werken verfügt die Bayerische Staatsbibliothek über den größten digitalen Datenbestand aller deutschen Bibliotheken. Die Bibliothek bietet vielfältige Dienste im Bereich innovativer digitaler Nutzungsszenarien an. Sie betreut u. a. den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten „Fachinformationsdienst Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa“ und ist somit im Besonderen der deutschlandweiten Literaturversorgung mit Balcanica verpflichtet.
Über die Nationalbibliothek von Kosova „Pjetër Bogdani“
Die Bibliothek wurde 1944 in Prizren gegründet und ist seit 2008, dem Jahr der Unabhängigkeitserklärung des Landes, Nationalbibliothek der Republik Kosovo. Sie bewahrt das nationale schriftliche Kulturerbe und besitzt das Pflichtexemplarrecht für alle gedruckten Materialien im Kosovo. Ihr Bestand umfasst 2,5 Millionen Medieneinheiten, darunter 1.300 Handschriftenbände. Die Nationalbibliothek von Kosova ist nationalbibliographisches Zentrum und Fachaufsichtsbehörde für alle Bibliotheken und öffentlichen Bibliothekseinrichtungen des Kosovo.
Ansprechpartner
Peter Schnitzlein
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 89 28638-2429 | E-Mail: presse@bsb-muenchen.de
Bayerische Staatsbibliothek
Ludwigstr. 16 | 80539 München
Über 3.000 Bände Medizingeschichte – Staatsbibliothek erhält bedeutende medizinhistorische Sammlung
Über 3.000 Bände umfasst die hochkarätige Sammlung medizinhistorischer Werke, die Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Gerd Plewig, langjähriger Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie in München, und seine Frau Dr. med. Helga Lincke-Plewig der Bayerischen Staatsbibliothek als Schenkung überlassen. Die sogenannte „Bibliotheca Historica Dermatologiae“ enthält bedeutende, seltene und unikale medizinische Drucke aus fünf Jahrhunderten, darunter wertvolle Ausgaben des Werks von Andreas Vesalius (1514–1564), Anatom und Leibarzt Kaiser Karls V. und König Philipps II. von Spanien.
Seit Mitte der 1970er-Jahre bauten Gerd und Helga Plewig die Sammlung kontinuierlich auf und verzeichneten sie detailliert und systematisch. Die „Bibliotheca Historica Dermatologiae“ umfasst über 3.000 Bände medizinischer Literatur des 16. bis 20. Jahrhunderts, häufig in Erstausgaben und mit Widmungen versehen, darunter zahlreiche bedeutende, seltene und unikale Titel. Hierzu zählen Ausgaben des bahnbrechenden Werks „De humani corporis fabrica libri septem“ von Vesalius, der als Begründer der neuzeitlichen Anatomie gilt, zahlreiche medizinische Atlanten und vielfach kolorierte chromolithographische Tafelwerke zum Fachbereich der Dermatologie. Darüber hinaus beinhaltet die Sammlung über 60 Bände aus der privaten Bibliothek Herzog Carl Theodors in Bayern (1839–1909), der als Augenarzt praktizierte, Teile von Bibliotheken bekannter Vertreter der Medizin, seltene in den USA publizierte Standardwerke der Dermatologie sowie Fachzeitschriften.
Die Sammlung von Gerd und Helga Plewig ergänzt hervorragend den großen Bestand an medizinischen und pharmazeutischen historischen Drucken des 16. bis 19. Jahrhunderts in der Bayerischen Staatsbibliothek, deren medizinhistorischer Schwerpunkt insbesondere durch die ca. 3.000 Bände umfassende Bibliothek des Arztes und Medizinhistorikers Karl Sudhoff (1853–1938) geprägt ist.
Zahlreiche Titel sind seit vielen Jahren nicht mehr erhältlich und liegen bislang nur in europäischen Spezialbibliotheken vor. Insbesondere mit der Vesalius-Ausgabe von 1543 sowie mit dem Faksimile der Bremer Presse von 1934 können nun auch Lücken im Bestand geschlossen werden.
Dr. Klaus Ceynowa, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek: „Die großzügige Schenkung von Gerd und Helga Plewig ist für die Bayerische Staatsbibliothek ein Glücksfall. Die umfangreiche und liebevoll aufgebaute Privatsammlung schließt relevante Lücken und bereichert den medizinhistorischen Bestand maßgeblich. Die Sammlung steht nun in einer der bedeutendsten europäischen Universal- und Forschungsbibliotheken für Forschung und Wissenschaft zur Verfügung.“
„Ein Wunsch ist in Erfüllung gegangen – die über Jahrzehnte aufgebaute medizinhistorische Bibliothek ist in der Staatsbibliothek München untergebracht. Wir freuen uns sehr“, so Gerd und Helga Plewig bei der Übergabe.
Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Gerd Plewig, geb. 1939, war nach seinem Medizinstudium und einem mehrjährigen Aufenthalt in den USA erstmals 1969 an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig. Von 1982 bis 1991 war er Direktor der Dermatologischen Klinik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. 1991 kehrte er nach München zurück, wo er bis 2006 Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie war. Er ist der Verfasser mehrerer Standardwerke der Dermatologie und Venerologie und Herausgeber von „Pantheon der Dermatologie“.
Über die Bayerische Staatsbibliothek
Die Bayerische Staatsbibliothek, gegründet 1558 durch Herzog Albrecht V., ist mit rund 37 Millionen Medieneinheiten die größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands und eine der international bedeutendsten Forschungsbibliotheken. Mit über 3 Millionen digitalisierten Werken verfügt die Bayerische Staatsbibliothek über den größten digitalen Datenbestand aller deutschen Bibliotheken. Die Bibliothek bietet vielfältige Dienste im Bereich innovativer digitaler Nutzungsszenarien an.
Ansprechpartner
Dr. Claudia Bubenik
Abteilung Handschriften und Alte Drucke
Tel.: +49 89 28638-2261 | E-Mail: claudia.bubenik@bsb-muenchen.de
Peter Schnitzlein
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 89 28638-2429 | E-Mail: presse@bsb-muenchen.de
Bayerische Staatsbibliothek
Ludwigstr. 16 | 80539 München
Isolde Ohlbaum goes BSB
Die Bayerische Staatsbibliothek erwirbt das Gesamtarchiv der Münchener Fotografin Isolde Ohlbaum
Die Bayerische Staatsbibliothek erwirbt das gesamte fotografische Werk von Isolde Ohlbaum von 1970 bis zur Gegenwart, bestehend aus Schwarzweißnegativen, Farbdias und Bilddateien. Zum Archiv zählt auch die umfangreiche Korrespondenz mit porträtierten Personen des literarischen und kulturellen Lebens. Mit diesem herausragenden Zeugnis der Fotografie Deutschlands baut die Bibliothek ihr umfangreiches Bildarchiv, das größte in öffentlicher Hand in Deutschland, weiter aus. Der Übergang des Archivs in die Bayerische Staatsbibliothek erfolgt in vier Tranchen bis Ende 2025.
Das fotografische Werk Isolde Ohlbaums stellt ein einzigartiges zeitgeschichtliches Dokument und ein bedeutendes Bavarikum dar. Isolde Ohlbaum hat seit Mitte der 1970er Jahre namhafte Autoren und Künstler und viele weitere Personen des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland und weit darüber hinaus porträtiert. Zahlreiche literarische Veranstaltungen wie die Frankfurter Buchmesse, die Verleihungen des Petrarca-Preises, des Hermann-Lenz-Preises, des Bachmann-Preises, die Treffen der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung im In- und Ausland u.v.m. hat sie seit Jahrzehnten fotografisch festgehalten. Diese Aufnahmen stellen ein bedeutendes Zeugnis des kulturellen Lebens in Deutschland seit den 1970er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart dar. Städteaufnahmen, Bilder von Friedhöfen, Skulpturen, Blumen etc. ergänzen das fotografische Oeuvre von Isolde Ohlbaum.
Kunstminister Blume betont: „Mit ihren Portraits hat sie der Welt der Dichter und Denker ein Gesicht gegeben: Isolde Ohlbaum fotografierte die Großen des literarischen und kulturellen Lebens in Deutschland. Der Erwerb ihres fotografischen Werks macht das Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek um einen Schatz reicher. Es ist großartig, dass dieses herausragende Zeugnis der Fotografie für die Forschung und eine interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann!“
Dr. Klaus Ceynowa, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek: „Wir sind stolz und glücklich, das fotografische Werk von Isolde Ohlbaum jetzt für unser Bildarchiv erwerben zu können. Insbesondere im Zusammenspiel mit den Originalbriefen der porträtierten Personen des künstlerischen und gesellschaftlichen Lebens ergeben sich neue Perspektiven für die literatur- und kulturwissenschaftliche Forschung. Die Erwerbung unterstreicht nachdrücklich den Anspruch der Bayerischen Staatsbibliothek, eines der europaweit bedeutendsten zeitgeschichtlichen Fotoarchive zu bewahren und nutzbar zu machen. Durch seine sukzessive Digitalisierung soll dieser Bilderkosmos für die künftige weltweite Sichtbarkeit aktiviert werden.“
Zum Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek
Das Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek umfasst über 19 Millionen vorwiegend dokumentarische Aufnahmen mit zeitgeschichtlichem Schwerpunkt. Es handelt sich um das größte Bildarchiv in öffentlicher Hand in Deutschland. Den Hauptfonds macht das 2019 übernommene Fotoarchiv des Magazins stern mit mehr als 15 Millionen Bildern aus. Das Bildarchiv wird in den nächsten Jahren in Auswahl schrittweise digitalisiert.
URL: https://www.bsb-muenchen.de/sammlungen/bilder/fotoarchive
Bildmaterial
Die Bilder werden im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Erwerb des Fotoarchivs durch die Bayerische Staatsbibliothek kostenfrei zur Verfügung gestellt. Eine Verwendung in einem anderen Zusammenhang ist genehmigungs- und ggf. kostenpflichtig. Eine Archivierung der Fotos ist nicht gestattet.
Pressebilder zum Download: https://syncandshare.lrz.de/getlink/fiRChcP4WhYBaiMKuC7tsR
Copyright: Isolde Ohlbaum / Bayerische Staatsbibliothek / Bildarchiv
Über die Bayerische Staatsbibliothek
Die Bayerische Staatsbibliothek, gegründet 1558 durch Herzog Albrecht V., ist mit rund 37 Millionen Medieneinheiten die größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands und eine der international bedeutendsten Forschungsbibliotheken. Mit über 3 Millionen digitalisierten Werken verfügt die Bayerische Staatsbibliothek über den größten digitalen Datenbestand aller deutschen Bibliotheken. Die Bibliothek bietet vielfältige Dienste im Bereich innovativer digitaler Nutzungsszenarien an.
Ansprechpartner
Dr. Cornelia Jahn
Abteilung Karten und Bilder
Tel.: +49 89 28638-2287 | E-Mail: cornelia.jahn@bsb-muenchen.de
Peter Schnitzlein
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 89 28638-2429 | E-Mail: presse@bsb-muenchen.de
Bayerische Staatsbibliothek
Ludwigstr. 16 | 80539 München
© 2023 bei den Autoren, publiziert von De Gruyter.
Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
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