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Mehr als nur eine Titelaufnahme – Zum Fortschritt der wissenschaftlichen Erschließung an der Bibliothek der Stiftung Deutsches Historisches Museum

  • Klaudia Charlotte Lenz

    Stellvertretende Bibliotheksleiterin

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Published/Copyright: December 6, 2022
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Zusammenfassung

Mit ihrer Doppelaufgabe als Bibliothek und Sammlung ist das Ziel von Museumsbibliotheken, ihre Bestände zeitgemäß und zukunftsweisend zu katalogisieren. Neben der formalen und inhaltlichen Erschließung wird dabei verstärkt auch auf die Verzeichnung von Exemplarspezifika Wert gelegt. So auch in der Bibliothek der Stiftung Deutsches Historisches Museum, die im Jahr 2022 mit der Einführung von lokalen Kategorien im Titeldatensatz zu Einbandbeschreibungen, Ausstattungsmerkmalen, Buchschmuck und Provenienzen neue Wege bei der Katalogisierung ihrer Bestände eingeschlagen hat.

Abstract

The dual role as library and collection implies for museum libraries to catalogue their holdings in sustainable and topical ways. Alongside formal and content-related indexing, the recording of individual specifics of specimen is increasingly emphasised. This also applies for the foundation Deutsches Historisches Museum, which has recently introduced local categories for catalogue records to include specifications on cover, binding, layout, decorative features, and provenance.

Einleitung

Die Bibliothek der Stiftung Deutsches Historisches Museum (im Folgenden DHM-Bibliothek) ist eine Spezialbibliothek zur deutschen Geschichte. Ihr Bestand geht auf die Bibliothek des Berliner Zeughauses zurück, die nach den Befreiungskriegen 1822 im Zuge der Einrichtung einer Waffen- und Modellsammlung begründet und nach dem Deutsch-Französischen Krieg seit 1872 auch als Bibliothek für das Artilleriemuseum im Zeughaus geführt wurde. Ziel war es, neben den zahlreichen Kampfgeräten, Uniformen und zur Erinnerung dienenden Beutestücken auch einen umfassenden Bestand an Referenzliteratur aufzubauen, um mit den Sammlungsobjekten arbeiten und forschen zu können. Auch die weitere Geschichte der heutigen DHM-Bibliothek zeigte sich wechselvoll und voller Brüche. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Militärmuseum im Zeughaus und seine Bibliothek abgewickelt, deren Bestände größtenteils bereits während des Krieges durch zahlreiche Auslagerungen in alle Winde zerstreut worden waren. 1948 wurde der Rest der noch vorhandenen Bücher auf drei große Berliner Bibliotheken verteilt. Vier Jahre später zog mit der Gründung des Museums für Deutsche Geschichte 1952 auch wieder eine Büchersammlung in das sich im Wiederaufbau befindliche ehemalige Waffenarsenal Unter den Linden. Ausgehend von dem Grundstock aus den Resten der ehemaligen Zeughausbibliothek wurde während vierzig Jahren DDR eine Sammlung von etwa 165.000 Medieneinheiten aufgebaut. Inhaltlich orientierte sich der Bestandsaufbau an den von der Regierung vorgegebenen geschichtswissenschaftlichen sozialistischen Grundlinien, wurde aber auch durch Literatur aus dem kapitalistischen Ausland ergänzt. Nach der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland im Jahr 1990 fusionierte die Bibliothek des Museums für Deutsche Geschichte mit der noch kleinen Büchersammlung des 1987 im Westteil der Stadt gegründeten Deutschen Historischen Museums. Heute besitzt die DHM-Bibliothek mehr als 250.000 Bände an Monografien und Zeitschriften. Sie versteht sich als „Dienstbibliothek“ für die Museumsmitarbeiter*innen, aber auch als „öffentlich zugängliche Spezialbibliothek zur deutschen Geschichte im europäischen Kontext“. In den Bibliotheksbestand integriert ist die etwa 35.000 Bände umfassende Sammlung der Handschriften/Alte und wertvolle Drucke, dessen ältestes Objekt das Heliand-Fragment P von etwa 850 n. Chr. ist.

Die Erschließung der Bibliotheksbestände findet zweigliedrig und in drei Ebenen statt. Zunächst werden die Medien formal und inhaltlich mit Schlagworten in einem Onlinekatalog erschlossen. Ein Großteil der Bücher, die aus den unterschiedlichsten Gründen als potentielles Ausstellungsobjekt angesehen werden, wird darüber hinaus in der hauseigenen Objektdatenbank museal dokumentiert. Diese Datenbank war bisher die einzige Stelle, an der die „dritte Stufe der Bestandserschließung“ umgesetzt werden konnte, nämlich die der wissenschaftlichen Verzeichnung der Exemplarspezifika. Zu diesen gehören alle Komponenten, bei denen „das Buch und seine Materialität, die Buchhandelsgeschichte und die historische Lese- und Leserforschung im Zentrum“ der Erschließungsarbeit „stehen“. Genau genommen sprechen wir hier von der Aufnahme charakteristischer Buchmerkmale, wie z. B. dem Einband und der Angabe möglicher Papiermühlen oder Druckerwerkstätten, die anhand einer Analyse von Wasserzeichen und Drucktypen ermittelt werden können. Darüber hinaus werden der Buchschmuck sowie Marginalien und alle Arten von Lese- und Gebrauchsspuren, die auf eine bestimmte Provenienz hindeuten könnten, erfasst. „Institutionen, in denen das kulturelle Schrifterbe bewahrt, musealisiert und erforscht wird“, zu denen die DHM-Bibliothek gehört, „entwickeln zunehmend Aufmerksamkeit für den Objektcharakter des einzelnen Buches“. Diese vermehrte Aufmerksamkeit findet sich wieder in der Einführung lokaler Felder in der Titelsatzschablone des hiesigen OPAC, die im Jahr 2022 für die Verzeichnung von Einbandbeschreibungen, exemplarspezifischen Ausstattungsmerkmalen, Buchschmuck und Provenienzen eingeführt wurden.

Von der Idee zur Übergangslösung

Der DHM-Bibliothek war schon länger bewusst, dass das Verzeichnen von buchspezifischen Charaktermerkmalen wichtig und zeitgemäß ist. Dass die Objektdatenbank des Museums bisher aber nur knapp 25.000 Objekte zählt, die aus der Sammlung der Bibliothek stammen, ist in erster Linie dem Umstand zu verdanken, dass diese besondere Erschließungsarbeit bisher ausschließlich der Bibliotheksleitung vorbehalten war, die diese Aufgabe nur mit einem geringen Stellenanteil bewältigen konnte. Hin und wieder gab es retrospektive Erschließungsprojekte bzw. es arbeiteten einzelne Bibliothekarinnen bei dieser Aufgabe mit, allerdings immer nur über eine bestimmte Zeit und im letzteren Fall immer nur neben ihren eigentlichen Aufgaben, weshalb bis heute ein relativ großer Teil des Bibliotheksbestandes museal noch nicht dokumentiert ist. Bei der Auswahl der Objekte, die eine museale Dokumentation erfahren sollten, wurde also stark selektiert, denn dokumentarische Erschließungsarbeit, wenn man sie gut, richtig und umfangreich machen möchte, ist immer auch mit einem großen Zeitfaktor verbunden. Während andere Sammlungen des DHM über Museolog*innen verfügen, die diese Aufgabe übernehmen, wurden die Bücher der DHM-Bibliothek lange Zeit fast ausschließlich bibliothekarisch über eine Katalogisierung im Bibliothekskatalog bearbeitet – zunächst im konventionellen Alphabetischen Zettelkatalog, seit 1994 maschinell im Berliner Verbund, seit 2013 dann online über den Bibliotheksverbund Bayern (BVB).

Der demographische Wandel, der sich 2019 in der Bibliothek vollzog, gab Anlass und vor allem die Möglichkeit, Arbeitsweisen neu zu denken, Geschäftsgänge anzupassen und zu optimieren. Hierbei kam es zunächst zur Einführung des integrierten Geschäftsgangs. Da sich nach wie vor unbearbeiteter Altbestand in den Magazinen befindet und historische Handschriften und Drucke zu einer der Haupterwerbungsgruppen der Bibliothek gehören, wurde des Weiteren überlegt, wie neben der formalen auch der wissenschaftlichen Erschließung außerhalb der Museumsdatenbank eine neue Plattform gegeben werden könnte. Nicht zuletzt wurde festgestellt, dass es die zeitlichen und personellen Ressourcen nicht zulassen, allen, auch neuzeitlichen Büchern, die auf Grund ihres Inhalts, ihrer Aufmachung oder ihrer Provenienz, für eine besondere Erschließung in Frage kämen, zusätzlich zur bibliothekarischen Titelaufnahme auch noch eine Objektdokumentation angedeihen zu lassen. Anfänglich wurde in diesem Zusammenhang eruiert, welche Informationen wie und wo festgehalten werden sollen. Die Einführung eines neuen Geschäftsgangs für das Verzeichnen von Allgemeinen und exemplarspezifischen Fußnoten sowie ein kontrolliertes Vokabular, das sich eng an die Empfehlungen des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) und dem Thesaurus für Provenienzbegriffe orientiert, waren die logische Konsequenz am Ende dieser Gedankenkette.

Einzig und allein der Verzeichnungsort der so wichtigen Exemplarspezifika war ein intensiver und komplexer Diskussionspunkt. Wie die österreichischen Kolleginnen im Jahr 2013 stand auch die DHM-Bibliothek vor der entscheidenden Frage „Kataloganreicherung auf Exemplarebene oder Exemplaranreicherung auf Katalogebene?“ Buchspezifische Komponenten, wie der Einband, die textuale und schmückende Ausstattung sowie Herkunftsangaben sind in der Regel per se exemplargebunden und gehören bei der Verzeichnung auf die Exemplarebene. Für die DHM-Bibliothek war es daher das Ziel, einen Ort im lokalen Bibliothekskatalog zu finden, um diese Charakteristika zu vermerken und dies in einer Weise, dass die Daten auch bei einem Systemwechsel nachgenutzt werden können. Seit 2012 arbeitet die DHM-Bibliothek mit dem Bibliotheksystem SISIS Sunrise der Firma OCLC.

Anhand einer Prachtausgabe von Johann Wolfgang Goethes Italienische Reise im Insel-Verlag von 1925 (DHM-Bibliothek RB 79/1601) soll im Folgenden verdeutlicht werden, wie sich die Verzeichnung der wissenschaftlichen Erschließung im OPAC der DHM-Bibliothek entwickelt hat (Abbildung 1).

Abb. 1: Einband, Aufbewahrungskassette und handschriftliche Widmung im Band „Italienische Reise“ von J. W. v. Goethe, 1925 (© Sebastian Ahlers, DHM).
Abb. 1:

Einband, Aufbewahrungskassette und handschriftliche Widmung im Band „Italienische Reise“ von J. W. v. Goethe, 1925 (© Sebastian Ahlers, DHM).

Um anzuzeigen, dass die buchspezifischen Merkmale zu einem bestimmten Exemplar gehören, wurden diese zunächst in den Fußnotenfeldern des Buchdatensatzes vermerkt. Mit dem Ergebnis, dass, je umfangreicher die zu verzeichnenden Informationen waren, desto unübersichtlicher die Anzeige im OPAC wurde, die sich mitunter als regelrechter Datenbandwurm entpuppten (Abbildung 2).

Abb. 2: Exemplarspezifika und Provenienzangaben in der Fußnote des Buchdatensatzes.
Abb. 2:

Exemplarspezifika und Provenienzangaben in der Fußnote des Buchdatensatzes.

Auch die Nachnutzung der Daten war völlig unklar. Ein weiteres Manko stellte der Umstand dar, dass die im Buchdatensatz mühsam verzeichneten Angaben nicht über eine Suchanfrage im OPAC recherchiert werden konnten. Es wurde daher über eine Alternative zum Verzeichnungsort nachgedacht.

Einführung neuer Titeldatensatzkategorien

Erste Recherchen ergaben, dass die Stadt- und Universitätsbibliothek Köln, die ebenfalls zeitweise mit SISIS Sunrise gearbeitet hatte, bereits lokale Kategorien in der Titelsatzschablone benutzte, um Provenienzangaben abzubilden. An dieses Vorbild angelehnt, wurden in enger Zusammenarbeit mit einer kompetenten Kollegin der Verbundzentrale des BVB neue, lokale Kategorien für den Titeldatensatz im Bibliothekskatalog des DHM entwickelt, in denen alle Komponenten der wissenschaftlichen Exemplarbeschreibung verzeichnet werden können. Je nach Bedarf ist es nun möglich, Kategorien zur Einbandbeschreibung, zur Bindung und zur buchgestalterischen Ausstattung von bis zu drei Exemplaren des Titels mit Informationen anzureichern. Darüber hinaus können für jedes der drei Exemplare bis zu drei Personen und/oder drei Körperschaften als Vorprovenienz angegeben werden (Abbildungen 3a und 3b).

Abb. 3a: Leere Titelsatzschablone mit neuen, lokalen Kategorien für die wissenschaftliche Erschließung.
Abb. 3a:

Leere Titelsatzschablone mit neuen, lokalen Kategorien für die wissenschaftliche Erschließung.

Abb. 3b: Beispieltitelsatz mit den ausgefüllten neuen, lokalen Kategorien.
Abb. 3b:

Beispieltitelsatz mit den ausgefüllten neuen, lokalen Kategorien.

Benutzer*innen des DHM-OPAC stellt sich die Ansicht der Daten über den Button Mehr zum Titel nun übersichtlicher und strukturierter dar. Der Ort der Anzeige – auf Exemplarebene – sowie die einleitende Kategorie Exemplar zeigen dabei deutlich, dass sich die verzeichneten Informationen ausschließlich auf das Buch in der DHM-Bibliothek beziehen und nicht für alle Ausgaben des Titels gelten (Abbildung 4).

Abb. 4: Anzeige des Beispieltitelsatzes aus Abb. 3b und c im OPAC.
Abb. 4:

Anzeige des Beispieltitelsatzes aus Abb. 3b und c im OPAC.

Eine der Besonderheiten bei den neuen Satzfeldern sind zum einen ein genormtes Vokabular der am häufigsten vorkommenden Provenienzmerkmale, welche in der Kategorie Provenienzbeschreibung zur Spezifizierung der Herkunftsangabe hinterlegt sind. Hierunter findet man u. a. Begriffe wie Autogramm, Etikett, Exlibris, Portrait, Stempel und Widmung (Abbildung 5).

Abb. 5: Genormtes Vokabular für die Präzisierung des Provenienzmerkmals.
Abb. 5:

Genormtes Vokabular für die Präzisierung des Provenienzmerkmals.

Eine Mehrfachangabe von Begriffen (wenn sich die Provenienz an mehreren Kennzeichen ablesen lässt) ist hier ebenso möglich, wie auch die Erweiterung des Begriffs durch Freitexteigabe (Abbildung 6).

Abb. 6: Beispiel für die Erweiterung eines genormten Provenienzbegriffs.
Abb. 6:

Beispiel für die Erweiterung eines genormten Provenienzbegriffs.

Eine zweite Qualität ist die Verlinkung der Provenienzangaben – bei Personen und Körperschaften – mit der Gemeinsamen Normdatei (GND). Sollte in Zukunft ein Wechsel des Bibliothekssystems anstehen, können die genormten Herkunftsangaben nachgenutzt und standardisiert in das neue System migriert werden. Im lokalen OPAC ermöglicht diese Verlinkung aber schon jetzt eine weitere Rechercheoption. Mit nur einem Klick kann der/die Suchende sich alle Titel anzeigen lassen, die den Namen der Person oder den der Körperschaft als Verfasser oder Herausgeber, aber auch alle Titel, die diese jeweils als Vorbesitz haben (Abbildungen 7 und 8).

Abb. 7: Ergebnisliste mit Klick auf die erste Provenienz des Beispieltitels „Walter Ulbricht“.
Abb. 7:

Ergebnisliste mit Klick auf die erste Provenienz des Beispieltitels „Walter Ulbricht“.

Abb. 8: Ergebnisliste mit Klick auf die zweite Provenienz des Beispieltitels „Johannes Dieckmann“.
Abb. 8:

Ergebnisliste mit Klick auf die zweite Provenienz des Beispieltitels „Johannes Dieckmann“.

Um die Suche nach Objekten in der DHM-Bibliothek, die eine wissenschaftliche Erschließung erfahren haben, zu vereinfachen, bietet der OPAC in der Suchmaske der Erweiterten Suche im Dropdownmenü die Auswahl der neuen Kategorien an (Abbildung 9).

Abb. 9: Dropdownmenü der Erweiterten Suche für einen unkomplizierten Sucheinstieg nach Exemplarspezifika.
Abb. 9:

Dropdownmenü der Erweiterten Suche für einen unkomplizierten Sucheinstieg nach Exemplarspezifika.

Vom Wert der zeitgemäßen Erschließung

In ihrem Artikel Der Altbestand in 50 Jahren aus dem Jahr 2019 leitet Claudia Fabian ihre Betrachtung zum Wert der Materialität der analogen Überlieferung, besonders der des schriftlichen Kulturerbes, mit den Worten ein: „[…] an Wert gewinnt“, was „betrachtet, gepflegt und zeitgemäß erschlossen wird“. Zweifellos ist und bleibt die Verzeichnung der formalen bibliographischen Informationen zu einem Werk weiterhin von höchster Wichtigkeit, denn diese bietet die Grundlage für den Aufbau von Datenbanken, in denen der oder die interessierte Leser*in egal zu welchem Zweck Literatur, Quellen und andere Arten von Medien recherchieren kann. Doch in der buchgeschichtlichen Forschung ist in den letzten Jahren ebenso ein neuer Trend in der Erschließungsarbeit zu beobachten, der „gewissermaßen die Fortsetzung der Ausgangsituation“ darstellt. Hierbei wird zusätzlich zur bibliothekarischen Katalogisierung „die Geschichte eines Buches nach dem Ende seiner Produktionsphase weiterverfolgt“ und dessen „Interaktionsverhältnis mit Menschen“ beleuchtet. Nichts Anderes möchte die DHM-Bibliothek mit der Einführung der neuen Titelsatzkategorien unterstützen. Denn die zu Beginn erwähnten Komponenten der Materialität eines Buches bilden genau dies ab. An aufwändig gestalteten Einbänden, Buchschmuck und Provenienzen lässt sich erkennen, wer sich zu welcher Zeit die Anschaffung von Büchern überhaupt leisten konnte, welche Gesellschaftsschichten über die Fähigkeit zu Lesen und damit auch zu Schreiben verfügte und welche Inhalte und Autoren in den unterschiedlichen Epochen beliebt waren. Über das Sichtbarmachen von Provenienzen wird auch dem Ruf nach mehr Transparenz Rechnung getragen. Die Relevanz dieser Transparenz spiegelt sich in der Schaffung von Stellen in den einzelnen informationswissenschaftlichen Einrichtungen wieder, die eigens mit der Auseinandersetzung von bedenklichen Bezugsquellen von Einzelobjekten oder auch mit der Aufarbeitung von heikler Bibliotheksgeschichte bezüglich widerrechtlicher An- oder Übereignung von ganzen Bestandsgruppen beschäftigt sind. Daran möchte sich auch die DHM-Bibliothek zumindest in dem Maße, wie es ihr möglich ist, beteiligen.

Zusätzlich können die in den neuen Kategorien verzeichneten Daten auch innerhalb der Einrichtung – also dem Museum selbst – weiterverwendet werden. So liefern sie u. a. Informationen zu und über ein bestimmtes Bibliotheksobjekt, die für einen Begleittext in einer Ausstellung, als Beitrag in einer Führung oder für eine Präsentation über die Homepage des Museums oder deren Social Media-Account genutzt werden können. Mit ihnen lässt sich ein Werk näher beschreiben, eine Geschichte hinter dem Objekt erzählen, aber möglicherweise auch der Grund aufzeigen, warum gerade dieses Buch für den Sammlungsbestand des Museums bedeutsam ist. Bibliotheksintern können über diese Kategorien schnell entsprechende Bände ermittelt werden, die für eine mögliche Ausstellung in Frage kommen, wenn beispielsweise der Schwerpunkt des Projektes auf bestimmten Buchmaterialien, Bindearten, Ausstattungsmerkmalen oder natürlich auch auf Provenienzen liegt.

Die Mitarbeiter*innen der DHM-Bibliothek nutzen die neuen Kategorien täglich fleißig. Sie dienen auch als Basis für zukünftige Projekte, wie die zeitnah geplante Tiefenerschließung der 49 Inkunabeln und der etwa 300 im Bestand identifizierten Handschriften, die spätestens 2023 in Angriff genommen werden soll.

About the author

Klaudia Charlotte Lenz

Klaudia Charlotte Lenz

Stellvertretende Bibliotheksleiterin

Published Online: 2022-12-06
Published in Print: 2022-11-29

© 2022 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von De Gruyter.

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 24.4.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2022-0115/html?lang=en
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