Acht Thesen: Was leistet eine zeitgemäße Landesbibliographie?
Erste Vorbemerkung: Der Verfasser ist in den zurückliegenden Jahren immer wieder mit der Frage nach der modernen Landesbibliographie und ihren Dienstleistungen für die Nutzer konfrontiert worden. Zu verschiedenen Anlässen hat er seine Thesen als Einstieg in die Diskussion vorgetragen, meist vor Bibliographen, manchmal auch vor Bibliothekaren und anderen Informationsspezialisten oder vor Wissenschaftlern. Im Zentrum der Überlegungen stand dabei stets das Endprodukt, so wie es der Nutzer als Internetangebot in Form eines webbasierten OPAC vorfindet. Herstellungsverfahren und Arbeitsabläufe standen also nicht im Fokus der Betrachtung und spielen im Folgenden auch nur insoweit eine Rolle, wie sie das Rechercheangebot beeinflussen.
Zweite Vorbemerkung: Wie alle elektronischen Angebote unterliegen auch die Datenbanken und Onlinekataloge der Landesbibliographien einem steten technologischen und bibliothekarischen Wandel. Schon aus diesem Grund beansprucht die nachfolgende Aufzählung nicht, erschöpfend und abschließend zu sein. Der Dienstleistungskatalog versteht sich als eine Art Zwischenstand der Überlegungen, als Momentaufnahme, an der weitere Entwicklungen ansetzen können. Die in Klammern gesetzten Hinweise dienen dem Verständnis und besitzen daher einen ausschließlich exemplarischen Charakter.
These 1: Eine zeitgemäße Landesbibliographie
stellt kein ausschließlich separat angebotenes Rechercheinstrument dar, sondern ist - im Sinne von Linked Open Data - in möglichst viele bibliothekarische, geschichtswissenschaftliche, landeskundliche und weitere Informationsangebote sowie in sonstige Internetquellen eingebunden, beispielsweise in
einen regionalen Bibliotheksverbund, in dem sie auch produziert wird
die lokalen Ressource Discovery-Systeme
die Virtuelle Deutsche Landesbibliographie
das jeweilige landeskundliche Informationsportal
virtuelle Fachportale (Clio-Online)
andere (Fach-)Bibliographien (Deutsche Historische Bibliographie)
elektronische Rezensionsplattformen (recensio.regio)
biographische Angebote (Biographie-Portal)
Suchmaschinen wie Google (Open Data)
These 2: Eine zeitgemäße Landesbibliographie
trägt dem Medienwandel Rechnung und verzeichnet neben den herkömmlichen analogen Materialarten und Literaturgattungen alle Arten landeskundlich relevanter elektronischer Medien und Netzpublikationen, deren Langzeitverfügbarkeit (URN, DOI) gesichert ist, beispielsweise
E-Books, E-Journals, E-Paper
elektronische Hochschulschriften
PDF-Dateien
retrodigitalisierte Ressourcen
archivierte Webseiten, Blogs
These 3: Eine zeitgemäße Landesbibliographie
stellt nicht ausschließlich bibliographische Literaturnachweise („Titelaufnahmen“) zur Verfügung, sondern eine breite Palette zusätzlicher Informationen durch direkte Links auf Volltexte und auf andere Internetressourcen, beispielsweise
Inhaltsverzeichnisse
Abstracts
Rezensionen
Netzpublikationen
(Retro-)Digitalisate
These 4: Eine zeitgemäße Landesbibliographie
bietet dem Benutzer zur Recherche einen hochperformanten Web-OPAC oder Katalog plus mit vielseitigen Sucheinstiegen, guten Navigationsmöglichkeiten und allen das Rechercheergebnis beeinflussenden Funktionen an, beispielsweise
Standardsuche („Suchschlitz“)
Expertensuche
Registersuche
Systematiksuche
verwaltungshierarchische Ortssuche
flexible Kategorienauswahl
Boolsche Operatoren
Trunkierungsmöglichkeiten
Facettiertes Browsing (Suchfilter)
Nachverfolgungsmöglichkeit (Suchhistorie)
Bedienungshinweise und kontextsensitive Hilfen
Zugriff auf Normdaten (GND)
These 5: Eine zeitgemäße Landesbibliographie
überzeugt durch die nutzerfreundliche Darstellung der gefundenen Informationen, unabhängig von den verwendeten Eingabegeräten, beispielsweise
Listen- und Einzeldarstellung
Auswahl verschiedener Anzeigeformate
Neuerfassungsliste
Materialart-Piktogramme
Bucheinbandbilder
Kartendarstellung bei Ortsbezügen (georeferenziert)
Ergebnisranking nach Relevanz
Darstellung in responsivem Design
These 6: Eine zeitgemäße Landesbibliographie
unterstützt den Benutzer bei der Recherche, bei der Literatursuche und der Weiterverarbeitung gefundener Literaturstellen durch weitere nützliche Dienste, beispielsweise
Nutzungsrelevante Empfehlungen (BibTipp)
Alert-Dienste (RSS-Feed)
Downloadfunktionen
Export in Literaturverwaltungsprogramme
Chatfunktion, Kontaktformular
Meldeformular für zusätzliche Titel
Verfügbarkeitsrecherche (Orts-/Fernleihe)
Bestellkomponente für Artikel und Aufsätze
Verlinkung auf einen Publikationsserver (Repositorium)
These 7: Eine zeitgemäße Landesbibliographie
macht sämtliche gedruckten Vorgängerbibliographien der Region in elektronischer Form zugänglich, nach Möglichkeit durch die
Konversion und sacherschließungskonforme Integration des Titelmaterials der Druckbände in die aktuelle Datenbank,
mindestens aber durch die
Digitalisierung und benutzerfreundliche Präsentation der Digitalisate im Netz mit Volltexterkennung (OCR) und mit PDF-Downloadfunktion.
These 8: Eine zeitgemäße Landesbibliographie
betreibt eine Personendatenbank mit strukturierten zuverlässigen Informationen zu den Persönlichkeiten des Landes, bestehend mindestens aus
normgerechter Ansetzung (GND-ID)
biographischen Kerndaten
ausführlicher Vita
Links zu Volltextbiographien
Links zu biographischen Internetquellen und zu biographischen Portalen
Links zu Wikipedia und anderen Lexika
Querverweisen zu anderen Persönlichkeiten
Verknüpfung mit den Literaturnachweisen
Quellenangaben
Nachbemerkung: Die Arbeitsgruppe Regionalbibliographie in der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken unterhält einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch. Auf ihren jährlichen Sitzungen diskutiert sie nicht allein praktische, dem Arbeitsalltag der Bibliographen entwachsene Fragen, sondern befasst sich immer wieder auch mit grundsätzlichen Überlegungen zum Typ der Landesbibliographie. Dieser Bibliographietyp kann zwar auf eine sehr lange Tradition zurückblicken, doch enthebt ihn das keineswegs der kontinuierlichen selbstkritischen Reflexion. Auch wenn seine Existenzberechtigung überhaupt nur gelegentlich in Frage gestellt wird, so bedürfen doch Einzelfragen der Erstellung und Verbreitung immer wieder der Erklärung, mitunter der Rechtfertigung.
Die Arbeitsgruppe Regionalbibliographie hat es sich deshalb zur Gewohnheit werden lassen, von Zeit zu Zeit kritisch nachzufragen: Machen wir die richtigen Dinge, und machen wir die Dinge richtig. Sie informiert deshalb regelmäßig über ihre Tätigkeit und macht die Ergebnisse ihrer Arbeit transparent, beispielsweise durch Publikationen. Aktuell plant sie die Zusammenstellung eines Katalogs, der konstitutive Aspekte der Bibliographieproduktion und -distribution enthalten wird; das von einer kleinen Unter-AG zu erarbeitende Papier soll der Selbstvergewisserung der bibliographischen Arbeit dienen und zugleich als Argumentationshilfe gegenüber Dritten fungieren. Die oben skizzierten Anforderungen an eine zeitgemäße Landesbibliographie aus Nutzerperspektive mögen ein Baustein dazu sein.
Dr. Ludger Syré
Badische Landesbibliothek
Erbprinzenstr. 15
76133 Karlsruhe
Michael Piegenschke und sein Bibliographie-Programm ABACUS
Am 19. Juni 2019 ist der Mathematiker und Programmierer Michael Piegenschke nach langer schwerer Krankheit in Preetz (Kreis Plön) verstorben. Er hinterlässt einen Sohn und eine Tochter. Aus Anlass seines Todes möchte die Arbeitsgruppe Regionalbibliographie an das große Verdienst erinnern, das sich der Verstorbene um die Automatisierung von Landes- und anderen Bibliographien erworben hat.
Der am 14. Mai 1955 in Heiligenhafen (Kreis Ostholstein) geborene Piegenschke war als Mitarbeiter der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek und später auch des Rechenzentrums der Universität Kiel in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre u. a. mit der Aufgabe konfrontiert, wie man eine herkömmlich produzierte, in Buchform erscheinende Bibliographie, in diesem Fall die Schleswig-Holsteinische Landesbibliographie, auf ein automatisiertes Verfahren so umstellen konnte, dass die Datenerfassung im eigenen Haus und die Datenweiterverarbeitung in einem externen Großrechenzentrum stattfinden konnte. Mit dieser Frage stand man in Kiel freilich nicht alleine; alle Landesbibliographien suchten damals nach einer Lösung, zunächst auf Basis von Großrechnern, später unter Verwendung von PCs, ihre Bibliographien auf zeitgemäße Technik umzustellen. Die Suche nach Lösungen zielte in erster Linie auf den Einsatz der Datenverarbeitung zur Rationalisierung des gesamten Herstellungsprozesses; erst später trat mit dem Aufbau einer online abfragbaren Datenbank als Parallelversion zum Buch ein neues Ziel in den Blick der Bibliographen; im dritten Schritt schließlich ging es um die Ablösung der analogen Bibliographien durch internetbasierte Online-Datenbanken als unmittelbares Angebot an den Nutzer.
Der erste mit IT-Unterstützung produzierte Jahrgang der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliographie erschien als Band 11 im Jahre 1987. Wenn diesem schon ein Jahr später der nächste folgen konnte, dann hatte das, wie dem Vorwort zu Band 12 zu entnehmen ist, seinen Grund: „Auf der Basis des für die Erfassung der Bibliographietitel seit Jahren bewährten Programmes Allegro […] und des Programmpaketes der GID für die Hessische Bibliographie hat Herr Michael Piegenschke ein Verarbeitungsprogramm entwickelt, das eine wesentliche Erleichterung schon der Erschließungsarbeiten, aber vor allem auch bei den Korrekturen der Endredaktion brachte, sich also ausgezeichnet bewährte.“[1]
Piegenschke nannte seine Entwicklung ABACUS, was aufgelöst heißt: Automatisierte Bibliographie-Herstellung von Allegro-C bis zum umbrochenen Satz. Die Funktion der Software bestand zunächst darin, mit dem in einer Allegro-C-Datenbank gesammelten Titelmaterial eine gedruckte Bibliographie einschließlich Register zu erstellen. Schon bald darauf wurde Allegro-C nicht mehr verwendet und ABACUS selbst war die Datenbank. Die Handhabung des Programms wurde kontinuierlich weiterentwickelt und vor allem auch ständig vereinfacht; zugleich wurde das Programm so flexibilisiert, dass anwenderspezifische Eigenheiten berücksichtigt werden konnten, was freilich in jedem Fall die Mitwirkung des professionellen Programmierers voraussetzte.
Das Programm erwies sich als so attraktiv, dass es bei vielen anderen Bibliographien auf Interesse stieß. Neben Schleswig-Holstein waren es fünf weitere Landesbibliographien, in denen ABACUS in lokalspezifisch angepasster Weise zur Nachanwendung kam und die von Piegenschke im Rahmen regelmäßiger Besuche zur Softwarewartung intensiv betreut wurden: Hamburg (hier wurde ABACUS nicht zur Datenerfassung, sondern zur Aufbereitung von GBV-Daten für den Druck bzw. die Web-Präsentation benutzt), Hessen, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Zu den „Kunden“ zählten zudem die Regionalbibliographie der Oberpfalz (Regensburg) sowie die Oldenburgische Bibliographie (Teilsicht der Niedersächsischen Bibliographie). Die Bayerische Bibliographie verwendete für ihre letzten gedruckten Jahresbände das Druckausgabemodul von ABACUS.
Nach der Deutschen Einheit zeigte sich das Datenbanksystem als willkommenes Instrument bei der Automatisierung der Landesbibliographien in den neuen Bundesländern. Ein Beispiel dafür ist die Einführung von ABACUS bei der Regionalbibliographie Sachsen-Anhalt, die Piegenschke durch zahlreiche Arbeitsbesuche in Halle unterstützte. Als um die Jahrtausendwende ein Systemwechsel anstand, leistete er wertvolle Vorarbeit, so dass die Migration der Altdaten in das neue PICA-System im Jahre 2001 so reibungslos verlief, dass die laufende Arbeit an der Bibliographie nahtlos weitergehen konnte. Ähnliches leistete er ein paar Jahre später für die Sächsische Bibliographie.
Die weitreichendste Anwendung erfuhr die ABACUS-Software in Hannover. Hier kam das Programm auch für die Datenbank Niedersächsische Personen, für die Leibniz-Bibliographie, zwei weitere kleinere Personalbibliographien sowie einer Bibliographie zu Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus zum Einsatz. Während zahlreicher Arbeitsbesuche wurde es über viele Jahre hinweg weiterentwickelt und um einzelne Module ergänzt, etwa um eine Importfunktion zur Übernahme von Titeln aus dem Verbundkatalog, die Verbindung zu diesem durch Anzeigen der Besitznachweise oder um besondere Suchalgorithmen für die Personendatenbank sowie die Verknüpfung zwischen Niedersächsischer Bibliographie und Personendatenbank. Für die kleineren der genannten Datenbanken ist das Programm noch heute aktiv.
Da es sich als wenig sinnvoll herausstellte, alle spezifischen ABACUS-Fragen bei den turnusmäßigen Sitzungen der Arbeitsgruppe Regionalbibliographie zu besprechen, an denen Michael Piegenschke natürlich teilnahm, wurde als eigenes Forum ein jährliches ABACUS-Anwendertreffen ins Leben gerufen. Das erste fand 1992 in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel statt, mindestens zehn weitere folgten. Die Treffen boten den richtigen Rahmen, die jeweiligen Wünsche und Anforderungen der ABACUS-Nutzer intensiv zu beraten.
Resümiert man die Geschichte der Automatisierung der west- wie der ostdeutschen Landesbibliographien in den 1980er und 1990er Jahren, dann muss man, nach Niedersachsen und Hessen, Schleswig-Holstein zu den Pionieren dieses Prozesses zählen. Dass sich Kiel durch den erfolgreichen Export von ABACUS in Bibliographie-Kreisen einen klangvollen Namen erwerben konnte, ist das Verdienst von Michael Piegenschke. Alle Bibliographinnen und Bibliographen, die mit ihm zusammengearbeitet haben, wussten immer seinen großen, oftmals unkonventionellen persönlichen Einsatz für die Sache zu schätzen. Die Arbeitsgruppe Regionalbibliographie wird ihn in dankbarer Erinnerung behalten.
Sensationsfund: Entdeckung der ältesten Papierhandschrift in vollständig deutscher Sprache in der Badischen Landesbibliothek
Bei der wissenschaftlichen Bearbeitung des Donaueschinger Bestandes mittelalterlicher Handschriften an der Badischen Landesbibliothek wurde kürzlich die älteste überlieferte Papierhandschrift mit ausschließlich deutschsprachigen Texten entdeckt: eine kleinformatige theologische Sammelhandschrift, die bislang als um 1400 entstanden galt, aufgrund der Analyse ihrer Wasserzeichen jetzt aber sicher auf den Zeitraum 1335-1340 datiert werden kann. Papier als Beschreibstoff wanderte Ende des 13. Jahrhunderts aus China nach Europa ein, verbreitete sich im 14. Jahrhundert auch im deutschen Sprachraum und verdrängte im 15. Jahrhundert das bisher übliche Pergament fast vollständig. Bislang galt als älteste, vollständig in Deutsch auf Papier geschriebene Handschrift ein Münchener Codex, der auf das Jahr 1348 datiert ist. Die Karlsruher Neuentdeckung ist um zehn Jahre früher anzusetzen.
Im Jahr 1993 hat das Land Baden-Württemberg die bedeutende Handschriftensammlung der Fürsten von Fürstenberg aus Donaueschingen erworben und die mehr als 1.000 mittelalterlichen Handschriften zwischen der Badischen und der Württembergischen Landesbibliothek aufgeteilt. Die deutschsprachigen Handschriften befinden sich seither in Karlsruhe. Seit 2015 erschließt Katrin Sturm am Handschriftenzentrum Leipzig die deutschsprachigen theologischen Handschriften in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Kooperationsprojekt. Und sie erlebt immer wieder Überraschungen, denn die theologischen Handschriften sind im Gegensatz zu den gut erforschten literarischen Handschriften aus Donaueschingen wie der Nibelungenlied-Handschrift C oder dem Rappoltsteiner Parzival bislang kaum aufgearbeitet. Das sehr dicke und steife Papier des äußerlich unscheinbaren Bandes im DIN-A6-Format war gleich ein Indiz für sie, auch der Schrifttyp schien ihr gleich beim ersten Augenschein in das zweite Viertel des 14. Jahrhundert zu weisen - nun hat sich ihre Annahme, es müsse sich um ein besonders frühes Papier handeln, bewahrheitet.

Vorder- und Hinterdeckel der Handschrift Donaueschingen B V 13, Nürnberger Raum, um 1335-1340. © Badische Landesbibliothek Karlsruhe.
Die Handschrift Donaueschingen B V 13, der zwei recycelte Pergamenturkunden als Umschlag dienen, enthält zwei Texte zum wahren christlichen Glauben: auf 179 Seiten das „Buch der sieben Grade“ des Mönches von Heilsbronn und auf 13 später eingebundenen Seiten Meister Eckharts Traktat zu den „Vierundzwanzig Zeichen eines vernünftigen Grundes“. Das „Buch der sieben Grade“ beschreibt die sieben Stufen des Gebets, die den sieben Stufen zum Tempel Salomons entsprechen. Die Neudatierung der Handschrift erlaubt nun auch, das literarische Wirken des anonymen, aber im Spätmittelalter viel gelesenen Autors „Mönch von Heilsbronn“ erstmals zeitlich genauer einzugrenzen. So wirkt sich die materialkundliche Analyse direkt auf unser Wissen zur Literaturgeschichte des deutschen Mittelalters aus.

Handschrift Donaueschingen B V 13, fol. 32 r, Nürnberger Raum, um 1335-1340. © Badische Landesbibliothek Karlsruhe.
Entstanden ist die Handschrift im Nürnberger Raum, wo auch der „Mönch von Heilsbronn“ als Autor anzusiedeln ist. Im 15. Jahrhundert gehörte sie nachweislich den Dominikanerinnen des Nürnberger Katharinenklosters, deren Bibliothekskatalog vermerkt, man habe sie von dort „weggegeben“. 1869 wurde sie von einem Augsburger Antiquar für die Donaueschinger Handschriftensammlung erworben.
Näheres unter https://blog.ub.uni-leipzig.de/alte-handschrift-fruehes-papier.
Das Digitalisat der Handschrift finden Sie in den Digitalen Sammlungen der BLB: urn:nbn:de:bsz:31-113576.
Zehn Jahre UNESCO-Weltdokumentenerbe Nibelungenlied
Vor genau zehn Jahren, am 31. Juli 2009, wurde das Nibelungenlied in das UNESCO-Weltregister Memory of the World aufgenommen. Das Internationale Programmkomitee traf in Bridgetown (Barbados) die Entscheidung, der Text sei das berühmteste Heldenepos in mittelhochdeutscher Sprache und gehöre zum kulturellen Erbe der Menschheit.
Das Register zeichnet mit der Anerkennung aber nicht ein literarisches Werk aus, sondern dessen Überlieferungsträger. Es listet kulturell bedeutsame und historisch wichtige Dokumente von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen und verpflichtet ihre Herkunftsländer, das ihnen anvertraute Erbe vor Gedächtnisverlust und Zerstörung zu sichern. Zudem trägt es ihnen auf, für die Verfügbarkeit der jeweiligen Dokumente zu sorgen und sie auf neuen informationstechnischen Wegen weltweit zugänglich zu machen.
Mit dem Titel ausgezeichnet wurden die drei vollständigen Nibelungenlied-Handschriften des 13. Jahrhunderts, die in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, der Stiftsbibliothek St. Gallen und der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe aufbewahrt werden. Die Handschrift C in der Badischen Landesbibliothek ist die älteste und für die Überlieferungsgeschichte des Nibelungenlieds, das um 1200 aufgeschrieben wurde, aber auf ältere mündliche Traditionen zurückgeht, bedeutendste Handschrift. Die strophische Dichtung erzählt die Geschichte des Drachentöters Siegfried bis zu seinem gewaltsamen Tod und die Geschichte von Kriemhilds Rache bis zum vollständigen Untergang der Burgunden.

Cod. Hs. Don. 63. © Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Fotograf: Uli Deck.
Die Handschrift C befand sich bis zu ihrem Ankauf für das Land Baden-Württemberg im Jahr 2001 in der Fürstlich Fürstenbergischen Bibliothek Donaueschingen. Sie wird seitdem als Eigentum der Landesbank Baden-Württemberg und der Bundesrepublik Deutschland in der Badischen Landesbibliothek bewahrt.
Umfassende Informationen zum Text, zur Handschrift C und zur UNESCO-Auszeichnung: https://www.blb-karlsruhe.de/sammlungen/unesco-weltdokumentenerbe-nibelungenlied. Das Digitalisat der Handschrift C finden Sie in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landes-bibliothek unter folgendem Link: https://digital.blb-karlsruhe.de/737536.
Kontakt:
Badische Landesbibliothek und Badische Bibliotheksgesellschaft
Pressereferat / Karen Evers M.A.
Erbprinzenstraße 15, 76133 Karlsruhe
Telefon: +49 721 175-2250, Fax: +49 721 175-2333, E-Mail: presse@blb-karlsruhe.de
Sanierung abgeschlossen: Wiedereröffnung des von Sep Ruf gestalteten Ostlesesaals mit neuem Nutzungskonzept
Die Bayerische Staatsbibliothek hat jüngst die Renovierung ihres Ostlesesaals abgeschlossen. Der von dem bekannten Architekten Sep Ruf gestaltete Lesesaal bietet jetzt rund 50 moderne barrierefreie Arbeitsplätze inklusive leistungsstarkem WLAN und eine bequeme Leseecke. Der Umbau geht zudem mit einem erweiterten Nutzungskonzept einher. Für die Öffentlichkeit öffnete der Ostlesesaal wieder am 15. Juli.
Der Umbau umfasste die energetische Sanierung der Fenster und des Daches sowie die komplette Neugestaltung des Nutzungsbereichs. Hierbei wurde besonders die Erhaltung der von Sep Ruf (1908-1982) konzipierten Elemente wie Fenster, Treppengeländer und Wandregale berücksichtigt. Der Münchner Stararchitekt hatte im Rahmen des Wiederaufbaus der Bibliothek nach dem 2. Weltkrieg den Ostlesesaal im 3. Obergeschoss der Bibliothek entworfen.
Der Lesesaal steht wissenschaftlichem Fachpublikum wie Slawisten, Ost- und Südosteuropahistorikern, Sinologen, Arabisten und Indologen sowie anderweitig an den Regionen Interessierten zur Verfügung. Der umfangreiche Handapparat mit mehr als 40.000 Bänden und der Zugang zu digitalen Recherchemedien und Datenbanken bieten eine optimale Arbeitsumgebung. Das neue Nutzungskonzept umfasst neben erweiterten Öffnungszeiten die verbesserte technische Ausstattung der Arbeitsplätze sowie eine Leseecke und Mietschränke für Leser, die ihre Arbeitsmaterialien in der Bibliothek lassen möchten. Des Weiteren sind neue Veranstaltungsformate wie beispielsweise sogenannte „Coffee Lectures“ geplant, kurze Vorträge rund um das wissenschaftliche Arbeiten und die Bibliothek - bei einer Tasse Kaffee.

Ostlesesaal der Bayerischen Staatsbibliothek, 1954. © Bayerische Staatsbibliothek/Bildarchiv.

Neu gestalteter Ostlesesaal der Bayerischen Staatsbibliothek, 2019. © Bayerische Staatsbibliothek/H.-R. Schulz.
Die Sanierung des Ost-Lesesaals ist Teil der fortlaufenden baulichen Serviceverbesserungen der Bayerischen Staatsbibliothek. Bereits im Herbst 2018 öffnete die neue 400 qm große „PLAZA“ im Erdgeschoss mit 130 Arbeitsplätzen.
Dr. Dorothea Sommer, stellvertretende Generaldirektorin der Bayerischen Staatsbibliothek: „Unsere Nutzerinnen und Nutzer sollen in der Bayerischen Staatsbibliothek ein modernes, zeitgemäßes Arbeitsumfeld vorfinden. Die kontinuierlich durchgeführten baulichen Verbesserungen steigern die Attraktivität der Bayerischen Staatsbibliothek als Lernort und Serviceeinrichtung für die Wissenschaft maßgeblich.“
Über die Bayerische Staatsbibliothek:
Die Bayerische Staatsbibliothek, gegründet 1558 durch Herzog Albrecht V., genießt als internationale Forschungsbibliothek Weltrang. Mit rund 33 Millionen Medien gehört die Bibliothek zu den bedeutendsten Gedächtnisinstitutionen der Welt. Mit mehr als 2,3 Millionen digitalisierten Werken verfügt die Bayerische Staatsbibliothek über den größten digitalen Datenbestand aller deutschen Bibliotheken. Die Bibliothek bietet vielfältige Dienste im Bereich innovativer digitaler Nutzungsszenarien an.
Kontakt:
Dr. Gudrun Wirtz
Osteuropa-Abteilung
Tel.: 089/28638 2992
E-Mail: gudrun.wirtz@bsb.muenchen.de
Ulrike Rehusch
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 089/28638 2057
E-Mail: presse@bsb-muenchen.de
80 Jahre nach ihrer Schließung wiedereröffnet: Die Stolberg-Wernigerodesche Bibliothek ist wieder zugänglich
Die Stolberg-Wernigerodesche Bibliothek war jahrhundertelang eine der bedeutendsten Privatbibliotheken Deutschlands. 2019 wird sie wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht - 80 Jahre nach ihrer Schließung im Jahr 1939.
Obschon die Bibliothek durch Graf Wolf Ernst zu Stolberg (1546-1606) bereits im 16. Jahrhundert begründet wurde, nahm sie erst ab dem 18. Jahrhundert eine steile Aufwärtsentwicklung und wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein kontinuierlich systematisch erweitert. Namhafte Bibliothekare wie Prof. Dr. Ernst Förstemann (1822-1906), Dr. Eduard Jacobs (1833-1919), Prof. Dr. Wilhelm Herse (1879-1965) und Dr. Johann Friedrich Günther Deneke (1882-1944) kümmerten sich leidenschaftlich um die Bestände der Bibliothek. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie von Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode (1691-1771) in Wernigerode für die Öffentlichkeit geöffnet und genoss mit ihrem Schwerpunkt in der Theologie und religiösen Gebrauchsliteratur in der Wissenschaft und Forschung ihrer Zeit einen hervorragenden Ruf.
In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts verringerte sich der Bestand durch Verkäufe um etwa ein Viertel auf rund 90.000 Bände. Die Bibliothek wurde 1939 nach dem Kriegsausbruch für die öffentliche Nutzung geschlossen. Nach 1945 führten dann Enteignung in der Sowjetisch besetzten Zone im Rahmen der Bodenreform, Verschleppung von Beständen durch die Trophäenkommission der Roten Armee, Diebstahl, Vandalismus, unsachgemäße Behandlung, Aufgehen der Bände in Beständen unterschiedlicher anderer Bibliotheken der DDR und Hehlerei - auch durch den antiquarischen Buchhandel - vorerst zur physischen Auflösung der Bibliothek.
Nach der Wende und der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurden im Zuge des 1994 in Kraft getretenen Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetzes (EALG) bereits große Teile der in verschiedenen Einrichtungen der ehemaligen DDR verbliebenen Bestände der Stolberger Bibliothek an Philipp Fürst zu Stolberg-Wernigerode restituiert. Diese Bestände, ergänzt durch während der Deutschen Teilung angesammelte Bestände sowie Schenkungen und Rückgaben von Privatpersonen, Antiquariaten, Auktionshäusern und Staaten, die vormals Teilrepubliken der Sowjetunion waren, bilden den Grundstock der wieder der Öffentlichkeit zugänglichen Fürst zu Stolberg-Wernigerodeschen Bibliothek.
Die bereits wieder über 35.000 Titel umfassende Sammlung hat ihren Schwerpunkt im Bereich der Theologie und der Kirchengeschichte sowie im Raum Harz und der ehemaligen Grafschaft Wernigerode mit einem umfassenden regional- und familiengeschichtlichen Bestand - ein in dieser Weise einmaliges Spezialgebiet der Bibliothek. Daneben stehen - lückenhafter - überlieferte Bestände aus dem Bereich der antiken, der deutschen und französischen Literatur, juristische, geschichtliche und geographische Werke und andere. Neben rund 100 Inkunabeln enthält die Bibliothek Druckwerke ab dem 16. Jahrhundert, ferner rund 1.200 Handschriften, mehr als 4.000 Graphiken, Karten und Pläne, eine bislang nicht erfasste Anzahl von historischen Fotos, eine aus dem 18. Jahrhundert stammende Katalog-Auslegemaschine sowie eine sogenannte „Wunderkammer“ mit Naturalienkabinett sowie eine archäologische Sammlung.
Mit etwa 50.000 Bänden befindet sich der größere Teil der historischen Stolberger Bibliothek als kriegsbedingt verbrachtes Kulturgut noch immer in Bibliotheken der russischen Republik und Nachfolgestaaten der GUS. Und noch heute werden in der Bodenreform enteignete Bände der Bibliothek auf dem Markt für antiquarische Bücher angeboten und leider auch von skrupellosen Käufern erworben. Dennoch bieten die auch heute wieder in Hirzenhain zusammengeführten Bestände mit ihrem Schwerpunkt im Bereich der Theologie und der Kirchengeschichte einen bemerkenswert dichten Überlieferungsbestand zur Entwicklung der lutherischen Theologie, umfangreichen Primärbeständen der theologischen Debatten und der „zweiten Reformation“ sowie eine dichte Überlieferung zum Pietismus und missionarischen Aktivitäten des 19. Jahrhunderts.
Die Bibliothek ist in der Datenbank des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes und des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes (https://kxp.k10plus.de) erschlossen und wird fortlaufend durch weitere Restitutionen, Rückgaben und Schenkungen erweitert. Ein OPAC-Zugang über die Homepage der Bibliothek (https://www.stolberg-wernigerode.de/bibliothek) ermöglicht die Recherche im Katalog. Auf der Homepage finden Interessierte Informationen zu Öffnungszeiten, zur Kontaktaufnahme, Benutzung, Geschichte, Charakterisierung, Erschließung usw.
Ansprechpartner:
Fürst zu Stolberg-Wernigerodesche Bibliothek
(Philipp Fürst zu Stolberg-Wernigerode)
E-Mail: bibliothek@stolberg-wernigerode.de
Erste eigene Ausstellung zu Adele Schopenhauer eröffnet im Goethe- und Schiller-Archiv
Anlässlich des 170. Todestages von Adele Schopenhauer (1797-1849) widmet ihr das Goethe- und Schiller-Archiv vom 2. August bis 15. Dezember 2019 die Ausstellung „Weil ich so individuell bin“. Es ist die erste Schau überhaupt, die sich allein mit Adele Schopenhauer sowie ihrem künstlerischen und dichterischen Werk auseinandersetzt. Die Ausstellung präsentiert Adeles Tagebücher, von ihr verfasste Gedichte und Märchen ebenso wie ihre berühmten Scherenschnitte, visionären Arabesken und phantasievollen Aquarelle. Im Original gezeigte Briefe geben zudem Einblick in das Verhältnis zu ihrem Bruder Arthur, die enge Beziehung zum „Vater“ Goethe oder auch die Freundschaft zum Schriftsteller Immermann. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Obgleich Adele Schopenhauer in Hamburg geboren wurde und in Bonn starb, war sie Weimar zeitlebens eng verbunden. Ihre Mutter Johanna hatte, nach dem Suizid ihres Mannes in Hamburg, die Stadt an der Ilm für einen neuen Anfang ausgewählt. Die Teeabende der kunst- und kulturinteressierten Johanna Schopenhauer, bei denen Goethe oft zu Gast war, wurden rasch Treffpunkt der intellektuellen Gesellschaft Weimars. Der Geheimrat schätzte insbesondere das Talent der jungen Adele als Schauspielerin und Künstlerin. An der Konzeption des ausgestellten Scherenschnitts zu seinem ‚Hochzeitlied‘ arbeitete er selbst mit.
Der Verlust des Familienvermögens im Jahr 1819, mehrere Liebesenttäuschungen sowie familiäre und gesellschaftliche Probleme bewegten die Schopenhauers jedoch dazu, 1828 an den Rhein zu ziehen. Ausgaben der Weimarer Zeitschrift ‚Chaos‘ und des ‚Rheinischen Taschenbuchs‘ zeigen frühe Gedichte und Märchen, die Adele in dieser Zeit noch unter Pseudonym oder anonym veröffentlichte. Abermalige wirtschaftliche Schwierigkeiten und das Angebot einer Leibrente von Großherzog Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach ließen Mutter und Tochter 1837 schließlich zurückkehren und sich in Jena niederlassen. Nach dem Tod Johannas im Folgejahr begann Adele eine Ausbildung zur Arabeskenmalerin. Sie fertigte Titelblätter und Randdekorationen für Gedichte und Kompositionen, wie die ausgestellte ‚Galoppade der Vögel‘ von Wolfgang Maximilian von Goethe, und spezialisierte sich auch auf Miniaturmalerei. Sie rezensierte Bücher von Freundinnen wie Annette von Droste-Hülshoff, schrieb das Opernlibretto für ‚Der Gefangene von Bologna‘ von Walther von Goethe sowie das Drama ‚Erlinde‘ zusammen mit Wolfgang Maximilian von Goethe. Die Ausstellung zeigt hier den Notizenaustausch mit dem Goetheenkel. Ebenfalls zu sehen sind Adeles erste Publikationen unter ihrem eigenen Namen: die ‚Haus-, Wald und Feldmärchen‘ (1844) und der Roman ‚Anna‘ (1845).

Adele Schopenhauers Illustration von Wolfgang Maximilian von Goethes Komposition „Galoppade der Vögel“, 1838. © Klassik Stiftung Weimar.
Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Adele Schopenhauer größtenteils in Rom und Florenz, wo sie unter anderem als Italienkorrespondentin für renommierte deutsche Zeitschriften arbeitete. Eine schwere Gesundheitskrise zwang sie 1848 nach Bonn zurückzukehren, wo sie am 25. August 1849 starb. Die ausgestellten letzten Tagebucheinträge zeugen vom unerfüllten Wunsch, endgültig nach Italien aufzubrechen. Drei Tage später, am 28. August 1849, dem 100. Geburtstag ihres „theuren Vaters“ Goethe, wurde Adele Schopenhauer auf dem Bonner Alten Friedhof beerdigt - ein Zusammenhang, den bereits ihre Zeitgenossen symbolisch deuteten.
Ausstellungsdaten
„Weil ich so individuell bin“. Adele Schopenhauer
2. August bis 15. Dezember 2019
Mo - Fr 8.30 - 18 Uhr, Sa - So sowie an Feiertagen 11 - 16 Uhr
Goethe- und Schiller-Archiv | Mittelsaal
Jenaer Straße 1 | 99425 Weimar
Der Eintritt ist frei.
Führungen mit den Kuratorinnen Francesca Fabbri und Claudia Häfner
9. Oktober, 6. November 2019 | jeweils 16 Uhr
Vorträge zur Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv | Petersen-Bibliothek
19. September 2019 | 17 Uhr
Francesca Fabbri, Weimar: „Meine Seele hat ein Gesellschaftskleid“. Neues und wenig Bekanntes über Adele Schopenhauer
17. Oktober 2019 | 17 Uhr
Ronny Teuscher, Plauen/Vogtland: Adele Schopenhauer als emsige Beschafferin rheinischer Altertümer für Goethe
21. November 2019 | 17 Uhr
Claudia Häfner, Weimar: Adele Schopenhauer und Goethe: ein Briefwechsel
Bibliographische Angaben des Katalogs zur Ausstellung
Adele Schopenhauer. Unbekanntes aus ihrem Nachlass in Weimar
Bearb. von Francesca Fabbri und Claudia Häfner
Weimarer Verlagsgesellschaft, 2019
Preis: 14,90 Euro
Kontakt:
Klassik Stiftung Weimar
Stabsreferat Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing
Burgplatz 4, D-99423 Weimar | PF 2012, D-99401 Weimar
Telefon +49 3643 545-113 | Telefax +49 3643 545-118 | E-Mail presse@klassik-stiftung.de
www.klassik-stiftung.de | blog.klassik-stiftung.de | facebook.de/klassik.stiftung.weimar
INCONECSS: Digitale Wissenschaft braucht digitale Fitness in Bibliotheken
INCONECSS - International Conference on Economics and Business Information in Berlin diskutierte digitale Transformation in Bibliotheken - Teilnehmende aus Europa, Afrika, Asien sowie Nord- und Südamerika sehen Stakeholder- und Personalmanagement als größte Herausforderungen
Die zweite internationale Fachtagung für Bibliotheken im Bereich wirtschaftswissenschaftliche Fachinformation „INCONECSS - International Conference on Economics and Business Information“ brachte Bibliothekar*innen, Informationsfachleute und Forschende aus 33 Ländern und 5 Kontinenten zusammen. Das Themenspektrum reichte von Alexa bis zu Visualisierung und von Open Access bis zu Data Policies in Research Journals. Die ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft begrüßte vom 6. bis 7. Mai 2019 in Berlin über 120 internationale Tagungsteilnehmer*innen auf der INCONECSS.
Die fortschreitende Digitalisierung stellt Bibliotheken weltweit vor die Herausforderung, nicht nur ihre Geschäftsabläufe zu digitalisieren und ihre Geschäftsmodelle zu wandeln, sondern vor allem eine digital kompetente Belegschaft aufzubauen. Diese muss Transformationsprozessen gegenüber aufgeschlossen sein, digitale Lösungen umsetzen, Chancen antizipieren, im steten Dialog mit der Forschung sein und bestenfalls Veränderungen mit vorantreiben.
Dem Thema „Digital Transformation“ widmete sich die International Conference on Economics and Business Information (INCONECSS).
Folgende Kernbeobachtungen zogen sich durch unterschiedliche Vorträge und Diskussionsbeiträge:
Bibliotheken erfinden sich agil neu und bauen neue Kompetenzfelder auf, beispielsweise im Forschungsdatenmanagement, im Data Mining oder im Bereich Künstliche Intelligenz.
Bibliotheken bauen Personal auf mit digitalen Kompetenzen für alte und neue Aufgabenfelder. Gemeint sind Fähigkeiten, die Mitarbeiter*innen in die Lage versetzen, digitale Technologien anzuwenden, im Rahmen ihres Aufgabenprofils zu nutzen und darüber hinaus die digitale Transformation von Geschäftsprozessen in ihrer Bibliothek mit voranzutreiben.
Neben fachlich-technischen Kompetenzen (Informations- und Datenkompetenz) und Businesskompetenzen wie Eigenverantwortlichkeit, Kommunikationsfähigkeit, Vernetzungskompetenz und Agilität spielt insbesondere die digitale Fitness eine wesentliche Rolle.
Für Bibliotheken ist es essentiell, in engem Dialog zu stehen mit ihren Nutzenden und sich unablässig Wissen anzueignen über Bedürfnisse, Erwartungen und Arbeitsroutinen.
Thorsten Meyer, Bibliotheksdirektor der ZBW und Chair der INCONECSS: „Von Nigeria bis Finnland waren sich alle INCONECSS-Teilnehmer*innen einig: Der Aufbau einer digital kompetenten und interdisziplinären Belegschaft hat eine enorme Bedeutung für die wissenschaftlichen Infrastrukturen dieser Generation. Zudem ist es für die tägliche Arbeit wichtig, die Bedürfnisse, Arbeitsweisen und täglichen Routinen von Wirtschaftsforschenden und -studierenden zu kennen und sie als zentrale Ausgangsbasis für die tägliche Arbeit zu verstehen.“
Die ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft lud mit der INCONECSS zu einer international einmaligen Fachkonferenz für Bibliotheken, die Services speziell für Wirtschaftswissenschaftler*innen anbieten. Über 120 Tagungsteilnehmer*innen aus 33 Ländern aus Afrika, Asien, Europa, Südamerika und Nordamerika kamen vom 6. bis 7. Mai 2019 nach Berlin. Ziel war es, Best-Practice-Beispiele aus verschiedenen Ländern zusammenzubringen und eine Plattform anzubieten für stimulierende Gespräche und Diskussionen. Im Mittelpunkt stand neben dem fachspezifischen Austausch insbesondere das Netzwerken.

Thorsten Meyer eröffnet die INCONECSS. Quelle: ZBW, Foto: Ralf Rebmann.
Werfen Sie mit uns einen Blick zurück auf die INCONECSS 2019:
Zum Programm und den Konferenzfolien: https://www.inconecss.eu/program.html
Zu den Referent*innen: https://www.inconecss.eu/speakers.html
Zu den Pressebildern: https://www.zbw.eu/de/ueber-uns/presse/pressebilder/veranstaltungen
Kontakt:
Dr. Doreen Siegfried
ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, Pressesprecherin
Düsternbrooker Weg 120, 24105 Kiel
Tel.: +49 (0) 431 88 14-455, Fax: +49 (0) 431 88 14-520, mobil: +49 (0) 172 251 48 91, E-Mail: d.siegfried@zbw.eu, URL: www.zbw.eu
© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston
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