Home Library & Information Science, Book Studies Open UP! Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert
Article Publicly Available

Open UP! Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert

Bericht über eine Ausstellung der ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
  • Doreen Siegfried

    Dr. Doreen Siegfried

    EMAIL logo
Published/Copyright: September 7, 2019
Become an author with De Gruyter Brill

Zusammenfassung

Das Aufgabenspektrum wissenschaftlicher Bibliotheken ist enorm und wird immer vielseitiger. Während auf Bibliothekskonferenzen daher immer häufiger diskutiert wird, ob die Gattungsbezeichnung „Bibliothek“ eigentlich noch für die Aufgabenfelder dieser Wissenschaftsinstanz passt, sehen Forschende „Bibliothek“ vornehmlich mit nostalgischem Blick. Der folgende Bericht gibt Einblicke in die Konzeptionierung und Durchführung der Ausstellung „Open UP! Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert“, die die ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (Kiel / Hamburg) anlässlich ihres 100. Geburtstages zeigt, um genau diese Schere zu schließen.

Abstract

The range of tasks fulfilled by scientific and academic libraries is vast and becoming ever more varied. And while library conferences are debating the issue of whether the concept of „library“ is still appropriate for this vital scientific institution in the light of various transformations, researchers tend to perceive „libraries“ with a growing sense of nostalgia. The following report offers insights into the conception and realisation of the exhibition „Open UP! How Digitisation Changes Science“, celebrating the centenary of ZBW - Leibniz-Information Centre for Economics (Kiel / Hamburg), conceived to close this gap.

1 Einleitung

Digitalisierung gilt als Zauberwort und als Hoffnungsträger für fast jeden Lebens- und Arbeitsbereich. Immer wenn es um Innovation und Wettbewerbsfähigkeit geht, steht am Ende die Beschwörungsformel „4.0.“ Das gilt auch für Bildung und Wissenschaft. Es verändern sich die Formen des Lernens, Forschens und Publizierens, es verändern sich Inhalte und nicht zuletzt die Geschwindigkeit, mit der neue Inhalte generiert werden. In diesem Zuge wandeln sich auch die zentralen Instanzen einer Wissensgesellschaft: die Bibliotheken. Das Aufgabenspektrum und das Angebot wissenschaftlicher Bibliotheken haben sich maßgeblich erweitert.

Diese qualitative Entwicklung ist für Bibliotheken und Wissenschaftspolitik logisch und nachvollziehbar. Die Gesellschaft hingegen ist vornehmlich sozialisiert mit der Idee einer Bibliothek als analogem Ort, der durch Printmaterialen geprägt ist, und weniger als Anbieter für digitalen Content. Diese Sozialisierung wird bestärkt durch Medienberichterstattungen, in denen die Bibliothek als dritter Ort, als Ort der Begegnung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, als Ort der Aufbewahrung einzigartiger Kulturgüter oder als Lernort dargestellt wird. Aber immer als begehbarer Ort, selten als digitaler Infrastrukturdienstleister, bei dem Gebäude und Räume unwesentlich sind.

Diese Kluft hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass wissenschaftliche Infrastrukturdienstleister ihr aktuelles Profil oft aufwändig erläutern müssen. Aus Sicht der ZBW ist es aber besonders wichtig, dass verschiedene Anspruchsgruppen wie Nutzer*innen oder Partner*innen in Kooperations- und Forschungsprojekten in vollem Umfang verstehen, wie und warum sich die ZBW in die digitale Welt transformiert, welche neuen Aufgabenfelder sie erschließt und welche neuen Services sie anbietet.

Um diese Kluft zu überbrücken, muss ein kontinuierlicher Dialog ermöglicht werden. Es gilt, komplexe Sachverhalte aus Wissenschaft und Informationsinfrastruktur interessant und verständlich aufzubereiten. Festgefahrene Bilder, was Infrastruktur (aka wissenschaftliche Bibliothek) macht und kann, müssen aufgebrochen und der Blick auf vermeintliche Gewissheiten neu justiert werden, so dass die gesellschaftliche Relevanz von Forschungsergebnissen und Infrastrukturprojekten im wahrsten Sinne begreifbar wird. Wie dieses Begreifbarmachen mit einer interaktiven Ausstellung organisiert werden kann, soll im Folgenden erläutert werden.

2 Hintergrund

2019 ist ein Jubiläumsjahr für die ZBW. Am 1. Februar 2019 feierte die ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft ihren 100. Geburtstag und blickt nun zurück auf einhundert Jahre Bibliothekshistorie (siehe: 100jahre.zbw.eu). 1919 gestartet als kleine Institutsbibliothek mit 8 Angestellten und als Abteilung des Instituts für Weltwirtschaft, ist die ZBW heute eine selbstständige Stiftung des öffentlichen Rechts und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft mit rund 300 Beschäftigten, einer Forschungsabteilung und Kooperationspartnern aus aller Welt.

Im Kontext dieses Jubiläums ist die ZBW einem verstärkten öffentlichen Interesse ausgesetzt und möchte erklären, welche Themen ihr wichtig sind und an welchen Aufgaben sie arbeitet. Was im Jahre 1919 noch sehr einfach war - eine „Büchersammlung“ im Sinne des griechischen „bibliotheke“ - ist im Jahr 2019 wesentlich schwieriger.

In der Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit gibt es verschiedene gut funktionierende Erklär-Formate, angefangen von Broschüren über Podcasts, über Animationsfilme bis hin zu „Book-a-scientist-Veranstaltungen“. Wir haben uns hier für eine interaktive Ausstellung entschieden - ein Format im Raum. Eine Ausstellung hat den Vorteil, dass die Besucher*innen die Inhalte sowohl intellektuell als auch emotional erfassen können; sie können die Ausstellung in ihrem eigenen Tempo durchlaufen, sich auf Einzelinhalte fokussieren, sie können lesen, schauen, hören und berühren. Zudem ermöglichen Ausstellungen Begegnungen mit anderen Besucher*innen, die allein durch ihre Ortswahl zeigen, dass sie ähnliche Interessen haben.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Jubiläumsjahr 2019 eine Wanderausstellung auf die Beine gestellt, die den Titel trägt: „Open UP! Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert“.

3 Die Kommunikationsziele

Zugeschnitten auf die verschiedenen Zielgruppen der Ausstellung „Open UP! Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert“ sind folgende Aufgaben zu bewältigen:

  • auf der Faktenebene relevante Hintergrundinformationen über Open Science vermitteln und Aha-Effekte auslösen, z. B., dass die ZBW

    • im Bereich Open Science in verschiedenen Projekten forscht, insbesondere mit informationstechnischer und informationswissenschaftlicher Perspektive.

    • sich wissenschaftspolitisch für die Umsetzung von Open Science engagiert, sowohl national als auch international.

    • gleichzeitig dabei ist, selbst aktiv an diesem Open Science-Ideal zu bauen, indem neue technische Angebote wie beispielsweise GeRDI entwickelt werden, die Zugänge erleichtern und Barrieren beseitigen.

  • auf der Imageebene erreichen, dass die de facto vollzogene Neuausrichtung der ZBW die gewünschten Assoziationen hervorruft: Zukunftsorientierung, Dynamik, Innovationsstärke, Technologieorientierung, Partnerschaftlichkeit.

Zielgruppen sind verschiedene Anspruchsgruppen der ZBW. Dazu zählen zum einen Wissenschaftsinterne, wie Forschende der Wirtschaftswissenschaften, wissenschaftliche Partner*innen in Kooperations- und Forschungsprojekten, Bibliotheken oder Förderer. Zum anderen adressiert die ZBW Wissenschaftsexterne, wie die interessierte Öffentlichkeit. Diese bekommt die Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen des Wissenschaftsbetriebes zu blicken und Hintergrundinformationen zu erhalten, beispielsweise über den Weg eines Forschungsergebnisses hin zum Fachartikel, die Messung wissenschaftlicher Leistung oder den Umgang mit Forschungsdaten.

Die Stationen der Wanderausstellung wurden entsprechend den Zielen gewählt. Die Ausstellung startete und endet zum Jahresende an den jeweiligen ZBW-Standorten in Kiel bzw. Hamburg. Parallel zu zentralen internationalen Fachtagungen der ZBW, der Open Science Conference und der INCONECSS, fand die Ausstellung im Frühjahr in Berlin ihren Ort. Als vierte Station wurde München gewählt. Dort steht die Ausstellung von Mitte Juni bis Mitte September im Deutschen Museum, dem besucherstärksten Museum Deutschlands.

4 Inhalte & Aufbau

Die Ausstellung besteht aus drei Themeninseln, die durch drei Farben unterschieden werden:

  • Themeninsel 1 Digitale Vernetzung (Blau)

  • Themeninsel 2 Neue Publikationsformen (Grün)

  • Themeninsel 3 Literatur finden (Orange)

Die Themeninseln können in beliebiger Reihenfolge durchlaufen werden.

4.1 Bauelemente

Jede Themeninsel besteht aus folgenden Bauelementen:

  • Datentower für FORSCHEN für Open Science: Die Forschungstower (siehe Abb. 1) thematisieren an der ZBW stattfindende Forschungsprojekte, beispielsweise zum Thema Data Sharing aus individueller und aus gesellschaftlicher Sicht, Altmetrics (Qualität vs. Popularität), Social Media in der Wissenschaft, Digitales Publizieren, Automatisches Indexieren, Information Overload oder Künstliche Intelligenz und Empfehlungssysteme. Es gibt Infografiken und Experimentier-Stationen.

    Abb. 1: Die Forschungstower sind gestaltet wie Büchertürme und schlagen so die Brücke zur Institution „Bibliothek“.
    Abb. 1:

    Die Forschungstower sind gestaltet wie Büchertürme und schlagen so die Brücke zur Institution „Bibliothek“.

  • Sitzbänke mit Videos zum Thema ENGAGIEREN für Open Science: Auf den Videobänken (siehe Abb. 2) werden Videos gezeigt, in denen Beschäftigte der ZBW ihr persönliches wissenschaftspolitisches Engagement erklären. Themen sind die European Open Science Cloud, die GO-FAIR-Initiative, Altmetrics und die Open Access-Transformation.

    Abb. 2: Insgesamt drei Videobänke mit vier Videos geben den Besucher*innen die Möglichkeit, sich ganz auf eine Erzählung einzulassen.
    Abb. 2:

    Insgesamt drei Videobänke mit vier Videos geben den Besucher*innen die Möglichkeit, sich ganz auf eine Erzählung einzulassen.

  • Projektschau-Stationen zum Thema BAUEN für Open Science: In den drei unterschiedlichen Projektschauen (siehe Abb. 3) werden Infrastrukturprojekte der ZBW gezeigt, die Betrachter*innen auf spielerische Art und Weise erläutern, welche konkreten Open Science-Infrastrukturen die ZBW installiert hat bzw. an welchen sie arbeitet. Gezeigt werden EconBiz, EconStor und GeRDI.

    Abb. 3: An den Thementischen können Besucher*innen erfahren, wie einzelne Infrastrukturangebote aufgebaut, welche Partner involviert oder welche nächsten Projektschritte geplant sind.
    Abb. 3:

    An den Thementischen können Besucher*innen erfahren, wie einzelne Infrastrukturangebote aufgebaut, welche Partner involviert oder welche nächsten Projektschritte geplant sind.

4.2 Rundgang durch die Themeninseln

4.2.1 Themeninsel „Digitale Vernetzung“

Forschungsdaten sind schwer zugänglich. Sie liegen in vielen Datensilos verteilt in der ganzen Republik. Es fehlt eine Vernetzung digitaler Datensammlungen aus verschiedenen Disziplinen. Es fehlen verlässliche Infrastrukturen für die längerfristige Speicherung verschiedener Daten. Hinzu kommt, dass Forschende aus Unsicherheit über richtiges Forschungsdatenmanagement ihre Daten oft nicht teilen.

Welche Infrastrukturen die ZBW bundesweit aufbaut, wie das Teilen von Daten gefördert und wie Forscher*innen im Umgang mit Forschungsdaten unterstützt werden können, erfahren Besucher*innen in der Themeninsel „Digitale Vernetzung“.

  • Der Datentower I „Forschungsdaten teilen“ betrachtet die Individualsicht der Forschenden und zeigt Forschungsergebnisse auf die Fragen „Was tun, um das Teilen von Daten zu fördern?“ und „Welche Rolle spielt die Persönlichkeit der Wissenschaftler*in?“

  • Der Datentower II „Gesellschaftliche Relevanz von Open Data“ zeigt zum einen den gesellschaftlichen Nutzen offener Daten im Allgemeinen und Probleme und Fakten rund um Open Research Data. Zum anderen stellt er dar, wie die Gesellschaft von offenen Daten in der Forschung profitiert.

  • In dem Video zur European Open Science Cloud erklärt Prof. Dr. Klaus Tochtermann, Direktor der ZBW und Mitglied im Rat für Informationsinfrastrukturen, welche großen Trends es in der Wissenschaftspolitik gibt, welche Rolle Open Science spielt, welche Rolle insbesondere Bibliotheken spielen und was die digitale Revolution für den Wissenschaftsbetrieb bedeutet.

  • In dem Video zu GO FAIR erklärt Monika Linne, was es mit der GO FAIR-Bewegung auf sich hat und nennt erste Erfolge von GO FAIR.

  • Die Projektschau zeigt ein Projekt zum Aufbau einer vernetzten Forschungsdaten-Infrastruktur, die Forschenden in Zukunft erstmals eine systematische Recherche nach Forschungsdaten über Disziplingrenzen hinweg ermöglichen soll (GeRDI - Generic Research Data Infrastructure).

Abb. 4: Die Persönlichkeit eines Forschers oder einer Forscherin bestimmt, welche Anreize gut funktionieren.
Abb. 4:

Die Persönlichkeit eines Forschers oder einer Forscherin bestimmt, welche Anreize gut funktionieren.

Abb. 5: Offene Forschungsdaten verbessern den wissenschaftlichen Prozess. Sie ermöglichen der Gesellschaft, schneller und breitflächiger von Wissenschaft zu profitieren.
Abb. 5:

Offene Forschungsdaten verbessern den wissenschaftlichen Prozess. Sie ermöglichen der Gesellschaft, schneller und breitflächiger von Wissenschaft zu profitieren.

4.2.2 Themeninsel „Neue Publikationsarten“

Was wäre, wenn die Gemeinfreiheit wissenschaftlicher Information als internationales Recht betrachtet würde? Wie wäre die Welt, wenn Open Access die vorherrschende Publikationsform in der Wissenschaft wäre? Und was wäre anders, wenn wissenschaftliche Wirksamkeit nicht mehr allein an Publikationen und Zitationen gemessen würde?

Die ZBW hat die Vision einer offenen und zugänglichen Wissenschaft. Besucher*innen erfahren in der Themeninsel „Neue Publikationsarten“, mit welchen Ergebnissen die ZBW alternative Leistungsindikatoren erforscht und neue Wege für den fairen Zugang zu Forschungsergebnissen erprobt.

  • Der Datentower I „Social Media-Nutzung“ zeigt, wie soziale Medien die Wissenschaft verändern, wie Forscher*innen soziale Medien in ihrem Arbeitsalltag nutzen und welche Social Media-Typen es in der Wissenschaft gibt.

  • Der Datentower II „Altmetrics - Wissenschaftliche Leistung fairer bewerten“ zeigt, in welchen diversen Krisen die Wissenschaft derzeit steckt und wie wissenschaftliche Leistung künftig umfassender gemessen werden kann.

  • In einem Experiment werden die Besucher*innen selbst zu Forschenden und können Publikationen auf Basis der zugehörigen Metriken beurteilen und ordnen.

  • Der Datentower III „Der wissenschaftliche Publikationsmarkt im digitalen Zeitalter“ befasst sich mit der Frage, wie der Zugang zu Forschungsergebnissen offener werden kann. Das traditionelle wissenschaftliche Publikationssystem beschränkt die Leserschaft noch auf Einrichtungen mit zahlungskräftigen Bibliotheken, in welchem die interessierte Öffentlichkeit ohne Bibliothekszugang außen vor bleibt.

  • In dem Video zu Altmetrics erläutert Prof. Dr. Isabella Peters die Leistungsmessung in unserem aktuellen Wissenschaftssystem, was daran nicht mehr zeitgemäß ist, wie Leistungsmessung im Open Science-Zeitalter aussehen kann und wie sie sich persönlich dafür engagiert.

  • Eine Projektschau zeigt EconStor, eine etablierte internationale Infrastruktur für freies Publizieren in den Wirtschaftswissenschaften, die es sowohl Forscher*innen als auch Bürger*innen ermöglicht, wirtschaftswissenschaftliche Forschungsergebnisse kostenfrei online zu lesen und an Wissenschaft teilzuhaben.

Abb. 6: Wie würden Sie diesen Artikel bewerten? Ein Experiment aus dem Forschungsprojekt *metrics von der Forschungsgruppe Web Science der ZBW.
Abb. 6:

Wie würden Sie diesen Artikel bewerten? Ein Experiment aus dem Forschungsprojekt *metrics von der Forschungsgruppe Web Science der ZBW.

4.2.3 Themeninsel „Literatur finden“

Etwa alle neun Jahre verdoppelt sich weltweit die Zahl wissenschaftlicher Publikationen. Allein in den Wirtschaftswissenschaften gibt es jährlich über 50.000 Veröffentlichungen. Weder Bibliotheken noch Forschende können diese Menge bewältigen, ohne Automatisierungen, Filter, Algorithmen oder Empfehlungssysteme zu nutzen.

Was die ZBW im Themenfeld „Künstliche Intelligenz“ erforscht, wie die Institution große Datenmengen erschließt, intelligentes Verhalten automatisiert und sinnvolle Empfehlungssysteme gestaltet, erfahren Besucher*innen in der Themeninsel „Literatur finden“.

  • Der Datentower I „Erschließen“ zeigt, wie man mit automatischen Verfahren effizient wirtschaftswissenschaftliche Literatur inhaltlich beschreibt.

  • Der Datentower II „Künstliche Intelligenz“ zeigt, wie eine Maschine Texte automatisch so vergleichen kann, dass Leser*innen erkennen, ob ein Text Neues für sie bereitstellt.

  • Der Datentower III „Information Overload“ erläutert, wie die Trends des Wissen-Schaffens sind, welche Länder besonders publikationsstark sind, in welchem Ausmaß die Zahl wissenschaftlicher Zeitschriften steigt oder wie viele Publikationen derzeit weltweit kursieren.

  • In einem Experiment werden die Besucher*innen selbst zu Forschenden und sollen entscheiden, welche Veröffentlichungen sie als wissenschaftlich ansehen und welche nicht.

  • Im digitalen Zeitalter stehen Bibliotheken vor neuen Anforderungen. Der Zugriff auf Informationen muss schnell gehen. Die Informationen müssen von hoher Qualität und Relevanz sein. Die Informationen müssen möglichst kostenfrei und vor allem nachhaltig zur Verfügung stehen. In dem Video zur Digitalen Transformation erklärt Thorsten Meyer, wie konkret die digitale Transformation in der ZBW stattfindet und wie er sich persönlich dafür engagiert.

  • Die Projektschau zu EconBiz zeigt eine forschungsbasierte Lösung der ZBW, die Wirtschaftsforschenden und anderen Interessierten einen transparenten und von kommerziellen Interessen unabhängigen Zugang zu wirtschaftswissenschaftlicher Fachliteratur gibt, der zugleich einfach und kostenfrei ist.

Abb. 7: Besucher*innen können sich insgesamt sechs Videos ansehen mit Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten im Studium.
Abb. 7:

Besucher*innen können sich insgesamt sechs Videos ansehen mit Tipps zum wissenschaftlichen Arbeiten im Studium.

5 Vermittlung

5.1 Vermittlung analog

Die Wanderausstellung „Open UP! Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert“ wurde erstmals anlässlich des Festaktes zum 100. Geburtstag der ZBW am 1. Februar 2019 den Festaktgästen präsentiert (siehe Abb. 8). Es folgten Ausstellungseröffnungen an den jeweiligen Gastorten (siehe Abb. 9). Zudem organisierte die ZBW Weiterbildungsveranstaltungen wie die Podiumsdiskussion „Digital Librarian“ am 19. Februar 2019 oder das Symposium „Wirtschaftswissenschaften digital - Chancen und Herausforderungen“ für Wirtschaftsforschende. Für Jahresende sind weitere Veranstaltungen geplant. Zudem haben wir die internationalen Konferenzen der ZBW mit Spezialführungen für die Tagungsteilnehmer*innen flankiert. Dazu zählen die Open Science Conference vom 19. bis 20. März 2019 in Berlin sowie die INCONECSS - International Conference on Economics and Business Information vom 6. bis 7. Mai 2019, ebenfalls in Berlin. Ebenso wird dies für die internationale Konferenz „Semantic Web in Libraries“ angeboten, die vom 25. bis 27. November 2019 in Hamburg stattfinden wird. Ein umfangreiches Führungsprogramm an den Gastorten für unterschiedliche Zielgruppen ermöglichte den direkten Austausch mit den Ausstellungsbesucher*innen.

Für alle Besucher*innen gab es zudem ein kostenfreies Begleit-Booklet „Was ist Open Science“. Das Booklet erklärt kurz und verständlich, was Open Science ist, warum sie notwendig ist und vor welchen Herausforderungen sie steht.

5.2 Vermittlung digital

Zentrales Kommunikationselement für die Ausstellung ist die Landingpage 100jahre.zbw.eu/openup[1] bzw. 100years.zbw.eu/openup[2]. Hier laufen alle Inhalte zusammen. Zum einen präsentieren wir den Aufbau der Ausstellung per Text und Video, es gibt eine Terminübersicht über alle Veranstaltungen und Führungen. Zum anderen gibt es verschiedene Inhalte der Ausstellung online, wie beispielsweise die Ausstellungsvideos, verschiedene Dossiers aus den Forschungstowern, das Begleitbooklet oder eine Literaturliste zum Download für alle Inhalte.

Zudem haben wir die vier Ausstellungsvideos mit den Titeln „European Open Science Cloud: Offene Forschungsdaten quer durch alle Disziplinen“, „Altmetrics: Eine faire Bewertung von Qualität“, „GO FAIR Initiative: Offene Forschungsdaten für alle!“ und „Digitale Transformation. Open Science ist die Zukunft“ auf YouTube eingestellt (Stand 05.05.2019: 51.135 Views). Über die zahlreichen Social Media-Kanäle haben wir die Ausstellung nicht nur beworben, sondern auch die digitalen Zusatzformate kommuniziert. Einen Audio-Rundgang durch die Ausstellung gibt es via Open Science Radio.[3]

Abb. 8: Prof. Dr. Klaus Tochtermann zeigt den Gästen des Festaktes die Projektschau zu GeRDI. V.l.n.r.: Daniel Günther, Dr. Peter Tschentscher, Prof. Dr. Matthias Kleiner, Dr. Philipp Steinberg und Prof. Dr. Klaus Tochtermann in der Ausstellung Open UP!
Abb. 8:

Prof. Dr. Klaus Tochtermann zeigt den Gästen des Festaktes die Projektschau zu GeRDI. V.l.n.r.: Daniel Günther, Dr. Peter Tschentscher, Prof. Dr. Matthias Kleiner, Dr. Philipp Steinberg und Prof. Dr. Klaus Tochtermann in der Ausstellung Open UP!

Abb. 9: Ausstellungseröffnung im Grimm-Zentrum am 12. März 2019. Grußworte hielt der Gastgeber Prof. Dr. Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu Berlin.
Abb. 9:

Ausstellungseröffnung im Grimm-Zentrum am 12. März 2019. Grußworte hielt der Gastgeber Prof. Dr. Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek der Humboldt Universität zu Berlin.

6 Die Evaluierung

Zur Evaluierung begleiten wir die Ausstellung mit einer Wirkungsanalyse, um Effekte auf Besucher*innen auszuwerten. Untersuchungsgegenstand sind die Wirkungen der Ausstellung „Open UP!“ auf Wissen und Einstellungen zu Open Science und zur Digitalisierung in der Wissenschaft. Methodisch wird dies umgesetzt mit einer Vorher-Nachher-Befragung im Rahmen von Führungen.

Vor dem Besuch der Ausstellung werden die Besucher*innen zu ihrem Vorwissen und ihrer persönlichen Betroffenheit bezüglich der Themen „Open Science“ und „Digitalisierung der Wissenschaft“ gefragt. Zudem wird ihr thematisches Interesse zu unterschiedlichen Aspekten wissenschaftlichen Arbeitens ermittelt. Nach der Führung und ihrem individuellen Rundgang durch die Ausstellung werden die Gäste zu ihren Lernergebnissen befragt. Zum Abschluss geht es um die Bewertung der Ausstellungspräsentation sowie um ein Gesamtfazit.

Erste Zwischenergebnisse (Stand 9. Mai 2019):

(1) Wer wurde befragt?

Die bislang Befragten ordneten sich den folgenden Gruppen zu: Wissenschaft & Forschung (29 %), Studierende (28 %), wissenschaftliche Bibliothek (27 %), Politik (2 %), Andere (13 %). Von allen Befragten haben 87 % den Begriff „Open Science“ schon einmal gehört und zu über 80 % sind die befragten Personen aus dem wissenschaftlichen Umfeld (d. h. Forschung und wissenschaftliche Bibliotheken) vom Thema „Digitalisierung der Wissenschaft“ persönlich betroffen bzw. sehr betroffen. Das eigene Wissen über das Thema wird in all diesen Fällen jedoch geringer eingeschätzt als das Ausmaß, in dem man von der Digitalisierung selbst betroffen ist.

Dazu einige Zahlen: 83 % der befragten Wissenschaftler*innen sehen sich vom Thema „Digitalisierung der Wissenschaft“ als betroffen oder sehr betroffen an. Von diesen gab mehr als die Hälfte (58 %) an, dass sie ihr Wissen dazu auf einer fünfstelligen Skala von „sehr niedrig“ bis „sehr hoch“ im unteren bis mittleren Bereich verorten. Immerhin 37 % schätzten ihr Wissen als hoch ein und 5 % sogar als sehr hoch.

Wissenschaftler*innen unterscheiden sich damit von den anderen Befragten, von denen nur 73 % sehr betroffen bzw. betroffen sind. Von diesen schätzt die Hälfte (49 %) ihr Wissen niedrig bis mittelhoch ein, 49 % als hoch und 2 % als sehr hoch.

(2) Welche Effekte hatte die Ausstellung?

Unabhängig von ihrem zuvor geäußerten Interesse an den Themen „Digitalisierung“ und „Open Science“ stimmen nach dem Ausstellungsbesuch 50 % aller Befragten eher bzw. voll und ganz der Aussage zu, ihre Einstellung zu Open Science habe sich positiv verändert.

Zudem sind folgende Lernerfolge durch den Ausstellungsbesuch zu beobachten:

  • 78 % der Befragten stimmten voll und ganz bzw. eher zu, dass sie durch die Ausstellung etwas über das Thema „Teilen von Forschungsdaten“ dazugelernt haben, 14 % stimmten teilweise zu; in Summe sind bei 92 % der Befragten positive Effekte beobachtbar.

  • Der Aussage, dass sie durch die Ausstellung etwas über die Bewertung von Forschungsleistungen gelernt haben, stimmten 67 % voll und ganz bzw. eher zu und 24 % stimmten teilweise zu - positive Effekte bei 91 % der Befragten.

  • 81 % haben etwas über die Bereitstellung von Literatur durch Bibliotheken gelernt (ca. 3/4 stimmen voll und ganz zu und ein 1/4 stimmt eher zu).

  • Der Aussage „Durch die Ausstellung hat sich mein Wissen über die Digitalisierung in der Wissenschaft erhöht“ stimmten 22 % voll und ganz zu, 39 % stimmen eher zu, 24 % stimmen teilweise zu. In Summe sagen 85 %, dass sie einen Lernerfolg hatten.

  • Bezogen auf die Aussage, dass sich die individuelle Einstellung zur Digitalisierung in der Wissenschaft positiv verändert habe, stimmten 17 % voll und ganz zu, 34 % stimmten eher zu, 27 % stimmen teilweise zu. In Summe sind dies 78 % der Befragten, die positive Effekte für sich notierten.

  • Korreliert mit dem angegebenen Vorwissen, lassen sich folgende Beobachtungen festhalten: 68 % von allen Gästen mit geringem Vorwissen sagen, dass sie einen hohen Wissenszuwachs hatten. Unter den Wissenschaftler*innen sind es sogar 74 %, bei den Personen aus Bibliotheken 71 %. Betrachtet man die Personen mit hohem Vorwissen, behaupten von allen Befragten 50 % einen hohen Lernerfolg, bei den Forschenden sind es ebenfalls 50 %, bei den Bibliotheksbeschäftigten sind es 39 %.

  • Beim Wissenszuwachs in den Themengebieten „Teilen von Forschungsdaten“ und „Bewertung von Forschungsleistung“ sieht es, bezogen auf das Vorwissen über Digitalisierung, ähnlich aus.

  • Zum Thema „Teilen von Forschungsdaten“ geben 88 % der Forschenden mit einem größeren Interesse an Open Science einen Lernerfolg an im Gegensatz zu 80 % derjenigen mit geringerem Interesse.

  • Beim Thema „Bewertung von Forschungsleistung“ verzeichnen die eher Interessierten zu 76 % einen hohen Wissenszuwachs, die eher Uninteressierten zu 60 %.

7 Fazit

Die Ausstellung hat bewirkt, dass die große Mehrzahl der Ausstellungsbesucher*innen etwas gelernt hat über die Digitalisierung in der Wissenschaft und Open Science generell und insbesondere über das Teilen von Forschungsdaten, Leistungsmessung in der Wissenschaft, die Bereitstellung von Literatur über Bibliotheken.

8 Ausstellungspräsentation

Insgesamt wurde die Ausstellungspräsentation sehr gut bewertet. Alle abgefragten Aspekte erhalten 70 % bis 80 % Zustimmung. 80 % sagen, dass sie sich leicht zurechtfinden konnten; für 76 % waren die Inhalte visuell ansprechend aufbereitet. 77 % fanden die komplexen wissenschaftlichen Inhalte verständlich erklärt.

Insgesamt nach einem Fazit gefragt, gaben 43 % der Befragten an, dass ihnen die Ausstellung sehr gut gefallen hat, 34 % hat sie gut gefallen, 16 % mittelgut gefallen. Nur 5 % hat sie nicht gefallen. 77 % aller Befragten hat die Ausstellung gefallen. Bei den Forschenden sogar 89 %, den Bibliothekar*innen 75 % und den Studierenden 64 %. Insgesamt würden 89 % aller Gäste die Ausstellung weiterempfehlen.

About the author

Dr. Doreen Siegfried

Dr. Doreen Siegfried

Published Online: 2019-09-07
Published in Print: 2019-08-05

© 2019 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

Downloaded on 6.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2019-0081/html
Scroll to top button