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Bestandserhaltung für kleinere und mittlere Einrichtungen – Eine Fortbildung der gemeinsamen Altbestandskommission von AKThB und VkwB in Kooperation mit der dbv-Kommission Bestandserhaltung

23.–24. November 2017 in Fulda
Published/Copyright: April 4, 2018
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Am 23. und 24. November 2017 fand in Fulda eine Fortbildung zum Thema Bestandserhaltung statt, die speziell an kleinere und mittlere Einrichtungen gerichtet war, wo aufgrund begrenzter Ressourcen oft kein entsprechendes Fachpersonal vorhanden ist. Die Fortbildung wurde von der gemeinsamen Altbestandskommission der kirchlichen Bibliotheksverbände AKThB und VkwB in Kooperation mit der dbv-Kommission Bestandserhaltung ausgerichtet und setzte sich aus einer theoretischen und einer praktischen Komponente zusammen. Den Auftakt bildete die Fachtagung am 23. November; darauf folgten ergänzende Workshops am 24. November.

In seinem Grußwort stimmte der Rektor der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Christoph Gregor Müller, auf das Thema ein, indem er die mehr als tausend Jahre zurückreichende Bildungstradition Fuldas vor Augen führte, die mit der Gründung des Klosters Fulda im Jahre 744 ihren Anfang nahm. Dabei hob er hervor, dass auch im Zeitalter der Digitalisierung die Erhaltung von realen Objekten von großer Bedeutung sei.

Dr. Armin Schlechter (Leiter der Abteilung Sammlungen im LBZ Speyer und Vorsitzender der dbv-AG Handschriften und Alte Drucke) referierte zum Thema „Bestandserhaltung: Möglichkeiten, Priorisierungen, Grenzen“ aus der Perspektive eines Altbestandsbibliothekars. Die Ursachen für Schäden oder Verluste an Bibliotheksgut sind vielfältig; daher betonte Dr. Schlechter besonders die Bedeutung präventiver Maßnahmen. Großflächige Aktionen seien dabei genauso wichtig wie die Restaurierung von Einzelobjekten, ein „langer Atem“ für das Erreichen der gesteckten Ziele unabdingbar. Der Schutz sollte idealerweise bereits im Magazin und bei der Benutzung beginnen, wofür Dr. Schlechter zahlreiche Beispiele aus dem LBZ Speyer nannte und anschaulich erläuterte.

Um „Bestandserhaltungsfragen und Geschäftsgänge“ ging es im Vortrag von Andreas Mälck (Leiter der Abteilung Bestandserhaltung und Digitalisierung an der SBB-PK und stv. Sprecher der dbv-Kommission Bestandserhaltung). Bestandserhaltung sollte als permanente Aufgabe idealerweise in alle Abläufe integriert werden. Eingehender wurden in diesem Zusammenhang die Themen IPM (Integrated Pest Management), Umgang mit Schimmelpilzbefall und Bestandserhaltungsaspekte im Workflow der Digitalisierung besprochen.

Stephanie Preuss (Leiterin der Abteilung Bestandserhaltung der DNB) sprach unter dem Titel „Das bisschen Staub …“ zum Umgang mit Schmutz und Staub im Magazin. Zunächst gab Frau Preuss einen sehr eindrucksvollen Überblick über die vielfältigen Arten und Ursachen von Schmutz im Magazin sowie deren Gefährdungspotential für Mensch und Objekt. Zudem bildeten Staub und Schmutz wiederum einen perfekten Nährboden für weitere Schadens- bzw. Verschmutzungsquellen wie Insekten oder Schimmel. Je höher der Grad der Schädigung, desto größer auch der Aufwand für die Schadensbehebung – besonders wichtig sei daher eine entsprechende Vorbeugung durch Magazinhygiene und regelmäßige Bestandspflege. Zuletzt ging Frau Preuss noch auf die einschlägigen Vorschriften zum Arbeitsschutz ein und stellte geeignete Schutzkleidung und Reinigungsmaterialien vor.

Der Vortrag von Dr. Michael Vogel (Landesbeauftragter für Bestandserhaltung in Sachsen und Abteilungsleiter Bestandserhaltung an der SLUB Dresden) war dem Thema „Auf den Schadensfall vorbereitet sein – Notfallvorsorge und Notfallmanagement in Bibliotheken“ gewidmet. Am Beispiel der SLUB Dresden und des Notfallverbunds Dresden erläuterte er konkrete Maßnahmen, wie sich Einrichtungen für den Ernstfall wappnen können, von der Schadensprävention über Notfallübungen bis hin zum Workflow im Schadensfall. Sehr hilfreich sei es dabei, sich schon im Vorfeld über alle Eventualitäten Gedanken zu machen; gute Organisation könne im Notfall wertvolle Zeit sparen. Abschließend zeigte Dr. Vogel noch Beispiele für konkrete Einzelmaßnahmen bei Wasserschäden und berichtete von einer Notfallübung des Dresdner Notfallverbunds.

Dr. Ursula Hartwieg (Leiterin der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts an der SBB-PK) referierte über das Thema „Modellprojekte und Handlungsempfehlungen: Überlieferungssicherung aus Sicht der KEK“. Dr. Hartwieg skizzierte dabei die einschlägigen Stellungnahmen und Empfehlungen der Politik zum Thema koordinierte Überlieferungssicherung, die schließlich zur Gründung der KEK im Jahre 2009 führten. Hauptaufgaben der KEK sind die Erarbeitung eines nationalen Bestandserhaltungskonzepts für gefährdetes schriftliches Kulturgut (Pilotphase: 2010–2015) und die bundesweite Förderung von Modellprojekten im Sinne des Originalerhalts (seit 2010). 2017 wurden im Rahmen eines Sonderprogramms sogar noch weitere Mittel für Projekte im Bereich Mengenverfahren zur Verfügung gestellt. Dr. Hartwieg ermunterte die Teilnehmer abschließend zur Stellung von Anträgen, auch wenn diese nicht immer alle berücksichtigt werden könnten.

Dr. Udo Wennemuth (LKAB Karlsruhe) und Dr. Alessandra Sorbello Staub (BPS Fulda) stellten unter dem Titel „Bestandserhaltung in kirchlichen Einrichtungen“ erste Ergebnisse der Bestandserhaltungsumfrage der Altbestandskommission vor. Die Umfrage war sparten- und konfessionsübergreifend an alle kirchlichen Archive und Bibliotheken in Deutschland gerichtet. Anlass für die Umfrage waren die Handlungsempfehlungen der KEK, die 2015 veröffentlicht wurden, jedoch nur die Bedarfserhebung für staatliche Stellen enthielten. 2016 wurde daher im III. Bundesweiten Expertengespräch die Notwendigkeit einer trägerschaftsübergreifenden Herangehensweise formuliert, um auch den Bedarf kirchlicher Einrichtungen zu ermitteln. Erste Umfrageergebnisse liegen inzwischen vor; im Rahmen dieses Vortrags wurde die Auswertung allerdings auf eine repräsentative Auswahl beschränkt, u.z. die Bibliotheken bzw. Archive in Trägerschaft der Landeskirchen und Bistümer und die Ordensbibliotheken bzw. -archive. Eine umfassende Auswertung folgt.

Anschließend hatten die Teilnehmer noch die Möglichkeit, an einer Führung durch die Bibliothek des Priesterseminars teilzunehmen, bevor sie den Tag bei einem Abendessen im historischen Refektorium ausklingen lassen konnten.

Der zweite Teil der Fortbildung war konkreten praktischen Fragestellungen gewidmet:

Workshop 1 stand unter dem Thema „Schutzverpackungen und Ausstellungshilfen für Bücher und Broschüren“. Petra Brickmann (LBZ Speyer) zeigte an verschiedenen Beispielen, wie mit speziellen Kartonagen Schutzbehältnisse (Umschläge, Kassetten) und Ausstellungshilfen für Bücher passgenau hergestellt werden können.

Workshop 2 war überschrieben mit „Schimmel – Erkennen und Umgang mit mikrobiell kontaminiertem Bibliotheks- oder Archivgut“. Stephanie Preuss (DNB) zeigte anhand einer Vielzahl von Beispielen sehr anschaulich, wie sich Schimmel- und Mikroorganismenbefall an Büchern und Archivalien als Schadensbild darstellt, im Unterschied beispielsweise zu Stockflecken oder anderen Arten von Verschmutzungen. Zielsetzung des Workshops war, Sicherheit im Erkennen von Schimmel zu vermitteln und zu informieren, worauf beim Umgang mit verschimmelten Materialien hinsichtlich des Arbeitsschutzes besonders zu achten ist.

Workshop 3 widmete sich dem Thema „Schäden erkennen und beheben“. Reinhard Feldmann (ULB Münster) streifte zunächst grundsätzliche Fragen der Einzelrestaurierung älterer, wertvoller und schützenswerter Bücher und zeigte dann Musterrestaurierungen; u. a. wurde die Restaurierung eines Holzdeckelbandes aus dem 16. Jahrhundert und eines Ganzpergamentbandes aus dem 17. Jahrhundert vorgeführt. Anschließend erhielten die Teilnehmer Gelegenheit, an Originalen aus der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Schäden zu erkennen, detailliert zu beschreiben, Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen vorzuschlagen und die Kosten für derartige Maßnahmen zu ermitteln.

Im Abschlussplenum bot sich noch einmal die Gelegenheit zur gemeinsamen Reflexion über die Tagungsinhalte. Als besonders gelungen wurde die Mischung aus theoretischen und praktischen Anteilen bewertet, weitere Fortbildungen zum Thema ausdrücklich gewünscht. Insgesamt hat die Veranstaltung großen Zuspruch gefunden (sie war mit rund 60 Teilnehmern schon im Vorfeld komplett ausgebucht) – allein das zeigt schon, dass bei den Adressaten ein entsprechender Bedarf vorhanden war und die Fortbildung somit voll „ins Schwarze getroffen“ hat.

Published Online: 2018-04-04
Published in Print: 2018-04-25

© 2018 by De Gruyter

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