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Anmerkungen zum Ankauf einer Handschrift und von alten Drucken aus dem Zisterzienserkloster Himmerod durch das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz

  • Armin Schlechter

    Dr. Armin Schlechter

    Sachgebietsleiter Handschriften/Altes Buch/Nachlässe

    Landesbibliothekszentrum/Pfälzische Landesbibliothek

    Otto-Mayer-Str. 9

    67346 Speyer

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Published/Copyright: December 2, 2015
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Zusammenfassung:

Das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz hat am 24. und 25. September 2015 eine Handschrift des 12. Jahrhunderts sowie verschiedene Drucke gekauft beziehungsweise ersteigert, die das Zisterzienserkloster Himmerod im Landkreis Bernkastel-Wittlich aus seiner Büchersammlung zum Verkauf gebracht hatte. Zuvor und danach wurden im Internet teils richtige, teils verzerrte Informationen zu diesen Vorgängen veröffentlicht, bei denen auch die beteiligten staatlichen Stellen angegriffen wurden. Dieser Beitrag stellt die Ereignisse aus der Sicht des Verfassers als Mitarbeiter des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz dar.

Abstract:

On 24 and 25 September, the state library centre of Rhineland-Palatinate has bought a 12th century manuscript as well as several printed works which were sold by the Cistercian Monastery of Himmerod of the Bernkastel-Wittlich district. The specimens had been part of the monastery’s book collection. Concerning these events, partly correct and partly distorted information were published in the internet before the auction and after, which also contained attacks on the state institutions involved. This article describes the events from the author’s point of view as an employee of the state library centre of Rhineland-Palatinate.

Am 25. August 2015 richtete das Bundeskriminalamt eine Anfrage an das Amt für kirchliche Denkmalpflege in Trier, das diese unter anderem an den Leiter der Bibliothek des Priesterseminars in Trier weiterleitete, Hans-Joachim Cristea. Die Anfrage verwies auf eine aus dem Zisterzienserkloster Himmerod stammende Handschrift aus dem 12. Jahrhundert, die den Kommentar von Petrus Lombardus zu den paulinischen Briefen enthalte und vom Kölner Auktionshaus Venator & Hanstein am 25. September 2015 zur Auktion gebracht werden sollte. Erste Recherchen in Trier führten zu dem Ergebnis, dass kein krimineller Hintergrund gegeben sei und die Abtei Himmerod als rechtmäßige Besitzerin den Codex aus freien Stücken zur Versteigerung gegeben hatte. Die Handschrift selbst, die, wie der Buchschmuck aus sehr qualitätvollen romanischen Spaltleisteninitialen zeigt, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Rheinland, vielleicht in Himmerod selbst, entstanden sein dürfte, ist in der Literatur gut bezeugt. Sie lässt sich nach der Säkularisation des Klosters im Jahr 1802 in der Bibliothek des Schriftstellers und Vertreters des politischen Katholizismus Joseph Görres fassen und wurde 1952 von einem weiteren Zwischenbesitzer wieder für das Kloster erworben.[1] Es handelt sich ohne Zweifel um ein für die Kulturgeschichte von Rheinland-Pfalz sehr bedeutendes Stück. Der vom Auktionshaus festgelegte Schätzpreis, so die Auskunft des Auktionshauses, betrug 30.000 Euro.

Einerseits ist es unrealistisch, von einem Kloster, das 2011 vor dem Konkurs stand,[2] zu erwarten, an seinem Kulturgut um jeden Preis festzuhalten. Kulturgut hat nun einmal einen Warenwert, und bei den meisten mittelalterlichen Handschriften und Inkunabeln, die heute bei Auktionen oder Antiquariaten auf den Markt kommen, kann unbesehen davon ausgegangen werden, dass sie ursprünglich aus Klosterbibliotheken stammen. Trotzdem ist das Vorgehen des Klosters in diesem Fall als mehr als ärgerlich einzustufen. Gerüchteweise wurden vor der Einschaltung des Kölner Auktionshauses halbherzige und deshalb auch nicht zielführende Versuche unternommen, Fachmeinungen zum Altbestand der Bibliothek einzuholen. Nicht kontaktiert wurden aber beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken, die Gemeinsame Altbestandskommission der kirchlichen Bibliotheksverbände oder das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz. Wäre die Handschrift tatsächlich auf der Auktion angeboten worden, hätte die nicht geringe Wahrscheinlichkeit bestanden, dass sie ins Ausland abwandert. Dieses Vorgehen des Klosters Himmerod hat weiter dem Ansehen der katholischen Kirche geschadet, die auch die Kirche des Verfassers ist. Trotz aller bestehenden Strukturen, die einen Ausverkauf von Kulturgut verhindern helfen sollten, werden sich solche Vorgänge aber auch in Zukunft realistischerweise nicht verhindern lassen.

Der Verfasser wurde am 27. August 2015 von Hans-Joachim Cristea über die Angelegenheit unterrichtet und mit weiteren Informationen zur Handschrift versorgt. Es gibt im Kern zwei mögliche Reaktionen auf einen solchen Sachverhalt. Einerseits kann im Internet ganz zu Recht über einen zu befürchtenden Ausverkauf von Bibliotheksgut geklagt werden. Andererseits bestehen in Deutschland sehr gut funktionierende Strukturen, die ein rasches und eher zielführendes Handeln in einer solchen Situation ermöglichen.

Das Landesbibliothekszentrum verfügt über einen Etat für den Ankauf von die Pfalz oder das Rheinland betreffenden Antiquaria, der im Herbst eines jeden Jahres allerdings naturgemäß bereits weitgehend erschöpft ist. Allein aus Eigenmitteln ist der Ankauf eines hochrangigen Stückes dieser Art in der Regel sowieso nicht zu schaffen. Für diesen Zweck bestehen aber verschiedene Stiftungen, die in der Folge dann auch kontaktiert wurden und meist eine Drittelförderung zur Verfügung stellen. Angesprochen wurden umgehend die „Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur“ in Mainz, die „Kulturstiftung der Länder“ in Berlin sowie die „Ernst von Siemens Kunststiftung“ in München. Für die Vertreter aller drei Stiftungen war der kulturelle Wert der Handschrift unstrittig. Dem stellvertretenden Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, Prof. Dr. Frank Druffner, und dem Generalsekretär der Ernst von Siemens Kulturstiftung, Dr. Martin Hoernes, ist für ihre umgehende Zusage einer ganz erheblichen Förderung eines Ankaufs der Handschrift und die sich anschließende konstruktive Zusammenarbeit ganz besonders zu danken. Im Falle der „Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur“ geht der Dank für die überaus gute Zusammenarbeit an den ehrenamtlichen Generalsekretär, Staatsekretär Walter Schumacher, und seine Mitarbeiterin Katharina Bornkessel. Insbesondere die „Kulturstiftung der Länder“ sieht ihre Aufgabe auch darin, Institutionen, die aus verschiedenen Gründen Kulturgut verkaufen wollen oder müssen, im Vorfeld zu beraten und einen Verkauf an eine staatliche Stelle zu vermitteln.

Die „Kulturstiftung der Länder“ gab, ein in solchen Fällen übliches Verfahren, sofort Gutachten zur Handschrift bei zwei renommierten deutschen Handschriftenexperten in Auftrag. Beide Gutachten, die der Vertraulichkeit unterliegen, kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass die Handschrift landeshistorisch von hoher Bedeutung sei und dass ihr tatsächlicher Wert deutlich über dem Schätzpreis liege. Hinzu käme im Falle eines Zuschlags ein Aufgeld von etwa 27 %, das auch finanziert werden müsste. Aufgrund der Unterstützung der verschiedenen Stiftungen erschien dann schon in der zweiten Septemberwoche 2015 im Kern eine Finanzierung im hohen fünfstelligen Bereich als realistisch.

Zeitlich parallel wurde der Abt von Himmerod unter anderem von Vertretern kirchlicher Bibliotheken gebeten, sein Vorgehen zu überdenken, die Handschrift von der Auktion zurückzuziehen und sie direkt an eine staatliche Stelle zu verkaufen. Das Kloster hielt allerdings zu dieser Zeit an seinen Versteigerungsplänen fest. Einer größeren Öffentlichkeit wurden die Vorgänge dann durch den Auktionskatalog von Venator & Hanstein bekannt, der zuerst im Internet und in der ersten Septemberwoche auch in gedruckter Form veröffentlicht worden ist.[3] Eine Abbildung eines Teils einer Seite der Handschrift mit Initialmalerei zierte den Umschlag und fand sich auch im Tafelteil; natürlich widmete sich auch eine ausführliche und sachkundige Beschreibung diesem Stück. In der Vorankündigung des Auktionskataloges durch das Auktionshaus im Internet war explizit auf die Himmeroder Provenienz hingewiesen worden: Reich ist das Angebot ‚Alte Drucke‘ an Inkunabeln aus dem Kölner beziehungsweise rheinischen Raum. Einige dieser Titel stammen aus dem Kloster Himmerod, das sich von alten Buchbeständen trennt. Darunter sind Werke von Caesarius von Heisterbach, Albertus Magnus, ein Sammelband mit 3 Kölner Inkunabeln und andere Frühdrucke. Herausragend in diesem Bestand ist die Pergamenthandschrift ‚Glossatura maior super epistolas Pauli apostoli‘ des Petrus Lombardus. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde der Text wohl in der Diözese Trier geschrieben und mit großen romanischen Initialen versehen (30.000 €). Tatsächlich wurden auf der Auktion zusätzlich zur Handschrift 22 Drucke vom 15. bis 20. Jahrhundert aus Himmerod zu einem Gesamtschätzpreis von über 30.000 Euro angeboten,[4] auktionstaktisch zudem in einer äußerst ungünstigen Reihenfolge, da die Versteigerung der Handschrift auf das Aufrufen der Drucke folgte. Zudem ist zwar eine Förderung des Ankaufs eines herausragenden Spitzenstückes durch die verschiedenen Stiftungen möglich, nicht aber eine Finanzierung eines Konglomerats alter Drucke, wie es hier gegeben war.

Spät, nämlich erst zwölf Tage nach Versendung des gedruckten Auktionskataloges, reagierte der in Aachen wirkende Archivar und Bibliothekar Dr. Klaus Graf in seinem Weblog „Archivalia“ auf die anstehenden Verkäufe. Der Verfasser dieses Beitrags hat die Verdienste Grafs, der Kassandra des deutschen Bibliothekswesens, um die Rettung der Stralsunder Gymnasialbibliothek an anderer Stelle gewürdigt.[5] In „Archivalia“ wurde am 15. September 2015 über die anstehende Auktion berichtet und über Telefonate mit Bruder Ignatius aus Himmerod, Frau Dr. Alessandra Sorbello Staub von der Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken sowie Frau Dr. Annette Gerlach, der Direktorin des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz. Die von Klaus Graf monierte, scheinbar ausweichende Antwort von Frau Gerlach war die in dieser Situation einzig mögliche Reaktion, da es im Vorfeld einer Auktion nichts Törichteres gibt, als ein übermäßiges Interesse an bestimmten Stücken zu bekunden oder gar die zur Verfügung stehenden Summen öffentlich zu machen. Graf wies in „Archivalia“ weiter zu Recht auf den Verstoß des Klosters gegen die auch für kirchliche Bibliotheken geltenden Regeln zum Umgang mit Altbeständen sowie auf die offensichtlich versäumte Chance hin, den Altbestand, einen als GESCHICHTSQUELLE schützenswerten Ensemble-Rest, ohne Einschaltung eines Auktionshauses geschlossen und zu einem vernünftigen Preis an eine öffentlich zugängliche Bibliothek zu verkaufen.[6]

Auf der Grundlage von „Archivalia“ berichtete am 21./22. September die Redakteurin Katharina Hammermann im „Trierischen Volksfreund“ über die zur Auktion kommenden Handschriften und Drucke. Das Kloster, das sich gegen Klaus Grafs bissige … Texte zur Wehr setzte, habe nach eigener Aussage kein Geld, die Bücher zu restaurieren und sachgemäß aufzubewahren. An eine öffentliche Bibliothek habe man sich aus Unkenntnis vorab nicht gewandt: Wir hatten ja keinen blassen Schimmer, was das wert ist, so der Abt weiter. Ein mögliches Engagement des Landesbibliothekszentrums wurde in Aussicht gestellt. Die zweischneidigen Folgen der heftigen öffentlichen Diskussion für die Auktion benannte Frau Hammermann ganz zutreffend: Dem Auktionshaus kann all der Wirbel nur recht sein. Steigt doch mit jeder empörten E-Mail, jedem wütenden Online-Posting und all den heiß laufenden Drähten die Wahrscheinlichkeit, dass ein hübsches Sümmchen zusammenkommt, wenn am kommenden Freitagnachmittag der Hammer fällt.[7]

Am frühen Morgen des Vortags der Auktion schien die Handschrift noch immer zur Versteigerung zu kommen. Offensichtlich war nun aber das Kloster durch die von Klaus Graf initiierte Kampagne unter immer größeren Druck geraten. In dieser Situation vermittelte Hans-Joachim Cristea den Kontakt zwischen P. Johannes Müller, dem Abt von Himmerod, und dem Verfasser. Da der Abt von verschiedenen Personen immer massiver bedrängt wurde, war er nun bereit, die Handschrift, nicht aber die Drucke von der Versteigerung zurückzuziehen und direkt an das Landesbibliothekszentrum zu verkaufen. Wir einigten uns nach einigen Verhandlungen auf einen Kaufpreis von 60.000 Euro; diese Summe bewegt sich im Rahmen dessen, was von den beiden Handschriften-Gutachtern als Wert der Handschrift festgelegt worden war. Der öffentliche Druck hatte zum Zurücknehmen der Handschrift aus der Auktion geführt, dem Kloster aber auch erst den hohen Wert des Codex deutlich gemacht. Wie am Rande der eigentlichen Auktion in Köln zu erfahren war, hatten sich fünf Telefonbieter, teils aus dem Ausland, für dieses Stück angemeldet, ebenfalls eine Folge der plötzlichen Publizität. Somit haben die öffentlichen Kampagnen einerseits eine Einigung in letzter Minute mit sich gebracht, andererseits führten sie aber auch zu einer Erhöhung des Preises für die Handschrift und auch für die Drucke. Weiter trugen sie zu einem so großen Interesse an der Auktion bei, dass das Landesbibliothekszentrum, wäre die Handschrift nicht zurückgezogen worden, trotz der ihm zur Verfügung stehenden erheblichen Mittel in diesem Fall am Ende vielleicht doch noch von einem Privatsammler überboten worden und eine Abwanderung des Codex vielleicht sogar ins Ausland nicht mehr zu verhindern gewesen wäre.

Sofort nach Abschluss des Verkaufs der Handschrift reiste der Verfasser nach Köln, wo er am Nachmittag die am Folgetag zur Versteigerung kommenden 22 Drucke aus Himmerod besichtigte. Hierbei stellte er fest, dass die Losnummern 221, 228 und 697 keinerlei Besitzvermerke von Himmerod enthielten; diese Drucke wurden dann bei der Auktion auch nicht berücksichtigt. Am 25. September 2015 konnten dann in der Auktion 136 von Venator & Hanstein mit den zur Verfügung stehenden, naturgemäß beschränkten Eigenmitteln des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz folgende Drucke ersteigert werden:

Losnummer 193[8]

Drei Dissertationen-Sammelbände, 94 juristische Titel, Wittenberg, Halle/Saale, Frankfurt/Oder u. a., 18. Jahrhundert

Schätzpreis Euro 300,–, Zuschlag Euro 750,–, Aufgeld Euro 205,28

Losnummer 218

Missale Cisterciense, Paris 1751

Schätzpreis Euro 350,–, Zuschlag Euro 550,–, Aufgeld Euro 150,54

Losnummer 219

Missale Constantiense, Konstanz 1603

Schätzpreis Euro 500,–, Zuschlag Euro 650,–, Aufgeld Euro 177,91

Losnummer 231

Psalterium Davidicum, Paris 1656

Schätzpreis Euro 300,–, Zuschlag Euro 450,–, Aufgeld Euro 123,17

Losnummer 238

Augustinus Sartorius, Verteutschtes Cistercium … oder Cistercienser Ordens-Historie, Prag 1708

Schätzpreis Euro 750,–, Zuschlag Euro 1300,–, Aufgeld Euro 355,81

Losnummer 244

Johannes Trithemius, Steganographia, Mainz 1676

Schätzpreis Euro 700,–, Zuschlag Euro 450,–, Aufgeld Euro 123,17

Losnummer 660

Aristoteles, Technes retorikes biblia, Frankfurt 1584

Schätzpreis Euro 700,–, Zuschlag Euro 500,–, Aufgeld Euro 136,85

Losnummer 662

Benedikt von Nursia, Regula sancti Benedicti, Köln 1575

Schätzpreis Euro 450,–, Zuschlag Euro 850,–, Aufgeld Euro 232,65

Losnummer 663

Bernardus Claraevallensis, Flores Sancti Bernardi, Venedig 1503

Schätzpreis Euro 700,–, Zuschlag Euro 1600,–, Aufgeld Euro 437,92

Losnummer 664

Biblia cum summariorum apparatu, Lyon 1522

Schätzpreis Euro 700,–, Zuschlag Euro 1200,–, Aufgeld Euro 328,44

Losnummer 665

Biblia latina, Antwerpen 1580

Schätzpreis Euro 400,–, Zuschlag Euro 500,–, Aufgeld Euro 136,85

Losnummer 666

Biblia germanica, Köln 1571

Schätzpreis Euro 900,–, Zuschlag Euro 1400,–, Aufgeld Euro 383,18

Losnummer 680

Ludolphus de Saxonia, Expositio in Psalterium, Speyer 1491

Schätzpreis Euro 3000,–, Zuschlag Euro 4000,–, Aufgeld Euro 1094,80

Losnummer 698

Sammelband mit 7 Frühdrucken, Basel, Tübingen, Köln und Ulm 1478–1531

Schätzpreis Euro 3000,–, Zuschlag Euro 3600,–, Aufgeld Euro 985,32

Losnummer 703

Johannes Trithemius, Steganographia und Polygraphia, Frankfurt 1606 bzw. 1550

Schätzpreis Euro 700,–, Zuschlag Euro 1500,–, Aufgeld Euro 410,55

Losnummer 749

Joseph Wilpert, Die römischen Mosaiken und Malereien der kirchlichen Bauten vom IV. bis XIII. Jahrhundert, 3. Aufl., Freiburg 1924

Schätzpreis Euro 3000,–, Zuschlag Euro 1500,– (Untergebot), Aufgeld Euro 410,55

Mit Porti, Versicherung und Verpackung hat das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz mithin für diese Drucke Euro 26.588,19 ausgegeben. Es konnte das Gros der monastisch relevanten Bücher aus Himmerod erworben werden, die teils bemerkenswerte Provenienzspuren enthalten, weiter alle angebotenen Drucke des in Trittenheim an der Mosel geborenen und späteren Sponheimer Abtes Johannes Trithemius. Diese Bände werden nach der konservatorischen Sicherung in der Restaurierungswerkstatt der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer künftig in der regional zuständigen Rheinischen Landesbibliothek Koblenz aufbewahrt, beide Teil des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz. Bei folgenden beiden Drucken mit Himmeroder Besitzvermerken wurde das Landesbibliothekszentrum bei der Versteigerung überboten:

Losnummer 669

Caesarius von Heisterbach, Dialogus miraculorum, Köln 1481. Beibände: Pseudo-Albertus Magnus, De abundantia exemplorum, Ulm 1478/81 und Lateinische Exempla-Handschrift, 15. Jahrhundert

Schätzpreis Euro 2000,–

Losnummer 700

Hartmann Schedel, Liber chronicarum, Augsburg 1497

Schätzpreis Euro 5000,–

Anzumerken ist, dass Losnummer 669 einen schweren Schimmelschaden aufweist und bei Losnummer 700, dem Augsburger Nachdruck der zuerst in Nürnberg veröffentlichten „Schedelschen Weltchronik“, die ersten und die letzten Blätter fehlen. Noch während der laufenden Auktion wurden Aufnahmen für einen Bericht des Fernsehsenders SWR gemacht, der am gleichen Abend in der Landesschau gesendet worden ist.[9] Neben anderen Medien berichtete auch wieder der „Trierische Volksfreund“ am 25. sowie am 26./27. September 2015 über den Ausgang der Angelegenheit: Die meisten der alten Bücher, die das Kloster Himmerod am Freitag in Köln versteigert hat, bleiben öffentlich zugänglich. Auch nach Schätzung des Auktionshauses hätte die Handschrift aufgrund des Interesses der ausländischen Bieter bis zu 60000 Euro gebracht. Das Kloster könne sehr zufrieden sein: Für fast alles bekamen die Mönche mehr als den Schätzpreis.[10] „Archivalia“ meldete sich am 25. September 2015 zu Wort und fasste den Sachstand sowie die öffentliche Resonanz zusammen. Am Ende wurde resümiert, zugleich das Ergebnis aber auch wieder nivelliert: Natürlich ist es erfreulich, dass die Handschrift und weitere Bücher vom Land Rheinland-Pfalz erworben werden konnten. Es bleibt abzuwarten, welche Bücher NICHT erworben werden konnten. Und selbstverständlich ist es ein Unding, dass einmal mehr Intransparenz bei dem Kaufpreis herrscht. Zum Vorwurf, dass im Falle des Kaufpreises Intransparenz herrsche, ist anzumerken, dass ein Großteil der Mittel von Stiftungen bereitgestellt worden ist, in deren alleinigem Ermessen es liegt, die von ihnen beigesteuerte Summe öffentlich zu machen oder nicht. Das Landesbibliothekszentrum kann nur über die Mittel Auskunft geben, die aus seinem Etat stammen. In Kommentaren zu diesem Beitrag finden sich dann die im Internet üblichen wohlfeilen Pöbeleien (Danke an Klaus Graf, der die verantwortlichen Schlafmützen in RLP geweckt hat) und der Verweis auf die Steuergelder, mit denen wieder einmal eine kirchliche Einrichtung subventioniert wurde[11] – dass das Eigentum grundgesetzlich geschützt ist, spielt auf der Ebene des Internets natürlich keine Rolle. Und wer sollte denn tatsächlich außer der von Stiftungen unterstützten öffentlichen Hand die nötigen Mittel aufbringen und in der Folge für eine professionelle Bewahrung sorgen?

Am 23. Oktober 2015 wurden dann auf „Archivalia“ auf der Grundlage von Auskünften des Landesbibliothekszentrums eine Liste der erworbenen Drucke sowie die Zuschlagspreise veröffentlicht. Auch hier steht das Material im Vordergrund, das nicht angekauft werden konnte – trotzdem fiel das Resümee in der Summe nicht nur negativ aus: Die Causa ging glimpflich aus und dem Land gebührt großer Dank für seinen Einsatz, aber Fakt ist auch: Kulturgut aus der frühneuzeitlichen Klosterbibliothek sowie eine Handschrift konnten nicht erworben werden![12]

Die geplante Versteigerung der Handschrift und der alten Drucke durch das Kloster Himmerod ist ein unerfreulicher Vorgang gewesen, weil aufgrund dieser Vorgehensweise die Gefahr bestand, dass historisches, mit dem Land Rheinland-Pfalz eng verbundenes Kulturgut in alle Winde zerstreut worden wäre. Tritt eine solche Situation ein, und sie wird sich mit großer Sicherheit trotz aller Bemühungen der öffentlichen Hand und von einzelnen Personen wie Klaus Graf leider mit einiger Sicherheit wiederholen, muss sofort adäquat und professionell reagiert werden. Mit Blogs und anderen publizistischen Aktivitäten lässt sich zwar eine Öffentlichkeit herstellen, aber die für eine Bewahrung nun einmal nötigen Mittel müssen aus anderen Quellen kommen und werden nicht durch wohlfeile Empörung generiert. Wie dieses Beispiel gezeigt hat, kann eine solche Internet-Kampagne der Sache nützen, aber eben auch schaden – in offensichtlicher Unkenntnis der Gegebenheiten des Stiftungs- und Auktionswesens. Die an sich berechtigte Forderung, Sachverhalte, an denen die öffentliche Hand Anteil hat, offenzulegen, stößt dann an ihre Grenzen, wenn Informationen im Vorfeld einer Auktion gerade das Gegenteil des Anzustrebenden erreichen können.

Strukturen, den Ankauf herausragender, für die Geschichte des Landes einschlägiger Stücke zu finanzieren, sind vor allem mit den verschiedenen Stiftungen gegeben. Es bleibt der Wunsch des Landesbibliothekszentrums als zentraler Institution für die Bewahrung des historischen Bibliotheksgutes in Rheinland-Pfalz, dass aus welchen Gründen auch immer verkaufswillige Personen oder Institutionen mit einschlägigen Beständen den Kontakt suchen, auf dass in Zusammenwirken mit der „Kulturstiftung der Länder“ eine einvernehmliche Lösung gefunden wird. Im Falle von ohne Absprachen dieser Art ins Werk gesetzten Versteigerungen wie bei Himmerod, die juristisch nicht zu verhindern sind, ist eine möglichst frühe Benachrichtigung wünschenswert – hier können sich die für Kulturgutschutz engagierten Kreise tatsächlich die größten Verdienste erwerben. Dass eine Rettung auch in solchen prekären Fällen mit ein wenig Fortune noch möglich ist, zeigt der erfolgreiche Erwerb der Handschrift und eines großen Teiles der Drucke aus diesem Kloster.

About the author

Armin Schlechter

Dr. Armin Schlechter

Sachgebietsleiter Handschriften/Altes Buch/Nachlässe

Landesbibliothekszentrum/Pfälzische Landesbibliothek

Otto-Mayer-Str. 9

67346 Speyer

Published Online: 2015-12-02
Published in Print: 2016-01-01

© 2016 by De Gruyter

Downloaded on 10.1.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/bd-2016-0011/html
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