Dreschgerät und Totenbett. Hölzerne Dreschschlittenfragmente des 1. Jahrhunderts aus einer Nekropole auf der Krim
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Kirsten Hellström
, Michael Hochmuth and Jurij P. Zajcev
Die Identifizierung und dendrochronologische Datierung sekundär verbauter Dreschschlitten in zwei Grablegen aus der Nekropole Ust'-Al'ma führten zum ersten sicheren archäologischen Nachweis für den Gebrauch dieses Ackerbaugerätes seit der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. auf der Krim. Insgesamt gliedert sich die Krim in ein Gebiet mit ähnlichen klimatischen Bedingungen und vergleichbarer Wirtschaftsweise zwischen Vorderem Orient und Westeuropa ein, in dem zahlreiche archäologische und ethnographische Beispiele den Gebrauch des Dreschschlittens sicher von der Bronze- bis in die heutige Zeit belegen.
Darüber hinaus bietet der Fundzusammenhang in Kombination mit ethnographischen Parallelen die Möglichkeit, einen neuen Aspekt des Grabrituals und damit auch der Vorstellungswelt der Krimbewohner in späthellenistischer Zeit zu untersuchen. Einige Beispiele belegen, dass die sekundäre Verwendung von Dreschschlitten als Totenbett offenbar kein Einzelfall oder eine lokale Besonderheit war, aber aufgrund der im Allgemeinen schlechten Erhaltungsbedingungen für Holz oftmals unerkannt bleibt. Eine gezielte Durchsicht von weiteren Grabbefunden würde sicherlich die Datenbasis erheblich erweitern können und möglicherweise eine Verbindung zu sehr ähnlichen Funden im Kaukasusgebiet erschließen helfen.
L'identification et la datation dendrochronologique de traîneaux à dépiquer, réutilisés dans deux sépultures de la nécropole d'Ust'-Al'ma, ont prouvé pour la première fois l'utilisation de cet outils agraire en Crimée depuis le milieu du 1er siècle av. J.-C. Globalement, la Crimée occupe par ses conditions climatiques et son type d'économie une position intermédiaire entre le Proche-Orient et l'Europe occidentale, et de nombreux exemples archéologiques et ethnographiques y attestent l'utilisation du traîneau à dépiquer de l'âge du Bronze à nos jours.
Le contexte des trouvailles, combiné à des parallèles ethnographiques, offre en outre la possibilité d'étudier un nouvel aspect du rituel funéraire et, donc aussi, du monde des croyances des habitants de la Crimée vers la fin de l'époque hellénistique. Quelques exemples prouvent que la reconversion de traîneaux à dépiquer en lits funéraires n'était ni rare ni une particularité locale, mais qu'elle reste souvent inaperçue à cause des mauvaises conditions de conservation du bois. Un examen ciblé d'autres mobiliers funéraires pourrait certainement élargir la base de données de façon considérable et éventuellement contribuer à établir des liens avec des trouvailles similaires dans le Caucase.
The identification and dendrochronological dating of secondarily used threshing boards in two graves from the Ust'-Al'ma necropolis have led to the first reliable archaeological evidence for the use of this agricultural tool since the mid-1st century BC on the Crimea. The Crimea is part of a region of similar climatic conditions and comparable economies which lies between the ancient Near East and Western Europe, and where numerous archaeological and ethnographic examples attest to the use of the threshing board from the Bronze Age up to the present day.
The context of the find, together with the ethnographic parallels, affords the opportunity to study a new aspect of the grave ritual and hence also the beliefs of the Crimean inhabitants of the Late Hellenistic Period. A few examples show that the secondary use of threshing boards as death beds was apparently neither an isolated nor a local phenomenon, but has gone largely unrecognised because of the prevailing conditions, which were generally unfavourable for wood preservation. The targeted inspection of further grave finds would likely expand the database significantly and might help to uncover a connection to very similar finds in the Caucasus region.
© Walter de Gruyter 2009
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