Carmina Pieridum nulli celebrata priorum. Zur Inszenierung von Epochenwende im Werk des Conrad Celtis
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Jörg Robert
Die italienische Renaissance entwickelt wie keine andere geistige Bewegung vor ihr eine Semantik der Wende, mit der sie die eigene Stellung im historischen Kontinuum bezeichnet. Die ostentative Geste des epochemachenden Auftritts wie die Überzeugung, im eigenen Tun eine neue Zeit begründet und bezeugt zu sehen, lassen ein historisches Selbstkonzept zwischen differenzierender Abgrenzung und emphatischer Innovation erkennen. Zur Prämisse jeder humanistischen Selbstbeschreibung in den Denkfiguren von ›renovatio‹ und ›renasci/renascentia‹ wird damit die entschiedene Bezeichnung und Behauptung jener Zäsur, die den eigenen Standort als spezifisch ›neuen‹ gegenüber dem erklärtermaßen obsoleten der ›anderen‹ kenntlich macht. Das Vergewissern des Eigenen erfolgt als Postulat von »Differenzerfahrung« und »Jetztzeitbewußtsein«, als »Epochenillusion« oder »-inszenierung« mit wesentlich gruppenkonstituierender Wirkung. Seit Petrarca setzt auf diese Weise die Erfindung der eigenen als einer ›neuen‹ Zeit das Komplement einer ›dunklen‹ Vorzeit voraus, die stillschweigend ignoriert oder explizit negiert wird.
© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2002
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- Eva Klesatschke u. Horst Brunner (Hgg.), Meisterlieder des 16. bis 18. Jahrhunderts
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