Mären-Priapeia. Deutungsgehalte des Obszönen im ›Nonnenturnier‹ und seinen europäischen Motivverwandten
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Gerd Dicke
Bei seiner Unterteilung des Märencorpus hat Hanns Fischer den sechsten der zwölf Themenkreise »mangels einer besseren Bezeichnung« ›Priapeia‹ genannt: »Gemeinsames Kennzeichen der wenigen hierher gehörigen Erzählungen ist die zentrale, manchmal sogar personhafte Rolle, die dem Genitale zugewiesen wird«. Der Terminus ist nicht weiter problematisch, hält man sich bewußt, daß die so bezeichneten Mären in keinerlei Traditionsbezug zum antiken Fruchtbarkeitsdämon Priapos oder den römischen ›Carmina priapea‹ stehen, die seinen Namen zum Begriff werden ließen. Was für Fischer den thematisch-stofflichen, machte für Ziegeler den motivlichen Zusammenhalt dieser Mären-Priapeia aus: das oft »in Verbindung mit dem Naivitätsmotiv« gestaltete »Motiv der Trennung von (meist männlichem) Genitale und übrigem Körper«. Ihren Kulminationspunkt erreicht diese Motivtradition im ›Nonnenturnier‹ (FB 93; ed. FM 3), einem nicht weit vor 1430 entstandenen anonymen Märe, das zum Sammelbecken grotesk übersteigerter priapeischer Motive wurde.
© Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2002
Articles in the same Issue
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- Morolfs Ende. Zur Dekonstruktion des feudalen Brautwerbungsschemas in der sogenannten ›Spielmannsepik‹
- Zum Problem der Verifizierbarkeit romanischer Einflüsse in der deutschen Minnelyrik des Hochmittelalters
- Mären-Priapeia. Deutungsgehalte des Obszönen im ›Nonnenturnier‹ und seinen europäischen Motivverwandten
- Die ›Epitoma rei militaris‹ des Vegetius zwischen ritterlicher Ausbildung und gelehrt-humanistischer Lektüre. Zu einer weiteren unbekannten deutschen Übersetzung aus der Wiener Artistenfakultät
- Hermann Jakobs, Theodisk im Frankenreich
- Thomas Stehl (Hg.), Dialektgenerationen, Dialektfunktionen, Sprachwandel
- Susumu Kuroda, Die historische Entwicklung der Perfektkonstruktionen im Deutschen
- Karl Heinz Ramers, Historische Veränderungen prosodischer Strukturen
- Timothy R. Jackson, Nigel F. Palmer u. Almut Suerbaum (Hgg.), Die Vermittlung geistlicher Inhalte im deutschen Mittelalter
- Peter Göhler (Hg.), Eine spätmittelalterliche Fassung des Nibelungenliedes; Jürgen Vorderstemann (Hg.), Das Nibelungenlied nach der Handschrift n
- Niklaus Largier, Diogenes der Kyniker
- Dietmar Peil, Michael Schilling u. Peter Strohschneider [in Verbindung mit Wolfgang Frühwald] (Hgg.), Erkennen und Erinnern in Kunst und Literatur
- Eingesandte Schriften
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