Mailand, Seeland, Hiddensee und Küssnacht
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Damaris Nübling
Zusammenfassung
Volksetymologische Prozesse bei Eigennamen dienen grundlegend anderen Funktionen als bei Appellativen. Wird bei Appellativen i. d. R. eine Form semantischer Adäquatheit hergestellt (Typ Hängematte), ist dieser Aspekt bei Namen irrelevant - mehr noch: es können sogar widersinnige ‚Bedeutungen‘ entstehen (Mailand für eine Stadt, Hiddensee für eine Insel). Hier geht es um die Herstellung von Struktur um ihrer selbst willen, um asemantische Transparenz ohne Motivation, die nur der leichteren Verarbeitung des Namens dienen kann. Bei diesem Stärkungs- und Anreicherungsprozess, der v. a. lange, opake Namen (besonders häufig Toponyme) betrifft, werden Silben- in Morphemgrenzen überführt und vollvokalische Silben in Morphe. Wenn denn ein semantisch zutreffender Bezug zwischen Onym und Referenzobjekt gesucht wird, dann wird an der Schraube des Referenzobjekts gedreht: Sowohl Bern wie Berlin haben den Bären in ihrem Wappen installiert und betreiben auf sprachexterner Ebene beachtlichen Aufwand, um eine Anbindung an dieses Tier herzustellen (Bärengehege, Bären als Souvenirs, Goldene Bären). Verstärkung und Remotivierung werden auf das Referenzobjekt ausgelagert.
Zusammenfassung
Volksetymologische Prozesse bei Eigennamen dienen grundlegend anderen Funktionen als bei Appellativen. Wird bei Appellativen i. d. R. eine Form semantischer Adäquatheit hergestellt (Typ Hängematte), ist dieser Aspekt bei Namen irrelevant - mehr noch: es können sogar widersinnige ‚Bedeutungen‘ entstehen (Mailand für eine Stadt, Hiddensee für eine Insel). Hier geht es um die Herstellung von Struktur um ihrer selbst willen, um asemantische Transparenz ohne Motivation, die nur der leichteren Verarbeitung des Namens dienen kann. Bei diesem Stärkungs- und Anreicherungsprozess, der v. a. lange, opake Namen (besonders häufig Toponyme) betrifft, werden Silben- in Morphemgrenzen überführt und vollvokalische Silben in Morphe. Wenn denn ein semantisch zutreffender Bezug zwischen Onym und Referenzobjekt gesucht wird, dann wird an der Schraube des Referenzobjekts gedreht: Sowohl Bern wie Berlin haben den Bären in ihrem Wappen installiert und betreiben auf sprachexterner Ebene beachtlichen Aufwand, um eine Anbindung an dieses Tier herzustellen (Bärengehege, Bären als Souvenirs, Goldene Bären). Verstärkung und Remotivierung werden auf das Referenzobjekt ausgelagert.
Chapters in this book
- Frontmatter I
- Inhalt V
- Einleitung 1
-
Teil 1: Theorie der Remotivierung
- Zur Ontologie und Genealogie von Remotivierungsprozessen 7
- Der Status und die interne Motiviertheit grammatischer Paradigmen 35
-
Teil 2: Remotivierung – morphologisch
- Remotivierung und Wortbildung 63
- Mailand, Seeland, Hiddensee und Küssnacht 99
- Explikativkomposition Explikativkomposition 123
-
Teil 3: Remotivierung – phraseologisch
- De-Unikalisierung phraseologisch gebundener Komponenten 141
-
Teil 4: Remotivierung – von der Grammatik zur Pragmatik
- „Die Universität ist nicht nur Studienstätte, sondern auch Arbeitgeberin“ 167
-
Teil 5: Remotivierung – pragmatisch
- Remotivieren als Perspektivwechsel bei Bedeutungszuschreibungen 197
- Memefication 215
- „This one-man midfield blitzkrieg“ 245
- Index 269
Chapters in this book
- Frontmatter I
- Inhalt V
- Einleitung 1
-
Teil 1: Theorie der Remotivierung
- Zur Ontologie und Genealogie von Remotivierungsprozessen 7
- Der Status und die interne Motiviertheit grammatischer Paradigmen 35
-
Teil 2: Remotivierung – morphologisch
- Remotivierung und Wortbildung 63
- Mailand, Seeland, Hiddensee und Küssnacht 99
- Explikativkomposition Explikativkomposition 123
-
Teil 3: Remotivierung – phraseologisch
- De-Unikalisierung phraseologisch gebundener Komponenten 141
-
Teil 4: Remotivierung – von der Grammatik zur Pragmatik
- „Die Universität ist nicht nur Studienstätte, sondern auch Arbeitgeberin“ 167
-
Teil 5: Remotivierung – pragmatisch
- Remotivieren als Perspektivwechsel bei Bedeutungszuschreibungen 197
- Memefication 215
- „This one-man midfield blitzkrieg“ 245
- Index 269