Islamisch-theologische Perspektiven zum human flourishing
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Ufuk Topkara
Zusammenfassung
Der Beitrag analysiert islamisch-theologische Perspektiven auf das human flourishing und deren Relevanz in modernen Gesellschaften. Er beginnt mit einer Betrachtung des guten Lebens in der antiken griechischen Philosophie, insbesondere des aristotelischen Konzepts der eudaimonia als erfülltes Leben in Gemeinschaft. Anschließend werden zeitgenössische Diskurse beleuchtet, die die individuelle Selbstverwirklichung mit gemeinschaftlichen Belangen in Einklang bringen. Im islamisch-theologischen Kontext wird human flourishing mit Begriffen wie saʿāda verbunden, wobei muslimische Denker griechische Ideen adaptieren. Der Koran wird als diskursive Kommunikationsstruktur hervorgehoben, die zu Erinnerung und Dialog anregt. Der Autor plädiert für eine Koranhermeneutik, die ethische Offenbarungsinhalte auf die Gegenwart überträgt. Verzicht und Selbstbegrenzung gelten dabei als Schlüssel zum Erreichen eines ausgewogenen Lebens. Abschließend wird eine islamisch-theologische Fürsprache formuliert, die eine nichtwertende Haltung gegenüber anderen Lebensweisen fordert und die individuelle Verantwortung für Mitgefühl, Gerechtigkeit und Solidarität betont. Human flourishing wird hier als ein dynamischer, vertrauensbasierter Prozess verstanden, der persönliche Autonomie und gemeinschaftliche Verantwortung miteinander verbindet.
Abstract
This article explores Islamic-theological perspectives on human flourishing and their relevance in modern societies. It begins by surveying the concept of the good life in ancient Greek philosophy, with a particular focus on Aristotle’s notion of eudaimonia as a fulfilled life within community. It then examines contemporary discourses that balance individual self-realization with communal concerns. In the Islamic-theological context, human flourishing is associated with terms such as saʿāda, with Muslim thinkers drawing on Greek ideas to inform their understanding. The Quran is highlighted as a discursive communication framework that encourages remembrance and dialogue. The author advocates for a Quranic hermeneutics that applies ethical and revelatory content to contemporary contexts. Renunciation and self-limitation are emphasized as vital for achieving balance. Finally, the article formulates an Islamic-theological advocacy promoting a non-judgmental attitude toward diverse ways of life, while highlighting individual responsibility for compassion, justice, and solidarity. Here, human flourishing is viewed as a dynamic, trust-based process that harmonizes personal autonomy with communal accountability.
© 2025 Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin/Boston
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