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Jan H.A. Lokin/Roos Meijering, Anatolius and the Excerpta Vaticana et Laurentiana

  • J. Michael Rainer
Veröffentlicht/Copyright: 7. Februar 2008
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Abstract

Die Reedition der von den Verfassern nunmehr Excerpta Vaticana et Laurentiana genannt wird, findet ihre Begründung darin, dass der Erstherausgeber, der berühmt Rechtshistoriker Contardo Ferrini offenbar auf eine Kollationierung beider Codices verzichtet hat und im Übrigen, aus welchen Gründen auch immer, bei der Edition selbst nicht unwesentliche Versehen verschuldet hat. Der Codex Vaticanus Palatinus ist wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden, der Codex Laurentianus 80.6 in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Grundsätzlich sind die Verfasser der Meinung, die mit zahlreichen plausiblen Argumenten vorgetragen wird, dass der Schreiber des Codex Laurentianus 80.6, ein gewisser Stephanus of Medea, als Vorlage den heutigen Codex Vaticanus Gr. 19 vor sich liegen hatte, und als intelligenter Kopist verschiedene Emendationen vorgenommen hat. Eine große Mehrheit der Fragmente der Excerpta Vaticana et Laurentiana von 1–193 muss einem Juristen Anatolius zugeschrieben werden. Jene Person, die sie zusammengestellt hat, muss ein altes Manuskript mit der Summa Codicis des Anatolius verwendet haben. In dieser Summa waren die Termini technici immer noch in lateinischer Sprache verfasst. Zur Selektion der Texte führen die Verfasser an, dass überdurchschnittlich großes Interesse dem Strafrecht und dem Familienrecht gewidmet ist, während etwa Eigentumserwerb, Erbrecht und große Teile des Obligationenrechtes kaum Behandlung finden. Die Exzerpierung der Summa Codicis muss aus diesem Grunde von jemand vorgenommen worden sein, der eine besondere Affinität gerade zu diesen Bereichen des Rechtes hatte. Nach diesen grundsätzlichen und grundlegenden Ausführungen, die ich allesamt nicht nur begrüße, sondern voll mittragen möchte, widmen sich die Verfasser kurz aber prägnant der Person des Anatolius (24–30). Ein Anatolius wird zusammen mit sieben anderen Antecessores in der Constitutio Omne genannt, sowie in der Constitutio Tanta vom 16. Dezember 533 als einer der vier Professoren, denen die Kompilation der Digesten anvertraut worden war. Er bekleidete die Funktion eines Magister Officiorum und wurde aus diesem Grunde als Vir Illustris bezeichnet. Anatolius entstammte einer Juristenfamilie aus Beirut und lehrte dort selbst als Professor. Zachariae von Lingenthal (Griechische Bearbeitung des Codex 70) und Van der Waal (Comentar 111) hatten die Ansicht vertreten, dass es zwei Anatoli gegeben habe: Der eine Mitglied der justinianischen Kompilation, der andere der Autor des Codex-Kommentares. Dem gegenüber vertreten die Autoren die Ansicht, dass Anatolius ein einziger gewesen sei, der, nachdem er maßgeblich an der Kompilation in Konstantinopel mitgearbeitet hatte, etwa zwischen 530 und 533 als Lehrer nach Beirut zurückgekehrt sei, um dort an einer der prestigeträchtigsten Universitäten des Reiches die neue juristische Studienordnung durchzusetzen und ruhmreich zu begründen. Der Kommentar des Codex diente dazu, einen grundsätzlichen lateinischen Text griechischen Studenten zu verdeutlichen, und zwar ausgehend von einer reinen Übersetzung bis zu einem juristischen Kommentar. Die Autoren lösen die Quellenproblematik derart, dass sie davon ausgehen, dass Anatolius das Buch 4 seines Kommentares noch in Konstantinopel vollendet und mit dem 8. Buch des Kommentares in Beirut wieder begonnen hat. Die klare und deutliche Argumentationsweise der Autoren, unpolemisch aber doch tiefgreifend, sollte in Zukunft übernommen werden.

Published Online: 2008-02-07
Published in Print: 2004-10-01

© 2004 by K. G. Saur Verlag GmbH, München und Leipzig

Artikel in diesem Heft

  1. I. ABTEILUNG
  2. Die griechischen Orthographien aus Spätantike und Byzantinischer Zeit
  3. Zur Kirche auf einem Kupferstich von Gugas İnciciyan und zum Standort der Chalke-Kirche
  4. Joannes Geometres und das Metaphrasieren der Oden
  5. Further Remarks on the De Cerimoniis
  6. Paraleipomena zu Digenes Akrites G VII 171–178
  7. Elephant bone or elephant tusk? A simple method of distinguishing between the two in Byzantine art
  8. Eustathios von Thessalonike – ein „Fahrender Scholiast“?
  9. Zwei seltene Szenen aus der Kreuzauffindungslegende in Kreta
  10. Über Zitate und Anspielungen in der Alexias Anna Komnenes sowie Anklänge derselben in den späteren Geschichtsschreibern
  11. II. ABTEILUNG
  12. Catherine Brown Tkacz, The key to the Brescia casket: typology and the early Christian imagination
  13. Hugo Brandenburg/József Pál (eds.), Santo Stefano Rotondo in Roma: archeologia, storia dell'arte, restauro. Atti del convegno internazionale, Roma 10–13 ottobre 1996
  14. Beat Brenk, Die Christianisierung der spätrömischen Welt. Stadt, Land, Haus, Kirche und Kloster in frühchristlicher Zeit
  15. Giorgio Brugnoli/Marco Buonocore (eds.), Hermeneumata Vaticana (cod. Vat. lat. 6925)
  16. Daniel Caner, Wandering, begging monks. Spiritual authority and the promotion of monasticism in late antiquity
  17. Carmelo Giuseppe Conticello/Vassa Conticello (Hg.), La théologie byzantine et sa tradition, II (XIIIe-XIXe s.)
  18. Maria Antonietta Crippa/Mahmoud Zibawi, L'arte paleocristiana. Visione e spazio dalle origini a Bisanzio. Introduzione di Julien Ries
  19. Phlorentia Euangelatu-Notara, Хοϱηγοί - ϰτήτοϱες - δωϱητές σε σημειώματα ϰωδίϰων. Παλαιολóγειοι χϱóνοι
  20. Michael Fiedrowicz, Apologie im frühen Christentum. Die Kontroverse um den christlichen Wahrheitsanspruch in den ersten Jahrhunderten
  21. John Haldon, Byzantium. A history. Stroud, Tempus 2000. 192 p. With ills. John Haldon, Das byzantinische Reich. Geschichte und Kultur eines Jahrtausend
  22. Robert H. Jordan (ed.), The Synaxarion of the Monastery of the Theotokos Everghetis. September–February. Text and Translation
  23. Alexander Kazhdan in collaboration with Lee E. Sherry and Christine Angelidi, A History of Byzantine Literature (650–850)
  24. Torsten Krannich/Christoph Schubert/Claudia Sode, Die ikonoklastische Synode von Hiereia 754
  25. Jean-Claude Larchet, Saint Maxime le Confesseur (580–662)
  26. Jan H.A. Lokin/Roos Meijering, Anatolius and the Excerpta Vaticana et Laurentiana
  27. Ingunn Lunde, Verbal celebrations. Kirill of Turov's homiletic rhetoric and its Byzantine sources
  28. Klaus-Peter Matschke/Franz Tinnefeld, Die Gesellschaft des späten Byzanz. Gruppen, Strukturen, Lebensformen
  29. Aldo Messina, Le chiese rupestre del Val Demone e del Val di Mazara
  30. Anne Michel, Les églises d'époque byzantine et umayyade de Jordanie (Provinces d'Arabie et de Palestine), Ve–VIIIe siècle. Typologie architecturale et aménagements liturgiques. Avec catalogue des monuments
  31. Charlambos Mpuras/Laskarina Mpura, Ἡ ἑλλαδιϰή ναοδομία ϰατὰ τòν 12ο αἰώνα. Athen, Ἐμποϱιϰὴ Τϱάπεζα τῆς Ἑλλάδος 2002
  32. Francesca Niutta (ed.), Manuele Crisolora, Le due Rome. Confronto tra Roma e Costantinopoli. Con la traduzione latina di Francesco Aleardi
  33. Geoffrey S. Nathan, The family in late antiquity. The rise of Christianity and the endurance of tradition
  34. Arietta Papaconstantinou, Le culte des saints en Égypte des Byzantins aux Abbassides. L'apport des inscriptions et des papyrus grecs et coptes
  35. Tonio S. Richter, Rechtssemantik und forensische Rhetorik. Untersuchungen zu Wortschatz, Stil und Grammatik der Sprache koptischer Rechtsurkunden
  36. Antonio Rigo, La „Cronaca delle Meteore“. La storia dei monasteri della Tessaglia tra XIII e XVI secolo
  37. Ioannis Spatharakis, Dated Byzantine wall paintings of Crete
  38. Paul Speck, Kaiser Leon III. Die Geschichtswerke des Nikephoros und des Theophanes und der liber pontificalis
  39. Tassilo Schmitt, Die Bekehrung des Synesios von Kyrene. Politik und Philosophie, Hof und Provinz als Handlungsräume eines Aristokraten bis zu seiner Wahl zum Metropoliten von Ptolemaïs
  40. CH.P. SYMEONIDES, H ελληνιϰή γλωσσιϰή επίδϱαση στο σύστημα ϰυϱίων ονομάτων της Παλαιοσλαβιϰής ϰαι ιδιαίτεϱα της Вουλγαϱιϰής
  41. Nicole Thierry, La Cappadoce de l'antiquité au moyen âge
  42. Ioannis Scylitzae Synopsis Historiarum. Кώδιϰας Vitr. 26–2 της Έθνιϰης Вιβλιοθήϰης της Мαδϱίτης (Πανομοιότυπη εϰδοση). Codex Matritensis graecus Vitr. 26–2 (Facsimile edition). Еπιστημονιϰη επμέλεια Άγαμέμνων Тσελίϰας/Scientific consultant Agamemnon Tselikas. Athen, Мίλητος 2000. Facsimile-Band der Handschrift mit begleitendem Beiband (254 S. ) – Vasiliki Tsamakda, The illustrated chronicle of Ioannes Skylitzes in Madrid
  43. Friedhelm Winkelmann, Der monenergetisch-monotheletische Streit
  44. III. ABTEILUNG
  45. Bibliographische Notizen und Mitteilungen
  46. Totentafel, Mitteilungen
  47. Nachrufe
Heruntergeladen am 5.2.2026 von https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/BYZS.2004.219/html
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