Exzerpte, Notizen, Marginalien
Jens Grandt in: Neue Zürcher Zeitung, 15. Mai 2008, S.26
Rezensionen
der Band enthält Exzerpte und Notizen aus den Jahren 1845 bis 1850, einer zentralen Phase des Wirkens von Marx und Engels. Den inhaltlichen Schwerpunkt bildet die Fortsetzung der Manchester-Hefte von Marx. Entstanden auf einer sechswöchigen Bildungsreise mit Engels im Sommer 1845 in den Bibliotheken Manchesters, dokumentieren die Exzerpthefte Marx’ erste Rezeption der in Großbritannien bereits etablierten kritischen Ökonomie. Die umfangreichen Auszüge aus den Werken von John Francis Bray und Robert Owen bieten neue Materialien zu den Ursprüngen der „Kritik der politischen Ökonomie“, insbesondere auch zur Mehrwerttheorie. Darüber hinaus enthält der Band mit der sogenannten Daniels-Liste die erste systematische Verzeichnung der Marx’schen Bibliothek bis 1850. Von Engels finden sich unter anderem militärische Notizen aus der Reichsverfassungskampagne.
Die Apparate folgen in diesem Band den jeweiligen Heften.
Der Band enthält die Exzerpte und Notizen, die Marx und Engels von September 1851 bis August 1852 anfertigten; größtenteils handelt es sich um Erstveröffentlichungen. Die Publikation der 24 „Londoner Hefte 1850–1853", die in MEGA IV/7–9 begonnen worden ist, wird hier mit den Heften XV–XVIII fortgesetzt. Diese enthalten umfangreiche Exzerpte von Marx zur Technologie, zur politischen Ökonomie, zur Geschichte des Mittelalters sowie zur Sprache, Kultur und vor allem Literaturgeschichte in Südeuropa, Frankreich, England und Deutschland. Die Notizen von Engels umfassen ein Konspekt mit kritischen Anmerkungen zu einem Werk von Proudhon, ferner Notizen, die im Zuge seiner Studien der russischen Sprache und Literatur entstanden sind, und ein Exzerpt aus einer französischsprachigen Zeitschrift zum ungarischen Unabhängigkeitskrieg 1848/1849. Im Anhang werden eine von Engels stammende Vertragsabschrift aus dem Mai 1852 sowie biographische Notizen zu Emigranten geboten, die Marx brieflich mitgeteilt worden sind und eine Bemerkung von ihm aufweisen; außerdem werden von Marx geschriebene Auszüge aus einem nicht überlieferten Brief an ihn geboten, in denen es um Aufstandspläne in italienisch-ungarischen Emigrationskreisen geht.
Der Band enthält die drei bislang unveröffentlichten "Krisenhefte" von Marx mit Exzerpten, Zeitungsausschnitten und Notizen, die 1857/1858 während der ersten Weltwirtschaftskrise entstanden sind. Die Materialsammlung dokumentiert Marx’ empirische Untersuchung dieser Krise, die er mit der Zusammenstellung und Systematisierung von Artikeln, Angaben und Kommentaren aus führenden Zeitungen wie "The Times", "The Morning Star", "The Standard", "The Manchester Guardian" und "The Economist" durchführte. In den Auszügen werden Wirtschafts- und Finanzfragen in den europäischen Ländern sowie den USA, China, Indien, Ägypten, Australien und Brasilien behandelt, der Finanz- und Warenmarkt untersucht, sowie Daten zu Konkursen, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Lohnentwicklung und Arbeitskämpfen festgehalten. Die Krisenhefte stehen in engem Zusammenhang mit Marx’ "Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie", seinen Artikeln für die "New-York Tribune" und Debatten mit Engels, in denen allesamt die Krise 1857/58 analysiert wird.
In Band IV/18 werden fünf Notizbücher sowie fünf Exzerpthefte von Marx zur Landwirtschaft, Agrikulturchemie, Agrarverfassung und Grundrententheorie aus dem Zeitraum 1864-1868 in einem Umfang von rund 1400 Druckseiten erstmals publiziert.
Marx’ Studium der Bodenertragsdebatte beginnt mit einer erneuten Lektüre der Werke Justus von Liebigs und führt ihn zu einer Rezeption auch der Liebig-Kritiker, insbes. des Agrikulturphysikers Carl Fraas. Im Zentrum des Bandes stehen somit "ökologische" Fragen nach Bodenerschöpfung, Klimawandel und den Grenzen natürlicher Ressourcen, die Marx in den Zusammenhang einer zunehmend kapitalistisch betriebenen Landwirtschaft rückt. Die Exzerpte bieten neue Quellen für die Diskussion, ob Marx durch seine vertiefte Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften eine Flucht vor dem "Kapital" eingeleitet oder vielmehr seine Kritik der politischen Ökonomie um eine ökologische Perspektive erweitert hat.
Außerdem bezeugen die Hefte Marx’ anhaltendes Interesse an Fragen des fixen Kapitals sowie des Geld- und Kreditwesens, deren neueste Theoretiker Marx in Vorbereitung seiner Weiterarbeit am "Kapital" exzerpiert.